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Full text of "Der Feldzug von 1800 in Deutschland"

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B67-5723 ' 



Der 



Feldzug von 1800 in Deutschland, 



Mit besonderer Bezugnahme auf den Anteil der bayerisclien 
Truppen bearbeitet 



Heilniann, 

QeneraUieutenant z. D. 



<X>- 



LEIPZIG. 

Verlag von Arwed Strauch. 



){iy-^Ht 



(Separatabdrucli<^' aus dem 54. und 55. Bande der „Jahrbücher für 
die deutsche Armee und Marine".) 




Inhalt. 



Seite 

Einleitung 1 

1. Subsidien-Division unter Generallieutenant von Zweibrücken ... 3 

2. Die KontingentsrBrigade unter Generalmajor von Bartels .... 75 

3. Die Detachements am Lech 82 

4. Das Landesverteidigungs-Corps (auch Reserve- und Auxiliar-Corps 

genannt) unter Herzog Wilhelm in Bayern 92 

Beilagen: 

1. Marschtableau der Subsidien-Division aus dem Österreichischen in 

die Oberpfalz (30. December 1800 bis 15. Januar 1801) .... 130 

2. Dislokation der bayerischen Armee im Februar uud März 1801 . . 132 



Einleitung. 



Der Kurfürst von Bayern hatte sich Russland gegenüber durch 
den Vertrag von Gatschina verbindlich gemacht, 20,000 Mann zur 
Armee der Verbündeten stofseu zu lassen. Nun hatte diese Grofs- 
macht allerdings ihre eigenen Truppen zurückberufen, sich aber von 
der Koalition noch nicht losgesagt; es galt also das gegebene Wort 
zu lösen, wozu jedoch die nötigen Mittel schlechterdings fehlten. 
Das gesamte Ministerium war darin einstimmig, dafs dieselben aus 
den eigenen Hülfsquellen des Landes nicht zu entnehmen seien und 
sich weder durch Anlehen noch Steuern auftreiben liefsen, welch 
letztere zudem die Einwilligung der Stände erfordert hätten, die 'der 
Sache der Alliirten nicht besonders günstig gestimmt waren. So 
bildete sich denn die übereinstimmende Ansicht, dafs England allein 
hier dem Geldmangel abzuhelfen vermöge. Die Regierung dieses 
Landes war damals viel zu sehr bestrebt, Alles zu fördern, was den 
von ihr gegen Frankreich geplanten Angriff unterstützen konnte, 
um nicht auf die desfalls gemachten Eröffnungen einzugehen. Herr 
Wickham kam nach München, wo mit ihm unterhandelt und am 
16. März 1800 ein Subsidien-Traktat abgeschlossen wurde, vermöge 
dessen Bayern ein Corps von 12,000 Mann zur Verfügung des 
Königs von England stellte und dagegen alle pekuniären Vorteile 
anzusprechen hatte, welche dem Landgrafen von Hessen-Kassel im 
Vertrag vom 30. März 1793, der dem gegenwärtigen zur Grundlage 
diente, zugesichert worden waren. Diese ganze Unterhandlung stiefs 
allerdings im Ministerrate auf grofsen Widerstand. Montgelas erhielt 

1 



— 2 — 

nun den bestimmten Befehl des Kurfürsten, in dieser Angelegenheit 
vorzugehen, aber nur noch ihm allein darüber Bericht zu erstatten, 
und so kam der Vertrag zu Stande, welcher ohne diesen festen 
Entschlufs wahrscheinlich nicht hätte abgeschlossen werden können. 
Derselbe erfuhr in damaliger Zeit allerdings manchen scharfen Tadel. 
Abgesehen von den gebräuchlichen Redensarten über Menschen- 
verkauf,*) wollte man alle später eingetretenen Übelstände ihm zur 
Last legen; es wurde behauptet, dafs die Neutralität allein sich für 
Bayern schicke und ein Minister, der sich von derselben entferne, 
strafwürdig sei. Es war nun einmal unerläfslich, die Verpflichtungen 
zu erfüllen, welche zweifellos bestanden, wenn man sie auch nicht 
ganz freiwillig eingegangen war, sowie eine Armee zu schaffen, um 
'sich Ansehen nach Aufsen zu sichern. Vor dieser schwerwiegenden 
Thatsache mufsten alle Rücksichten untergeordneter Art zurück- 
stehen. Sofort wurden denn auch alle nötigen Mafsregeln ergriffen, 
um das zum Ausmarsch bestimmte Corps bereit zu stellen. In 
Bayern wurden unter Mitwirkung des engeren und weiteren (Land- 
fahnen) Ausschusses 10,000 Mann ausgehoben, desgleichen fanden in 
der ünterpfalz Aushebungen statt, und im Frühjahr 1800 konnte 
ein Corps von 12,000 Mann bei Heidelberg und Donauwörth durch 
englische Kommissäre gemustert werden. Das Kommando über das- 
selbe erhielt der Generallieutenant von Zweibrücken. Aus den Depots, 
den überzähligen Rekruten, ausgedienten und noch unverheirateten 
Soldaten, dann Freiwilligen wurde eine Art Reserve unter dem 
Namen: »Auxiliar-Corps« gebildet; es zählte 14,000 Mann, und die 
hierauf erwachsenen Kosten hatte anfänglich Bayern allein zu tragen. 
Den Oberbefehl über das »Auxiliar-Corps« führte Herzog Wilhelm 
in Bayern, der um Verwendung nachgesucht hatte. Die Formation 
geschah in München. 



*) Die sich vielfach kundgebende Unzufriedenheit hatte ihre historische Be- 
gründung. Denn es war noch wohl bekannt, wie die Kurfürsten Karl Albrecht 
und Maximilian III. Joseph ihre Truppen zu fremden Zwecken an Österreich und 
Holland verkauften, und zwar im ersteren Falle das Stück um den Spottpreis von 
36 Gulden und im andern Falle gar nur um 25 Gulden. Wenige von diesen 
Unglücklichen sahen die heimatlichen Gefilde wieder. 



3 — 



1. Subsidien-Division unter Generallieutenant v. Zwei- 
brücken. *) 

Der am 16. März 1800 geschlossene Sabsidien- Vertrag enthielt 
folgende Punkte: 

Der Kurfürst von Bayern stellt ein Corps von 12,000 Mann, Infanterie und 
Kavallerie, zur Verfügung des Königs von Grofsbritanien. Die Kavallerie soU den 
elften Teil des ganzen Corps nicht überschreiten. Das Corps wird in Europa da 
verwendet, wo es der König von Grofsbritanien für nötig erachtet und zwar auf 
ein Jahr vom Tage der Musterung durch einen königlichen Kommissär. Das 
ganze Corps, sowie der General, welchem von seite des Kurfürsten das Kommando 
über dasfelbe übertragen werden wird, stehen unter den Befehlen jenes Generals 
en chef der alliierten Armee, den der König von Grofsbritanien bezeichnen wird. 
Immerhin bleiben die bayerischen Truppen unter den unmittelbaren Befehlen ihrer 
eigenen Offiziere und ihres bayerischen Generals; sie werden stets im Ganzen 
verwendet, ohne jemals verteilt zu werden, aufser wenn es der Kriegszweck absolut 
verlangt. An Artillerie zwei Geschütze per Bataillon mit der erforderlichen 
Munition. Die erste Hälfte wird zu Donauwörth oder Augsburg oder in einer 
andern Stadt Schwabens am 1. April durch einen königlichen Kommissär und die 
zweite Hälfte am 25. April gleichfalls an einem der angegebenen Orte gemustert 
werden. Für jeden Kavalleristen werden 80 Bankthaler (ecus de banque), für 
jeden Infanteristen 30 Bankthaler bezahlt, den Thaler zu 4 Schilling gerechnet. 
Die eine Hälfte des Geldes wird an dem Tage bezahlt, an welchem die 1. Brigade 
von dem Kommissär gemustert wird, die andere Hälfte an jenem Tage, an welchem 
die 2. Brigade die Revue passiert haben wird. Der Kurfürst verpflichtet sich, das 
Corps stets komplet zu halten. Dem königlichen Kommissär steht es frei, einzelne 
Teile des Corps oder das ganze Corps Eevue passieren zu lassen , doch soll das 
Corps nicht öfter als alle zwei Monate gemustert werden. Der König garantiert 
Bayern seinen Besitzstand, wie solcher vor dem Kriege bestanden. Das durch 
gegenwärtigen Vertrag festgesetzte Corps kann auf 20,000 Mann verstärkt 
werden. 

Die dem Vertrag angehängten geheimen Artikel enthielten 
folgende Punkte: 

Obgleich sich der König von Grofsbritanien durch diesen Vertrag das Eecht 
vorbehalten hat, das bayerische Corps da zu verwenden, wo es ihm gutdünkt, so 
will der König als Beweis seiner freundschaftlichen Gesinnungen für den Kur- 
fürsten, insofern es die Umstände gestatten doch zugeben, dafs das Corps zunächst 
dazu dienen solle, die pfalzbayerischen Staaten zu schützen oder au der nächsten 
französischen Grenze verwendet zu werden. Niemals aber soUe es in Italien oder 
in den Niederlanden jenseits der Maas verwendet oder einbarkirt werden. Der 
Kurfürst wird zum Chef seines Corps eine Persönlichkeit bestimmen, die dem 
Könige genehm ist. Währejid des gegenwärtigen Vertrags übernimmt der Kurfürst 



*) Kriegsarchiv 1800 I a b II a., 1800 I— VI, 1800 III, III— VHI, VH— 
Xn, X— XII, 1801 I. 



— 4 — 

die Verpflichtung, sich in keinerlei "Unterhandlungen mit Prankreich einzulassen ; 
im Falle der Aufserachtlassung dieses Versprechens wird der Vertrag null und 
nichtig erklärt. Dagegen soll Bayern von Allem verständigt werden, was sich 
hierwegen ergiebt.*) 

In einer Partikular-Konvention, München den 19. März, wurde 
noch folgendes festgesetzt: 

Gagen, Löhnungen und Gebühren für 12,000 Mann werden von Monat zu 
Monat „immer in avance bezahlt." Naturalien, als Fourage, Brod, Fleisch, Holz 
und Stroh werden in natura an die Truppen verabreicht. Jeder Mann erhält an 
Fleisch ein halbes Pfund' und an Brot ein und ein halbes Pfund bayerisches 
Gewicht; die schwere Pferderation besteht in zwölf Pfund Hafer und zehn Pfund 
Heu und die leichte in zehn Pfund Hafer und sechs Pfund Heu nürnberger 
Gewicht. Die englischen Lieferanten sind verpflichtet, die Naturalien an jene 
Orte verbringen zu lassen, die ihnen von seite der Division bezeichnet werden. 
Der Division werden monatlich 48,000 Gulden zur Bestreitung kleinerer Ausgaben, 
wie Eeparaturen der Monturen, Gewehre und des Lederwerks, Unterhalt der Zelte 
— die damals zum Heergeräte gehörten — , Bezahlung von Frachten und Porto, 
Anschaffung von Schreibmaterialien, Unterhalt der Musik-Instrumente etc. verab- 
reicht. Alle gemachten Eroberungen gehören dem König von Grofsbritanien, mit Aus- 
nahme der eroberten Ehrenzeichen, welche den Bayern verbleiben; die übrigen 
Gegenstände werden in englische Magazine abgeliefert; Pferde gehören dem, der 
sie erbeutet. Für zwei Weiber per Compagnie passieren jeder eine tägliche 
Fleischportion in natura. Alle Verluste vor dem Feinde werden ersetzt. Ver- 
brauchte Munition wird um den Kostenpreis vergütet.**) — 

Die französische Rheinarmee zählte 110,000 Mann in 4 grofsen 
Abteilungen. Der rechte Flügel unter Lecourbe an der Ost- und 
Nordgrenze der Schweiz, die Reserve unter Moreau in der Umgegend 
von Basel, das Centrum unter Gouviou St. Cyr zwischen Breisach 
und Strafsburg; der linke Flügel unter Sainte Suzanne dehnte sich 
bis Landau aus. Der Oberbefehl über die Rheiuarmee lag wiederum 
in den Händen des General Moreau. Er war 37 Jahre alt und 
hatte sich im Jahre 1796 an der Spitze der Rhein- und Moselarmee 
durch seinen Rückzug Donauaufwärts und durch die Schwarzwald- 
pässe an den Rhein berühmt gemacht. Bei Cassano wurde er von 
Suworoff geschlagen. In dem Feldzuge von 1800 erfocht er jene 
Reihe von Siegen, die ihr Ziel vor den Mauern Wiens fand. Trefflich 
unterstützt wurde er von den Generalen Dessolles und Lahorie, die 
in der Schule Bonaparte's erzogen worden waren. Die Berichte 
Dessolles's, seines Generalstabschefs, über die Thätigkeit der Rhein- 
armee im Jahre 1800 gelten als Muster einer klaren und auschau- 
lichen Darstellung. Der »Chef des Generalstabs des Centrums der 



*) Martens, Eecueil Suppl. 2, 256, 261 (2. Ausgabe 6, 707 und 713) 
verglichen mit den im geheimen Staatsarchiv befindlichen Originalien. 
**) Kriegsarchiv 1800 VII -IX. 



- 5 — 

Armee«, Lahorie, war Moreau's Vertrauter; ohne ihn wurde nichts 
unternommen. Der Sous-Chef, General Fririon, und die Adjutanten 
Lamarque, Lemarois und Claparede waren wertvolle Organe der 
Befehlsgebung. Kurz, der Stab Moreau's war zusammengesetzt, wie 
man ihn nicht besser wünschen kann. An der Spitze der Truppen 
standen Generale, in denen sich das Feuer der Jugend mit einem 
lebendigen Unternehmungsgeist und einer eisernen Beharrlichkeit 
verband. Die Anführer wirkten auf die Offiziere der unteren Grade, 
die Offiziere auf die Bildung der Soldaten zurück, und so entstand 
endlich ein Ganzes, das den berühmtesten Heeren der alten und 
neuen Zeit in jeder Rücksicht gleich geachtet werden konnte, und 
in Verschiedenem sie alle übertraf. Wird dann noch auf die Kampf- 
weise hingewiesen, welche die Franzosen angenommen, so war es 
kein Wunder, wenn sie der geistlosen Form Siege abrangen, welche 
die Welt in Erstaunen versetzte. Diese Kampfweise hat Carnot in 
seinem Bericht an den Wolfahrtsausschufs wie folgt charakterisiert, 
wenn er u. a. sagt: »Der Krieg mufs in Masse geführt werden, d.h. 
wir müssen auf allen Angriffspunkten die gröstmöglichste Menge 
Mannschaften und Artillerie aufstellen; wir müssen aber den Krieg 
stets angriffsweise führen. Den Generalen ist als die heiligste Pflicht 
vorzuschreiben, stets an der Spitze der Kolonnen zu fechten, um den 
Soldaten ein Vorbild von Mut und Hingebung zu sein; diese ge- 
wöhne man, niemals die Zahl der Feinde zu berechnen, sondern sie 
mit dem Bajonnet lebhaft anzugreifen, ohne sich lange bei dem 
Schiefsen und Manövrieren aufzuhalten. Denn unsere Soldaten, wie 
sie gegenwärtig sind, (1793), sind darauf nicht genug exerziert, ja 
sie sind nicht im mindesten darauf vorbereitet. Diese Art Krieg zu 
führen, ist ganz dem Charakter, der Gewandtheit und Lebhaftigkeit 
des französischen Volkes angemessen und mufs uns den Sieg ver- 
schaffen, schon weil sie die fremden Heere durch ihre Neuheit aus 
der Fassung bringen wird.« 

Die österreichische Armee lag in der Gegend um Villingen und 
Donaueschingen, das Reserve-Corps in der von Stockach, und hatte 
nachstehende Avantgarden in das Rheinthal vorgeschoben. Die 
Avantgarde des Feldmarschall-Lieutenant Kienmayer in der Gegend 
von Kehl, vor den Defileen des Kinzig- und Renchthales; 

die Avantgarde des Generalmajor Giulay in der Gegend von 
Freiburg, Alt-Breisach, vor den Defileen des Höllenthales ; 

die Avantgarde des Generalmajor Erzherzog Ferdinand in der 
Gegend der vier Waldstädte und von Basel; 

die Avantgarde des Generalmajor Prinzen Joseph von Loth- 



— 6 — 

ringen, an den Ufern des Rheins, zwischen dem Radolfzeller See und 
Schaffhausen. 

Diese Avantgarden beobachteten den Rhein und standen unter- 
einander sowie mit dem Corps des Feldzeugmeisters Sztaray in Ver- 
bindung, das in der Gegend von Heidelberg und Bruchsal lag; bei 
diesem Corps befand sich die bayerische Kontingentsbrigade unter 
Generalmajor Bartels.*) Sztaray, die Ufer des Rheins bis in die 
Gegend von Rastatt beobachtend, unterhielt mit dem maiuzischen 
Kanzler Albini, der am Main stand, Verbindung. Zur Deckung von 
Vorarlberg und Tirol war Prinz Reufs mit 25,000 Mann bei Feld- 
kirch. In den Festungen Ulm, Philippsburg und Ingolstadt und auf 
der Veste Marienberg bei Würzburg befanden sich nur 7500 Mann. 
Eine gut ausgerüstete Flottille unter William auf dem Bodensee. 
Die Gesamtstärke wird zu 143,250 Mann angegeben, wovon auf die 
Reichs- und Subsidientruppen etwa 34,000 Mann treffen. Unter den 
letzteren befanden sich die bayerische Subsidieti- Division und die 
Koutiugentsbrigade , 15 V2ß^taillone und 6 Sch\\adronen; ferner 
Mainz 6 Bataillone und 3 Schwadronen; Württemberg 7 Bataillone 
und 3 Schwadronen; Schwaben 3 Bataillone; Köln und Braunfels 
1 Bataillon; Franken 4 Bataillone und 2 Schwadronen; Trier 1 Ba- 
taillon; Würzburg 2 Bataillone und 3 Schwadronen (würzburgische 
und bambergische Dragoner): Salzburg 1 Bataillon und 5 Bataillone 
Schweizer. 

Nachdem es einer Partei von Intriganten, welche den Einflufs 
und das Genie des Erzherzogs Karl fürchteten, gelungen war, diesen 
beim Kaiser zu verdächtigen und vom Kommando zu entfernen, 
erhielt der fünfundsechzigjährige Feldzeugmeister Kray den Ober- 
befehl. »Man schien es darauf abgesehen zu haben, den Franzosen 
die Arbeit zu erleichtern, indem vor Beginn des Feldzugs Erzherzog 
Karl vom Oberkommando abberufen wurde.« Auf ihn erschien, 
sagt ein Zeitgenosse**) der Feldzeugmeister Kray, wie der um wölbte 
Mond auf das helle Sonnenlicht. Kray hatte sich zwar in dem 
Feldzug von 1799 als sehr tüchtig erprobt. Er hatte den franzö- 
sischen General Scherer bei Verona, Leguago und Maguano ge- 
schlagen und Mantua genommen, ferner zu den Erfolgen bei Novi 
und Fossano wesentlich beigetragen. Aber seine Kriegführung vom 
Jahre 1800 war vom Glück gar nicht begünstigt, — und Scherer 
war leichter zu schlagen als Moreau. »Le terrible Kray, le fils 

*) Siehe weiter unten: „Die Kontingentsbrigade unter Generalmajor v. Bartels." 
**) Über den Feldzug im Sommer und Winter des Jahres 1800. Von einem 
Offizier der alliierten Truppen im Laufe des Feldzuges verfafst. 1801, 12, 13. 



cheri de la victoire«, wie ihn die Franzosen im Jahre 1799 nannten, 
war im Jahre 1800 nicht mehr zu erkennen. Aus dem kühnen 
Manne war ein Zauderer geworden! Seine Gehilfen, die Generale 
Schmidt und Chasteler und der Oberst Weyrother, scheinen ihrer 
Aufgabe nicht gewachsen gewesen zu sein. Namentlich soll Oberst 
Weyrother einen zu weit gehenden Einflufs geäufsert haben, der 
nicht von Vorteil war. Er wird geschildert als ein leichtsinniger 
intriganter Mann, der, wenn auch nicht ungeschickt, doch erst 
nach den Schlachten von Hohenlinden und Austerlitz, viel zu spät 
für Österreich, starb. 

Die bayerische Subsidien-Division bestand aus: 
8 Bataillonen Infanterie, 2 Bataillonen Grenadiere, welche aus 
den vorhandenen Grenadier - Compagnien der Bataillone gebildet 
wurden,*) 2 Bataillonen Füsiliere oder Feldjäger, zusammen 12 Ba- 
taillone, jedes zu 4 Compagnien mit je 200 Mann, machte mit In- 
begriff der Offiziere und des Stabes 9670 Mann 
2 Compagnien Scharfschützen 452 



Summa 


der Infanterie 


10,122 Mann 


Einem Kavallerie-Regiment zu 6 Schwadronen mit Stab 


1017 Mann 


Artillerie-Stab 


6 Mann 




Stückknechte 


72 » 




3 Compagnien mit Offizieren 


285 » 




1 Batterie reitende Artillerie 


106 » 




Reserve- Artillerie 


40 » 




Summa der Artillerie 


509 Mann 


509 » 


Generalstab der Armee 


35 » 




Profosenamt 


22 » 




Knechte oder Fourierschützen 


288 » 






345 Mann 


345 » 


Summa der Streitbaren 


11,993 Mann 



*) Aus den Grenadiercompagnien der Bataillone wurden, nachdem durch 
die Fomation von 1799 die Grenadierregimenter als solche aufgelöst worden waren, 
im Lager bei Donauwörth (wo sich die Brigade Deroy sammelte) ein bayerisches 
unter Oberstlieutenant Graf Eeufs und in Heidelberg (wo sich die Brigade Wrede sam- 
melte) ein pfälz i seh es unter Oberstlieutenant Siebein formirt, zu welchen so weit als 
nöthig die ältesten Offiziere eines jeden Dienstgrades versetzt wurden. Diese Gre- 
nadiere erhielten, nachdem schon 1799 die Einführung der so beliebten blauen 
Monturen wieder verfügt war, diese Uniform vor allen übrigen Infanterietruppen 
und zur besonderen Auszeichnung auf den Hüten einen rothen Federbusch. Die 
Bestimmung der Grenadiere war für den Feld- und Vorpostendienst und genossen sie, 
obwohl im Felde eine ununterbrochene Thätigkeit von ihnen gefordert wurde, doch 



Geschütze: 2 Sechspfünder oder Haubitzen per Bataillon, macht 
für 12 Bataillone 24 Geschütze: 

18 Sechspfünder Kanonen und 6 Haubitzen; 
Reitende Batterie:*) 6 Kanonen und 2 Haubitzen, 

zusammen: 24 Kanonen und 8 Haubitzen. 
Pferde: Kavalleriepferde mit Offizierspferden 1190 Pferde, 
Fuhrwesen der Artillerie 
Pferde der Infanterie 
Pferde des Profosenamtes 
Pferde der Lazarette 
Pferde des Generalstabs der Armee 
Summa der Pferde: 

Ordre de bataille 

der Subsidieu-Division. 

Commandeur: Geuerallieutenant Freiherr vouZweibrücken. 

Generalstabsoffiziere: Oberst von Triva**), Generalquartier- 
meister; Major von Seiboltsdor£P und Major v. Ribaupierre, General- 
quartiermeisterlieuteuants. 



1489 


» 


517 


» 


20 


» 


15 


» 


165 


» 


3396 


Pferde, 



Vortheile mancher Art vor der übrigen Infanterie, welche meist in Lagern oder 
Bivouaks leben musste, während die Grenadiere häufig in Dörfer gelegt wurden, 
und hier auch im Punkte der Verpflegung oft besser daran waren. Schintling 
V. Tagebuch 1787 — 1824, Auszugsweise Bearbeitung, Seite 94, 95. 

*) Die reitende Batterie war i. J. 1799 errichtet worden. Man ver- 
schrieb sich den Lieutenant v. Schweinichen aus Preufsen, welcher am 8. August 
1799 als Hauptmann der Artillerie angestellt wurde, um sich dem Geschäfte zu 
unterziehen, eine reitende Batterie einzuführen. (König Friedrich der Grofse hatte 
sie im J. 1759 errichtet und nachdem sie bei Kunersdorf verloren gegangen, so- 
gleich wieder herstellen lassen. General Finck verlor sie zum zweitenmal bei Maxen, 
indefs der König wurde nicht müde, sie zum drittenmal neu zu errichten). Modelle 
und Mustergeschirre kamen aus Berlin, sechzehn Kaliber lange Sechspfünder. 
Am 30. August wurde mit den Vorbereitungen begonnen — 12 Mann abgerichtet, 
2 Kanonen gegossen, affutirt u. s. w., Alles nach preufsischem Muster eingerichtet.» 
Bei Hohenlinden fiel sie in französische Hände, wurde hierauf wieder errichtet 
und — nachdem sie bald dem Artillerieregiment einverleibt, bald selbständig 
gemacht worden war, am 14. März 1804 aufgelöst. Sie erlag dem Neid 
und der Eifersucht der übrigen Artilleristen. Hofkriegsrathsakten Akt. No. 124. 
Bei der Auflösung befanden sich bei der Batterie: 1 Major (Schweinichen), 1 Ca- 
pitain (Tausch), 1 Oberlieutenant (Caspers), 2 Uuterlieutenants (Willenfels und 
Kohr). 

**) Kurze Zeit war dem Oberst Triva das Kommando über die 2. Brigade 
übertragen (16. März 1800) und Oberst v. Wrede zu einer „anderen Verwendung" 
in Aussicht genommen worden. Triva übergab infolge dessen sein Kommando in 
Philippsburg an den Oberstlieutenant Eanson. Am 19. März meldet Triva die 
Uebernahme der Brigade. Dieser Befehl wurde anuUirt, denn am 30. März wurde 



1. Brigade: Generalmajor von Deroy. 
Grenadierbataillon Reufs 
Feldjägerbataillon Metzen (15. Inf.-Regt.) 
Bataillon Minucci (2. Inf.-Regt.) 
Bataillon Zedtwitz (7. Inf.-Regt.) 
Bataillon Spreti (6. Inf.-Regt.) 
Bataillon Schlofsberg (11. Inf.-Regt; 1806 au Berg 

abgegeben) 



Bat. 2 Gesch. 
»2 » 
» 2 » 
» 2 » 



1 



2. Brigade: Oberst von Wrede. 

Grenadierbataillon Siebein 1 Bat. 

Feldjägerbat. Clolsmann (15. Inf.-Regt.) 1 . » 

Bataillon Dallwigk (9. Inf.-Regt.) 1 » 

Bataillon Buseck (3. Inf.-Regt.) 1 » 

Bataillon Pompei (10. Inf.-Regt.) 1 » 

Bataillon Zoller (3. Inf.-Regt.)*) 1 » 
2 Compagnien Scharfschützen**) 2 Comp. 



6 Bat.l2 Gesch. 



Gesch. 



6 Bat. 2 Comp. 12 Gesch. 

Wrede, „zum Brigadier der rheinpfälzischen Brigade der Subsidientruppen" und 
Oberst Triva am gleichen Tage zum „ General quartierraeister" ernannt. Am 
2. April 1800 übernahm Oberst Wrede das Brigade-Kommando. 

*) Nach einer Kabinetsordre vom 30. März 1800: 
das 1. Grenadierbataillon kommandiert Oberstlieutenant Siebein, 
„ 2. „ „ Oberstlieutenant Graf Keufs , 

.. ehemalige Bataillon Siebein kommandiert Major v. Dallwigk, 
Wrede „ Major v. Zoller, 

Junker „ Major Graf Pompei, 

„ Buseck „ Oberstlieutenant v. Buseck, 

„ Feldjägerbataillon Schwiegeid „ Oberstlieutenant v. Clofsmann, 

„ ehemalige Bataillon Kurprinz „ Oberstlieutenant Graf Minucci, 

„ Morawitzky „ Major Graf Zedtwitz, 

„ „ „ Herzog Wilhelm kommandiert Major Graf Spreti, 

„ „ „ Dallwigk kommandiert Major v. Schlofsberg, 

„ kombinierte Feldjägerbataillon „ Major v. Metzen. 

Am 31. März 1800 wurde befohlen, dafs die ins Feld gestellten Bataillone 
den Namen ihrer Commandeure zu führen haben. 
Einige Bataillone wechselten ihre Commandeure: 

Als Oberstlieutenaut Siebein zum Obersten befördert wurde, erhielt Oberst- 
lieutenant Graf Pompei sein Bataillon (26. Mai); 

Major Dallwigk erhielt das Bataillon Pompei und Major Lamotte das Ba- 
taillon Dallwigk (1. September); 

das Feldjägerbataillon Clofsmann erhielt Major Graf Preysing (20. Juli); 
das Bataillon Zedtwitz erhielt, nachdem Oberstlieutenant Graf Zedtwitz bei 
Neuburg gefallen war, der Major v. Stengel (am 20. August). 

**) Am 11. März 1800 wird Hauptmann v Kesling „zum kommandierenden 
Major" dieser beiden Compagnien ernannt. 



— 10 — 

Kombiniertes Chevaulegers-Regiment: Oberst v. Dorth, 
6 Schwadronen.*) 

Artillerie-Abteilung: Major Tischleder. 



Fuisbatterie Lamey 


6 Geschütze, 


» Deyrer 


6 » 


» Halder 


6 » 


» Steiner 


6 


Reitende Batterie Schweinichen 


8 



Summa: 32 Geschütze. 

Die Subsidien-Division war somit stark: 12 Bataillone, 2 Com- 
pagnieu, 6 Schwadronen, 4 Fufsbatterien , in der Art, dafs jedes 
Bataillon 2 Geschütze mit sich führte, 1 reitende Batterie. 

Wir finden zwar hier eine Art von Regimentseinteilung 
bei der Infanterie, welche aber der eigentlichen nicht entspricht. 
Es bildeten nämlich immer zwei beliebige Bataillone, d. h. wenn ein 
dritter Stabsoffizier vorhanden war, eine Masse, welche man Regiment 
zu nennen beliebte. So bildeten bei der 1. Brigade die Bataillone 
Spreti und Schlofsberg ein Regiment unter Major von Weinbach, 
bei der 2. Brigade die Bataillone Dallwigk und Zoller ein Regiment 
unter Major von Lamotte und dann unter Oberst Siebein und die 
Bataillone Pompei< und Buseck ein Regiment unter Oberst von Karg. 
Am 17. März wurde ein eigener Regimentsstab ernannt. In rech- 
nerischer und justizieller Beziehung bildeten ferner eigene Gruppen 



*) Commandeur des Eegimeuts Oberst v. Dorth vom Chevauleger-Eegiment 
Kurfürst, jetzt Nr. 4. 

1. Eskadron: Eskadrons-Chef Oberst v. Dorth. 

Eittmeister Graf Seyssel d'Aix von demselben Eegiment. 

2. Eskadron: Eskadrons-Chef Major Graf Vieregg vom Dragoner- Eegiment Taxis, 

jetzt 2. Chevaulegers-Eegiment. 

Eittmeister Graf Yrsch vom Chevaulegers-Eegiment Fürst Brezen- 

heim, jetzt 3. Chevaulegers-Eegiment. 

3. Eskadron: Eskadrons-Chef Major Karl Graf Pappenheim vom Chevaulegers- 

Eegiment Fürst Brezenheim, jetzt Nr. 3. 

Eittmeister Baron Bourscheid von demselben Eegiment. 

4. Eskadron: Eskadrons-Chef Major Baron Loe vom Chevaulegers-Eegiment Leinin- 

gen, jetzt Nr. 5. 

Eittmeister Elbracht von demselben Eegiment. 

5. Eskadron: Eskadrons-Chef Major Fritz Graf Pappenheim vom Chevaulegers- 

Eegiment Fugger, jetzt Nr. 3. 

Eittmeister v. Viertel von demselben Eegiment. 

6. Eskadron: Eskadrons-Chef Major Baron Blaiikart vom Chevaulegers-Eegiment 

Kurfürst, jetzt Nr. 4. 

Eittmeister v. Laroche von demselben Eegiment. 



— 11 — 

die Bataillone Mimicci und Zedtwitz, die Feldjägerbataillone Clofsmann 
und Metzen, die Grenadierbataillone, das Kavallerieregiment und die 
Artillerie. 

Da der Divisions-Commandeur nach wie vor für die Selbst- 
ständigkeit der Bataillone war, die beiden Brigade-Commandeure 
aber die Regimentseiuteiluug vertraten, so kam es von Zeit zu Zeit 
zu Differenzen, die nicht sehr erbaulich waren. Die Infanterie 
erhielt ein geschriebenes Felddienst-Reglement unter dem Titel: 
»Anhang zu dem Kriegs-Reglemeut für die Infanterie, wie der Dienst 
im Felde geschehen soll.« Die Artillerie hatte am 12. April ein 
geschriebenes provisorisches Reglement, den Dienst der im Felde 
stehenden Artillerie betreffend, erhalten. Das Kavallerie -Regiment 
war mit Offizieren reichlich versehen, wohl mehr des englischen 
Soldes, als der Notwendigkeit wegen.*) 

Generallieuteuant v. Zweibrücken, ein Sohn des Herzogs 
Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken aus seiner morganatischen Ehe 
mit einem Fräulein Camasse, stand im 48. Lebensjahr. Er hatte 
seine militärische Laufbahn in französischen Diensten, im Regiment 
Zweibrücken i. J. 1768 begonnen. Nachdem er i. J. 1786 »brigadier 
des armees du Roy« geworden, wurde er zwei Jahre später »marechal 
de camp et colonel proprietaire.« In französischen Diensten wohnte 
er den Feldzügen von 1780 bis 1783 in Amerika bei. Nach Aus- 
bruch der Revolution verliefs er den französischen Dienst und trat 
i. J. 1792 mit dem Charakter eines Generalmajor in das preufsische 
Heer, mit welchem er die Feldzüge der neunziger Jahre mitmachte. 
Nachdem Herzog Max von Zweibrücken Kurfürst von Pfalz-Bayern 
geworden war, erhielt er i. J. 1799 die Erlaubnis in bayerische 
Dienste zu treten. Er wurde hier als Generallieutenant ä la suite 
der Infanterie angestellt und bald darauf zum wirklichen General- 
lieutenant ernannt. Im März 1800 erhielt er das Kommando über 
die Subsidien-Division, nachdem ihm kurz vorher das pfälzische 
Provinzial-Kommando übertragen worden. Er starb i. J. 1817 in 



*) Nicht ohne Interesse dürfte es sein, das Kartenmaterial kennen zu lernen, 
welches damals im Gebrauch war. Am 9. April 1800 wurde dem Generallieutenant 
V. Zweibrücken gestattet, nachstehende Karten anzuschaffen: 1. Die Karte vom 
Odenwald von Haas-, 2. Karte von Württemberg von Bohnen; 3. Theatre de la 
guerre des pays limitrophes de l'AUemagne et de la France entre le rhin et la 
moselle public en 6 feuüles par ßheinwald; 4. Lauf des Neckar von Heilbronn bis 
Mannheim ; 5. La grande nouvelle carte de poste de reute d'AUeraagne et des pro- 
vinces limitrophes; 7. Der scliwäbische Kreis topographisch in 6 oder 7 Blättern, 
(Kriegsarchiv 1800 IV.) 



— 12 — 

München als General der Infanterie. Der Feldzug von 1800 mit 
seinen widerwärtigen Erfahrungen scheint ihm alle Lust benommen 
zu haben, wieder ein Kommando zu übernehmen; in keinem der 
spätem Feldzüge geschieht seiner mehr Erwähnung. — Sein Geueral- 
stabs-Offizier, Oberst v. Triva, zählte 45 Jahre. Er hatte sich als 
Bataillons- und Regiments-Commandeur in den neunziger Jahren 
hervorgethan. Vom Commandeur des »bayerischen Kreiskontiugeuts«, 
in Philippsburg weg, wurde er i. J. 1800 anfänglich zum Brigade- 
Commandeur, dann zum Geueralquartiermeister, »um die ökono- 
mischen Geschäfte bei der Subsidien-Division zu versehen«, ernannt. 
Im Jahre 1800 Generalmajor und 1804 Generallieutenaut trat er 
in letzterem Jahre an die Spitze des »geheimen Kriegsbureau's«, 
welches i. J. 1808 Ministerium des Kriegswesens, 1817 Staats- 
ministerium der Armee, 1822 Armee-Ministerium und seit 1826 
Kriegsministerium genannt wurde. Diese Stelle bekleidete er bis [zu 
seiner Verabschiedung i. J. 1822. Er erwarb sich in derselben 
grofse Verdienste um die Neugestaltung des Heeres. Die Einführung 
des Avancements nach der Anciennetät, welches vielen Inconvenienzen 
vorbeugte, ist sein Verdienst; strenge hielt er an demselben. Dagegen 
schädigte er die Offiziere in ihren Avancements i. J. 1813 dadurch, 
dafs er dem Wunsche des Ministers Montgelas, die Legions-Bataillone 
mit Linien-Offizieren zu besetzen, aus unerklärlichen Gründen, nicht 
nachkam. Es mufs diefs geradezu als ein Undank bezeichnet werden, 
den sich der Minister gegen ein Offizier-Corps zu schulden kommen 
liefs, welches ganz wesentlich zu dem guten Rufe beitrug, den sich 
das Heer nach langer Vernachlässigung erwarb. Die weitere traurige 
Konsequenz, welche aus dieser Unterlassung entsprang, war. die, 
dafs nach Beendigung der Befreiungskriege ein grofser Teil dieser 
Legions-Offiziere in die Linie übertrat und den Lieutenants der Linie 
das Avancement auf viele Jahre versperrte. Triva starb i. J. 1827 
als General der Artillerie. — Von den beiden Brigade-Commandeuren 
befand sich Deroy bereits im 57., dagegen Wrede erst im 33. Lebens- 
jahre. Der erstere, seit 1792 Generalmajor, war. ein viel erfahren er 
Mann, der schon die Feldzüge von 1757 und 1758 im Hannover'schen 
mitgemacht, in der Schlacht bei Hastenbeck die Leibfahne des da- 
maligen Prinz Karl'schen Regiments getragen und sich bei dem 
Bombardement von Düsseldorf befunden hatte. 1795 Kommandant 
von Mannheim, mufste er diesen damals wichtigen Platz ohne 
Gegenwehr, auf kurfürstlichen Befehl, dem Feinde ausliefern. Im 
Jahre 1800 erhielt er das Kommando über die 1. Brigade der 
Subsidien-Division. — Für die administrative Laufbahn bestimmt, 



~ 13 — 

wurde Wrede, nachdem er seine Studien an der Universität Heidel- 
berg vollendet, kurz vor dem Auflodern des Revolutionskrieges, 
Landeskommissär bei dem österreichischen Armee-Corps, das unter 
Hohenlohes Befehle sich bei Schwetzingen sammelte. Hierauf Ober- 
landeskommissär mit dem Oberstentitel nacheinander bei Wurmser, 
Herzog Albert von Sachsen -Teschen, Clerfait und Erzherzog Karl 
war ihm vielfache Gelegenheit geboten, mancherlei Erfahrungen zu 
sammeln. 1799 wurde er wirklicher Oberst und mit der Errichtung 
eines Bataillons beauftragt. An der Spitze dieses Bataillons führte 
er, wie bereits gezeigt worden, mit grofsem Geschick den kleinen 
Krieg am untern Neckar; eine Reihe schöner Erfolge, die von seinem 
trefflichen militärischen Blick zeugen, kennzeichnen sein erstes 
kriegerisches Auftreten. Bei der Aufstellung der Subsidien- Division 
erhielt er das Kommando über die 2. Brigade. Beiden Generalen 
gebührt das grofse Verdienst, den Kurfürsten ganz besonders bei 
der Reorganisation des Heeres unterstützt zu haben. Sie waren es, 
welche dem hergebrachten Schlendrian und geistlosen Zopfwesen 
energisch auf den Leib rückten — ein Kampf, der zwar lange 
dauerte, aber endlich doch siegreich für die bessere Einsicht endigte, 
wozu namentlich der Einflufs, den die Verbindung mit den Franzosen 
äufserte, beitrug. 

In der Instruktion, welche dem Divisions-Commandeur erteilt 
wurde, fanden sich die schönen Worte: »Meine Truppen sind 
tapfer und treu, die Jahrbücher der Geschichte bezeugen 
dieses auf eine ehrenvolle Art. Seit dreifsig Jahren waren 
dieselben aber durch eine fehlerhafte Verwaltung gleichsam gelähmt. 
Ich befehle daher gedachtem Generallieutenant bei seinem auf- 
habenden Kommando die unerschütterlichste Strenge mit der gewissen- 
haftesten Gerechtigkeit zu vereinigen, um sich die ungetheilte Achtung 
der säramtlichen Untergebenen zu verschaffen.« Ferner enthielt die 
Instruktion noch- folgende Punkte. Alle militärischen Verbrechen 
sollen bei dem Corps selbst durch einen von dem Commaudeur hierzu 
ernannten Kriegsrat gerichtet und das Urteil ohne Einmischung des 
Kriegs-Kollegiums vollstreckt werden. In dem einzigen Fall aber, 
in welchem der Commandeur den Schuldigen etwa einer Begnadigung 
würdig erachten sollte, ist der Ausspruch des Kurfürsten zu erholen. 
Der Commandeur kann jeden Offizier vom Dienste suspendieren oder 
von der Division wegschicken, der sich gegen die Subordination 
vergeht, Erpressungen zu schulden kommen läfst, oder Soldaten das 
Marodieren gestattet. Dem Commandeur wurde das »Recht zuge- 
standen, alle diejenigen Änderungen in den Reglements vorzunehmen, 



— 14 — 

welche zum Besten des Dienstes dienen.« Alle Meldungen gingen 
unmittelbar an den Kurfürsten. Betraf der Gegenstand politisch- 
streitige Gegenstände, so war der Divisions-Commandeur angewiesen, 
sich an den Minister Montgelas zu wenden. 

Die erste Brigade unter Generalmajor v. Deroy rückte am 
23. April nebst 3 Schwadronen des Chevaulegers-Regiments und 
*/2 reitenden Batterie in ein Lager bei Donauwörth, wurde dort am 
26. April von einem englischen Kommissär gemustert und trat in 
englische Verpflegung. Am 5. Mai setzte sie sich in Bewegung 
und sollte über Lauingen, Fahlheim, Ehingen, Neufen, Möfskirch und 
Liptingen am 13. bei Aldingen eintrefi'en, um sich mit der 2. Brigade 
zu vereinigen. Allein die am 3. und 5. Mai vorgefallenen nach- 
teiligen Treffen bei Engen und Möfskirch änderten die Marschroute, 
und sie mufste über Dillingeu, Güuzburg, Söflingen, Kloster Eggen- 
bach, dann wieder über Baustetten und Pfahl nach Günzburg und 
von da, am 12. Mai, auf das Glacis von Ulm marschieren. Am 
andern Tag rückte sie in die feste Stellung bei Ulm und bezog bei 
Kloster Elchingen ein Lager, Das zur 1. Brigade gehörige Bataillon 
Schlofsberg, längere Zeit bei Heidelberg stehend, war am 11. Mai 
mit dem Hohenlohe'schen Corps aus jener Gegend aufgebrochen und 
in Eilmärschen nach Elchingen gezogen, wo es am 17. bei seiner 
Brigade einrückte. Lnmer noch in einem halbfertigen Zustand, wurde 
es am 19. Mai nach Neuburg au der Donau geschickt. Dort mufste 
es die Grenadier-Compagnie, nachdem dieselbe auf 160 Mann alt- 
gedienter Mannschaft ergänzt war, an das Grenadier bataillon Eeufs 
abgeben. Der Rest, fast blofs aus Rekruten bestehend, sowie die 
in Neuburg noch weiter eingestellten Rekruten, sollten dort dienstbar 
gemacht werden; dem Bataillon fehlten jedoch immer noch 150 Re- 
kruten. 

Die 2. Brigade unter Oberst v. Wrede, welcher gleichfalls 
V2 reitende Batterie und 3 Schwadronen zugeteilt worden waren, 
war am 9. April bei Heidelberg von einem englischen Kommissär 
gemustert worden.*) Schon am 7. April hatte Kray den Befehl 
an Oberst Wrede ergehen lassen, er sollte nach Hechingen marschieren. 
Dagegen protestierte Wrede unterm 9. April aus Heidelberg aus 
nachfolgenden Gründen: »aus dem beigeschlossenen Zeugnifs des 
englischen Oberstlieutenants und Inspektors Blondeau belieben sich 
Euer Excellenz zu überzeugen, das zwar dafs Schwiegeld'sche Ba- 
taillon ausgenommen, der in hiesiger Gegend befindliche gröfsere 



*) Siehe Anmerkung auf der nächsten Seite. 



— 15 — 

Theil meiner Brigade heute die Musterung passirt hat, dafs aber 
ein grofser Theil der gezogeneu Kompletirungs-Milizen noch 
nicht montirt, die Scharfschützen-Kompagnie gar nicht gekleidet, 
gleichwohl, wie sich der englische Oberstlieutenant Blondeau selbst 
überzeugt hat, täglich 120 — 140 Schneider beschäftigt sind, um die 
Montirungsstücke zu fertigen.« Vor Ende April könne die Mon- 
tierung nicht fertig werden. Es fehle ferner zwar nicht an Pferden, 
aber an Geschirr und Packsättel. Endlich stehe das Feldjäger-Ba- 
taillon noch immer unter dem Kommando der Rheingrafen Salm; 
er bitte um Ablassung dieses Bataillons, welches einen Bestandteil 
seiner Brigade bilde. Schon unterm 26. Februar 1800 wurde für 
die Rheinpfalz ein Milizen zu g, von dem soeben Erwähnung geschah, 
angeordnet. Es sollten behufs Ergänzung der Regimenter 2400 Mann 
im Alter von 18 bis 30 Jahren auf 6 Jahre ausgehoben werden. 
Auf dafs die Staatsmaschine nicht stocke, waren alle wirklich Dienst- 
leistenden vom Oberbeamten bis zum Amtsboten, ferner Schullehrer 
und Wundärzte u. s. w. befreit. Werde das Quantum nicht erreicht, 
so solle zu einem »Komplettierungs-Additional- Auszug« geschritten, 
und Ledige bis zum 40. Lebensjahre ausgehoben werden. Ersatz- 
mannstellung gegen Erlag von 300 Gulden war gestattet. Ein grofser 
Teil der Ausgehobenen machte hiervon Gebrauch. In Mannheim 
z. B., welches 200 Mann zu stellen hatte, kauften sich bis auf 
20 Mann alle übrigen los. 

Am 23. April brach die 2. Brigade aus ihren Sammelplätzen 



*) Corps subsidiaire Bavaro-Palatin. 

Resume de la revue passee de la seconde partie de la liere division du corps 
bav.-palat. par ordre de S. Exe. Mr. le ministre Wikham ä Heidelberg le 9 avril 
1800. 

chevaux de voitures 







hommes 


chevaux d'officiers 


Etat major gener al 




8 


51 


Bataillon Wrede 




826 


48 


„ Siebem 




822 


37 


„ Buseck 




824 


41 


„ Grenadiers 




610 


29 


„ d'infanterie legere 


825 


29 


une compagnie chasseurs 




233 


15 


artiUerie 




48 


— 


Equipage et chariots 




52 


6 


Hopital ambulant 




9 


5 




Total 


4257 


273 


Premiere partie passee en 


i revue 






ä Donauwörth 




1754 


253 



259 



259 
711 



Total de la division 6011 526 970 



— 16 — 

Rohrbach, Wiesloch und Kirchheim auf und marschierte über 
Bruchsal (24.), Bretten (25.), Pforzheim (26.), Weil die Stadt (28.), 
Rottenburg (29.) und Hechingen (30.) nach Wellendingen;*) am 
3. Mai stand die Brigade bei Aldingen. Oberst Prohaska und 
Hauptmann Haller wurden der Brigade zugeteilt, um Generalstabs- 
dienst bei ihr zu versehen. 

Gegen Ende April eröffnete Moreau mit einem Scheinangriff in 
der Front des Schwarzwaldes den Feldzug. Kray rückte ihm 
entgegen, schwächte sich am Bodensee, der Stütze seines linken 
Flügels, und vernachlässigte die Grenze der Schweiz. Die franzö- 
sische Armee ging bei Stein über den Rhein und schlug die 
Österreicher am 3. Mai bei Engen und Stockach. Mit Anbruch des 
folgenden Tages, 4. Mai, trat die geschlagene Armee, nachdem sie 
den von Waldshut zurückgegangenen Erzherzog Ferdinand auf- 
genommen hatte, den Rückzug nach Möfskirch an, wo sie eine 
koncentrierte Stellung nahm; auch Giulay hatte sich dort ein- 
gefunden. Die Brigade des Obersten Wrede, während der Kämpfe 
des 3. bei Aldingen stehend, war am 4. über Tuttlingen bis Neu- 
hausen ob Eck marschiert, wo sie Abends 10 Uhr eintraf. Die 
Bayern waren hier über eines ihrer berühmtesten Schlachtfelder 
marschiert. Hier hatten sie unter Peldmarschall Franz Mercy, am 
24. November 1643, einen herrlichen Sieg über die Franzosen unter 
Ranzau errungen. Graf Ranzau, anstatt »sich den Halskragen in 
bayerischem Blute waschen« zu können, wie er in der übermütigen 
Art seiner Nation geprahlt hatte, mufste seinen Degen vor Mercy 
strecken. 8 Generale, 9 Obersten, 12 Stabsoffiziere, 240 Subaltern- 
offiziere, 7000 Mann, 10 Geschütze und grofse Massen Gepäcks 
waren den Bayern in die Hände gefallen, deren Verlust sehr gering 
war; die Franzosen zählten beiläufig 4000 Mann an Toten und 
Verwundeten. Noch nie waren die Franzosen in dem unheilvollen 
Kriege so tief in Deutschland eingedrungen; aber noch nie waren 
sie auch so tüchtig geschlagen worden. Von Neuhausen ?narschierte 
Wrede nach Buchheim; er kam eben dort an, als der Gegner den 
Feldzeugmeister Kray von Möfskirch »weggedrückt« und den Erz- 



*) Brigadestab am 30. April in Wellendingen; Fufsjäger am 1. Mai Villingen; 
Bataillon Schwiegeld am 1. Mai Neukirch ; Bataillon Siebein am 2. Mai RottweU ; 
Bataillon Zoller am 1. Mai Schomberg und Zepfenhan; Bataillon Lamotte am 
2. Mai Schörzingen und Weilen; Bataillon Pompei am 30. April Aldingen; Ba- 
taillon Buseck am 2. Mai Wilflingen und Denkingen; Chevaulegers am 29. April 
Neutra, Altstadt, Göllsdorf und Feckenhausen ; Reserve-Artillerie und Fuhrwesen 
am 1. Mai Frittlingen; Spital Dotteriibauseu. 



— 17 — 

herzog Ferdinand von der Armee abgeschnitten hatte. Das Bataillon 
Pompei von Buchheim über Thalheim zur Verbindung mit dem 
Erzherzog Ferdinand entsendend, liefs Wrede die Bataillone Siebein, 
Zoller und Lamotte aufmarschieren, rückte, die Bataillone Buseck 
und Clofsmann unter Oberst Kray als Reserve zurückhaltend, mit 
klingendem Spiele dem Feinde entgegen und erstürmte die Walduugen 
zwischen Bietingen und Krummbach. Wrede bewies hierdurch, dafe 
die Anschauungen, welche damals in Betreff der Angriffe auf 
Waldungen in der österreichischen Armee herrschten, nicht zu- 
treffend waren. Graf Sztaray hatte nämlich unterm 29. März dem 
Obersten Wrede einige taktische Winke zugehen lassen, worunter 
sich auch jener befand: »Die Waldattacken fallen meistens un- 
glücklich aus, weil die Franzosen im Einzelneu mehr Gewandtheit, 
wie auch im Schiefseu haben.« Umsonst war jedoch das von 
Wrede mit grofser Kühnheit und Umsicht ausgeführte Eingreifen 
in die Schlacht, denn als Vandamme über Wald vorrückte, wurde 
der Rückzug angetreten. Wrede blieb mit den Bataillonen Siebein, 
Zoller und Lamotte und seinen 3 Eskadronen stehen, um den Rück- 
zug zu decken. Erst gegen 10 Uhr, bei stürmischer dunkler Nacht, 
ging er zurück, verirrte sich, erreichte aber doch schließlich, nach- 
dem er einige feindliche Abteilungen, auf die er gestofsen, auf die 
Seite geworfen, Buchheim, wo bereits die drei andern Bataillone 
seiner Brigade: Pompei, Buseck und Clofsmann, sowie der Erzherzog 
Ferdinand eingetroffen waren. Hier wurde Halt gemacht und einige 
Stunden geruht. Die Brigade hatte einen Verlust von 251 Toten 
und 211 Verwundeten und Gefangeneu; unter letzteren 7 Offiziere, 
zu welchen die Majore Zoller und Dallwigk gehörten. »Es schmerzt 
mich und die ganze Truppe um da mehr, dals wir unsere Vortheile 
nicht verfolgen konnten, da wir solche zu th euer erkauft hatten,«*) 
Die Artillerie und das Bataillon Zoller hatten erhebliche Verluste. 

Am 6. Mai ging die Brigade bei Gutenstein über die Donau, 
und rückte in die Stellung Kray 's bei Sigmaringen. Zur Deckung 
der Magazine von Biberach ging Kray in der Nacht vom 7. auf 
den 8. bei Sigmaringen wieder an das rechte Ufer der Donau und 
nahm hinter der Schlucht von Biberach Stellung.**) Die Brigade 



*) Wrede an den Kurfürsten, Lager bei Sigmaringen, 6. Mai 1800. K. A. 

1800 III— vni. 

**) „Cette Position" — bei Biberacb zum Schutze der dortigen Magazine — 
„purement defensive denotait combien le moral des troupes imperiales s'etait affaibli 
par le revers, et monsieur de Wrede, qui coramandait alors le contingent bavarois, 
avouait douze ans plus tard, ä Saint-Cyr, que le marechal Kray lui-meme se 

2 



— 18 — 

des Obersten Wrede war gleichzeitig bei Riedlingen über die Donau 
gegangen, und traf nach einem sehr beschwerlichen Marsch um 
Mitternacht bei Bergerhausen (östlich Biberach) ein. 

Schon am folgenden Tage (9.) griff die französische Armee 
wieder an, und zwang die Österreicher zum Rückzug nach Mem- 
mingen. Die Brigade Wrede, welche sich bei der Arrieregarde 
befand, traf am 10. gegen Mittag dort ein und übernahm sofort 
den Vorpostendienst auf der Strafse nach Wurzach. Ȇberzeugt, 
dafs wenn es dem Feinde gelingt, einen Punkt zu werfen, die ganze 
Armee in den Defilees auf der Strafse nach Illertissen oder jener 
nach Mindelheim in die gröfste Unordnung gerathen müfste, beschwor 
mich der Feldzeugmeister Kray, dem Feind das Durchdringen zu 
verhindern.«*) Die Aufgabe war schwierig, da die Brigade an 
Mannschaft geschwächt, in ununterbrochenen Hin- und Herzügen, 
Nachtwachen und Gefechten sehr erschöpft war. Schon Mittags 
12 Uhr begann Lecourbe den Angriff. Die Bayern, von Wrede 
zur Ausdauer angefeuert, behaupteten gegen den weit überlegenen 
Feind bis Nachts 10 Uhr ihre Stellung. Kray war dadurch in den 
Stand gesetzt, seinen Rückzug unter die Kanonen von Ulm unbe- 
helligt auszuführen; Wrede folgte ihm über Illertissen. Am 12. 
besetzte er Thalfingen, und am 13. rückte er zugleich mit der 
inzwischen eingetroffeneu 1. Brigade in die Stellung bei Ulm. 

»Die kurpfalz-bayerischen Truppen«, — sagt Kray in dem 
Tagesbefehl vom 11. Mai — »haben bei dem gestrigen Gefecht sich 
durch Entschlossenheit und Tapferkeit so sehr ausgezeichnet, dafs 
ich ihrem Anführer, dem Herrn Obersten Baron von Wrede, den 
Herrn Offiziers wie der Mannschaft, nebst meiner Zufriedenheit, 
auch meinen warmen Dank zu äufsern, mich verpflichtet sehe.«**) 

Die Brigade Wrede hatte sich, wie der Kurfürst am 16. Mai 



refsentait de cet etat de demoralition generale." Gay de Vernon, vie du marechal 
Gouvion St. Cyr, 159. 

*) „Peldzeugraeister Kray schickte seinen Stabschef, den General Chasteler, 
zu mir, um mich zu ersuchen, die Arrieregarde der Armee machen zu wollen-, so 
fatiliirt auch meine Truppe bereits war, so verstand ich mich doch dazu, weil ich 
sah, dafs das Heil der guten Sache davon abhing." Wrede an den Kurfürsten, 
12. Mai 1800, K.-A. 1800 IH— VIII. 

**) „Allein mit theurem und vielem Blut mufsten wir die Rettung der Armee 
erkaufen. Der vortreflDLiche Major Graf Pompei, einer der würdigsten Stabs- 
Offiziere, die ich kenne, 1 Hauptmann, ferner noch 2 Ober- und 1 Unterlieutenant 
sind verwundet, Unteroffiziere und Gemeine zähle ich mehrere Hundert todt und 
verwundet." Wrede an den Kurfürsten, 12. Mai. 



— 19 — 

sagte, »in der drangvollsten Lage durch einen beispiellosen Mnth, 
den ungetheilten Beifall der ganzen Armee erworben.«*) 

Beim Abmarsch aus der Stellung bei Memmingeu war das 
Bataillon Zoller, welches rechts der Stadt in den Hopfengärten ge- 
standen, vergessen worden. Hauptmann Frank, welcher das Bataillon 
seit der Verwundung des Major Zoller führte, entschlofs sich auf 
eigene Faust dem Rückzug zu folgen. Mit der Richtung desfelben 
nicht bekannt, zog sich Frank in der äufserst stürmischen und 
regnerischen Nacht durch die feindlichen Linien und erreichte 
Mindelheim. Von dort vertrieben, marschierte das Bataillon über 
Buchloe nach Landsberg, wo es nachtete. Am folgenden Tag, den 
12. Mai, erreichte es Oberhausen bei Augsburg, am 13. Lauingen 
und am 14. traf es bei Unter-Elchingen ein, worauf es wieder bei 
seiner Brigade einrückte. »Mein braves Bataillon« — Wrede hing 
mit seltener Liebe an seinem ehemaligen tapferen Bataillon, das er 
errichtet hatte, und an dessen Spitze er seine ersten kriegerischen 
Lorbeeren errungen, — »welches in der Nacht von mir abgeschnitten 
wurde, und sich bis zur Stunde noch nicht mit mir vereinigt hat, 
hat abermals schrecklich gelitten.« Bei der Obersten -Compagnie 
waren nur noch 2 Unteroffiziere dienstfähig, 7 waren tot und ver- 
wundet, und unter den Toten befand sich der brave Feldwebel 
Hörn, welcher die goldene Medaille hatte; unter den schwer Bles- 
sierten ist Korporal Theifs, welcher gleichfalls die goldene Medaille 
besafs. **) 

Ein Augenzeuge spricht sich über die österreichische Kriegs- 
führung in diesem ersten Teil des Feldzugs wie folgt aus:***) »Da 
stand nun (bei Ulm) die vor 19 Tagen noch so furchtbare Armee, 
die Hoffnung und Schutzmauer vieler Millionen! nach sechs fürchter- 
lichen Märschen, sieben schlaflosen Nächten, vier zwölfstündigen 
unentschiedenen Gefechten, entmutigt, abgemattet, verhungert f) — 



*) Wrede wurde hierfür aufser der Tour zum Generalmajor befördert. 
**) Wrede an den Kurfürsten, 12. Mai 1800 K.-A. 1800 III— YHI. Nach 
einer privaten Mitteilung bestand der bayerische Verlust in den Gefechten am 
5., 9. und 10. Mai in 14 Toten, 143 Verwundeten, unter denen 3 Stabs- und 
7 Oberoffiziere — dann 692 Gefangene oder Vermifste, unter welchen 4 Offiziere. 
***) Über den Feldzug in Deutschland, im Sommer und Winter 1800, 1801, 
34. 35. 

f) „Es ist für uns alle schmerzlich, dafs nachdem wir nun in mancher 
Affaire mit Euhm und Vortheil gefochten, wir nichtsdestoweniger die k. k. Armee 
in einem Zustand sahen, der uns fürchten machen mufs, dafs sie kaum mehr in 
einer entscheidenden Bataille sich einlassen können, und dafs der Feind durch 

2* 



— 20 — 

dreifsig Stunden Landes waren verlassen und zerstört — 12,000 Tote, 
Gefangene, Herumstreicher und Entkräftete zurückgeblieben, — die 
beträchtlichsten Magazine verloren. Wem blutete nicht das Herz, 
eine so zahlreiche Armee, nach einer Reihe von wenigen Tagen, in 
einem solchen Zustand bei Ulm ankommen zu sehen. Zu diesem 
unglücklichen Ausgang der Dinge hat das Benehmen des Grafen 
Sztaray und des Fürsten Reufs, wodurch mehr als 30,000 Mann 
aufser aller Thätigkeit gesetzt waren, ohne Zweifel ganz ausnehmend 
viel beigetragen. Während der erstere in unaufhörlichen, nichts 
bedeutenden Märschen teils im Rheinthal, teils im Herzogtum 
Württemberg die Kreuz und die Quere zog, sich niemals dem Feind 
näherte, sondern auf jede ungünstige Nachricht wieder einen Rück- 
marsch that, blieb der andere, alarmiert sron einigen feindlichen 
Streifcorps, unbeweglich in seinen Posten auf der Grenze des Nor- 
arlbergischen und Bündischen stehen, und sah ruhig den Unglücks- 
fällen der Hauptarmee zu.« Feldzeugmeister Kray hatte seit Anfang 
des Feldzuges 17,498 Mann und 2666 Pferde verloren. Vor Ulm 
selbst konnte er dem Feinde nicht mehr als 62,106 Mann, darunter 
20,139 Mann zu Pferde, entgegenstellen.*) 

Feldzeugmeister Kray, der den Feldmarschall-Lieutenant Sztaray 
an sich gezogen, nahm eine Stellung mit dem linken Flügel bei 
Elchingen (Bayern-Division), mit der Mitte hinter Ulm und der 
Blau und mit dem rechten Flügel zwischen Bermaringen und 
Mähringen. In dieser Stellung gedachte er nicht nur die Verluste 
zu ersetzen, welche er bisher erlitten, sondern auch den Erfolg der 
Operationen in Italien abzuwarten, ehe er die Offensive ergreifen 
wollte.**) Seine Einwürfe gegen die Zumutung, angriffs weise zu ver- 
fahren, drehten sich immer um den Punkt, man müsse Verstärkungen 
und den Verlauf der Dinge in Italien abwarten.***) Er beschränkte 

seine schnellen Manöver nun bereits die bayerischen Staaten bedrohte." Wrede an 
den Kurfürsten, 12. Mai K.-A. 1800 III— VIII. 

*) Österreichische milit. Zeitschrift, 1836, 2, 297. 
**) „J'eus avec lui (Kray) une conversation en tete ä tete, ensuite un autre 
avec le general Chasteler. II en resulte que nous resterons sur la defensive dans 
la Position que nous occupons actuellement, jusqu'ä ce que les evenements de 
ritalie ayent decides du sort de la campagne. L. F. Z. M. (Feldzeugmeister) 
attend avec impatience et inquietude des nouvelles du general Melas, que nous 
croyons fort occupe par Bonaparte. L'espoir de la reddition de Gene s'evanouit 
petit ä petit, et ce n'est que des succes en Italie qui puisse nous permettre 
Toffensive jusqu'au Ehin, parceque c'est de l'armee de Melas que le F. Z. M. 
attend 30.000 h, de renforts, sans lesquels il n'entreprendra rien." General- 
lieutenant V. Zweibrücken an den Kurfürsten, dato Elchingen, 28. Mai 1800. 

***) „Sollte der Feldzeugmeister Baron Kray sich, wie ich nicht zweifle, im 



— 21 — 

sich immer darauf, den Demonstrationen Moreau's mit starken 
Rekognoszierungen zu begegnen, die gewöhnlich mit unnützen 
Gefechten endigten und stets den Rückzug in das verschanzte 
Lager nach sich führten. 

Moreau, der »tastend um Ulm herumging«, wie er sich 
selber ausdrückte, und mit Ungeduld wartete, dafs ihm Bonaparte's 
Erfolge, die Freiheit zu entschiedenem Operieren geben sollten, hatte 
seinen rechten Flügel an die Günz, oberhalb Babenhausen, und sein 
Centrum auf die Höhe von Weiisenhom vorgezogen; ein kleines 
Corps näherte sich auf der Illerstrafse der Armee bei Ulm; St. Suzanne 
bezog auf dem linken Donauufer Stellungen bei Altheim, Schelkingen, 
Erbach, Pappelau, Gerhausen und Blaubeureu. Kray liefs Suzanne 
angreifen; letzterer wurde genötigt au das rechte Donauufer bis 
hinter Dellmensingen zurückzugehen. Das waren aber nur partielle 
Erfolge, die zu keinem entscheidenden Resultate führten. 

Während dieser Unternehmung hatte Kray Günzburg sicher- 
gestellt, indem er die Brigade Wrede und die württembergischen 
Subsidien-Truppen unter Generallieutenant v. Hügel dorthin abrücken 
liefs. Am 14. marschierte Wrede nach Günzburg, schob ein De- 
tachement, aus 2 Bataillonen und 2 Schwadronen bestehend, nach 
Limbach vor, und kehrte hierauf wieder ins Lager nach Elchingen 
zurück. 

Der feindliche Obergeneral, welcher keine Lust verspürte, den 
rechten Flügel Kray's anzugreifen, fing an gegen den Lech zu 
manövrieren. Er zog daher seine Truppen wieder an das rechte 
Donauufer zurück, dehnte seinen linken Flügel an die Hier und 
seinen rechten Flügel gegen den Lech aus. Den General Lecourbe 
schickte er nach Augsburg. Von dieser Bewegung hatte er erwartet, 
dafs Kray seine Stellung verlassen und eilen würde, das bedrohte 
Bayern zu decken. Dieser begnügte sich jedoch damit, den General 
Merweldt mit 2 Kavallerie-Regimentern gegen Augsburg zu schicken, 
um den Streifereien des Feindes nach Bayern Einhalt zu thun.*) 
General Devaux mufste nach Donauwörth marschieren, um sowohl 
diesen Platz als Neuburg zur Verteidigung einzurichten. 

Als sich die Franzosen gegen Ausgang Mai am Lech einfanden, begab sich 



Stande fühlen, nun, nachdem die Armee wieder völlig ausgeruht hat und des 
Feindes Stärke bei weitem nicht so ist, wie man sie bisher vermutete, Morgen 
oder Übermorgeu, eine Oifensivbewegung machen können, so kann der General 
Giulay und ich, dem Feinde eine Front präsentieren, die seine Flanke sehr beun- 
ruhigen könnte " Wrede an den Kurfürsten, dato Günzburg, 17. Mai 1800. 
*) Siehe w. u. „Detachements am Lech." 



— 22 — 

der Eurfürst über Landshut nach Straubing. Als er jedoch die Nachricht erhielt: 
„wie wenig es der feindlichen Armee Ernst sei, weiter in das Herz von Bayern 
einzudringen," kehrte er am 1. Juni wieder nach München zurück. Hierbei 
war die Frage entstanden, wie man sich bei weiterer Annäherung des Feindes zu 
benehmen habe. „Dreizehn Generale, in zwei Kriegsräten versammelt, 
äufserten einstimmig, dafs der Ausweg sei, die sämmtlichen Truppen, 
sowie sie damals beisammen waren, in der Stadt zu erhalten, um 
dadurch zu einer anständigen Kapitulation zu gelangen;, die 
Approchen von München aber nur insoweit zu defendieren, als es 
zu diesem Zweck führen könnte. Seine kurfürstliche Durchlaucht genehmigten 
diesen Vorschlag, welcher die "Vernichtung des sich ia München befindlichen 
„Landesdefensiojis-Corps" nach sich gezogen hätte, wenn nicht der Rückzug des 
sehr schwachen französischen Corps von dem Lech und die Wiederbesetzung der 
beiden Städte Landsberg und Friedberg bald darauf erfolgt wäre."*) 

Nacli einigen vorausgegaugeneu Rekognoszierungen durch Erz- 
herzog Ferdinand beschlofs Kray den linken Flügel Moreau's anzu- 
greifen. Der Stofs sollte in der Richtung auf Ochsenhausen in 
3 Kolonneu ausgeführt werden. Die bayerische Subsidieu- 
Division, bei der 2, (Mittel-) Kolonne unter dem Prinzen Karl von 
Lothringen mitgeteilt, war zu diesem Zweck am 4. Juni vou Ober- 
Elchingen aufgebrochen und über Pfuhl nach Gertenhof en 
marschiert, wo sie Nachmittags 572 ankam. Das Chevaulegers- 
Regiment und die Bataillone Reufs und Clofsmann blieben bei 
Weifsenhorn stehen, wohin sie schon- am 31. Mai detachiert worden 
waren. Nachts 10 Uhr brach die Division wieder auf, ging bei 
Ober-Kirchberg über die Hier und marschierte über Steinberg, 
Schnüpflingen (von wo 2 Bataillone in das Wimthal nach Erm- 
hausen detachiert wurden) und Bihla fingen nach Roth. Da in- 
zwischen die Österreicher den linken französischen Flügel zurück- 
gedrängt hatten, so kamen die Bayern bei Weidenbühl auf eine 
Anhöhe zu stehen. Um 5 Uhr Nachmittags trat ein Umschlag ein. 
Die Franzosen, welche unterdessen Verstärkungen erhalten hatten, 
gingen zum Angriffe über. Eine Abteilung derselben versuchte, 
durch einen Wald den Österreichern in den Rücken zu kommen, als 
eben die Bayern dort anlangten. Ungeachtet noch nicht alle 
Bataillone aus einer Schlucht herausgekommen und aufmarschiert 
waren, wurden doch die Tetenbataillone Metzen und Zedtwitz dem 
Feinde sofort entgegeugeworfen und die Bataillone Minucci, Spreti 
und Pompei nach und nach so aufgestellt, dafs der Feind beim 
weiteren Vordringen zwischen zwei Feuer geraten wäre. Der Feiud 
eröffnete ein sehr lebhaftes Feuer auf die Bayern. Die Bataillone 



*) Geheimes Staatsarchiv: „Notes et remarques ministerielles etc. 1800," Auch 
die Memoiren des Staatsministers Graf Montgelas. 



— 23 — 

Metzeu uud Zedtwitz gaben ihm auf etliche vierzig Schritte Salven; 
zu gleicher Zeit beschossen ihn sechs Geschütze so wirksam, dafs 
er nicht nur zum Schweigen, sondern auch zum Rückzug genötigt 
wurde. Da zu vermuten war, dafs sich der Feind der erwähnten 
Schlucht, »welche die einzige Retirade war«, bemächtigen werde, 
nahm Wrede mit 4 Bataillonen: Lamotte, Zoller, Dallwigk und Buseck 
Stellung bei Schweudi, »um jedes weitere Vorhaben des Feindes 
zu vereiteln.« Mittlerweile waren die Österreicher vollends zurück- 
gedrängt worden. Den Bayern fiel nun wieder die Aufgabe zu, 
den Rückzug zu decken. Sie trafen am 6. Juni in der Früh um 
I2V2 Uhr über Grofs-Schaffhausen, Both und Burgrieden bei 
Ober-Holz heim ein. Um 3V2 Uhr Morgens wurde wieder auf- 
gebrochen und über Stetten, Dellmensingen, Donaustetten, Gög- 
lingen, wo die Donau überschritten wurde, über Ulm in das alte 
Lager bei Ober-Elchingen gerückt, 4 Uhr Nachmittags. Der Verlust 
bestand in 55 Mann: 1 tot, 10 verwundet und 44 gefangen oder 
vermifst. Mann und Pferd waren seit dritthalb Tagen ohne Nahrung 
geblieben. 

»Mit wahrem Vergnügen«, sagt Kray in einem Tagesbefehl 
vom 7. Juni, »bezeuge ich sämmtlichen Stabs- und Oberoffizieren, 
sowie auch Gemeinen der kurpfalzbayerischen Subsidien-Truppen, 
welche sich in dem Gefechte vom 5. auszuzeichnen Gelegenheit ge- 
funden haben, meine vollkommenste Zufriedenheit, und gebe ihnen 
hiermit meinen wahren Dank laut zu erkennen für das tapfere 
Wohlverhalten und die bewiesene Beharrlichkeit und Geduld in 
Ertragang der damit verknüpften grofsen Beschwerlichkeiten.« 

Ein Angriff des linken Österreichischen Flügels Seitens der 
Franzosen war nunmehr mit Sicherheit zu erwarten. Demungeachtet 
wurden jene Sicherheitsmafsregeln unterlassen, wodurch der drohende 
verderbliche Streich hätte abgewendet werden können. 

General Lecourbe, inzwischen wieder bei der Armee eingerückt, 
mufste abermals gegen den Lech vorrücken, wo er die Übergänge 
bei Kaufringen (unterhalb Landsberg) und bei Lechhausen erzwang.*) 

Um das rechte Ufer der Donau von österreichischen Truppen 
frei zu machen, liefs Moreau diese am 12. Juni angreifen. General 
Richepanse entriJfe dem Erzherzog Ferdinand nach heftigem Wider- 
stand Burgrieden; General Grenier rückte gegen Weifseuhorn und 
Roggen bürg, wo Fürst Rosenberg stand. Von dem bayerischen 
Detachement, welches seit dem letzten Mai bei Weifsenhorn gestanden. 



") Siehe w. u. „Detachements am Lech". 



- 24 — 

waren die Divisions-Kavallerie und das Bataillon Reufs von Öster- 
reichischen Truppen abgelöst worden; das Bataillon Clofsniauu (ge- 
führt vom Hauptmann Trommer), welches dort zurückgebliebeu war, 
wurde am 12. Juni angegriffen und mit einem Verlust von 27 Toten 
und Verwundeten und 76 Gefangenen nach Burlefingeu zurück- 
geworfen. Die Mitte der französischen Armee war nördlich Krum- 
bach in die Linie Ettenbeuern-Neuburg-Edelstetten gerückt. Sztaray, 
in jener Gegend den linken österreichischen Flügel bildend, wurde 
auf Burgau zurückgedrängt und genötigt, bei Leipheim und Günz- 
burg an das linke Douauufer zurückzugehen; er liefs die Brücken 
bei den genannten Orten abwerfen und besetzte das liuke Ufer. 
Die Subsidien-Division unter Zweibrücken mufste am 16., unter 
Zurücklassung ihrer Zelte und Bagage, mit der Weisung, aus dem 
Lager abmai'schieren, vereinigt mit dem Feldzeugmeister Baillet die 
linke Flanke des Feindes zu bedrohen, ja selbst anzugreifen, wenn 
derselbe den bei Günzburg stehenden Feldzeugmeister Graf Sztaray 
angreifen würde. Da sich aber dieser mittlerweile grofsenteÜB über 
die Donau zurückgezogen hatte, der Feind somit der Mühe überhoben 
war, anzugreifen, so ging die Subsidien-Division, von welcher jedoch 
nur die Avantgarde am rechten Donauufer eingetroffen war, wieder 
in ihr Lager zurück. Am Abend mufste das Bataillon Zedtwitz nach 
Riedheim abgehen, um die linke Flanke zu sichern und dem Feinde 
die Herstellung der Leipheimer Brücke zu verwehren. Am folgenden 
Tage wurde das Bataillon Zedtwitz durch das Bataillon Minucci 
und eine Abteilung Fufsjäger verstärkt. Die Franzosen versuchten 
in der Nacht die Brücke wieder praktikabel zu macheu, was ihnen 
aber nicht gelang; sie wurde hierauf von den Bayern vollständig 
abgebrannt. Das ganze rechte Ufer war von den Österreichern 
geräumt. Der unglückliche Rückzug Sztaray 's versetzte Kray in 
die Alternative, entweder eine Schlacht im offenen Felde anzunehmen 
oder sein verschanztes Lager zu verlassen und den Rückzug anzu- 
treten. Ein bayerischer Augenzeuge sagt hierüber: »Dieses Manöver 
brachte uns zu der grofsen und unglücklichen Retirade bis an den 
Inn.« 

Das französische «Heer stand zwischen Günzburg und Dillingen 
auf dem rechten und das österreichische zwischen Riedlingen und 
Donauwörth auf dem linken Donauufer. Nach verschiedenen De- 
monstrationen hatte Moreau bei Blindheim und Gremheim die 
Donauufer gewechselt und die Österreicher bei Höchstädt geschlagen. 
Diesmal hatten die Bayern nicht mitgekämpft. Aber sechsund- 
neuuzig Jahre früher hatten sie auf demselben Schlachtfelde unter 



— 25 — 

Führung ihres tapfern Kurfürsten schon den Sieg an ihre Fahnen 
gefesselt, als die Ungeschicklichkeit der französischen Generale alles 
verdarb. Der Kurfürst war damals bei Lutzingen den Reichsvölkern 
zerstörend in die Flanke gefallen und hatte ihre Treffen aufgerollt. 
Nur die Preufsen unter Leopold von Anhalt-Dessau verhinderten 
durch Wunder der Tapferkeit den gänzlichen Untergang. Die 
Franzosen waren schon geflohen, als die Bayern, laugsam, immer 
noch fechtend, von der Walstatt hinwegschritten, das ihr Siegesfeld 
gewesen. Eugen von Savoyen wagte sie nicht weiter zu verfolgen, 
als bis au das Ende des Gehölzes hinter Lutzingen. — 

Infolge der Schlacht vom 19. Juni mufste Donauwörth geräumt 
werden. Das bayerische Bataillon Schlofsberg war inzwischen am 
4. Juni von Neuburg a d. D. nach Lauingen aufgebrochen, er- 
hielt aber in Monheim Gegenbefehl und rückte am 5. wieder in 
Neuburg ein, wo inzwischen ein österreichisches Detachement, be- 
stehend aus 300 Mann Infanterie, 40 Mann Kavallerie nebst 2 Kanonen 
eingetroffen waren, um die dortige Donaubrücke zu verteidigen. Am 
7. Juni stand das Bataillon bei Dasing;*) am 12. traf es in Donau- 
wörth ein. Aufser dem Bataillon Schlofsberg befanden sich noch ein 
österreichisches (Wenkheim) und ein württembergisches Bataillon in 
Donauwörth »zur Verteidigung der dortigen Donaubrücke«. Am 
17. Juni meldete Major Schlofsberg aus Donauwörth, dafs am 15. 
die österreichische Kavallerie bis auf zwei Stunden von der Donau- 
brücke entfernt von den Franzosen zurückgedrängt worden sei, das 
Bataillon sei nebst noch zwei andern in die dortigen Laufgräben 
eingerückt und die ganze Nacht dort verblieben; zwei Joche der 
Donaubrücke wurden abgebrochen, »die aber bei Tag wjeder auf- 
gelegt wurden«. Am 16. rückte der Feind mit Infanterie und 
Kavallerie, etwa 600 Mann stark, abermals vor, warf die Vorposten, 
und verfolgte dieselben bis zur Donaubrücke, worauf von dieser 
Seite aus den Schanzen und Batterien bis gegen Abend gefeuert 
wurde; das Bataillon hatte nur einen Leichtverwundeten. Die Vor- 
posten des Feindes standen eine halbe Stunde von der Donau 
entfernt.**) Am 17. zeichnete sich eine Abteilung des Bataillons 
unter den Lieutenants v. Otten und de L'Eau besonders aus, indem 
sie den Franzosen, welche an dem linken Donauufer zu landen ver- 
suchten, solchen Widerstand entgegensetzten, dafs sich dieselben 
wieder an das rechte Ufer zurückziehen mufsten und hierbei grofsen 



*) Siehe w. u. „Detachements am Lech" 
**) K.-A. 1800 2 a. 



— 26 — 

Schaden erlitten.*) Nachdem das Bataillon am 19. durch einen 
ausgestellten Posten sechs Stunden lang dort noch den Donauüber- 
gang bis zur Nacht verteidigt hatte, ging es mit den übrigen 
Truppen unter General Devaux über Pappenheim (20.) und Eich- 
städt (21.) nach Ingolstadt (22.) zurück, wo es von jetzt ab einen 
Teil der Besatzung bildete. 

Peldzeugmeister Kray brach am 21. Juni auf, nachdem er eine 
Stellung unvs'eit Elchingen genommen und den Feldmarschall-Lieute- 
nant Petrasch mit 12,000 Mann, unter denen die bayer. Kontingents- 
Brigade in Ulm zurückgelassen. Er marschierte über Dettingen, 
Heidenheim und Neresheim nach Nördlingen. Am nämlichen Tage 
traf auch Moreau, mit Ausnahme des Generals Richepance, der mit 
10,000 Mann vor Ulm geblieben, bei Nördlingen ein (23). Ein Waffen- 
stillstand, den Kray dem französischen Obergeneral antragen liefs 
wurde von diesem nicht angenommen. Darauf setzte Kray seinen 
Marsch über Wemding nach Monheim fort. Moreau rückte an die 
Wörnitz, setzte seinen rechten Flügel mit Donauwörth in Ver- 
bindung und dehnte sich links bis nach Ostheim aus. Die äufserste 
Spitze seines linken Flügels besetzte Ottingen und erbeutete daselbst 
gegen 60 bespannte Wagen des österreichischen Gepäckes. Noch 
am Abend des 25. nahm Wrede mit den Bataillonen Preysing und 
Pompei und der halben reitenden Batterei eine vom Feinde besetzte 
dominierende Höhe und behauptete sich dort gegen die wiederholten 
Angriffe eines überlegenen Gegners. »Die reitende Artillerie, welche 
hier zum erstenmal in Aktion kam, leistete durch ihr rasches gut- 
gezieltes Feuer treffliche Dienste.« Als die Armee in später Nacht 
gegen di^ Donau aufbrach, folgte ihr Wrede, seine Verwundeten 
mit sich führend. Von Monheim über Stepperg nach Neuburg 
marschierend, ging die österreichische Armee hier über die Donau; 
die Bayerndivision nahm Stellung bei Wagenhofen und bildete den 
linken Flügel des ersten Treffens. »Der Zweck dieses schrecklichen 
Marsches war, den Franzosen die feste Position von Rain, acht 
Stunden von Neuburg, zu nehmen und darauf Bayern zu decken. 
Die Franzosen kamen uns aber, wie gewöhnlich, zuvor.«**) In der 
That hatte Moreau bereits den General Decaen nach München de- 



*) Auch die Oberlieutenants Fortis und Koch, „welche eine aufs Freie ge- 
stellte und dem feindlichen Flintenfeuer ausgesetzte 12 Pfünder Kanone standhaft 
begleiteten und unterstützten sind, um so mehr anzurühmen, als diese Kanone die 
Tirailleurs vertrieb und das feindliche Schiff in Grund bohrte". 
**) Heilmann, Feldmarschall Fürst Wrede, 55, 56. 



— 27 — 

tachiert*) und Lecourbe bei Donauwörth über die Donau gehen lassen, 
welcher die Stellung bei Rain mit einer Division besetzen liefs; mit 
der Hauptarmee nahm Moreau Stellung zwischen Donauwörth und 
Harburg. Am 27. rückte vom feindlichen Heere der rechte Flügel 
auf Neuburg, die Mitte gegen Rain und der linke Flügel gegen 
Donauwörth. Eine Division des rechten Flügels, Gudin, stiefs bei 
Pöttmes auf die Österreicher; sie wurde zurückgeworfen; die andere 
Division, Montrichard, welche über Burgheim heranrückte, stiefs bei 
Strafs auf die Avantgarde Kray's und nun entwickelte sich das 
Treffen bei Neuburg, an welchem die bayerischen Truppen den 
»lebhaftesten Anteil nahmen. Die österreichischen Vorposten zogen 
sich nach leichtem Gefechte auf die Hohe von Unterhausen zurück. 
Die Franzosen bemächtigten sich zwar dieser Höhe, sie mufsten 
dieselbe aber wieder räumen, als Verstärkungen für die Österreicher 
eingetroffen waren. Eine andere feindliche Kolonne, die von Rohren- 
feld her gegen den linken Flügel vorging, wurde von der öster- 
reichischen Kavallerie über den Haufen geworfen und in die Flucht 
gejagt. Mittlerweile hatte der Feind seine Angriffe auf die Stellung 
bei Unterhausen fortgesetzt und drang auch wieder bis in das 
Gehölz dortselbst heran. Gegen 3 Uhr Nachmittags rückten die 
Bayern auf der Stralse, welche nach Rain führt, vor. Während 
General Deroy mit der 1. Brigade in den vom Feinde besetzten 
Wald drang und ihn vor sich her trieb, manövrierte General Wrede 
mit der 2. Brigade so rasch und umfassend gegen den rechten 
Flügel des Feindes, dafs dieser augenblicklich in die Ebene von 
Oberhausen zurückweichen mufste, wo er mit einem lebhaften Feuer 
der 1. Brigade empfangen und weiter zurückgedrängt wurde. Auf 
der Höhe von Überhausen schlofs sich die 1. Brigade an den linken 
Flügel der Österreicher, und nun wurde dem Feinde ünterhausen 
und Strafs nacheinander entrissen, und die vorige Stellung der Armee 
wieder eingenommen. Auf beiden Seiten entspann sich ein heftiges 
Feuer, dafs durch das schwere Geschütz vom linken Donauufer her, 
unterstützt wurde; es dauerte den ganzen Nachmittag ununter- 
brochen fort. Da warf sich plötzlich der Feind mit aller Kraft auf 
den äufsersten rechten Flügel und brachte denselben zum Wanken. 
General Deroy schickte sofort zu seiner Unterstützung das Bataillon 
Zedtwitz dorthin ab. Das Bataillon entwickelte sich unter dem 
heftigsten Geschützfeuer des Feindes aus einem Hohlweg, marschierte 

*) „Cette mesure avait pour but de forcer l'electeur de Baviere ä remplir 
les conditions d'un traite qu'U avait conclu at elude en Tan IV." Memorial du 
depöt generale de la guerre, V, 121. 



— 28 — 

mit grofser Ordnung auf, und warf den Feind zurück. In dem 
Moment aber, in welchem das Bataillon in die österreichische Linie 
einschwenken wollte, zog sich diese wieder auf die Höhe zurück und 
überliefs dem Bataillon, den Rückzug zu decken. Kaum bemerkte Ge- 
neral Deroy das Weichen der Österreicher, als er diesem isolierten 
Bataillon das Bataillon Minucci folgen liefs. Beide Bataillone setzten 
sich nun schnell in Gefechtsstellung und erwarteten den Angriff des 
Feindes. Die Nacht brach an; der Feind, der sich auf diesen 
Punkt verstärkt hatte, griff mit Erbitterung an — und die Öster- 
reicher wichen von allen Seiten. Die beiden Bataillone empfingen 
den Feind mit Ruhe und Entschlossenheit; aber seine grofse Über- 
legenheit zwang die Bayern zum Rückzug, den sie in gröfster 
Ordnung, Schritt vor Schritt, gegen eine Anhöhe ausführten. Von 
allen Seiten umklammert, mufste das Bataillon Zedtwitz ein mör- 
derisches Feuer aushalten, dem sein geliebter Commandeur zum 
Opfer fiel; gleiches Schicksal hatte der Adjutant. Hauptmann Schmidt 
übernahm das Kommando des Bataillons und führte dasfelbe mit 
Entschlossenheit und Geistesgegenwart durch die Gefahren, die es 
von allen Seiten umgaben. Jetzt — die Anhöhe erstiegen, umwickelt 
vom Feinde, eilte das österreichische Dragoner -Reginient Latour 
herbei, stürzte auf den Feind und vernichtete ihn. Auch die übrigen 
Bataillone der Brigade schlugen sich noch mit dem von allen Seiten 
heranstürmenden Feinde, als auch sie auf ihren Rückzug bedacht 
sein mufsten. Gegen 10 Uhr in der Nacht traten sie denselben 
an; sie waren die letzten auf dem Schlachtfelde, wo sie einen 
glänzenden Beweis ihrer ünerschrockenheit und Tapferkeit abgelegt 
hatten. »Den völligen Rückzug«, sagt Generalmajor Deroy in seinem 
Bericht vom 29. Juni, »hat das Grenadier-Bataillon Reufs mit der 
gröfsteu Ordnung, und man kann sagen, wie auf dem Exerzierplatz 
gedeckt und dadurch das gute Benehmen sämmtlicher Truppen Euer 
Kurfürstlichen Durchlaucht rühmlich vollendet. Nachts 12 Uhr ist 
dieses Bataillon, als das letzte, im Lager eingerückt. Vorzüglich 
zu empfehlen, halte ich mich verpflichtet, den Oberstlieutenant (Traf 
Reufs, sowohl wegen der Bravour und Geschicklichkeit, mit welcher 
er sein Bataillon den ganzen Nachmittag hindurch geführt — als 
besonders wegen der geschickten Art, wie er den Rückzug voll- 
zogen hat.« 

Die österreichische Armee brachte die Nacht in der Stellung 
zu, welche sie vor dem Treffen iune gehabt; die Anhöhen und 
Waldungen vor der Linie wurden mit schwachen Abteilungen 
besetzt. 



— 29 — 

Das Treffen bei Neuburg kostete der Subsiclien-Divisiou, 5 tote, 
5 verwundete und 2 gefangene Offiziere, 425 Mann tot und ver- 
wundet, 65 Mann gefangen. Die 5 toten Offiziere waren: Oberst- 
lieutenant Graf Zedtwitz und Hauptmann und Adjutant v. Kornmann 
vom jetzigen 7., Hauptmann v. Beeren vom jetzigen 2., Ober- 
lieutenant Drost des jetzigen 3. und Oberlieutenant v Kladt des 
aufgelösten 11. Infanterie -Regiments. Ganz besonders wurde der 
Tod des Oberstlieutenant Zedtwitz beklagt, der kurz vorher aus 
preufsischen Diensten in das bayerische Heer übergetreten war; er 
wurde von seinen Soldaten beweint, da er ihnen Vater und Freund 
gewesen. 

Kray brach am 28. von Neuburg auf und marschierte rittlings 
der Donau nach Ingolstadt, wo er unter den Kanonen dieses Platzes, 
zwischen demselben und Gairaersheim, Biwak bezog. Nachdem er 
die Besatzung der Festung auf 6500 Mann verstärkt und ein 
fliegendes Corps unter Generalmajor Kleuau, »um Regensburg zu 
decken und die Franzosen in ihrer linken Flanke zu beunruhigen«, 
in jener Gegend aufgestellt hatte, setzte er sich am 29. wieder in 
Bewegung und nahm seine Richtung über Siegenburg nach Lands- 
hut, wo er ain 1. Juli einti'af, um seineu erschöpften Truppen einige 
Tage Ruhe zu gönnen. Klenau ging nach Eichstädt und verband 
sich mit dem Erzherzog Ferdinand bei Meckeulohe. In Ingolstadt 
verliefs Geuerallieutenant Zweibrücken, vom Kurfürsien nach Lands- 
hut berufen, die Division, deren Führung Generalmajor Droy über- 
nahm. 

Der Kurfürst hatte am 27. Juni München verlassen und sich 
über Landshut nach Straubing begelien. Herzog Wilhelm verliefs 
mit dem »Landesverteidigungs-Corps« ebenfalls am 27. Juni Abends 
München und marschierte nach Landshut. Auch diesmal war wiederum 
die Frage aufgeworfen worden: »was zweckmäfsiger sei, sich in 
München zu halten, oder mit der Armee von dort wegzuziehen.« 
Diesmal entschied sich zwar die Mehrzahl der Konferenz-Mitglieder 
für den Abmarsch, doch wollte der Kurfürst vorerst noch die 
Ansicht des preufsischen Gesandten, Generalmajor v. Heymann, er- 
holen. Dieser sprach sich unbedingt für den Abmarsch aus, der 
auch sofort angeordnet wurde. Als der österreichische Gesandte 
hiervon Kunde erhielt, verliefs er München mit den Worten: »Also 
wollt ihr euch nicht defendiren, sondern retiriren; nun gut! so gehe 
ich!« Und so geschah es.*) 



•=) Aus den Aufzeichnungen des J. F. Lipowsky. 



— 30 — 

Als Kray in Laudshut eintraf, befand sich das Corps unter 
Herzog Wilhelm noch dort. Er war der Meinung, dafs auch dieses 
Corps zu ihm stofsen werde. Statt sich jedoch mit ihm zu ver- 
einigen, ging das Corps seine eigenen Wege in die Oberpfalz.*) 

Nachdem Herzog Wilhelm den Vorbeimarsch der »Subsidien- 
Division« abgenommen, bezog sie Biwak auf dem Hofberg. General- 
lieutenant Zweibrücken traf zwar wieder bei der Division ein, er 
verliefs aber dieselbe wegen Unpäfslichkeit wieder. 

In Landshut angekommen, verlangte Kray in wenigen Stunden 
die Lieferung von 243,600 Pfund Brot und 30,700 Rationen Heu, 
was rein unmöglich war. Um diesem Ansinnen nachzukommen, 
wurden Eilboten an die Landgerichte abgeschickt, welche jedoch 
von österreichischen Marodeurs angehalten, mifshandelt und ihrer 
Kleidung und Habseligkeiten beraubt wurden. Bei der Verteilung, 
welche von österreichischer Seite gemacht wurde, hatte man auf 
die örtlichen Verhältnisse gar keine Rücksicht genommen. So be- 
fanden sich unter den 244 namentlich aufgeführten Ortschaften 
nicht wenige, die blofs aus einer Kirche, einem Mefsner und einem 
Söldner bestanden, und mit 800 Pfund Brot und 100 Rationen Heu 
belegt worden waren. Überhaupt wurden die Einwohner von den 
sogenannten Freunden brutal behandelt, was wesentlich zu dem 
Hasse beigetragen hat, der sich in Bayern zu jener Zeit gegen die 
Österreicher geltend machte. Namentlich benahmen sich die Truppen 
fremder Zunge sehr frech. Sie hatten Dörfer geplündert und mit 
Brandschatzung belegt. U. a. erkühnte sich ein Lieutenant mit 
seinen 30 Manu in der Stadt Pfaffenhofen den Despoten zu spielen. 
Er liefs Bürgermeister und Ratsdiener aus ihren Wohnungen 
schleppen, und war eben im Begriff ihnen 50 Stockstreiche geben 
zu lassen, als die Sturmglocke dieser Oberherrschaft schnell ein 
Ende machte.**) 

Mit Zurücklassung einer Arrieregarde unter Erzherzog Fer- 
dinand, brach Kray am 4. Juli wieder von Landshut auf, und 
marschierte über Wartenberg, Erding, Hohenlinden und Haag hinter 
den Lm, wo er bei Ampfing ein Lager bezog; hier vereinigte sich 
Merveldt, der bei Parsdorf gestanden, mit ihm; Conde traf in Wasser- 
burg ein. Die Subsidien-Division hatte sich schon am 3. von Lands- 
hut in Marsch gesetzt und war über Wartenberg, Zinnenbeg (4), 
Preisendorf (5.), Haag (6,), Ampfing (8.) in eine Stellung bei Loch- 
ham (10.) gerückt. — 

*) Siehe w. u. „Das Landesverteidigungs-Corps unter Herzog Wilhelm." 
**) Mussman, Geschichte der französischen Kriege 2, 45, 46, 50, 51. 



— 31 — 

Empfangen von einer Deputation, die aus Vertretern des Hofes, 
der Landschaft und der Bürgerschaft bestand, hielt General Decaen 
am Nachmittag des 28. um IV2 ühr an der Spitze der Brigade 
Debilly seinen Einzug in München, der mehr einem festlichen 
militärischen Aufzuge, als einem feindlichen Überfalle glich. Es 
herrschte während desfelben die schönste Ordnung, und es fiel 
nicht der geringste Excefs dabei vor. Das Volk bildete zu beiden 
Seiten Spalier, und die Franzosen zogen ruhig durch die Mitte 
desfelben. Die französischen Offiziere suchten sich bei ihrer Ankunft 
in München zuerst die Fink'sche und Appian'sche Karte zu ver- 
schafi^en. Das Betragen der Republikaner in der Stadt selbst war 
gut, desto zügelloser hingegen auf dem Lande.*) 

In München hatte sich ferner eingefunden: der Generalstabs- 
Chef der Armee Divisionsgeneral Dessolles, der Chef der Kavallerie 
der Rheinarmee Divisionsgeneral Hautpoult, der Chef der Artillerie 
Divisionsgeneral Eble, der Chef der Administration Favier und der 
Zahlmeister der Armee La Bouillerie. 

Die französische Armee stand am 28. und zwar die Division 
Richepauce bei Ulm, der linke Flügel unter Grenier von Neuburg 
bis Laodshut (Division Ney, Baraguay d'Hilliers und Legrand) die 
Mitte unter Moreau in der Gegend von München (Divisionen Decaen, 
Leclerc und Grandjean), rechter Flügel unter Lecourbe am Gebirge 
(Divisionen Molitor, Gudin und Montrichard, welcher von Neuburg 
her über Schleifsheim und Dachau in Eilmärschen zum rechten 
Flügel stiefs).**) Lecourbe stellte demnächst im Verein mit den 
Generalen Molitor und Nansouty die Verbindung mit der Armee in 
Italien her. 

Nach verschiedenen Verschiebungen rückte am 7. Juli die 
Division Leclerc aus der Mitte gegen Landshut, indeis Ingolstadt 
eingeschlossen und Neustadt a. d. D. festgehalten wurde. Die Arriere- 
garde unter Erzherzog Ferdinand, welche man gäuzlich vergessen zu 
haben schien, hatte unbegreiflicher Weise vor der Isarbrücke von 
Landshut Stellung genommen. Da nun die Franzosen am 7. gegen 
diesen Posten anrückten, und eine ihrer Abteilungen zunächst der 
Stadt Landshut eine nicht besetzte Brücke fand, so drang diese in 
die Stadt, während die österreichische Arrieregarde von vorne ge- 
drängt wurde, wodurch sie bei ihrem Rückzug durch die Stadt 
2 Geschütze und viele Gefangene verlor. Am 8. und 9. Juli rückten 
die Franzosen gegen Anzing und Hohenlinden vor. 

*) Mussinan, Geschichte der französ. Kriege 2, 186, 187. 
**) K.-A. B. Einfall der Franzosen 1800, 1801, Kriegsereignisse. 



— 32 — 

General Moreau traf am 30. Juni in Nymphenburg und am 
14. Juli in München ein. Dem Kurfürsten thum Bayern wurden 
6 Millionen Lires (2,750,000 Gulden) auferlegt. Das kurfürstliche 
und bürgerliche Zeughaus in München, welche nicht mit der 
wünschenswerten Genauigkeit und Raschheit geräumt worden waren, 
wurden mit Beschlag belegt. Die Bildergallerie, die sonstigen 
Kunstsammlungen und die wertvollsten Manuscripte der kurfürstlichen 
Bibliothek waren zeitig in Sicherheit gebracht worden. Gleichwohl 
bemächtigten sich französische Regierungskommissare noch einiger 
Bilder und Handschriften von geringem Wert, übrigens mit dem 
Versprechen, Ersatz dafür zu leisten. Dagegen geschah kein Eingriff 
in die Landesgesetze oder das öffentliche und Privateigentum. Bis 
zum 20. Juli betrugen die Requisitionen, welche der Stadt München 
auferlegt wurden, 2 Millionen Gulden, ohne dafs noch eine Kon- 
tribution an Geld bezahlt worden ist.*) 

Während Moreau in München verweilte, wurden französische Schriften in 
Umlauf gesetzt, welche nichts weiter anstrebten, als aus Bayern eine Filial- 
Republik der grofsen französischen Eepuhlik zu machen. Es kann nicht in 
Abrede gestellt werden, dafs die Eevolution in allen Ländern, wohin sie vordrang, 
eine zahlreiche ihr ergebene Partei vorfand. Den Enthusiasmus für ihre Prinzipien 
hatte diese Partei gestiftet; der Glanz ihrer Siege, das Interesse und die Furcht 
unterhielten und verstärkten sie. Einige aufgeregte oder mifsvergnügte, zum 
Teil in ihrem Vermögen herabgekommene Persönlichkeiten gingen soweit, die 
feindlichen Generale zu bestimmen, Bayern zu revolutionieren, die rechtmäfsigen 
Behörden abzusetzen und eine provisorische Regierung zu bestellen. Dieses ver- 
räterische Unternehmen, an dem sich Leute beteiligten, welchen man es nicht 
hätte zutrauen sollen, scheiterte an der bestimmten Weigerung des Generals 
Moreau, sich darauf einzulassen. Es kam soweit, dafs das vom Kurfürsten in 
München hinterlassene Hofkommissariat einen Vertrauten zu Moreau schickte, um 
ihn zu befragen, welche Ansicht er über eine Umgestaltung Bayerns in eine 
Republik habe. Moreau — der nebenbei gesagt anstatt der gewöhnlichen Titu- 
latur „citoyen" die Benennung „monseigneur" angenommen — erwiderte: „Mein 
Gott, man weifs nicht was man will; eine Republik kostet viel Blut, wir haben 
sie." Diese sinnvolle Antwort beruhigte das Hofkommissariat. **) Trotzdem sind 
wir zur Annahme berechtigt, dafs sich französische Emmissäre in Bayern herum- 
trieben, die für die Republik Propoganda zu machen suchten. Unwillkürlich 
fällt uns hierbei Louvet's Vorschlag ein, dafs „jeder Bürger-Soldat in diesem ge- 
heiligten Kriege, eine Patrontasche voll Kugeln für die Herrn, und einen Sack 
voll kleiner Freiheitsschriften für ihre Unterthanen bei sich führen 
möchten."***) Erwiesene Thatsache ist es, dafs die französische Republik die Un- 



*) Journal des Platzmajor Magg in München aus dem Jahre 1800. Herzoglich 
bayerisches Hausarchiv. 

**) Ungedruckte Memoiren des Staatsministers Grafen Montgelas und Auf- 
zeichnungen des J. F. Lipowsky. 
***) Discours du 9 janvier 1792. 



— 33 — 

Zufriedenheit in Bayern über die miserable Eegierung .Karl Theodor's zu ihren 
Gunsten ausbeuten wollte.*) 

Es herrschte damals ein eigentümliches Verhältnis in München. Neben dem 
französischen Stadtkommandanten funktionierte noch ein bayerischer, und mit der 
französischen Besatzung versah gleichzeitig das Bürgerrailitär den Wachtdienst. 
Der bayerische Stadtkommandant hatte bei irgend einer Zusammenkunft Gelegenheit 
gefunden, dem General Pdchepance, der später eintrat und sehr ermüdet war. 
seinen Stuhl anzubieten, den dieser auch auf Zureden annahm. Als Moreau am 
23. Juli nach Augsburg zurückging, übernahm Eichepance das Kommando. Der 
französische Stadtkommandant verlangte die Auslieferung des bürgerlichen Zeug- 
hauses. Der bayerische Stadtkommandant protestierte dagegen, erhielt jedoch zur 
Antwort, dafs der Befehl hierzu vom Divisionsgeneral Richepance komme. Der 
Stadtkommandant begab sich zu diesem. Richepance erschien in Generalsuniform 
und der Stadtkommandant glaubte ihn zu erkennen, ohne sich indefs entsinnen 
zu können woher? Richepance aber erkannte den Stadtkommandanten sofort, denn, 
als er ihm sein Anliegen und seine Bitte vorgetragen hatte, fiel er ihm sogleich 
in die Rede: „Das machen wir kurz, Sie gaben mir, als ich müde gewesen, einen 
Stuhl, und ich lasse Ihnen dafür Ihr Zeughaus. Der Bürger Briant wird von mir 
sofort Gegenordre erhalten." Und Richepance hielt Wort.**) Auf diese Weise 
war wohl das bürgerliche Zeughaus gerettet, dagegen wurde das kurfürstliche 
Zeughaus bis auf den letzten Nagel geleert, was nach dem mittleren Geldanschlag, 
nach eigener Schätzung durch Franzosen, einen Schaden von 1,690.000 Gulden 
verursachte. Hierzu kommen aber noch folgende teils im Wasser, teils vermauert 
gefundene Gegenstände, als: 2 silberne Pauken, 2 silberne Statuen, einige hundert 
Pickelhauben, ebenso viele Spiefse und Hellebarden, Siegesfahnen, türkische mit 
Gold gestickte Zelte, geringere türkische Zelte, die berühmten 2 silbernen Kanonen- 
stückchen, einige seltene und andere gemeine Harnische u. dgl. m.***) 

Die Subsidien - Division war inzwischen von dem englischen 
Obersten Clinton bei Lochham gemustert worden. Zu diesem Zweck 
war am 13. Juli die 1. Brigade vor ihrer Lagerliuie ausgerückt, 
während die 2. Brigade, in Rücksicht des Terrains, nächst ihrem 
Lager im Yiereck sich aufstellte; Kavallerie und Artillerie standen 
auf dem rechten Flügel. Nach der Musterung erhielt jeder Mann 
ein Pfund Fleisch auf englische Rechnung. Die reitende Batterie 
führte vor dem Erbprinzen von Württemberg einige Schulbe- 
wegungen aus, welche grofsen Beifall fanden. Als Generalmajor 
Deroy, der Führer der Division, dem Kurfürsten hiervon mit dem 
Beisatze Meldung erstattete, dafs Oberst Clinton seine Zufriedenheit 
geäuisert habe, sprach der Kurfürst am 17. Juli sich wohlgefällig 
hierüber aus, »dafs dieser sowohl mit ihrer noch wirklichen Stärke 



*) Lluminaten und Patrioten von Fournier. Allgemeine Zeitung 1882 
Nr. 179 u. folg. 

**) Aus den Aufzeichnungen des J. F. Lipowsky. 
***) Müssinan, Geschichte der französischen Kriege 2, 189, 190. 



- B4 - 

als übrigen Beschaffenheit zufrieden war, und wodurch manche 
falschen Gerüchte widerlegt worden sind.«*) 

Am 15. Juli wurde zu Parsdorf ein Waffenstillstand mit zwölf- 
tägiger Kündigung geschlossen. Ein Ausfall, den die Besatzung 
von Ingolstadt noch am folgenden Tag unternommen, wurde vom 
General Ney abgeschlagen. Die Festungen Ingolstadt, Ulm und 
Philippsburg sollten zwar eingeschlossen bleiben, aber alle zehn Tage 
Lebensmittel empfangen können. Der ganze Innstrom und die obere 
Pfalz u. s. w. blieben in österreichischen Händen. In Italien, wo 
schon seit 16. Juni ein Waffenstillstand zu Stande gekommen war, 
hatten die Österreicher unter Melas die gleichen Unfälle erlitten, 
wie in Deutschlaud. 

Nachdem eine Änderung in der Politik Russlands eingetreten 
war, indem Kaiser Paul vom heftigsten Feind der französischen 
Republik, der gröfste Verehrer und eifrigste Freund des ersten 
Konsuls geworden war, suchte Bayern, auf Kaiser Paul's Rat hin, 
sich mit dem ersten Konsul zu verbinden. Indem Kaiser Paul 
erklärte, »dafs ihm auf jeden Fall Galizien für die Sicherheit Bayerns 
Bürgschaft leiste« war man hinreichend gegen Osterreich gedeckt. 
Es wurde der Geheimrat Getto, ein sehr gewandter Unterhändler 
nach Paris geschickt (seine Instruktion ist vom 8. Oktober datiert); 
er fand dort eine wohlwollende Aufnahme, ohne vor der Hand noch 
einen eigentlich diplomatischen Charakter zu tragen. Da inzwischen 
zu Paris für die besonderen Interessen Bayerns noch nichts zu er- 
zielen gewesen war, indem man dort weder über die Ansprüche 
noch Gegenleistungen sich deutlich aussprach, so wurden die 
bayerischen Truppen noch in die Katastrophe von Hohenlinden 
verwickelt. 

Um freie Hand in der Politik zu haben, ging der Kurfürst mit dem Plane 
um, seine sämtlichen Truppen — „Subsidien-Division" unter GeneraUieutenant 
Zweibrücken, „Landesverteidigungs-Corps" unter Herzog Wilhelm und „Kontingents- 
brigade" unter Generalmajor Bartels — zu vereinigen und ausschliefslich zum 
Schutze seiner Staaten zu verwenden. Die Unterhandlungen, welche deshalb mit 
dem Wiener Hof und dem Feldzeugmeister Kray gepflogen wurden, blieben erfolglos, 
zeigten aber zur Genüge, dafs es nunmehr Zeit sei, sich von einem unpopulären 
Bundesgenossen loszusagen, wollte man nicht Gefahr laufen, dem sichern Untergang 
entgegenzugehen. Die Truppen fingen an, schwierig zu werden. Reibereien und 
Balgereien zwischen Österreichern und Bayern waren ohnehin an der Tagesordnung. 
Nun erreichte der Hafs seinen Höhepunkt. Die Truppen gaben ihrem Unwillen 
Ausdruck, indem sie sich weigerten, noch ferner bei den Österreichern zu bleiben. 
Die Generale Deroy und Wrede sahen sich genötigt, zu ihren Truppen zu sprechen. 
Zu diesem Zweck versammelten sie am 8. Juli auf einem dem Lager nahegelegenen 



*) K. A. 1800 in. 



— 85 — 

Hof alle Coramandeure und Deputationen aus Unteroffizieren und Soldaten aller Ab- 
teilungen. Dem Ansehen und der Beredsamkeit ihrer trefflichen Generale gelang 
es, die Gemüter wieder einigermafsen zu beruhigen. Commandeure und Aus- 
schüsse wiederholten die Worte der Generale ihren Abteilungen gegenüber, so 
dafs die Truppen aus ihren Biwaks aufbrachen und weiter marschierten. Wenn 
nun auch die Truppen dem Rufe ihrer Generale folgten, so hatte sich derselben 
doch ein solcher Groll bemächtigt, der eine Änderung der bisherigen politischen 
Terhältnisse im höchsten Grade wünschenswert machte. Selbst die Worte des 
geliebten Kriegsherrn, welche derselbe in dieser Angelegenheit ergehen liefs, ver- 
hallten in taube Luft, denn der Hafs hatte zu tiefe Wurzeln geschlagen und die 
Beleidigungen waren von einer Art, welÄie die Rache heraufbeschwor. Schon 
am 19. Januar 1798 berichtete Oberst Triva von blutigen Schlägereien zwischen 
Österreichern und Bayern, die dadurch hervorgerufen wurden, dafs die Österreicher 
den Bayern die Titel: „Bettelsoldat, Bettelfürstensoldaten" beilegten. Noch am 
16. Mai 1800, nachdem die Bayern, namentlich die Brigade Wrede, die Österreicher 
auf dem Schlachtfelde aus mancher Verlegenheit gerissen hatten, gestand Peld- 
zeugmeister Kray, dafs den Subsidien-Truppen die gebührende Achtung nicht 
gezollt werde. Es laufen immer noch Klagen hierwegen ein über „derlei unan- 
ständiges und dienstwidriges Benehmen". Man habe sich sogar an pfalzbayerischem 
Fuhrwerk, welches doch deutlich durch weifsblaue Farben kenntlich gewesen, ver- 
griffen. „Derlei Verbrechen werden künftig, ohne alle Rücksicht der Charge, auf 
das strengste geahndet werden." Wird hierzu noch die Entwaffnung der Mann- 
heimer Garnison v. J. 1795 mit ihren Nebenumständen, sowie noch manches andere ' 
Vorkomnis gezählt, so war es wahrlich nicht zu wundern, wenn sich eine Summe 
von Hafs ansammelte, welche nur eines leisen Anstofses bedurfte, um in hellen 
Flammen aufzulodern. Auch die Bevölkerung war im höchsten Grade über die 
Bedrückungen aufgebracht, welche sich die Österreicher, die sich Freunde nannten, 
erlaubten. Dieser Hafs mit seinen Konsequenzen drang selbst zu den Franzosen: 
„Les rixes continuelles entre les Bavarois et les Autrichiens devenant chaque 
jour plus serieuses, forcerent ä changer le corps bavarois pour le faire placer ä 
Oberrauhldorf." *) 

Während des Waffenstillstands wurde die Division von dem 
englischen Armeeminister Wickham gemustert. Im Auftrage seines 
Monarchen spendete er den Truppen die schönsten Lobsprüche über 
ihr bisheriges Verhalten. Insbesondere hob er die Leistungen Wrede's 
bei Möfskirch und Memmingeu und der ganzen Division bei Neuburg 
hervor. Eine Tageslöhnung als Gratifikation bildete den Schlufs. 

Generallieutenant Zweibrücken war am 6. August wieder bei 
der Division eingetroffen, worauf er am 8. die Brigade Wrede und 
am 11. die Brigade Deroy besichtigte; am 16. fand ein Divisions- 
manöver auf der Ebene zwischen Lochham und Mettenham statt. 

Auch Kaiser Franz, der sich bei seiner Armee eingefunden 

hatte, um die Ursachen der fortwährenden Niederlagen an Ort und 

Stelle zu erforschen, besichtigte die Division. Er sprach gleichfalls 

seine Anerkennung aus, die aber nicht besonders hoch angeschlagen 

*) Memorial du. depot generale de la guerre V, 151, 



— 36 -^ 

wurde, da jedermann wohl wufste, welche Absichten er stets im 
geheimen auf Bayern gehabt. Anerkennungswert war freilich die 
stille Resignation, mit welcher sich die Bayern von einer Schlacht- 
bank auf die andere schleppen liefsen. Eine zweitägige Gratis- 
löhuuug stopfte momentan die bösen Mäuler der »vieux grognards«. 
Erzherzog Johann, der achtzehnjährige Bruder des Kaisers, 
erhielt an Stelle Kray's den Oberbefehl, Generalmajor Chasteler, 
der bisher auf die Ereignisse des Feldzugs grofsen Einflufs geübt, 
wurde nach Tirol geschickt, wo er eine Brigade übernahm. Feld- 
marschall-Lieuteuant Hiller trat an die Stelle des Fürsten Reufs, 
der durch Unthätigkeit geglänzt u. s. f. Dem Erzherzog wurde der 
alte Feld m arschall- Lieutenant Lauer, ein tüchtiger Ingenieur-Offizier, 
der aber niemals ein gröfseres Truppenkommando im Felde geführt, 
als Generalstabs-Chef beigegeben. »Ein Mann, der bei der Armee 
weder Zutrauen noch Ansehen besafs, ungeachtet er die rechte 
Hand Thugut's war, der sich die oberste Leitung der militärischen 
Angelegenheiten angeraafst hatte. Lauer hatte sich besonders da- 
durch bekannt gemacht, dafs auf sein Anraten Wurmser sich i. J. 
1796 mit seiner ganzen Armee in Mantua einschliefsen mufste. 
Thugut hatte mit Lauer häufige Konferenzen, liefs durch ihn die 
Operationspläne ausarbeiten und verwarf die Vorschläge der Ober- 
generale der Armee.«*) Es war ein gefährliches Unternehmen, das 
ganze Schicksal der Monarchie einem Jüngling anzuvertrauen, der 
fremder Führung selbst so bedürftig war! Wie gewagt, einem der 
besten Generale damaliger Zeit einen Anfänger entgegenzustellen, 
dessen Fähigkeit zu diesem wichtigen Posten noch nicht geprüft 
war, dessen Name in der militärischen Welt noch nie genannt, viel 
zu kraftlos war, um der durch ununterbrochene Niederlagen mutlos 
gewordenen Armee im voraus den Sieg zu verbürgen. Hier konnte 
nur Erzherzog Karl, der ruhmgekrönte Sieger von Amberg, Wüi'z- 
burg, Stockach u. s. f., helfen »nach welchem die ganze Armee 
seufzt und ruft!«**) 

Am 29. August hatte Moreau den Waffenstillstand gekündigt, 
und am 10. September sollten die Feindseligkeiten wieder beginnen. 
Am 8. September brach die österreichische Armee aus ihren Kan- 
tonierungen auf und rückte in eine konzentrierte Stellung bei 



*) Miliutin, Feldzug von 1799, deutsche Übersetzung, 1, 129. 
**) Schon am 6. Mai 1800 hatte Wrede an den Kurfürsten geschrieben: 
„Die ganze Armee seufzt und ruft nach S. k. H. dem Herrn Erzherzog Karl." 
Heilmann, Feldmarschall Wrede. 59. 



— 37 — 

Ampfing. Den Bayern wurde ein herzerhebender Aufruf ihres 
Kurfürsten, dato Amberg 16. September, bekannt gemacht. 

Er lautete: „Der Krieg beginnt aufs neue Soldaten! Erinnert euch des 
Ruhmes, den ihr euch in diesem Feldzuge schon erworben habt, dieser mufs be- 
festigt und mit neuen Lorbern gekrönt werden. Blickt auf euer Vaterland, 
Bayern und Pfälzer, der gröfste Theil ist in der Gewalt des Feindes, und der 
letzten von Uns noch besetzten Strecke, , droht ein gleiches trauriges Schicksal. 

Der stolze Gedanke, welche grofse Hoffnungen auf eure geprüfte Tapferkeit 
gebaut sind, mufs euren Muth beleben. Die Errettung und Wiedereroberung euers 
Vaterlandes, seine zukünftige sichere Erhaltung werde euer Werk, und sei das 
grofse Werk wofür ihr kämpft. 

Ein dauerhafter Friede für das deutsche Reich kann uns dessen Erreichung 
allein sichern, und diesen Frieden müssen wir zu gewinnen helfen. Unwissende 
Schwätzer, selbstgetäuschte oder durch boshafte Nebenabsichten geleitete Menschen, 
Staatsverräther sind beschäftigt durch lügenhafte Gerüchte, euch falsche Begriffe 
über euere Bestimmung beizubringen und dadurch auf eine arglistige Art euch 
zu hintergehen. Sie wollen euch vom Wege der Pflicht und Ehre, zu dem der 
Untreue und Schande überführen. Diese Elenden kennen den geraden Sinn des 
Kriegers nicht; dieser vertraut auf seinen Fürsten und auf seine ihm vorgesetzten 
Obern, folgt bieder, mit unverwandtem Blicke auf den Feind, seinem Berufe da, 
wo er ihn findet, er handelt, ohne über die Mafsregeln der Regierung und ihre 
Verbindung zu richten ; er kämpft, statt über Krieg und Frieden ängstlich zu ver- 
nünftlen, und nur dann ist er zufrieden, wenn das Ziel seiner Bestimmung errungen 
ist, auf welchem Boden es auch sein wolle. 

Wir sind überzeugt, euch in diesem, des braven Kriegers würdigen Geiste 
und in der festen Zuversicht handeln zu sehen, dafs ihr in keinem Falle für 
fremdes Interesse auf anderm, als auf deutschem Boden verwendet worden, 
für ein Interesse, welches auch zugleich mit jenem eures Vaterlandes ver- 
bunden ist. 

Diese Zuversicht, gegründet auf das heilige Wort eueres Fürsten, verlasse 
euch nie, und sie wird eure Kräfte verdoppeln, wenn ihr durch Übermacht ge- 
zwungen, vielleicht den vaterländischen Boden auf einen Augenblick verlassen 
müfst, um eine vortheilhafte Position zu gewinnen, und denselben desto sicherer 
und mit desto grösserem Erfolge wieder zu erringen. 

Erhaltet den Ruhm der Pfalzbayerischen Waffe — Feinde und Freunde haben 
ihre Aufinerksamkeit auf euch gerichtet! Seyd unbesorgt, euer Landesvater sorgt 
und wacht für euer Wohl. Ehre und Belohnung erwartet den ausharrenden 
Tapfern, dagegen Schande und gewisse Strafe nach der unerbittlichen Strenge der 
Gesetze, den Feigen und Meineidigen." 

Am 17. September marschierte die Armee nach Haag, und nahm 
seitwärts der Stadt eine Rendezvous-Stellung. Den 19., an welchem. 
Tage Moreau dem Kurfürsten einen Separatfrieden antragen liefs, 
den dieser jedoch nicht annahm, wurden die Anordnungen zum 
Angriff auf den folgenden Tag getroffen, der in der Früh um 5 Uhr 
unternommen werden sollte. Demzufolge sollte der rechte Flügel, 
Baillet, von Haag nach Schnaupping rücken, dann über Isen und 
Reithofen vordringen und den bei Hohenlinden stehenden linken 



— 38 ~ 

Flügel des Feindes in seiner Flanke anfallen, während die Mitte, zu 
welcher die bayerische Division gehörte, unter Erzherzog Johann's 
unmittelbarer Anführung auf der Strafse von Haag nach Hohen- 
linden, dann gegen Zornolding und Anzing vordringe; der linke 
Flügel, unter Merveldt, war angewiesen, auf der Strafse von Wasser- 
burg gegen Steinhöring vorzugehen und dann über Ebersberg gegen 
Grafing und Zornolding vorzudringen; das Reserve-Corps unter 
Kolowrat sollte sich bei TuUing aufstellen, den linken Flügel gegen 
Grafing unterstützen und die Strafse nach Wasserburg sichern; das 
Corps des Prinzen Conde sollte von Aibling nach Feldkirch gehen, 
gegen Glon vorrücken und sich in Verbindung mit General Mer- 
veldt setzen. Nachmittags 4 Uhr hatten sich die Kolonnen in 
Bewegung gesetzt, sie erhielten aber während des Marsches Befehl 
Halt zu machen, da die Unterhandlungen wegen Verlängerung des 
Waffenstillstandes einen günstigen Fortgang genommen. Am 20. 
war nämlich zu Hohenlinden, einem Ort, der bald zu einer traurigen 
Berühmtheit gelangen sollte, eine Konvention zu Stande gekommen, 
nach welcher eine Verlängerung des Waffenstillstandes auf 45 Tage, 
mit Inbegriff einer fünf zehntägigen Aufkündigungsfrist, festgesetzt 
wurde. Die Armee ging am folgenden Tag (21.) wieder in ihre 
Stellung bei Haag zurück, von wo aus sie in den nächsten Tagen 
die beiden Innufer besetzte; die französische Armee ging an die 
Isar zurück. Schon damals schrieb Moreau: »L'epuisement du 
pays entre IMsar et l'Inn, destine a etre notre premier theatre de 
guerre, etant extreme, on est convenu de n'y laisser que de legers 
avant-postes.«*) Am 22. verliefs der Kaiser die Armee, um sich 
nach Wien zu begeben. Graf Cobenzl ging nach dem bestimmten 
Kongrefsorte Luneville ab. In der Verbindung Österreichs mit 
Grofsbritanien lag noch die grofse Schwierigkeit, die sich der An- 
näherung eines Friedens für Osterreich und Deutschland entgegen- 
gesetzt hatte. 

Infolge der Verlängerung des Waffenstillstandes mufsten die 
Festungen Philippsburg, Ulm und Ingolstadt »zur Disposition der 
französischen Armee übergeben werden« (Art. 1). Die Besatzungen 
dieser Plätze durften »mit allem, was ihnen gehört, frei herausgehen 
und sich zur kaiserlichen Armee in Deutschland begeben« (Art. 2). 
Die bayerische Kontingents-Brigade, in Ulm und Philippsburg stehend, 
marschierte in die Oberpfalz und vereinigte sich dort mit dem. 
»Landesverteidigungs-Corps«**) Das Bataillon Schlofsberg hatte am 

*) Memorial, V, 208, Moreau an Carnot, 20. Septbr. 1800. 
**) Siehe w. u. „Die Kontingents-Brigade unter Generalmajor Bartels." 



— 39 — 

1. Oktober den Befehl erhalten, von Ingolstadt weg »eine solche 
Route einzuschlagen, damit es sich mit ünsern diesseits des Inn 
und der Salza in Kantonierungen liegenden Subsidien-Corps, von welchem 
sein Bataillon einen Bestandteil ausmacht, vereinigen kann.« Schlofs- 
berg marschierte nach Mühldorf, wo er bei der 1. Brigade einrückte. 
In Ingolstadt leerten die Franzosen, entgegen der Konvention, das 
dortige Zeughaus, wodurch sie Bayern einen Schaden von 263,362 
Gnlden 36 Kreuzer verursachten. Die Schleifung der Festungs- 
wjerke von Ingolstadt kostete Bayern aufserdem eine monatliche 
Ausgabe von 550,000 Franken. 

Diese verlängerte Ruhepause wurde zur Kompletierung und 
taktischen Ausbildung der Truppen, ferner zur Verstärkung der 
Stellungen am Inn durch ausgedehnte passagere Werke benutzt. Die 
Subsidien-Division mufste zu diesen Arbeiten ununterbrochen ungeföhr 
800 Mann stellen; jedem Mann waren für den Tag fünf Kreuzer 
Arbeitszulage versprochen worden. Schon Ende September that 
Generallieutenant Zweibrücken Schritte, um von diesen Arbeiten be- 
freit zu werden, da u. a. die meisten Leute 12 — 14 Stunden weit 
zur Arbeit hätten und die versprochene Arbeitszulage bisher nicht 
bezahlt worden sei. Sie blieben wie fernere Versuche erfolglos. 
Am 4. Oktober brachte Wrede die Stimmung seiner Soldaten in 
Betreff dieser Schanzarbeiten zur Sprache, indem er sagte: »Ich 
bin überzeugt, wie unangenehm Euer Excellenz das Ansinnen des 
k. k. Armee-Kommando's um Stellung dieser Arbeiter gewesen sein 
mufs. Ich meines Orts kann und darf Euer Excellenz nicht bergen, 
welchen üblen Eindruck auf die Mannschaft dieses Begehren des 
Armee-Kommando's macht. Es ist bekannt, welche Spannung und 
welches Mifstrauen ohnehin den ganzen Lauf des Feldzuges fast 
hindurch zwischen den beiderseitigen Truppen geherrscht, und wie 
schwer es war unsere Soldaten von ihrer einmal gegen die Oster- 
reicher gefafsten Meinung abzubringen. Kaum hat sich nun das 
Feuer ein wenig gelegt, kaum ist der Desertion,*) die bei 
vielen unserer Soldaten aus Hafs gegen die Österreicher 
eingetreten, vorgebeugt, so sollen unsere Soldaten in einem 
Zeitpunkt, wo die k. k. nur die besten Kantonierungen beziehen 
und ihrer Ruhe pflegen, unsern Truppen aber die ausgesaugten Länder 



*) Am Schlufs des 20. Juli 1800 sagt das Journal des Platzmajors Magg 
vou München: „Soeben werde ich verlässigt, dafs auTser der Stadt gegen 
450 bayerische Desertenre verkleidet sich aufhalten, welche alle vom Subsidien- 
Corps entwichen, und einhellig die äuTserst üble Behandlung von denen Kaiser- ■ 
liehen zur Ursach angeben." (Herzoglich bayerisches Hausarchiv.) 



— 40 — 

überläfst, einen vierzehnsttindigen Marsch machen, denn soweit sind 
meine im Gericht Traunstein liegenden 3 Bataillone entfernt, um, wie 
sie es nennen, Verschanzungen für die K. K. zu machen. Sie sollen 
zu einer Jahreszeit, wo die k. k. Truppen schon sozusagen Winter- 
quartiere bezogen, im Koth kampiren und für 5 Kreuzer schanzen. 
Dies ist die Sprache der Soldaten, der ich und alle Offiziere keinen 
Einhalt zu thun vermögen.«*) 

Am 25. November war die Subsidieu-Division wie folgt unter- 
gebracht: Divisionsstab: Altötting. 1. Brigade: Bataillon Reufs 
in Altötting und Concurrez; Bataillon Minucci, Stengel (vorher Zedt- 
witz), Spreti," Schlofsberg und Hetzen in den Gerichten Mermosen 
und Wald. 2. Brigade: Bataillon Pompei (vorher Siebein), Buseck, 
Dallwigk (vorher Pompei), Zoller, Lamotte (vorher Dallwigk) und 
Preysing (vorher Clofsmann) in den Gerichten Trostberg und Traun- 
stein. Fufsjäger-Division : Kleburg. Alle diesseits des Inn zwischen 
Isen, Kleburg, Erding, Brück. Chevaulegers-Regiment:**) Stab 
Marktl, Alt- und Neuötting 1 Eskadron, die übrigen 5 Eskadronen 
im Ottinger Gericht dies- und jenseits des Inn, bis an die Fufsjäger 
und reitende Artillerie. Reitende Artillerie: Winhörnig. Re- 
serve-Artillerie: Ehring, Holzhausen und Teising. 

*) K.-A. 1800 XI— XII. 

**) Das Chevaulegörs-Eegiment und die Artillerie hatten am 1. Oktbr. 1800 
folgende Stärke : 

Eombiniertes Chevaulegers-Kegiment: Oberst Freiherr v. Dorth. 
Stab 7 Offiz. 9 Unteroffiz., 45 Gem. 75 Pferde 

1. Eskdr.: Eittm. Graf Seyssel 5 „ 12 „ 136 „ 170 „ 
Eskadron-Chef Oberst Dorth. 

2. Eskdr.: Eittm. Graf Yrsch 5 „ 9 „ 115 „ 154 „ 
Eskadron-Chef Major Vieregg. 

3. Eskdr.: Eittm. Bourscheid 6 „ 12 „ 109 „ 150 „ 
Eskdr.-Chef Major Karl Pappenheim. 

4. Eskdr.: Eittm, Elbracht 7 „ 11 „ 124 „ 143 „ 
Eskdr.-Chef Major v. Lee. 

5. Eskdr.: Eittm. Viertel 8 „ 9 „ 127 „ 172, „ 
Eskdr.-Chef Major Fritz Pappenheim. , 

• 6. Eskdr. : Eittm. v. Laroche 6 „ 11 „ 149 „ 172 „ 

Eskdr.-Chef Major v. Blankart. 

Feldartilleriestab, reitende- u. Eeserve-Artillerie. 
Stab: Major Tischleder 5 Offiz. 1 Unteroffiz. 22 Gem. 25 Pferde 

Eeitende Artillerie : 
Hptm. Schweinichen, Ob lt. Tausch 
u. Lt. Caspers 3 „ 11 „ 127 „ 179 „ 

Eeserve-Artillerie: 
Hptm. Laraey 1 „ 8 „ 80 „ 180 „ 



_ 41 — 

Nachdem Moreau am 12. November den Waffenstillstand ge- 
kündigt, begannen die Feindseligkeiten am 28. November. Die 
beiden Armeen befanden sich um diese Zeit in folgenden Stellungen. 
Die Rheinarmee unter Moreau, welcbe, wie bei Beginn des Feldzugs, 
vier Massen bildete, stand zwischen Tirol und Donau und zwar der 
rechte Flügel unter Lecourbe beobachtete mit den Divisionen Nan- 
souty und Molitor Tirol, indefs die beiden andern Divisionen Gudin 
und Montrichard bei Helfeudorf standen; die Mitte unter Moreau 
mit der Division Richepance bei Ebersberg, mit der Division Decaen 
bei Zornolding und mit der Division Grandjean (später Grouchy) und 
der Kavallerie -Division Hautpoult bei Parsdorf; der linke Flügel 
unter Grenier: Divisionen Legrand, Ney und Hardy (später Bastoul, 
dann ßonnet) auf der Strecke Hohenlin den- Harthof en ; ein Detache- 
gient in Vilsbiburg. Vom Corps des Niederrheins unter Brunnetau 
St. Suzanne waren die Divisionen Collaud und Laborde auf dem 
Marsche nach Landshut, die Division Souham blieb an der Ältmühl, 
dem General Klenau gegenüber; das Heer zählte 103 Bataillone und 
134 Schwadronen und war über 103,000 Mann stark.*) 

*) Eechter Flügel, Lecourbe 23,731 Mann, 

Mitte, Moreau 28,433 „ 

Linker Flügel, Grenier .27,475 „ 

Corps Suzanne 24,082 



103,721 Mann. 
Nach einer archivalen Notiz war die Einteilung der französischen Armee am 
28. November wie folgt: 

igeneral de division Barbou, 
Dumonceau, 
Lieut. general Duhesme, 

{general de division Souham an der Eegnitz, 
Delaborde (avec le Corps polouais) Neuburg, 
Collaud Kelheim, 
L'aile gauche r „ „ „ Legrand Vilsthal, 
Lieut. generali „ „ „ Bastoul Vilsthal, 
Grenier [ „ « „ Ney Schwaben, 

7y ?^^^( » « » Grandjean Hohenlinden, 
Gentre I t>- i, » • 

< „ „ - Eichepance Anzmg, 

^ if'^'B '^ " » " Decaen Ebersberg, 

... , . f „ „ „ Molitor Holzkirchen, 

_,<„„„ Montrichard Tölz, 

XJl^I/SH *^ " » » Gudin Weüheim, 

( „ „ „ Grouchy nachher Vandamme, 

„ La Boissiere, 

Macdonald t> 

^ , .. ,, < « « « Key, 

Graubundtenj ^ ^ ^ ^^^^^^^ 

„ „ „ Baraguay d'Hilliers. 
Kriegsarchiv B. Einfall der Franzosen 1800, 1801, Kriegsereignisse, 



_ 42 — 

Die österreichische Armee stand auf dem rechten Ufer des 
Inn, welches das linke allenthalben beherrscht, zwischen Braunau 
und Kufsteiu. Die im vollen Verteidigungszustande befindlichen 
Brückenköpfe von Wasserburg, Krayburg und Mühldorf trugen 
wesentlich bei, den Wert der ohnehin festen Stellung zu erhöhen. 
Statt nun hier den Angriff der Franzosen abzuwarten, schritt der 
junge Erzherzog zum Angriff. Sein Heer war zu sehr demoralisiert, 
es zählte zu viele Rekruten, es hatte endlich gegen zu beti ächtliche 
Streitkräfte zu kämpfen, und zwar in einer Jahreszeit, in welcher 
alle Vorteile für denjenigen sind, der auf der Defensive bleibt. 
In Bezug auf die Ausführung war festgesetzt worden, dafs 20,000 
Mann am Inn bleiben und 65,000 Mann am 26. November aus den 
Sammelstellungen bei Schärding, Passau und Hohen wart in drei 
Kolonnen aufbrechen und am 28. bei Geisenhausen (südösthch 
Landshut) eintreffen sollten. Der Peldzugsplan gründete sich zwar 
auf ein Umfassen des linken feindlichen Flügels über Vilsbiburg, 
Laudshut, Freising, München, Dachau, doch rechnete man eigentlich 
auf keinen ernsthaften Widerstand am rechten Isarafer, man hoffte 
im Gegenteil, dafs ein rascher Marsch der Avantgarde den Feind 
verhindern werde, die Brücke bei Landshut zu zerstören, und die 
Armee am 29. an das linke Isarufer übergehen könne. Am 28. 
befand sich die österreichische Armee in der Gegend von Eggen- 
felden, Neumarkt und Vilsbiburg. Die Avantgarde nahm Landshut, 
und Klenau ging an das rechte Donauufer. Da wurde ein neuer 
Plan entworfen, der allen schon getroffenen Anstalten eine andere 
Richtung gab. Die Armee wurde au die Isen geführt, wo sie bei 
Ampfing, rittlings dieses Flüfschens, gegen Haag Front machend, 
aufmarschierte. Dies geschah am 30. November. 

Unter den Truppen, die am Inn zurückblieben, befanden sich 
die Condeer, das württembergische Kontingent unter General- 
lieutenant V. Hügel und die bayerische Subsidien-Division. Ersteren 
beiden war die Verteidigung des Innübergangs bei Rosenheim, den 
Bayern jene bei Wasserburg, Krayburg und Mühldorf übertragen. 

Am 26. November betrug die Stärke der Subsidien-Division 
und zwar der Brigade Deroy 3448 Mann, der Brigade Wrede 
3784 Mann, der beiden Scharfschützen-Compagnien 312 Mann, des 
Chevaulegers-Regiments 828 Mann; bei Mühldorf arbeiteten 1200 Mann, 
welche eingerechnet sind; in den Spitälern sollen sich 1097 Mann 
befunden haben, welche aufser Ansatz blieben.*) 

»Die Truppen werden bei dem bevorstehenden Angriffe alles 

*) K. k. Kriegsarchiv in Wien. Fascikel 11 Nr. 107. 



— 43 - 

mögliche leisten, doch fürchte ich, dafs die Infanterie wegen ihrer 
abgenutzten KleidungsrÖckchen, wo noch der gröfste Teil gar keine 
Überröcke mehr hat, in dieser Jahreszeit bald sehr vermindert 
werden wird.«*) 

An diesem Tage, 26., hatte Wrede den Befehl erhalten, bis 
zum folgenden Tag 5 Compagnien nach Wasserburg und 3 Com- 
pagnien nach Krayburg abzuschicken. Ergänzend war beigefügt: 
1 Bataillon mit seinen Geschützen und 1 Compagnie des andern 
Bataillons kommen nach Wasserburg, die 3 übrigen Compagnien 
dieses Bataillons nebst seinen Geschützen und seinem Commandeur 
gehen nach Krayburg. Wrede bestimmte für Wasserburg das 
Bataillon Zoller mit seinen Geschützen und 1 Compagnie vom Ba- 
taillon Lamotte, für Krayburg die übrigen 3 Compagnien vom Ba- 
taillon Lamotte mit seinen Geschützen ; dem Oberstlieuteuant Lamotte 
wurde das Kommando im Brückenkopf von Krayburg**) übertragen; 
in jenem von Wasserburg kommandierte Oberst Siebein. Die 
Brückenköpfe sollten auf das tapferste verteidigt und erst auf 
höhern Befehl geräumt werden; eventueller Rückzug gehe auf dem 
kürzesten Weg nach Salzburg. 

Am 27. November mufste das Chevaulegers-Regiment 1 Ritt- 



*) Bericht des österr. Major Eomberg an Oberst Weyrother, Mühldorf 27. No- 
vember 1800. Ebendaselbst. 

**) Disposition, wie die zur Verteidigung des Brückenkopfes zu Krayburg 
bestimrmten 400 Mann Infanterie zu verteilen kommen. 

Redute Nr. 1 

In den Ausfall au der Kurtine zwischen Nr. 1 u. 2 

Redute Nr. 2 

In den Ausfall an der Kurtine rechts Nr. 2 

In den Ausfall an der Kurtine links Nr. 3 

In der Redute Nr, 3 

Als Reserve auf dem rechten Innufer 
Zur 3. Ablösung 

400 Mann. 
Die Reserve rückt im Fall einer feindlichen Attacke ebenfalls in das tete du 
pont, und giebt in die 1. Abteilung in jede Nr. die gleiche Mannschaft. Die in 
Ruhe belassene Mannschaft mufs jedoch sowohl bei Tag und Nacht im Falle einer 
Attacke ebenfalls zum Ausrücken bereit sein, um auf den Platz der Reserve sich 
zu stellen. 

Krayburg, 27. November 1800. 

De la Motte, Ch. du Corrou, 

Oberstlieutenant. k. k. Ingenieur-Oberstwachtmeister. 

Über die näheren Verhältnisse Wasserburgs und Mühldorfs konnte nichts 
aufgefunden werden. K.-A. 1800 XI — XII. 



30 Mann 


1 11 „ 


40 „ 


11 „ 


11 » 


30 „ 


133 Mann 


133 „ 


134 ., 



— 44 — 

meister, 2 Offiziere, 3 Unteroffiziere, 4 Gefreite und 50 Gemeine 
nach Ampfing, ferner 1 Offizier, 1 Unteroffizier, 3 Gefreite und 
21 Gemeine zum Major v. Kesliug auf die Mühldorf er Strafse ab- 
stellen. Zur Besetzung des Mühldorfer Brückenkopfes hatte die 
Brigade Deroy 3 Bataillone mit ihren Geschützen, die Brigade 
Wrede 1 Bataillon mit seinen Geschützen abzustellen; Generalmajor 
Deroy übernahm das Kommando über diese Besatzung, 

Am 28. rückten beide Brigaden in -ein Lager bei Mühldorf. 

Am folgenden Tag, 29., befahl Zweibrückeu der Brigade Wrede, 
sofort 2 Compagnien ohne Geschütze zur Verstärkung des Oberst 
Siebein nach Wasserburg zu schicken. Wrede bestimmte hierzu 
2 Compagnien vom Bataillon Dallwigk unter Major Schuiöger, 
welche am 29. auf Wagen an ihren Bestimmungsort abgingen. 
Da nun in Wasserburg 7 Compagnien, in Krayburg 3 Compagnien, 
zum Generalmajor Deroy 4 Compagnieu, nach Altmühldorf 4 Com- 
pagnien detachiert waren, verblieben Wrede nur noch 6 Compagnien, 
wie er am 29. meldete. An diesem Tage meldete Generallieutenant 
Zweibrücken dem Erzherzog die vollzogene Besetzung der Brücken- 
köpfe von Wasserburg, Krayburg und Mühldorf und das Beziehen 
eines Lagers bei Mühldorf mit dem Rest seines Corps; ferner die 
voraussichtliche Verstärkung der Besatzung im Brückenkopf von 
Wasserburg um weitere 2 Compagnien. Schliefslich beklagte sich 
Zweibrücken über Schwäche seiner Division, was durch die viel- 
fachen Detachierungen nach allen Richtungen hin hervorgerufen 
werde.*) Damals schrieb er (26.) in etwas optimistischer Weise u. a. 
an den Kurfürsten; »Dans tous le cas, notre plus daugereux 
ennemi sera la saison dont la rigueur augmeutera tous les jours 
et influera beaucoup sur la sante du soldat.« Der 3. Dezember 
sollte den Divisious-Commandeur belehren, dafs Ungeschicklichkeit 
und Selbstüberschätzung weit zerstörender wirkten, als die rauhe Witte- 
rung, da auch noch der letzte Funken von moralischer Kraft erlosch. 

Unterdessen hatte sich auch Moreau in Bewegung gesetzt, um 
sich Klarheit über die Absichten seines Gegners zu verschaffen. 
Lecourbe ging nach Rosenheim, Decaen liefs Abteilungen zwischen 
Wasserburg und Rosenheim an den Inn vorgehen und Richepance 
griff den Brückenkopf von Wasserburg um die Mittagszeit des 28. 
mit sehr schwachen Kräften an, bei welcher Gelegenheit dem Ba- 
taillon Zoller 3 Mann verwundet worden waren. Richepance be- 
gnügte sich damit, die vorgeschobenen Posten in den Brückenkopf 



*) K. k. Kriegsarchiv Fascikel 11 St. ad Nr. 160. 



— 45 — 

izurtickgeworfen zu haben.*) Er nalim eine Stellung, welche ihm 
gestattete, die Verbindung mit Haag, Ebersberg und Rosenheim 
gleichzeitig zu decken. Grenier rückte mit den Divisionen Ney und 
Legrand auf die Anhöhen bei Ampfing, wo es am 1. Dezember zu 
einem Gefechte kam, das die Franzosen zum Rückzug zwang. Dieser 
Erfolg, den hier zwei Dritteile des österreichischen Heeres über 
drei Divisionen — die Division Grandjean war noch als Unter- 
stützung nachgeschickt worden — errangen, rief bei dem gänzlich 
unerfahrenen Erzherzog die Täuschung hervor, das ganze feindliche 
Heer sei geschlagen. Genährt wurde dieser Irrthum, als die Fran- 
zosen auch Haag räumten. Man sah sie bereits im vollen Rückzug 
hinter den Lech. Statt dessen hatten sie, gedeckt durch den 
»Grofs Haager Forst«, Stellung bei Hohenlinden genommen. Der 
Sieg wurde von dem Erzherzog nicht ausgenutzt, was den Franzosen 
Zeit gab, sich zu sammeln und von ihrer Überraschung zu erholen. 
Dieser Fehler war die erste Ursache der Katastrophe vom 3. Dezember. 

Hohenlinden liegt auf der Wasserscheide zwischen Tsar und 
Inn, da wo dieser von seinem nördlichen Laufe sich ostwärts wendet, 
umgeben von dichten Laub- und Nadelholzforsten mit kleinen 
Lichtungen und Blöfsen. Hier kreuzen sich die Strafsen Freising- 
Wasserburg und München-Mühldorf. Mit der letzteren Strafse läuft 
jene von München nach Wasserburg parallel. Diese Hauptstrafsen 
sind aufserdem blofs durch Dorf- und Holzwege verbunden. Von 
Mühldorf bis Hohenlinden, dem Mittelpunkt zwischen Isar und 
Inn, ist das Gelände hügelig und von Hohlwegen und Gebüschen 
durchschnitten; erst über Erding und Zornolding hinaus, tritt man 
in die Ebene der Isar. 

Auf diesem Terrain stellte Moreau sein Heer — dem blind 
nachziehenden Feinde unbewufst — am 2. Dezember, während starke 
Arrieregarden im langsamen Weichen den Feind festhielten, wie 
folgt auf: Das Corps des Generals Grenier zwischen Hohenlinden 
und Harthofen mit Detachements in Längdorf, Tsen und Loipsing. 
Grenier hatte den Befehl, sich auf das Festhalten seiner Position 
so lange zu beschränken, bis der Obergeneral ihm den Befehl zum 
Ergreifen der Offensive geben würde. Die Reserve-Kavallerie, hinter 
Hohenlinden stehend, wurde dem General Grenier unterstellt. Die 
Division Grandjean, über welche der General Grouchy den Befehl 

*) So die Geschichte des 3. Infanterie-Regiments (Manuskript) und sämtliche 
französischen Quellen. Dagegen spricht Völderndorff, 1, 165, von einem zweimaligen 
vergeblichen Angriif auf den Brückenkopf von Seiten des Generals Richepance ; die 
Relation Zweibrückens in der Schrift: „Die Schlacht bei Hohenlinden u. s, w." 
läfst den Brückenkopf am 29. Nov. (p. 11) und am 1. Dez. (p. 14) angreifen. 



— 46 — 

übernommen hatte, durchschnitt die Strafse, lehnte ihren linken 
Flügel an Hohenlinden und versagte den rechten entlang des Wald- 
saumes. In Erding stand eine Kavallerie-Brigade nebst 4 Compagnien 
Infanterie. Die Division Richepance in Ebersberg und die Division 
Decaen in Zornolding. Der rechte Flügel unter Lecourbe bei Grofs- 
und Klein-Helfendorf und bei Fframering an der Glon, zwischen der 
Wasserburger- und Roseuheimerstrafse. Zwei Divisionen vom Corps 
des Generals St. Suzanne unter General Collaud erhielten Befehl 
am 3. Dezember in Freising einzutreffen; sie konnten jedoch vor 
dem 5. nicht daselbst ankommen. Diese Divisionen, sowie das Corps 
Lecourbe's nahmen somit keinen Anteil an der Schlacht. Die 
Stärke der an der Schlacht teilnehmenden Truppen betrug circa 
56,000 Mann. 

Das österreichische Heer vereinigte sich bei Haag. 

Am 1. Dezember hatte Generallieutenant v. Zweibrücken den 
Befehl erhalten, mit sämtlichen bayerischen Truppen, die nicht in 
den Brückenköpfen von Krayburg, Mühldorf und Wasserburg stünden, 
am 2. Dezember bei Haag zur Armee zu stofsen.*) Zu diesem 
Zweck brach die Subsidien-Division am 2. Dezember Morgens 2 Uhr 
aus ihrer Stellung bei Mühldorf auf und erreichte um 8 Uhr Vor- 
mittags Haag, wo sie sich rückwärts des Städtchens aufstellte. Der 
Marsch geschah in folgender Ordnung:**) 1 Eskadron Chevaulegers; 
2 Compagnien Scharfschützen; Reserve-Artillerie, reitende Batterie, 
2 Compagnien des Bataillons Dallwigk als Partikularbedeckung der Ar- 
tillerie;***) 4 V2 Schwadronen Chevaulegers; Brigade Deroy 5 Bataillone 
(Reufs, Hetzen, Minucci, Stengel, Schlofsberg), Brigade Wrede 3 Ba- 
taillone (Pompei, Preysing, Buseck); Kesselpferde. Bei den Kessel- 
pferden befand sich die Bemerkung: »Andere Packpferde noch 
Wagen werden nicht geduldet. Das Corps hat sich mit dem nötigen 
Fleisch zu einem Abkochen zu versehen.« Ferner befand sich seit- 
lich der Brigaden Deroy und Wrede die Bemerkung: »Tete de pont 
von Mühldorf bleibt mit einem Bataillon von Deroy besetzt; Preysing 
(Alt-Mühldorf) und Buseck (Brückenkopf Mühldorf) rücken bei ihrer 
Brigade (Wrede) ein; die Tetes de pont von Wasserburg und 

*) K. k. Kriegsarchiv. Fase. 12 St. 11. 
**) K. k. Kriegsarchiiv in Wien. Fascikel 12. Vom Chevaulegers-Regiment 
nur 572 Schwadronen, nachdem 2 Offiziere und 62 Pferde am Inn zurückge- 
blieben waren. 

***) Eine Compagnie des Bataillons Dallwigk (Hauptmann Bernclau) wird als 
Bedeckung der Artillerie angegeben, die andere Compagnie entzieht sich bis jetzt 
jedem Nachweis. Wir werden aber nicht fehlgehen, wenn wir sie gleichfalls als 
Bedeckung der Artillerie in Verwendung nehmen. 



— 47 — 

Krayburg bleiben mit ihren dermaligen Garnisonen besetzt.« Somit 
blieben im Brückenkopf von Wasserburg: Bataillon Zoller, 2 Com- 
pagnien vom Bataillon Dallwigk und 1 Compagnie vom Bataillon 
Lamotte; im Brückenkopf von Krayburg: 3 Compagnien vom Ba- 
taillon Lamotte und im Brückenkopf von Mühldorf das Bataillon 
Spreti. Ferner blieben am Inn zurück 1 Rittmeister, 1 Lieutenant 
und 62 Pferde vom kombinierten Chevaulegers-Regiment und von 
der Artillerie 1 Offizier, 23 Mann und 8 Knechte. Werden die abkom- 
mandierten Truppen zu beiläufig 2204 Mann angenommen, so bleiben 
von 9221 Mann, welche die Division vor der Scblacht zählte, noch 
7017 Mann übrig.*) Es befanden sich sonach in der Marschkolonne: 
8V2 Bataillone mit 18 Kanonen — da das Halbbataillon Dallwigk 
seine beiden Bataillonsgeschütze mitführte — 2 Scharfschützen- 
Copipagnien, öVa Schwadronen Chevaulegers und die reitende Batterie 
zu 8 Geschützen; die Gesamtzahl der Geschütze, welche bei Hohen- 
linden anwesend waren und dort verloren gingen, betrug somit 26. 
Die feindliche Arrieregarde hatte sich nach einem kurzen Wider- 
stand, den sie bei »Strafsmeiers Wirtshaus« der österreichischen 
Avantgarde unter Generalmajor Löppert entgegensetzte, auf Hohen- 
linden zurückgezogen. Der General Löppert folgte bis an den 
Westrand des »Grofs Haager Forstes«, wo er rittlings der Strafse 
mit seiuen 4^/g Bataillonen und 10 Schwadronen Stellung nahm. 
Kienmayer entrifs Dorfen dem General Legrand, Mecsery streifte in 
der Richtung gegen Erding und Freising, Klenau in jener gegen 
Pfaffenhofen. 



Bat. Spreti 15 Offz. 4 Chir. 39 Unteroff. 9 Sp. 525 Gef. u. Gem. 2 Gesch. 

« Zoller 16 „ 4 „ 43 „ 11 „ 492 „ „ „ 2 „ 

„ Lamotte 15 „ 3 „ 42 „ 10 „ 612 „ „ „ 2 „ 

„ Dallwigk, 2 Comp. 7 „ 1 „ 21 „ 6 „ 233 „ „ „ — „ 

Chevaulegers 2 „ — „ — „ — „ 62 „ „ „ — „ 

Artillerie 1 „ — „ — „ — „ 31 „ „ „ — „ 

56 0ffz. 12 Chir. 145 Unte roff. 36 Sp. 1 955 Gef. u. Ge m. 6 Gesch. 
isÖTMann. 
Nach einer Notiz auf dem k. k. Kriegsarchiv zu Wien Fase. 12 Stück 559 
hätten sich im Brückenkopf von Wasserburg befunden: 

Bataillon Zoller, 4 Compagnien, 566 Mann, 
„ Lamotte, 1 „ 151 „ 

Stengel, 2 „ 289 „ 

Dallwigk, 2 „ 268 „ 

Chevaulegers 64 „ 

Artillerie 32 „ 

Die Geschichte des 3. Infanterie-Regiments (Manuscript) stimmt mit letzterer 
Angabe überein. 



— 48 - 

Da diese Bewegungen darauf schliefsen liefsen, dafs die öster- 
reichische Hauptkolonne auf der Strafse Mnhldorf- München vorzu- 
gehen bestimmt sei, und ein Umfassen des französischen linken 
Flügels bevorstand, gab Moreau dem General Richepance in Ebersberg 
den Befehl, mit Tagesanbruch aufzubrechen und über Christoph 
nach dem Dorfe Maitenbeth zu marschieren, um die österreichische 
Hauptkolonne im Rücken anzugreifen, sobald sie iu dem Defile 
zwischen diesem Ort und Hohenlinden sich befinden würde.*) Decaen 
zu Zornolding war angewiesen, dem General Richepance auf dem 
Fufs zu folgen und blofs eine Abteilung bei Ebersberg zu belassen, 
um in Gemeinschaft mit Lecourbe, der von Pframering auf Ebers- 
berg beordert war, die Kunststrafse von Wasserburg zu beobachten, 
und Allem, was von dort her vordringen werde, in die Flanke zu 
fallen. Allenthalben sollten Spitzen vorgeschoben werden. 

Die Disposition, weichender Erzherzog für den 3. ausgab, 
lautete:**) »Die hier bei Haag versammelte Armee, mufs sich den 
3. bei Anzing über Hohenlinden mit der Division Kienmayer ver- 
einigen, welche heute über Isen bis Buch vorgerücht sein wird. 
Hierzu wird den 3. in 3 Kolonnen um 5 Uhr Früh aufgebrochen. 
Die Division Riesch formiert die linke Kolonne, sucht die Strafse 
zu gewinnen, die von Albaching nach Hohenlinden führt, und 
unterhält die Kommunikation mit der Hauptstrafse bei Steinhöring. 
Die Avantgarde erhält noch heute das Regiment Benjowsky und die 
Reserve das kurpfalzbayerische Corps. Die Avantgarde — und Re- 
serve bilden die mittlere Kolonne, sie brechen ebenfalls um 5 Uhr 
Früh auf, sie haben auf der Strafse über Hohenlinden gegen Anzing 
vorzurücken und links mit der Division Riesch — und dann 
jener des Feldmarschall-Lieutenant Baillet Verbindung zu erhalten. 
Die Division Baillet rückt ebenfalls um 5 Uhr den 3. ab, nimmt 
ihren Weg über Oberndorf, Weyer und Mittbach gegen Hohenlinden 
stets rechts und parallel mit der Hauptstrafse bis Anzing und hält 

*) Wer die Quellenstücke im Memorial etc., V., 307, 308, 309, gelesen, 
kann nicht mehr zweifeln, dafs Kichepance schon am 2. den ausdrücklichen 
Befehl erhalten hatte, am folgenden Tag, den 3., in den Bücken des 
Feindes zu fallen. Dagegen sind die einschlägigen Befehle nicht erschöpfend 
genug; siehe deshalh Thiers, Geschichte des Konsulats und des Kaisertums. 
Deutsche Uehersetzung von Bülau, 2, 191, 199, 200. 

**) II faut que Messieurs les faiseurs du quartier-general autrichien aient ete 
tellement ehlouis des petits succes remportes dans ces journees , qu'ils regarderent 
toute precaution ulterieure comme inutile, et c'est sans doute cette aveugle prevention 
qui dicta la disposition arretee pour le 3 decemhre, la quelle sera interessante ä 
connaitre dans toute son etendue. Bay. Relation im Geh. Staatsarchiv u. Memorial 
du depot general de la guerre, 380. 



— 49 — 

während dem Marsche genaue Verbindung mit der mittleren Kolonne 
und jener des Generals Kienmayer, welcher schon heute den 2. von 
Dorfen über Längdorf nach Buch vorzukommen bemüht ist. Der 
Marsch der Truppen mufs sich durch das beschwerliche Fortbringen 
des Geschützes nicht aufhalten lassen; wenn auch die Kolonne ganz 
ohne Geschütz — aber zur rechten Zeit ankömmt, so wird die 
Absicht des Ganzen ebenso gewifs erreicht, als solche zuverlässig 
verloren geht, wenn Zaudern den Marsch aufhält. Das Geschütz 
kann entweder der Queue der Kolonnen folgen, oder im schlimmsten 
Falle auf der Hauptstrafse zur Kolonne eintreffen. Die ganze bei 
Anzing am 3. sich vereinigende Armee mufs ihre Lebensmittel, 
dann Tragpferde und Kochgeschirr samt Schlachtvieh dergestalt 
zum Heer haben, dafs bei Anzing gleich abgekocht — und am 
folgenden Tag ebenso zeitig weiter vorgerückt werden kann.« 

In der festen Annahme, dafs der Gegner in der Nacht seinen 
Rückzug fortgesetzt und man nur die Arrieregarde einer von Stellung 
zu Stellung weichenden Armee vor sich habe, setzte sich das öster- 
reichische Heer am 3. Dezember Morgens 5 Uhr in Bewegung.*) 
Die Mittelkblonne (Kolowrat), bei welcher sich die bayerische Sub- 
sidien-Division befand, rückte auf der Hauptstrafse gegen Hohen- 
linden vor, während die linke Flügelkolonne (Riesch) über Haslach, 
Albaching gegen Hohenlinden ging, die rechte Flügelkolonne (Baillet) 
über Schnaupping nach Mittbach sich dirigierte und eine vierte 
Kolonne (Kienmayer) von Längdorf über Riesbach und Isen nach 
Schwaben bestimmt war. Als Vereinigungspunkt aller Kolonnen 
war Anzing bezeichnet, das 3 Stunden über Hohenlinden hinaus 
d. i. westlich von diesem Dorfe liegt. Die Mittelkolonne mufste, 
um vorerst in die Ebene und dann nach Hohenlinden zu gelangen, 
den »Grofs Haager Forst« durchziehen, welcher einen Engpafs 
von anderthalb Stunden Länge bildet. Die Truppen führten sich 
Schlachtvieh, Fourage etc. mit, woraus zur Evidenz hervorgeht, dafs 
die Heerleitung die feste Überzeugung hegte, Hohenlinden sei 
bereits vom Feinde geräumt. Schneegestöber füllte die Luft, so 

*) Am 3. Dezember, kaum als der Tag zu grauen anfing, bewegten sich schon 
die verschiedenartigsten Kolonnen aufeinander hart gedrängt und mit Kriegskossen, 
Artillerie-Reserve, Trains, ja sogar mit Ochsen-Transporte vermengt, in der Richtung 
und auf der Strafse von Haag nach Hohenlinden in den Wald hinein, als ob Alles 
im tiefsten Frieden und an einen Feind gar nicht zu denken wäre, ohne Lokal- 
kenntnis und Entsendung von Seitenpatrouillen, bis auf einmal vorne an der Tete 

einige kleine Gewehrschüsse sich hören liefsen Ich sagte scherzweise zu 

meinem Herrn Hauptmann, dafs dieses kleine Gewehrfeuer gewifs den Anfang zum 
Abkochen bei Anzing mache. .... Xylander, Anton v., Tagebuch. 

4 



— 50 — 

dafs man kaum hundert Schritte vor sich sehen konnte; Regen und 
Schnee hatten den Boden beinahe völlig grundlos gemacht, Menschen 
und Pferde konnten nur mit ungewissen langsamen Schritten vor- 
angehen, und der physische und moralische Zustand des Soldaten 
war der Erschöpfung nahe. Unter solchen Ausspielen begann die 
Schlacht. Mühevoll schleppten sich die Kolonnen Kienmayer, Baillet 
und Riesch durch das grundlose Terrain. Zu gleicher Stunde, 5 Uhr 
Morgens, brach auch die Kolonne Kolowrat auf, ungeachtet sie die 
gutgebaute Chaussee zu benutzen hatte. 

lufolge dieses fehlerhaften Kalküls traf die Tete der Kolonne 
Kolowrat schon um 7 Uhr Vorüaittags an dem Kreuzweg ein, der 
von Isen kommend, die Strafse durchschneidet und über Schützen 
nach Christoph führt, iudefs die Kolonne Baillet erst um 10 Uhr 
Vormittags bei Schnaupping und die Kolonne Riesch zur nämlichen 
Zeit bei Albaching eintraf. 

An der Tete der Kolonne Kolowrat marschierte die österreichische 
Grenadier-Division, aus 8 Bataillonen bestehend, hierauf folgte die 
Infanterie der bayerischen Subsidien-Division, 8 Bataillone und 
2 Scharfschützen-Compagnien, dann die gesamte Reserve- Artillerie 
und am Schlüsse derselben die bayerische reitende Batterie Schwei- 
nichen unter Bedeckung von 2 Compagnien vom Bataillon Dallwigk; 
Kesselpferde, Wagen mit Fourage, Schlachtvieh u. s. w. bildeten 
die Queue der Kolonne, Das bayerische Chevaulegers-Regiment, 
5*72 Schwadron, war aus der Marschkolonne herausgenommen worden, 
hatte sich vereinigt und nördlich der Strafse in der Richtung auf 
Miesberg Stellung genommen. Die zur Kolonne Kolowrat gehörige 
Kavallerie-Division unter Feldmarschall-Lieutenant Fürst Lichtensteiu, 
aus 2 Brigaden ä 2 Regimenter bestehend, stand noch bei Haag.*) 

Die Kolonne Kolowrat zählte somit 17 Bataillone (einschlüssig 
der 2 bayerischen Scharfschützen-Compagnien und der 2 Compagnien 
vom Bataillon Dallwigk) und 31 V2 Schwadronen. Wird hierzu noch 



*) Peldmarschall-Lieutenant Fürst Lichtenstein. 
Brigade: Generalmajor Graf Grüne 



Erzherzog Ferdinand Husaren 


8 Schwadr. 


Hohenzollern Kürassiere 


6 




14 Schwadr. 


rigade: Generalmajor Wolfskehl 




Lothringen Kürassiere 


6 Schwadr. 


Albert Kürassiere 


6 



12 Schwadr., zusammen 26 Schwadronen. 
Osterr. milit. Zeitschft., 1836, 4, 21. Hierzu das bayer. Chevaulegers-Rgt. zu 
ö'/j Schwadronen macht 31 72 Schwadronea. 



— 51 — 

die Avantgarde zu 4*/6 Bataillonen und 10 Schwadronen gezählt, so 
ergiebt sich eine Gesamtstärke von 21*76 Bataillonen und 41 V2 Es- 
kadronen. Die Stärke der Kolonne Kolowrat wird zu 16,032 Mann 
und 5173 Pferde angegeben, was wohl zu gering sein dürfte, da 
die Bayern nur zu 4 Bataillonen und 2 Schwadronen oder 2230 Mann 
und 230 Pferde angenommen sind,*) indefs sie immerhin circa 
7000 Mann zählten; die Stärke dürfte daher wohl zu 21,000 — 
22,000 Mann anzunehmen sein. Die Stärke der vier Kolonnen wird 
zu 57,019 Mann und 15,017 Kavallerie- Pferde angegeben.**) 

Nachdem die Tete der Kolonne Kolowrat am bezeichneten 
Kreuzweg eingetroffen war, ging die Avantgarde, zu der inzwischen 
die beiden bayerischen Scharfschützen-Compagnien gestofsen waren, ***) 
um beiläufig 7V2 Uhr Vormittags zum Angriff des Gegners bei 
Kreith und Birkach über, ungeachtet von der linken Seitenkolonne 
(Riesch) kurz vorher die Meldung eingetroffen war, dafs es ihr nicht 
möglich sei, auf gleicher Höhe mit der Mittelkolonne vorzurücken. 
Der kräftige Widerstand, den die Avantgarde fand, zeigte indessen 
bald, dafs man hier mit mehr als einer Arrieregarde zu thun habe; 
und so war es auch. Kolowrat verstärkte seine Avantgarde durch 
das Husaren-Regiment Erzherzog Ferdinand aus der Kavallerie- 
Division und 2 Grenadier-Bataillone unter Generalmajor Spannochi 
aus dein Gros; der Feind wurde zum Rückzug genötigt. Zur 
Behauptung des errungenen Vorteils wurden die drei 
bayerischen Bataillone Reufs, Minucci und Metzen unter 
Generalmajor Deroy gegen Kreith vorgeschickt. f) Beiläufig 



lyer) 21 Bat. 


24 Esk. 


15,981 M. 3370 Pf. 


10 


24 „ 


11,688 „ 3342 „ 


leVe „ 


38 „ 


16,032 „ 5173 „ 


12 


24 „ 


13,318 „ 3132 „ 



*) Die Bayern werden angegeben: Wrede, Pfölzer Trappen, 4 Bataillone, 
2 Eskadronen, 2230 Mann, 230 Pferde. Österr. milit. Zeitschft., 1836, 4, 21. 
**\ 

I. Eechte Flügelkolonne (Kienmayer) 
II. Zwischenkolonne (Baillet) 
m. Strafsenkolonne (Kolowrat) 
IV. Linke Flügelkolonne (Eiesch) 

Sa. 59V6 Bat. 110 Esk. 57,019 M. lö^Öf? Tf . 
Osterr. mUit. Zeitschft., 1836, 4, 22. 

***) Auf das Anerbieten, Leute, die aller Sohleichwege in den vorliegenden 
Wäldern kundig seien, zu Führern verschiedener, hauptsächlich der Zwischen- 
Kolonnen abzugeben, mufste eine Division Jäger zu der Avantgarde detachiert 
werden. Die Schlacht bei Hohenlinden u. s. w. 15. 

t) Wir wollen hier, sowie weiter unten zeigen, wie abweichend die Ver- 
wendung der bayerischen Truppen in der Schlacht bei Hohenlinden angegeben 
wird. Durch Konfusion, Widersprüche und Oberflächlichkeit aber zeichnen 
sich die drei bayerischen Berichte aus, welche wir zu benutzen Gelegenheit hatten. 
Es sind dies 1. ein in französischer Sprache abgefafster Bericht, den 

4.* 



— 52 — 

um 9 Uhr Vormittags wurden Spannochi und Deroy »aus dem Wald 
hinter Hohenlinden wieder zurückgeworfen«, worauf Kolowrat weitere 



Generallieutenant Zweibrücken an den Kurfürsten erstattete; er 
befindet sich im Geh. Staatsarchive. Eine Abschrift defselben enthält mit un- 
bedeutenden Änderungen das Memorial du depöt generale de la guerre, V, 377 — 
384. Major Ditfurth wird als Verfasser bezeichnet. Eine Übersetzung defselben 
enthält mit Weglassung einiger kritisierender Stellen über die österreichische 
Heerleitung und einigen Modifikationen die i. J. 1803 in München gedruckte 
Schrift: „Die Schlacht bei Hohenlinden, nebst denen ihr vorhergegangenen und 
nachgefolgten Bewegungen beider Heere, vom 27. November bis 10. Dezember 
1800. Von einem bayerischen Offizier des damaligen Generalstabs dieser Armee. 
Hierzu ein Plan. " Der Sohn und Biograph Ditfurths hält dafür, dafs die fragliche 
Schrift nicht von seinem Vater herrühre, da sie mit seiner Schreibweise nicht 
übereinstimme. 2. Originalbericht des Generallieutenant Baron Zwei- 
brücken dato Mühldorf den 4. Dezember 1800 an Erzherzog Johann. 
K. k. Kriegsarchiv iu Wien. Fase. 12 St. ad 63. 3. Journal pro Dezember 
1800. Kurpfalzbayerisches Subsidien-Corps betreffend. K. k. Kriegs- 
archiv. Pasc. 12 St. 551. In den bayerischen Archiven war über die Schlacht 
bei Hohenlinden kein weiteres Produkt aufzufinden. Eelationen der Ab- 
teilungen u. s. w. waren seiner Zeit vorhanden. Völderndorff hat sie benutzt. 
Was aus denselben seitdem geworden, ist unbekannt. Ein günstiger Zufall führt 
vielleicht einmal auf ihre Spur. Bis zu diesem Zeitpunkt möge das lesende 
Publikum mit dieser Schilderung vorlieb nehmen. Einschlägige Funde werden wir 
jedenfalls zur öffentlichen Kenntnis bringen. Nun wollen wir zur Beibringung 
einiger Angaben übergehen: 

1) „Der Erzherzog liefs eine Grenadier-Brigade und drei Bataillone der 
bayerischen Brigade Deroy zur Unterstützung der Kolonnenspitze vor- 
rücken." Völderndorff, 1, 170. 

2) „Zur Behauptung des errungenen Vorteils wurde ein Teil der baye- 
rischen Truppen vorgeschickt." Österr.-milit. Zeitschrift, 1836, 4, 23. 

3) „Nachdem ich auf Verlangen des Herrn Feldmarschall-Lieutenant Kolowrat 
eine Brigade vor in das feindliche Feuer geschickt, dann zur 
Deckung der linken Flanke der Kolonne zwei Bataillone detachiert 
hatte." General Zweibrücken an Erzherzog Johann, Mühldorf, 4. Dezember 
1800. K. k. Kriegsarchiv. Fase. 12 Stück ad 63. 

4) „Drei Bataillone bayerischer Truppen, nämlich Eeufs, Minucci 
und Metzen wurden zur Unterstützung der Avantgarde vorgezogen." Journal 
pro Dezember 1800. Kurpfalzbayerisches Subsidien-Corps betreffend. K. k. Kriegs- 
archiv. Fase. 12 Stück 551. 

5) „Während dessen war der Feind in der Front beinahe bis auf seine erste 
Positionslinie hingedrückt worden , wozu die beiden Grenadier - Brigaden der 
Eeserve — und eine Brigade des Corps verwendet wurde." Eelation Zwei- 
brückens in „der Schlacht bei Hohenlinden u. s. w." 16. 

6) „General Deroy rückte mit den Bataillonen Eeufs, Metzen und 
Minucci dem Eeserve-Corps nach," Geschichte des 3. Infanterie-Eegiments. 

7) „II s'y engagea un combat tres vif, rnais indecis, qui fut principalement 
soutenu par une brigade de grenadiers autrichiens et par une brigade bava- 
reise." Memorial, V, 381. 



— 53 — 

2 Grenadier-Bataillone in die Waldöffiiung vorgehen liefs, welche 
das Gefecht wieder einigermafsen in Gang brachten.*) Die Avant- 
garde erreichte nach und nach eine Stärke von llVe Bataillonen 
(darunter 4 Grenadier- Bataillone und 3 bayerische Bataillone aus 
dem Gros), 2 bayerische Scharfschützen-Compagnien (welche schon 
während des Marsches aus dem Gros zur Avantgarde vorgezogen, worden 
waren) und 18 Schwadronen (darunter 1 Regiment zu 8 Schwadronen 
aus der Kavallerie-Division). Im Laufe des späteren Gefechtes hatte 
das Bataillon Minucci einen Kavallerieangriff mit Ruhe abgeschlagen. 
Die bayerischen Bataillone hatten dann, nachdem sie einen Wald 
zweimal mit grofser Entschlossenheit angegriffen sich rechts mit 
zwei österreichischen Bataillonen in Verbindung gesetzt, welche 
Baillet, als er von Schnaupping kommend, in Mittbach eingetroffen 
war, in seine linke Flanke, in der Richtung auf Hohenlinden, 
entsandt hatte. Die beiden österreichischen Bataillone stürmten eine 
Batterie fruchtlos und plänkelten mit dem Feind »ohne bestimmten 
Zweck, wie auch ohne Erfolg.« Auch nach Kronacker hatte Baillet 
1 Bataillon und V2 Eskadron vorgehen lassen.**) 

um die verloren gegangene Verbindung mit der linken Flügel- 
kolonne wieder herzustellen, liefs Kolowrat, auf mehrmaliges Drängen 
des Generallieutenants Zweibrücken zu der Zeit als er den General- 
major Spannochi mit 2 Grenadier-Bataillonen zur Verstärkung der 
Avantgarde abschickte, 2 Grenadier-Bataillone und 1 Eskadron (von 
der Avantgarde -Kavallerie) nach Christoph abgehen, »um diesen 
Punkt bis zum Eintreffen der Kolonne Riesch zu behaupten.« Dieses 
Detachemeut stiefs, wie wir gleich hören werden, auf die Division 
Richepance und wurde von derselben zerstreut. 

Die Division Richepance war am 3. Dezember um 4 Uhr Vor- 
mittags aus ihren Quartieren zuEbersberg, Steinhöring,Tulling u. s.w. 
aufgebrochen, um sich bei Christoph zu vereinigen. Nachdem dieses 
um 7 Uhr geschehen, brach sie um 7 V4 Uhr aus der Sammel- 
stellung bei Christoph auf und marschierte in der Richtung auf 
Maitenbeth. Die Marschordnung war wie folgt:***) Linke Flügel- 
brigade unter Sarrut: 8. Halbbrigade, 1 Jägerregiment zu Pferde, 
3 Geschütze. Brigade Walther: 3 Geschütze, 48. Halbbrigade, 



*) Bericht des Generals Kolowrat über das am 3. Dezember bei Hohen- 
linden mit dem Corps der Reserve vorgefallenen Gefechte. K. k. Kriegsarchiv in 
Wien. Fascikel 12 Stück 100. 

**) Österr.-müit. Zeitschrift, 1836, 4, 27. 
***) Eapport de la division Richepance sur la bataille du 12 Frimaire. 
Spectateur roilitaire 22, 264. 



— 54 — 

1. Bataillon der 14. leichten Halbbrigade, 5. Husarenregiment. 
Rechte Flügelbrigade: 2 Bataillone der 27. Halbbrigade, 3 Geschütze, 
20. Jägerregiment zu Pferde. Reserve unter General Sahuc: 1 Ba- 
taillon der 27. Halbbrigade, 3 Geschütze und 10. Kavallerie- 
regiment. *) 

Schon hatten die 8. Halbbrigade, das 1. Jäger- Regiment zu 
Pferde und die 48. Halbbrigade Christoph passiert, als sie plötzlich 
auf das österreichische Detachement stiefsen, welches Christoph zu 
besetzen Willens war. In der Höhe des 1. Bataillons der 14. leichten 
Halbbrigade, welches beiläufig die Mitte der Marschkolonne bildete, 
griff das Detachement die linke Flanke desfelben energisch an. Die 
Kolonne stutzte momentan, warf aber schliefslich, nachdem Ruhe 
und Besonnenheit wiedergekehrt, das österreichische Detachement 
zurück. Die französische Kolonne aber war hierbei »abgerissen«. 
Die Bedeutung seiner Aufgabe in ihrer vollsten Tragweite erfassend, 
beschlofe Richepance, mit den genannten Abteilungen unter General 
Walther seinen Marsch über Schweigen, die alte Strafse über- 
schreitend, in nordöstlicher Richtung fortzusetzen, wähi;end er den 
hinteren Teil der Kolonne, vom 1. Bataillon der 14. leichten Halb- 
brigade beginnend, unter General Drouet bei Christoph mit dem 
Auftrage zurückliefe, bis zur Ankunft Decaen's dort zu verbleiben 
und, nachdem dieser eingetroffen, ihm zu folgen.**) Drouet liefe 
sofort Abteilungen gegen Albaching und in seiner rechten Flanke 
auf der Wasserburgerstrafse, vorgehen. 

Nach Zeit und Raum kann es nur das Detachement gewesen 
sein, welches von der Mittelkolonne abgeschickt worden war, um 
Christoph zu besetzen. Beide Teile waren zwischen 7 und 8 Uhr 
aufgebrochen, der eine in der Nähe von Christoph, der andere von 
der Haag-Hohenlindener Strafee. Ihre Marschrichtungen mufsten 
zur berührten Zeit hier zusammentreffen. Von Abteilungen der 
linken Flügelkolonne Riesch kann hier noch keine Rede sein. 



*) Verglichen mit der „ordre de bataille" im Memorial etc. 5, 420 ergeben 
sich folgende Abweichungen von derselben: sie kennt keinen General Sarrut, 
wenngleich Seite 359 ebendaselbst von den „Brigaden Sahuc und Sarrut" ge- 
sprochen wird; die 14. leichte Halbbrigade gehörte zur Division Decaen; sie 
spricht von 14 Geschützen, während hier nur 12 Geschütze aufgeführt sind. 

Nach dem „Memorial" betrug die Stärke der Division Eichepance : 10,151 Mann, 
darunter 2122 Mann Kavallerie nebst 14 Geschützen. 

**) Drouet kommandierte die 2. und Walther die 1. Brigade der Division 
Eichepance. „Je re9us l'ordre de rester, ä Christophe, pour y attendre, les 
premieres troupes du general Leoourbe, commandees par le general Decaen." Le 
marechal Drouet, comte d'Erlon, 16. 



— 55 — 

Es war beiläufig 9 Uhr Vormittags, als Richepauce mit 
seiner 1. Brigade bei Marsmeier eintraf. Dort wurden Gefangene 
gemacht, von denen man erfuhr, dafs Maitenbeth nur mehr 500 Toisen 
entfernt sei. »In der That lag dieser Ort in gleicher Höhe mit 
unserm linken Flügel, auf der Kante einer Höhe, deren Fufs wir 
nur sahen.«*) Die Spitze der Kolonne schwenkte links, indem sie 
eine sehr steile Anhöhe bei Maitenbeth erstieg. Die Greuadier- 
Compagnie der 8. Halbbrigade stürzte sich auf eine feindliche Ka- 
vallerie-Feldwache, welche gefangen wurde. Die 8. Halbbrigade giiig 
durch Maitenbeth und formierte sich jenseits des Dorfes und parallel 
mit der Strafse, welche auf Hin tenschufs weite von dem Dorfe ent- 
fernt ist; das 1. Jägerregiment zu Pferd ging rechts an Maitenbeth 
vorbei und nahm Stellung auf dem rechten Flügel der 8. Halb- 
brigade; die Geschütze, welche fest aufgeschlossen folgten, fuhren 
vor der Front der 8. Halbbrigade auf; die 48. Halbbrigade liefs 
Maitenbeth rechts liegen und erhielt ihren Platz auf dem liuken 
Flügel der 8. Halbbrigade. 

Zu dieser Zeit, am 9 Uhr Vormittags, war die Kolonne 
Kolowrat vollständig in den »Grofs-Haager Forst« hineinmarschiert**) 
und Lichtenstein, der inzwischen Befehl erhalten hatte, »sich dem 
kurpfalzbayerischen Korps anzuschliefsen« bei dem Strafsenwirtshaus 
»Strafsmeier« eingetroffen. Er hatte nur 2 Kavallerie-Regimenter 
(Brigade Wolfskehl: Kürassier-Regimenter Lothringen und Albert 
12 Schwadronen) und eine Zwölfpfünder Batterie zu 8 Geschützen bei 
sich, da er, wie schon gesagt, ein Regiment (Ferdinand Husaren) an die 
Avantgarde abgegeben und ein Regiment (Hohenzollern Kürassiere) bei 
Haag zurücklassen mufste. Dieser Abgang wurde teilweise durch das 
bayerische Chevaulegers-Regiment ersetzt. Lichtenstein war »durch 
die Flüchtlinge der kurpfalzbayerischen Truppen von der Nähe des 
Feindes unterrichtet.«***) Woher diese Flüchtlinge kamen, wird nicht 
gesagt. Es können nur Leute jener Abteilungen gewesen sein, welche 
zur Verstärkung der Avantgarde vorgeschickt worden waren und wohl 
nur über die Nähe jenes Feindes Aufschlufs zu geben vermochten, 
welcher der Avantgarde gegenüberstand. Kaum hatte Richepance 
seinen Aufmarsch vollendet, als er durch das einzige bei der Hand 
befindliche Kavallerie -Regiment die österreichische Kavallerie an- 

*) Rapport de la division Eichepance etc. 
**) „Dejä CDfoncee ou plutot engouffree tout entiere dans ce long defile". 
Memorial 5, 259. 

***) Bericht des Fürsten Lichtenstein, dato Mühldorf, 6. Dezember 180Ö. 
K. k. K.-A. Fascikel 12 Nr. 108. 



— 56 - 

greifen liefs, welche in zwei Treffen nördlich der Strafse aufmarschiert 
war.*) Jede Säumnis konnte Entdeckung seiner Schwäche herbei- 
führen und die Illusion der Überraschung vernichten. Das Chasseurs- 
Regiment, nur 4 Schwadronen (664 Mann) stark, entwickelte sich, über- 
schritt die Strafse, stürzte sich unter General Walther auf die 
österreichischen Kürassiere und jagte sie gegen Miesberg zurück, wo 
sie jedoch von dem bayerischen Chevaulegers-Regiment aufgenommen 
wurden. Dieses griff mit Ungestüm die Chasseure an, warf die- 
selben, durch die österreichischen Kürassiere unterstützt, auf die 
8. Halbbrigade zurück, und eroberte 3 Geschütze, von denen jedoch 
nur eins wegen Mangels an Bespannung fortgebracht werden 
konnte.**) Das Feuer der 8. Halbbrigade hielt die Chevaulegers 
von weiteren Unternehmungen ab; sie gingen wieder zurück und 
schlössen sich an die Regimenter Lichtensteins an. Eine Kanonade 
setzte hierauf den Kampf fort.***) 

Um 10 Uhr Vormittags traf die Kolonne Riesch bei 
Albaching einf), ungeachtet sie schon um 472 Uhr von Haag auf- 
gebrochen war. Sie hatte den fast ungangbaren Weg über Haslach, 
durch das Löffelmoor, über Stein weg u. s. w. einschlagen müssen, 
statt die nicht ferne alte Strafse über Altdorf und Rechtmehrig be- 
nutzen zu dürfen. Der englische Armeeminister Wickham, welcher 



*) Der Rapport der Division Eichepance spricht hier irrtümlich von 
Nassau Kürassieren; diese befanden sich bei der Kolonne Baillet. 

**) Die Geschichte des Militär-Max-Josephsordens, 582, 583, vindiziert die 
Wegnahme der Geschütze lediglich der Leib-Eskadron des 1. (nun 4.) Chevaulegers- 
Regiments, indem sie sagt: „In der Nähe von Maitenbeth erhielt die Leib- 
Eskadron unter Rittmeister Laroche den Befehl, eine französische Batterie, welche 
bedeutenden Schaden verursacht, zu nehmen. Die Eskadron nahin, wie befohlen, 
die ganze Batterie u. s. w." Immerhin hatte zur Eroberung der Geschütze der 
Oberlieutenant v. Nesselrode, der hierbei schwer verwundet wurde, ganz wesent- 
lich beigetragen. — Auch die andere Eskadron von Kurfürst Chevaulegers unter 
Rittmeister Graf Seyssel d'Aix hatte sich im Laufe der Schlacht sehr hervor- 
gethan, da sie „an diesem Tage, da allgemeine Ratlosigkeit und Unentschlossenheit 
eingerissen war, aus, freiem Antrieb den Feind attackierte, in den Wald 
warf und dadurch die Hauptstrafse frei machte." Leben des Generallieutenant 
Graf Seyssel. Allgemeine Militärzeitung, 1856, Nr. 93. 

***) Das Mifslingen der Attacke der Jäger zu Pferde schreibt Richepance 
(Spectateur militaire, 22, 264) einer feindlichen Schwadron zu „qui s'etait cache, 
sur notre droite, force notre cavalerie a lächer prise et ä se replier sur la droite 
de la 8>eme qui arrete l'ennemi et le met en fuite." 

f) Die in den Jahren 1877 und 1878 erschienenen Geschichten der k. k. 
Infanterie-Reginaenter Nr. 12 und 20, welche als Manfredini und Kaunitz in der 
Kolonne Riesch die Schlacht bei Hohenlinden mitgemacht, sagen ausdrücklich, 
dafs die Kolonne Riesch am 3. um 10 Uhr Vormittags bei Albaching eintraf. 



— 57 — 

sich damals im Österreichischen Hauptquartier aufhielt, schreibt diese 
Verspätung dem Umstand zu, dafs sich Riesch verirrt gehabt und 
zu weit nach links abgekommen war. Er folgert hieraus, dafs 
es Richepance dadurch möglich gcAvorden, nach Maitenbeth zu 
gelangen. Unter andern Verhältnissen hätte freilich Richepance 
ebensogut zum Niederlegen der Waffen gezwungen werden können. 
Aber dem kühnen Manne lächelte das Glück, und er verstand es zu 
seinem Vorteil auszubeuten. Sei ihm wie ihm wolle. — Riesch 
traf um 10 Uhr bei Albaching ein. Er liefs sofort den Wald bei 
Albaching von den Vortruppen Drouet's säubern und rückte in 
mehreren Kolonnen auf verschiedenen Wegen auf Christoph und 
Hohenlinden vor. Eine Kolonne, 4 Compaguien und 1 Schwadron, ging 
über Kalteneck, eine zweite unter Feldmarschall-Lieutenant Giulay, 
bestehend aus 2^6 Bataillonen und 2 Schwadronen, auf der alten 
Strafse, die von Birkacli über Albaching und Kechtmehring nach 
Haag führte (Distriktsstrafse) und eine dritte, 1 Bataillon unter 
Major Rothkirch am rechten Mühlbachufer gegen Christoph vor 
2 Kolonnen, die eine zu 8 und die andere zu 2 Bataillonen, sollten 
auf Hohenlinden vorgehen; der Rest der Kolonne Riesch: 3 Ba- 
taillone und 18 Schwadronen verblieb unter Feldmarschall-Lieutenant 
Merveldt bei Albaching.*) 

Die drei Kolonnen, welche auf Christoph instradiert worden 
waren, gerieten, nachdem sie die Vortruppen Drouet's zurück- 
gedrängt hatten, mit der Brigade Drouet**) in ein lebhaftes Gefecht, 
in welchem Drouet bis zum Eintreffen der Division Decaen seine 



*) Die 4. oder linke Flügelkolonue, bestehend ans der Division Riesch, 

zählt 12 Bataillone und 24 Eskadronen. 

Über Kalteneck gingen 4 Compagnien u. 1 Schwadron, "l 

auf der alten Strafse 27$ Bataillone u. 2 Schwadronen > °. 

amrechtenUferd.Mühlbachs 1 Bataillon J Christoph, 

auf der alten Strafse 3 Bataillone 

nach Hohenlinden 



} 



auf der alten Strafse 2 „ 

bei Albaching blieben 3 „ 18 Schwadronen 

^mma 12 Bataillone 21 Schwadronen; 
fehlen 3 Schwadronen, 
**) „Pendant que le general Richepance marchait avec sa premiere brigade 
sur Maitenbeth, une colonne autrichienne venant de Wasserbourg (soll wohl Haag 
heifsen) et qui se dirigeait sur Ebersberg, deboucha sur St. Christophe et engagea 
un combat avec ma brigade, ce qui arreta mon mouvement." Le marechal 
Drouet, comte d'Erlon, 16. 

General Drouet verfügte über die 27. Halbbrigade, 1 Bataillon der 14. leichten 
Halbbrigade, 5. Husaren-, 20. Chasseurs- und 10. Kavallerie -Regiment, zusammen 
4 Bataülone, 11 Schwadronen und 6 Geschütze. 



— 58 — 

Stellung behauptete. Die Avantgarde Decaen's, 1 Bataillon und 
1 Schwadron, griff die Österreicher energisch in der Flanke an und 
warf sie zurück. Giulay liefs seine Reserven vorrücken, worauf die 
Franzosen zurückgingen. Den Österreichern waren mehrere hundert 
Gefangene in die Hände gefallen. Die allgemeine Angabe, dafs 
diese Gefangenen der Kolonne Richepance (1 . Brigade Walther) auf 
ihrem Marsche auf Maitenbeth abgenommen worden seien, ist nicht 
zutreffend, da sie schon zwischen 9 und 9V2 Uhr Vormittags bei 
Maitenbeth aufmarschiert war, während Riesch erst nach 10 Uhr 
in Albaching seine Mafsregeln zum Marsche auf Christoph und 
Hohenlinden traf. Inzwischen war auch Decaen, der den General 
Debilly mit 3 Bataillonen und 4 Schwadronen bei Steinhöring 
zurückgelassen , mit dem Gros seiner Division bei Christoph ein- 
getroffen. *) 

General Decaen liefs sofort Abteilungen auf seiner Linken- 
mit dem Auftrag in den Wald eindringen, gegen die Strafse Haag- 
Hohenlinden vorzugehen, worauf die Österreicher auf Albaching 
zurückgingen und Drouet, der hierdurch frei gemacht war, seinen 
Marsch antrat, um' sich bei Maitenbeth mit Richepance zu ver- 
einigen. 

Von dem Erscheinen Richepance's im Rücken der Kolonne 
Kolowrat erhielt die Heerleitung nach 10 Uhr Vormittags durch 
das bayerische Chevaulegers-Regimeut die Meldung,**) »dafs am Ein- 
gang des Defilees sich feindliche Truppen formiert; der Angriff 
eines Chasseur-Regiments sei zwar von den diesseitigen Chevaulegers 
zurückgewiesen, diese seien aber im Verfolgen auf Infanterie ge- 
stofsen — und durch deren Feuer genötigt worden, hiervon ab- 



*) Nach der „Ordre de bataüle" (Memorial V, 427) bestand die Division 
Decaen aus der 4. und 100. Halbbrigade, der 14. leichten Halbbrigade, dem 
17. Dragoner-, dem 6. und 10. Husaren-Kegiment u. s. w., zusammen 9 Bataillone, 
12 Schwadronen und 12 Geschütz ezusammen 9420 Mann. Bei Hohenlinden bildete 
ferner die polnische Legion unter General Kinacewicz, 3 Bataillone und 4 Schwa- 
dronen u. s. w., einen Bestandteil der Division Decaen ; bisher gehörte die Legion 
zur Division Delaborde vom Corps Sainte-Suzanne. (Memorial V, 429). Hier- 
von waren abkommandiert das 1. Bataillon der 14. leichten Halbbrigade bei der 
Division Richepance (2. Brigade Drouet) und die 100. Halbbrigade und das' 
27. Dragoner-Regiment unter General Debilly bei Steinhöring. 

**) Eine private Mitteilung sagt: „Gegen 10 Uhr in der Früh meldete 
die gegen die linke Waldseite hingeschickte Kavallerie-Abteilung, dafs sie auf 
feindliche Jäger zu Fufs und zu Pferd gestofsen und diese über den Wald hinaus 
zurückgedrückt habe." 



— 59 — 

zustehen; die sämmtliche Kavallerie dieser Kolonne (unter Feld- 
marschall-Lieutenant Fürst Lichteustein) habe an der Chaussee 
rechts ab — und etwas rückwärts Position genommen.«*) 

Hierauf wurde augenblicklich das Bataillon Preysing be- 
ordert, »in den links gelegenen Wald einzudringen und 
denselben zu säubern.« Das Detachement, welches unter 
Oberst Graf Reufs anfänglich nach Christoph bestimmt 
gewesen und aus den Bataillonen Schlofsberg und Stengel 
bestand, mufste links vom Bataillon Preysing vorgehen, 
den Wald weiter links durchstreifen und Erkundigungen 
vom General Riesch einziehen. Das Bataillon Stengel war 
bestimmt, den linken Flügel des Bataillons Preysing zu schützen, 
während das Bataillon Schlofsberg den genannten beiden Bataillonec 
als Rückhalt diente.**) Die Bataillonsgeschütze blieben auf dei 
Strafse zurück. Ferner erhielten 4 Geschütze der reitenden 



*) Die Schlacht bei Hohenlinden u. s. w, 16. 
**) 1. „Die linke Seite seines kleinen Heerhaufens zu schützen, 
schickte General Zweibrücken, das Bataillon Preysing in den Wald." 
Völderndorff, 1, 172. 

2. „Ein Bataillon wurde schleunigst gegen Maitenbeth ge- 
schickt " Österr. militärische Zeitschrift, 1836, 4, 31. Von einer weiteren 
Detachierung in die linke Flanke weifs diese Zeitschrift nichts. 

3. „Zu spät wurde das Bataillon Preysing gegen St. Christoph 
zur Verbindung und Deckung der linken Planke in den Wald hinein- 
beordert." Geschichte des 3. Infanterie-Kegiments (Manuskript). 

4.. „Hierauf wurde augenblicklich das Bataillon Preysing gegen St. 
Christoph abgeordnet." Private Mitteilung. 

5. „Erzherzog Johann ordnete 2 Bataillone Bayern unter deren 
Obersten Graf Eeufs zu einer Seitenbewegung gegen St. Christoph." 
Völderndorff, 1, 172. 

6) Oberst Reufs vollführte mit dem Bataillon Schlofsberg und mit 
Abteilungen der Bataillone Stengel und Dallwigk eine Seiten- 
beweguug links in den Wald." Geschichte des 3. Infanterie - Regiments 
(Manuskript). 

7. „Bataillon Stengel, 2 Compagnien, und Bataillon Schlofs- 
berg: detachiert auf dem linken Flügel, kommandiert vom Grafen Reufs." 

_Notiz auf dem k. k. Kriegsarchiv in Wien. 

8. „Das letzte Bataillon der Kolonne mufste hierauf sogleich Front 
machen, um in den, derKolonne links gelegenen Wald einzudringen 
und diesen zu säubern, von jener auf St. Christoph bestimmten 
beweglichen Kolonne erhielten 4 Compagnien den Befehl, sich auf 
den linken Flügel, dieses Bataillons en potence zu setzen, und so 
mit diesem gemeinschaftlich den Angriff zu machen, währenddem 



— 60- — 

Batterie Befehl »auf der Stelle umzukehren und die Mög- 
lichkeit zu versuchen, zur Kavallerie zurückzukommen, 
sich dann gegen den Eingang desDefilee zu plazieren und 
so die Infanterie-Attacke kräftig zu unterstützen.«*) 
Zu gleicher Zeit ging General Wrede mit den Bataillonen 
Buseck und Pompei auf der Strafse gegen Maitenbeth 
zurück, um dem im Rücken erschienenen Feinde die Spitze 
zu bieten.**) Trotz der vorstehenden, gewifs unzweideutigen 
Meldung war die oberste Heerleitung der Meinung, dafs jene Er- 
scheinung im Rücken der Kolonne nichts anderes sein könne, als ein 
Schwärm durch Riesch versprengter Franzosen, der einen Ausweg 
hier suche. Um sich davon zu überzeugen, ritt Oberst Weyrother 



die übrigen 4 Compagnien zur Unterstützung der andern beatimmt 
wurden." Die Schlacht bei Hohenlinden u. s. w. 16. 
*) Die Schlacht bei Hohenlinden u. s. w., 17. 
**) 1) „Um sein Geschütz zu retten", schickte Generallieutenant Zwei- 
brücken „den General Wrede mit 2 Bataillonen ab." Völderndorff, 1, 172. 

2) „Noch das letzte pfalzbayerische Bataillon wurde mit dem 
General Wrede gegen Maitenbeth geschickt." Österr. milit. Zeitschrift, 
1836, 4, 31, 32. 

3) „General Wrede marschirte mit den Bataillonen Buseck und 
Pompei auf der Strafse zurück, um den Rücken und die aus 6 Kanonen 
und 2 Haubitzen bestehende leichte (reitende) Batterie — auf- 
gefahren auf der Strafse — zu decken." Geschichte des 3. Infanterie- 
Regiments. (Manuskript.) 

4) „Zu gleicher Zeit (mit Bataillon Preysing u. Oberst Reufs) ging General 
Wrede mit den Bataillonen Buseck und Pompei, der Batterie reiten- 
der Artillerie und einigen Eskadronen auf der Strafse gegen Maiten- 
beth zurück, um dem immer stärker andringenden Feinde die Spitze zubieten." 
Private Mitteilung. 

5) „Als die Bewegung des Generals Richepance wahrgenommen wurde, 
gingen die noch übrigen k. k. Grenadier-Bataillone als auch die auf- 
geschlossenen 4 kurpfalzbayerischen Bataillone unter Anführung 
des Generals Wrede dem Feinde entgegen." Journal pro Dezember 1800.» 
Kurpfalzbayerisches Subsidien-Corps betr. K k. Kriegsarchiv in Wien. Fase. 12 
St. 551. 

6) „Erst spät, und nur auf die wiederholten Meldungen, dafs jene zuerst 
links in den Wald geschickten Truppen ganz umwickelt und aufser Stand seien, 
länger zu halten, wurde erlaubt, den Rest der 2. Infanterie-Brigade (Wrede) 
ziirück zu holen, um wo möglich das Gefecht wieder herzustellen. Die Schlacht 
bei Hohenlinden u. s. w,, 18. 

Die beiden letzten Berichte stammen aus ein und derselben Quelle, dem 
Stabsquartier des Generallieutenants Zweibrücken; sie zeigen deutlichst, was 
Mangel an Klarheit und an richtiger Beurteilung der Situation zu Stande . 
bringen kann. 



— 61 — 

auf den gefährdeten Punkt; es wurde ihm das Pferd getötet und 
er kampfunfähig gemacht.*) 

Unterdessen hatte Richepance den kühnen und zur Entscheidung 
führenden Entschlufs gefafst, sich in den Rücken der Kolonne 
Kolowrat zu werfen.**) Während General Walther mit dem 
Chasseurs-Regiment, der 8. Halbbrigade und einigen Geschützen der 
österreichisch-bayerischen Kavallerie gegenüber stehen blieb, mufste 
die 48. Halbbrigade geschlossene Kolonne formieren, auf die Strafee 
vorrücken, dort eine Viertelsschwenkung links ausführen und nebst 
einigen Geschützen gegen den »Grofs-Haagerforst« vorgehen.***) 
Das Bataillon, welches sich an der Tete befand, war bis auf 
200 Schritte an den Waldsaum herangekommen, als dasfelbe durch 
die Geschütze der reitenden Batterie, f) welche auf und südlich der 
Straise aufgefahren waren, sowie durch ihre Bedeckung — 1 Com- 
pagnie vom Bataillon Dallwigk, — welche rechts von diesen stand, 
mit Feuer empfangen wnrde.ff) Das Teten-Bataillon, an seiner 
Spitze die Grenadier-Compagnie, schlofe sofort die Kolonne und ging 
auf und südlich der Strafse zur Attacke über, eroberte die Ge- 
schützeff f) und verjagte die schwache Bedeckung, welche sich auf 
die Bataillone zurückzog, die Wrede heranzuführen beabsichtigte. 
Die Franzosen, der Bedeckung in hellen Haufen folgend, liefsen 



*) Österr. milit. Zeitschrift, 1836, 4, 34. 

„Des ce moment nous etions pris en flanc et ä dos par Fennemi, tandis que 
las generaux commandant rarmee autrichienne en etaient si peu inforines, que 
Ton prit le feu qui se faisait entendre de plus en plus vivement sur ce cöte, 
pour celui de quelque colonne ennemie disperses par les troupes du general." La 
bataille de Hohenlmden u. s. w. Bayer. Geh. Staatsarchiv. 

**) „ de me jetter sur les derrieres des Autrichiens en marchant sur 

Hohenlinden." Spectateur roilitaire, 22, 264. 

***) „n se porta (Ricliepance) sur les derrieres de l'armee autrichienne avec 
un regiment (48. Halbbrigade) de sa premiere brigade, pendant que Tautre 
(8. Halbbrigade) matntenait la reserve de cavalerie autrichienne." Le marechal 
Drouet, comte d'Erlon, 16. 

t) Nach DessoUes Bericht: 3 Kanonen, 
tt) „ — — on lui tire trois coups de canon ä mitraille, et il re9oit le feu 
d'un bataülon ennemi qui arrivait au bruit du combat." Spectateur militaire, 
22, 265. 

ttt) Der Baum gestattete kaum 4 Piecen in Aktion zu bringen ; der Zug des 
Unterlieutenants Caspers mulste noch einige hundert Schritte vorrücken, und 
begann hierauf sogleich mit Kugeln und als das Feuer noch mehr herandrängte, 
mit Kartätschen zu feuern. Nach einer ^i stündigen Kanonade drangen die 
französischen Tirailleurs in die Batterie u, s. w. Nekrolog des k. b. General- 
majors V. Caspers. Archiv für Offiziere aller Waffen, 1. Jahrgang 1. Bd. 
78, 79, 



— 62 — 

diese Bataillone, welche durch das Encombrement der Strafse 
ohnehin auseinandergekommen waren, nicht zum Aufmarsch ge- 
langen, sondern warfen sie, nach einigem Widerstand, in voller 
Auflösung zurück. Wrede zog sich mit den wenigen Leuten, die 
ihm noch geblieben, und der Partikularbedeckung der Artillerie, die 
sich ihm angeschlossen hatte, langsam in der Richtung auf Dorfen 
zurück, wodurch er vielen Flüchtigen, Österreicher und Bayern, 
Gelegenheit gab, sich seiner kleinen Kolonne auzuschliefsen. Er 
hatte im Gewühl des Kampfes einen Franzosen, der auf ihn an- 
geschlagen, niedergestochen.*) Bei der Bagage waren die Fuhr- 
knechte, mit Hinterlassung von Wagen und Pferden, schon längst 
ausgerissen. 

Dasfelbe Mifsgeschick hatten die in die linke Flanke detachierten 
Bataillone Preysiug und Schlofsberg, indefs das Bataillon Stengel, 
ohne auf den Feind zu stofsen und ohne einen Schufs abzugeben, 
sich zu salvieren verstand. Die erstgenannten Bataillone stiefsen 
auf Truppen des Generals Decaen, welche dieser, wie schon 
gesagt, um dem General Drouet Luft zu machen, gegen die 
Strafse Haag-Hohenlinden vorgeschickt hatte. Die genannten Ba- 
taillone wurden nach geringem Widerstand gegen die Strafee zurück- 
geworfen. Das Bataillon Stengel, welches am weitesten in südlicher 



*) Die Franzosen sagen allgemein, dafs die Truppen, welche dem General 
Richepance bei seinem Eindringen in den „Grofs Haager Forst" entgegengetreten, 
ungarische Grenadiere gewesen seien. Dem ist jedoch nicht so. Es waren 
Bayern, die sich dem Andränge entgegenstemmten und zwar, wie gesagt, einige 
Geschütze der reitenden Batterie, 1 Compagnie vom Bataillon Dallwigk und 
2 Bataillone, welche General Wrede herangeführt. Die äufsere Ähnlichkeit mag 
die Franzosen zu diesem Irrtum verleitet haben. Nun wollen wir aber noch 
beweisen, dafs das Auftreten von ungarischen Grenadieren an den bezeichneten 
Punkten geradezu unmöglich war. Bei der Kolonne Kolowrat befanden sich 
bekannter mafsen 8 Grenadier-Bataillone, welche an der Spitze des Gros in der 
Nähe des Kreuzwegs standen. Von diesen wurden 4 Bataillone allmählich zur 
Verstärkung der Avantgarde verwendet, 2 Bataillone wurden in die linke Planke 
auf Christoph detachiert und die letzten beiden Bataillone bildeten eine Art 
von Reserve in der Nähe des Kreuzwegs, wo sie, wie wir noch hören werden, 
förmlich erdrückt wurden. Eine Reserve, die auf entsprechende Entfernung 
hinter der Front gehalten hätte, um nach Bedarf verwendet zu werden, war 
nicht vorhanden. Wir sind daher vollständig berechtigt, diesen Widerstand, 
wenn er auch schliefslich nichts nutzte, auf bayerische Rechnung zu schreiben. 
Als Anerkennung hierfür schrieb Kolowrat in seinem Bericht über die Schlacht 
(k. k. Kriegsarchiv, Fascikel 12 Stück 100): „ ich hatte nurmehr 2 Gre- 
nadier-Bataillone in Reserve, ich fand mich in der gröfsten Verlegenheit, während 
der Feind die Queue der pfalzbayerischen Truppen an der Chaussee von Haag 
im Rücken angriff und selbe in die Flucht jagte." 



— 63 — 

Richtung vorgegangen war, stiefs, was kaum glaubhaft erscheint, 
auf keinen Feind und eigenmächtig auf eine Verbindung mit 
den andern Bataillonen verzichtend, setzte es seinen Marsch 
über Albaching, Ramsau, hier die Strafse betretend, über Ampfing 
bis Mühldorf fort, wo es gegen Mitternacht ganz erschöpft 
eintraf. *) 

Während dieses an der Queue und in der linken Flanke vor- 
fiel, war auch die Avantgarde »total geschlagen« worden. Moreau 
hatte, als er von der Wirkung Nachricht erhalten, welche das 
Erscheinen des Generals Richepance im Rücken der Kolonne 
Kolowrat hervorgerufen, einen kombinierten Angriff mit weit über- 
legenen Kräften — Divisionen Ney und Grouchy — auf die Avant- 
garde der Mittelkolonne ausführen lassen. Gleichzeitig in der linken 
Flanke und Front angegriffen, wurde die Avantgarde, nachdem sie 
noch kurz vorher die Franzosen auf ihre ursprünglichen Stellungen 
zurückgeworfen hatte, zum Rückzug genötigt, der schliefslich in 
wilde Flucht ausartete. Die Generale Deroy und Spannochi u. s. w. 
waren gefangen worden. Die beiden bayerischen Scharfschützen- 
Compagnien> iverloren viele Leute, da sie »geschlossen« verwendet 
worden waren. »Seitdem wir uns Abends beim Einrücken im Lager 
bei Haag zum letztenmale gesehen« — schrieb General Deroy am 
30. Januar 1801 an Wrede, — »und wo es wegen dem gewählten 
Lagerplatz grofse Debatten gegeben, haben sich wunderliche 
Dinge ereignet, worüber eine Unterredung wohl nicht uninteressant 
sein möchte.« 

Von der Kolonne Kolowrat waren um diese Zeit nur noch 
2 Grenadier-Bataillone intakt, die als eine Art Reserve in der Nähe 
des öfter erwähnten Kreuzweges standen. Auf diese warf sich nun 
der ganze Schwall der siegestrunkenen Sansculotten. In kurzem war 
ihr Widerstand gebrochen. Auf ihren Leichen feierten Ney und 
Richepance ihre Vereinigung. In der Höhe des Artillerieparks 
hatte sich die 2. Brigade Drouet mit Richepance vereinigt. **) Mit 
diesem letzten Widerstand war die Kolonne Kolowrat als vernichtet 
zu betrachten, was beiläufig um die Mittagsstunde der Fall war. 

Nachdem sich Ney und Richepance vereinigt hatten, eilte 
letzterer zu dem General Walther zurück. Ney und Grouchy 



*) Xylander, v., Tagebuch. 
**) Pendant que ces evenements se passaient, ma brigade, qui etait en 
niarche sur Maitenbeth, debouche egalement sur la grande route, ä la hauteur 
du grand parc d'artillerie de l'armee autrichienne, qui fat mis dans le plus complet 
desordre Le marechal Drouet, comte d'Erlon, 16, 17. 



- 64 — 

folgten ihm. General Walther, der durch den Leib geschossen 
worden war, wurde ihm entgegengetragen.*) Richepance, einige 
Augenblicke bei ihm verweilend, besetzte hierauf den Saum des 
Waldes, dessen er sich bemeistert hatte. Nach 3 Uhr Nach- 
mittags wurde Lichtenstein mit überlegenen Kräften angegriffen 
und auf Haag und Ramsau zurückgedrückt. Seine Kavallerie, sowie 
das bayerische Chevaulegers-Regiment , wurden von der Auflösung 
nicht berührt, welche bei der Kolonne Kolowrat in so trauriger 
Weise eingerissen war.**) Man erzählt, dafs sich dem bayerischen 
Chevaulegers-Regiment bei der allgemeinen Flucht der Kolonne 
Kolowrat Gelegenheit geboten habe, den Erzherzog Johann aus der 
Gefangenschaft zu befreien. Unmittelbar nach der Schlacht, während 
Oberst v. Dorth mit seinem Regiment abgesessen war und neben der 
Strafse stand, ritt auch der Erzherzog vorbei und sagte, obwohl er 
schon sehr gut wufste, dafs er Dorth seine Befreiung aus der Ge- 
fangenschaft verdanke, in einer Weise, dafs es Dorth hören mufste, 
»er möchte gerne wissen , welcher brave Oberst ihn heute heraus- 
gehauen hätte.« Hierauf trat Dorth vor, salutierte und sagte: 
»Kaiserliche Hoheit, ich möchte gerne wissen, welcher Esel Sie 
heute hineingeritten hat.«***) 



*) General Walther wurde nach München transportiert, wo er langsam der 
Genesung entgegenging. Auch der Divisions - General Bastoul vom Corps Grenier 
wurde schwer verwundet nach München transportiert, wo er am 15. Januar 1801 
starb. Er liegt auf dem südlichen Kirchhofe begraben. Sein Grab ist durch eine 
steinerne Pyramide, welche auf einem steinernen Sockel und 4 Kanonenkugeln 
ruht, kenntlich gemacht. Die Gedächtnistafel enthält folgende Inschrift : „Armee 
du rhin, commandee par le general Moreau A la memoire du general Bastoul, 
blesse ä la bataille de Hohenlinden le 12 frimaire, mort ä Munich le 20 nivose 
l'an 9 de la republique fran9aise." 

**) Dem Chevaulegers - Regiment wurde für sein gutes Verhalten in der 
Schlacht folgendes Lob zu teil: „. . . . Sehr angenehm ist mir die Vollziehung 
des erhaltenen höchsten Befehls S. K. D. unseres gnädigsten Herrn, dem Regiment 
Chevaulegers, dem Commandeur desfelben, sowie jedem Offizier vorzüglich, dann 
auch allen Unteroffizieren und Gemeinen die gröfste und innigste Zufriedenheit 
S. K. D. über die in der Bataille bei Hohenlinden am 3. dies bewiesenen Cou- 
tenance und den Mut zu bezeigen, durch welchen dieses Regiment sich an jenem 
Tage so sehr ausgezeichnet und füge ich diesen gnädigsten Aufserungen meinen 
eigenen lebhaften Dank und die Versicherung der gröfsteu Achtung bei, die ich 
für jedes tapfere Betragen überhaupt und für das was das Chevaulegers-Regiment 
in jener Schlacht gethan, besonders empfinde." 
Ottensheim, 19. Dezember 1800. 

gez.: Zweibrücken, Generallieutenant. 

***) Schrettinger , der k. b. Militär -Max -Josephorden, 183. Weiter wird 
ebendaselbst erzählt, dals vor der Schlacht ein Kriegsrat stattgefunden habe, dem 



— 65 — 

Immer noch kämpften die Flügelkolonnen, als an sie der 
Befehl zum Rückzug erging, Riesch marschierte von Albaching, 
wo er seine Division gesammelt, nach Ramsau. Die Kolonne 
Baillet, welche während der ganzen Schlacht eine merkwürdige 
Unthätigkeit entwickelt, indem sie, einige »unfruchtbare« Ent- 
sendungen gegen Loipsing, Hohenlinden und Kronacker abgerechnet, 
unbeweglich auf der Höhe von Mittbach stehen blieb, zog sich über 
Burgrain und Isen gegen Dorfen zurück. Die Kolonne Kienmayer 
zog sich nach einigen ruhmvollen Gefechten gleichfalls auf Dorfen 
zurück. 

Die Trümmer der bayerische ü Division machten zuerst in 
Ramsau, dann in Mühldorf halt; am 4. zählte die Division kaum 
1500 Mann. In Mühldorf fand sich jedoch schon ein Teil der 
Versprengten, Leichtverwundeten ein. Immerhin waren aber noch 
mehrere Tage erforderlich bis die Bataillone in der Hauptsache als 
wiedergesammelt betrachtet werden konnten. 

Über den Zustand der bayerischen Division giebt uns ihr Commandeur den 
besten Aufschlufs, wenn er sagt:*) „Nach diesen nun eben gehorsamst gemeldeten 
Umständen, und nach der augenblicklichen Lage, in der mein Corps sich befindet, 
sehe ich mich in die traurige Nothwendigkeit gesetzt etc., etc. vorstellen 
zu müssen, wie durchaus nöthig es ist, dafs zur Keorganisirung desselben mir 
ein, ganz aufser der Operationslinie liegender Ort rückwärts der Armee an- 
gewiesen werden möge, wo ich mein Corps sammeln und solches zum ferneren 
Dienste wieder herstellen könnte, wobei ich noch etc. die dringendsten Vor- 
stellungen darüber machen mufs, wie ebenso nöthig es ist, soll anders das Corps 
von seiner gänzlichen Auflösung gerettet werden, dafs die Besatzungen, welche 
noch in Mühldorf, Krayburg und Wasserburg von meinem Corps stehen, dafs 
solche nebst ihrem Geschütz aus diesem Orte gezogen, und als das einzige, was 
nur von formirter Infanterie jetzt noch übrig ist, und in dem ich die Mittel 
finden kann, den andern aufgelösten Theil ebenfalls wieder zu formiren, zu dem 
Corps an dem demselben zu bestimmenden Platz alsobald stofsen dürfte. Eben- 
falls frage ich gehorsamst an, wohin mein Spital nunmehr transportirt werden 
soll, nachdem durch hohen Armeebefehl vom 24. November angewiesen worden, 
solches zu Anfang der Feindseligkeiten nach Burghausen zu transportiren , von 
wo denn es weiter instradirt und angewiesen werden sollte." Der Erzherzog gab 
noch imterm 4. Dezember hierauf folgenden Bescheid: „Der gestern erlittene 



auch Oberst Dorth beigewohnt. Sämtliche österreichischen Generale waren für 
den in Vorlage gebrachten Plan, während ihn Dorth mifsbilligte und als schlecht 
bezeichnete. Als nun hierbei einer der österr. Generale die Bemerkung machte: 
„Der Oberst Dorth sei nie ihrer Ansicht und wisse immer alles besser," erwiderte 
Dorth, „sie sollen machen, was sie wollen, er mit seinen Chevaulegers werde 
schon durchkommen, wie sie aber herauskommen würden, sei eine Frage." 

*) Originalbericht an den Erzherzog Johann, Mühldorf 4. Dezember 1800. 
K. k. Kriegsarchiv, Fascikel 12 Stück ad 63, 

5 



— 66 — 

Verlust machen es daher nöthig, dafs ich meine Offensive aufgebe und mich hinter 
den Inn um so mehr auf eine Defensive setze, als auch die bei der Armee ge- 
wesenen 6000 Mann bayerische Subsidien-Truppen von solchen abgehen, und, ohne 
künftig mitoperiren zu wollen, sich im Salzburgischen aufstellen werden."*) 
Später fafste Zweibrücken die Sache etwas ruhiger auf und schrieb:**) „Obzwar 
sich fand, dafs der Verlust an Mannschaft bei weitem nicht so stark war, als 
man anfänglich solchen berechnet hatte, so war aber doch ein grofser Theil ohne 
Gewehre und Tornister zurückgekehrt, die überdiefs die Truppen wegen den in 
diesen Tagen gehabten Patiken, wozu wegen der wirklich ganz abgenutzten 
Kleidung bei einigen Bataillonen, die ohne Überröcke und ohne neue Montur 
sind, die Witterung vieles beitrug, ganz entkräftet erschienen, so bewog dieses 
den kommandierenden Generallieutenant etc. eine dringende Vorstellung zu 
machen, sich mit seinem Corps rückwärts der Armee aufstellen zu dürfen, um 
solches wieder dienstbar machen zu können; der en chef Kommandierende be- 
stimmte dazu die Gegend von Neumarkt im Salzbuigischen, nur mufste die in 
schon vorhin angeführten Verschanzungen befindlichen 5 (872) Bataillone solange 
da verbleiben bis zu deren Ablösung durch k. k. Bataillone das weitere verfügt 
werden konnte." Ferner hatte Zweibrücken gemeldet: „Nachdem am 3. die 
meisten Kesselpferde, welche den Truppen folgten, sammt den Kesseln verloren 
gegangen, ein anhaltendes Lagern, nicht mehr möglich." 

Erzherzog Johann, welcher die Nacht des 3. in Haun zu- 
gebracht hatte, entbot alle Truppenteile auf den 4. nach Mühldorf. 
General Mecsery, der Erding und Nandlstadt überfallen, marschierte nach 
Eggenfeldeu und Kleuau, dessen Vortruppen bis Geifsenfeld gestreift 
waren, ging bei Regensburg wieder an das linke Donauufer. Die 
Franzosen standen am 4. bei Albaching, Thal, Mitbach und Loipsing. 
Moreau hatte seinen Sieg nicht auszunutzen verstanden, was für 
das österreichische Heer ein grofses Glück war. 

Die Österreicher hatten einen Verlust von 11,860 Manu an 
Toten, Verwundeten und Gefangenen; an Geschütz verloren sie 
50 Kanonen, ferner 85 Munitionswagen. Die Franzosen geben ihren 
Verlust zu 2500 Mann an. Die bayerische Division verlor an 
Toten: 3 Offiziere, Hauptmann Graf Morawitzky und Oberlieutenant 
v. Schwachheim vom 2. und Oberlieuteuant Steffens vom 3. In- 
fanterie-Regiment, 21 Manu und 22 Pferde; au Verwundeten 7 Offi- 
ziere, darunter Oberlieutenant Auer vom 6. Infanterie- Regiment, 
welcher am 8. Dezember in München seinen Wunden erlag, 83 Mann 
und 30 Pferde; an Vermifsten und Gefangenen 38 Offiziere, darunter 
Generalmajor v. Deroy, Oberstlieutenant Metzen, 9 Hauptleute, 



*) K. k. Kriegsarchiv. Fase. 12 St. 64. Erzherzog Johann an den General 
Bellegarde, Mühldorf 4. Dezember 1800. 

**) Journal pro Dezember 1800. Kurpfalzbayerisches Subsidien-Corps be- 
treffend. Fascikel 12 Stück 551. 



— 67 — 



27 Lieutenants und 1716 Mann.*) Die gefangenen Ozffiiere durften 
gegen Ehrenwort in München verbleiben.**) Anfser Geld, Uhren 
und Pferden wurde den Gefangenen nichts abgenommen — sagt 
naiv ein Berichterstatter. GeneraHieutenant v. Zweibrücken, welcher 
im Gedränge mit seinem Pferde gestürzt war, wurde durch den 



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Etat 







vor dem 


3. December 


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der Bataille 








war das Corps stark. 


vom 3ten verloren. 


Regiment 








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1 


2 






14 


69 


5 Haubitzen. 


Fufs- Jäger- 
































Divis. Kesling 


7 


22 


24 


^, 


6 


237 




3 


12 


19 




1 


150 




13 Kanonen. 


Grd. Reuss 


16 


40 


48 


4 


8 


489 




10 


8 


16 




1 


168 




4 Wurst.-. ^ 

32Munit.-l^ 

1 Comp.-^°!^ 


F.-J. Hetzen 


20 


44 


47 


5 


12 


485 




7 


2 


14 


^ 


4 


172 




Inf. Minucci 


20 


41 


46 


4 


7 


499 




9 


7 


9 




2 


180 




„ Stengel 


16 


43 


48 


4 


14 


594 




• 


5 




1 


2 


68 




198 Fuhr- 


„ Sprety 


15 


39 


46 


4 


9 


479 


















u. Artillerie- 


„ Schlofsberg 


17 


43 


48 


4 


14 


635 




6 


6 


12 






148 




Pferde. 


Grd, Pompei 


16 


40 


48 


4 


8 


588 






3 


12 


1 


4 


168 




13Packpferde. 


F.-J. Preysing 


16 


43 


43 


4 


13 


486 




2 


4 


5 




4 


163 






Inf. Buseck 


16 


44 


47 


3 


12 


612 




7 


13 


10 


i 




152 






„ Dallwigk 


16 


43 


47 


2 


12 


592 




1 


1 


2 






27 






,. Zoller 


16 


43 


39 


4 


11 


507 






1 


2 




1 


26 






„ Lamotte 


15 


42 


42 


3 


10 


570 








, 






14 






Sa. 


256 


601 


643 


51 


|148 


7522 




46|73 


103 


3 


19 


1450 







Summa 9221 1694 

K. k. Kriegsarchiv Fase. 12 St. 553. 

Hier ist der Abgang bei der Infanterie-Artillerie ,und der reitenden Batterie 
nicht aufgenommen; wir haben ihn eingerechnet. 

Die 38 gefangenen Offiziere verteilen sich wie folgt : Generalstab 2, Bataillon 
Reufs 6, Hetzen 6, Hinucci 6, Schlofsberg 5, Preysing 1, Buseck 7, Dallwigk 1, 
Fufsjäger 3, reitende Artillerie 1. 

**) Das Tagebuch des bayerischen Platzmajors Hagg in Hünchen sagt beim 
7. Dezember: „Die bereits durcbgelieferte und noch vorhandenen bayerischen 
Soldaten vom Feldwebel abwärts betragen bis heute 1882 Köpfe. Selbe, wie 
^ämmtliche kurbayerische Offiziere, erhielten vom General Horeau die Erlaubnifs, 
auf ihr Ehrenwort nicht gegen die Republik zu dienen bis sie ausgewechselt, hier 
(Hünchen) zu verbleiben. Die k. k. Offiziere hingegen werden alle fortgeliefert." 
Beim 20. Februar ist notiert: „Der französische Stadtkommandant gab gestern 
Nachricht, dafs jene kurbayerischen Offiziere, so bei Ankunft der Franzosen aus 
verschiedenen Ursachen in Bayern und Schwaben zurückgeblieben, gegen die 
schriftliche Verbindlichkeit, nicht gegen die Repuklik oder ihre Alliirte zu 
dienen, bis zur Auswechslung zu ihren Regimentern abgehen können. Heute wird 
man wegen dieser Ausstellung das nöthige verfügen." Am 23. Februar erhielten 
die gefangenen Offiziere die Erlaubnis zu ihren Regimentern zurückzukehren. 

(Herzogliches Hausarchiv.) 

5* 



— 68 — 

Bombardier Adam Dirschl der reitenden Batterie vor der Gefangen- 
schaft bewahrt. An Geschützen gingen 7 Hanbitzen und 19 sechs- 
pfünder Kanonen, zusammen 26 Stücke verloren (Bataillonsgeschütze 
18 und reitende Artillerie 8 Geschütze), ferner 4 Wurst-, 32 Mu- 
nitions- und 1 Compagnie- Wagen, 198 Fuhr- und Artillerie-, nebst 
13 Packpferde. Der Division verblieben noch die 6 Geschütze 
(1 Haubitze und 5 sechspfüuder Kanonen) der in den Brückenköpfen 
von Mühldorf, Krayburg und Wasserburg abkommandierten Bataillone 
Spreti, Zoller und Lamotte. 

»Das Subsidien-Corps ist als aufgelöst anzusehen bis auf ein 
Paar Reserve-Bataillone und die Kavallerie, die in der Bataille nicht 
litten. Alle Artillerie, Munition, Bagage ist auf dem Schlachtfeld 
und in den Wäldern wie bei einer Zerstörung zerstreut; glücklich 
ist noch für das so unglückliche Vaterland, da£s wenigstens das 
Leben der meisten dieser seiner Söhne gerettet ist und die sich alle 
sehr zufrieden äufserten, sowie sie auch von der französischen Armee 
gut behandelt wurden, wie überhaupt diese für Bayern mehr Anteil 
und Vorliebe blicken läfst.«*) 

»Der Anblick des Schlachtfeldes von Hoheulinden« — sagt ein 
Augenzeuge**) — »bis beinahe hierher (Haag), wo am 3. dies die 
schrecklichste Niederlage war, ist wirklich noch für jedermann ent- 
setzlich. An beiden Seiten der durch den Forst führenden Chaussee 
und besonders auch in dem Holze sieht man noch allenthalben tote 
Soldaten und Pferde und die Merkmale der erstaunlichsten Blut- 
ströme. Die Luft ist, ungeachtet der jetzigen Kälte, durch den 
ganzen Forst inficiert ,uud faul, und ich werde soviel an mir ist, 
trachten, dafs für die baldige Beerdigung der toten Körper gesorgt 
werde. Das härteste Hindernis ist der Maugel an Leuten und an 
Pferden, mit denen sich erstere grofsenteils von ihren Häusern 
geflüchtet.« 

Der Sieg bei Hohenlinden war die letzte WafFenthat der französischen 
Eepublik. Moreau schlofs seinen Bericht mit den Worten: „L'armee est fiere 
de son succes, surtout par l'espoir qu'il contribuera ä accelerer la paix." Die 
Kunde von dem Siege wurde in Calais, Boulogne und Brest mit Salutschüssen 
gefeiert, um die Engländer zu ärgern. Während Napoleon im Kücken Moreau's 
seine That verkleinerte, und in Privatgesprächen und Memoiren heruntersetzte, 
sagte er im gesetzgebenden Körper über den Sieg von Hohenlinden: „Dieser 



*) Hazzi, Kommissar im französischen Hanptquartier an den Kurfürsten, 
Haag den 6. Dezember 1800. K. A. B. Einfall der Franzosen 1800, 1801. Kriegs- 
ereignisse u. s. w. 

**) Landkommissar Bitter an den Kurfürsten, Haag den 9. Dezember 1800. 
K. A. B. Einfall der Franzosen 1800, 1801. Kriegsereignisse u. s. w. 



— 69 — 

Sieg wiederhallt durch ganz Europa; die Geschichte wird ihn zu den schönsten 
Tagen zählen, welche die französische Tapferkeit bekunden. " *) An Moreau schrieb 
er über dieselben Bewegungen, die ihm so ungeschickt erschienen: „Ich sage 
Ihnen nicht, mit welcher Aufmerksamkeit ich Ihren schönen und geschickten 
Manövers gefolgt bin; Sie haben sich in diesem Feldzug selbst übertroffen."**) 
Wäre die Kolonne Kolowrat einige Stunden später als die andern Kolonnen an- 
getreten, was immerhin geschehen mufste, so stiefs Eichepance bei Maitenbeth 
auf ihre Spitze statt auf ihre Queue und er wäre sicherlich in ein für ihn sehr 
raifsliches Gefecht verwickelt worden. „In fünfzehn Kriegsjahren", sagt Erzherzog 
Karl, „sind eilf Hauptschlachten (darunter die von Hohenlinden) blofs darum 
verloren worden, weil der Erfolg auf kombinierte Bewegungen und auf den gleich- 
zeitigen Angriff getrennter Kolonnen berechnet war."***) 

Noch am 3. Dezember Abends 972 Uhr traf ein Adjutant Moreau's in 
München ein, welcher der versammelten Kriegsdeputation mitteilte: „Der Ober- 
general lasse der Kriegsdeputation vernachrichtigen, dafs er heute die Österreicher 
und ihre AUiirten, die Bayern, bei Hohenlinden gänzlich geschlagen und über- 
wunden habe. Übrigens lade er ein, sofort 75 Wagen nach Hohenlinden ab- 
zuschicken, um Verwundete hierher zu bringen, ein drittes Feldspital zu errichten, 
und eine Lokalität zur Verwahrung von zwei- bis dreitausend Kriegsgefangenen 
auszumitteln. " München schickte 80 Wagen und das dritte Feldspital, welches 
schon zu errichten begonnen worden, wurde vollendet. Dies genügte aber nicht. 
Es kamen soviele Verwundete an, dafs ein viertes Feldspital eingerichtet werden 
mufste Am 4. Dezember trafen 2000 Kriegsgefangene aller Chargen in München 
ein, welche in Klöster untergebracht wurden; sie blieben daselbst 3 Tage und 
wurden am vierten Tag in zwei Abteilungen über Augsburg und Donauwörth 
unter Bedeckung weiter transportiert f) 

Graf Montgelas hielt nunmehr den Zeitpunkt gekommen, um die Vereinigung 
der Subsidien-Division mit dem „Auxiliar-Corps" durchzuführen. Er schrieb 



*) Im Museum zu Metz befindet sich ein grofses Gemälde, welches die 
Hauptepisode der Schlacht von Hohenlinden darstellt, und welches der Stadt 
1836 durch den berühmten Maler M. Schoppin geschenkt wiirde. Eichepance war 
ein Metzer Kind und am 25. März 1770 dort geboren. Unter dem Gemälde 
steht: „Bataille de Hohenlinden (3 decembre 1800). Le general Eichepance 
ä la tete d'une partie de sa division execute sur les derrieres de l'armee 
autrichienne, commandee par l'archiduc Jean, le mouvement ordonne par le general 
en chef. A l'entree du deflle de la foret, l'ennemi soutenu par une vive canonade, 
arrete un moment la tete de la colonne (es war die bayerische reitende Artillerie), 
un instant d'hesitation peut tout perdre. Eichepance se retournant alors vers les 
grenadiers de la 48ie™e, Que pensez-vous de ces gens-lä, leur demande-t-il en 
montrant l'ennemi. Ils sont morts! s'ecris-t-on de toutes parts. Et les Hongrois(?) 
charges ä la baionette sont culbutes dans toutes les directions. 10,000 prison- 
niers, 100 pieces de canon et le parc entier de Tennemi sont les trophees de 
cette celebre bataille." 

**) Lanfrey, Geschichte Napoleons, deutsche Übersetzung v. Glümer, 2, 
189, 190. 

***) Militärische Klassiker, Erzherzog Karl, 228. 

t) Aus den Aufzeichnungen des J. F. Lipowsky. 



— 70 — 

damals an Major Verger:*) „Les desastres ä Taile gauche datis la journee du 
3 nous seront connue maintenant dans tous leurs details, nous en avons re^u 
ifi la premiere nouvelle par le lieutenant Zentner depeche en Courier par le 
baron de Deuxponts. Le moment parait venu oü le corps subsidiaire 
pourra se joindre au corps auxiliaire. L'Electeur adresse aujourd'hui 
l'ordre au baron de Deuxponts. II devra se mettre en correspondance avec 
Monsieur le Duc pour concerter leurs mouvements respectifs et lui envoyer un 
officier des qu'il sera ä sa portee pour regier la jonction et la dislocation. C'est 
sur ce but qu'il faut desormais diriger tous les mouvements et se depecher de 
reunir tout le corps auxiliaire de maniere a ce que les trois brigades puissent se 
soutenir mutuellement." Dieser Wunsch ging erst einige Wochen später, wie 
wir noch hören werden, in Erfüllung. 

Nach dem Unfälle, den die Armee bei Hohenlinden erlitten 
und der ihren physischen und moralischen Zustand gleich stark 
erschüttert hatte, blieb für jetzt nur die Verteidigung übrig. 

Die Armee ging an das rechte Innufer und bezog dort eine 
Defensivstellung, die bis zum 8. vollständig besetzt war. 

Die Bayern gingen als nicht kampffähig über Mühldorf, Burg- 
hausen, Gilgenberg, Mattigkofen nach Strafswalchen, wo sie am 
9. Dezember eintrafen und folgende Quartiere bezogen. Bis zu 
diesem Zeitpunkt waren auch die bisherigen Besatzungen in den 
Brückenköpfen von Mühldorf, Wasserburg und Krayburg bei der 
Division eingetrojffen, nachdem sie von österreichischen Truppen ab- 
gelöst worden waren. Die Quartiere, welche die Division bezog, 
waren folgende:**) Stabsquartier in Strafswalchen; Bataillon Reufs 
Gericht Hochfeld; Stengel St. Gilgen und Revier; Minucci Schlofs- 
berg, Spreti und Metzen Gericht Thalgau; Pompei Pfarrei Mattsec; 
Lamotte Oberbaum; Buseck Seedorf und Secham; Dallwigk Bern- 
dorf; Preysing im Salzburger Anteil der Pfarreien Asstadt, Tagnig, 
Mandelfingen und Palding; Zoller Mundelfing; Pufsjager, reitende 
Batterie, Bataillonsgeschütze, Reserve -Artillerie und Kavallerie 
im Neumarkter Gericht; Kommissariat Neumarkt; Lazarette Spangen 
und Sieghartstein; Bagage Seekirchen. 

» — Die Pfälzer stelle ich bei Werfen auf, damit sie dort 
wenigstens den Pafs gegen Steyermark verteidigen.«***) Deshalb 
erhielt Zweibrücken am 10. Dezember aus Teisendorf den Befehl: 
»Gleich nach Empfang dessen, haben der Herr Generallieutenant 



*) Bayreuth, 7. Dezember 1800. 
**) K. k. Kriegsarchiv Pasc. 12 St. 189. Schreiben des Major Eomberg an 
Oberst v. Weyrother, „Der Verlust ist nicht ganz so grofs, als er angegeben wurde, 
die Eingaben des Verlustes von denen Bataillons ist noch nicht angelangt." 

***) Erzherzog Johann an den Hofkriegsrat, 10. Dezember 1800. K. k. ICriegs- 
archiv Fascikel 12 Stück 187. 



— 71 — 

mit Ihrem gesammten unterhaben den Korps aufzubrecheo, und sich 
nach Werfen au der Salza in Marsch zu setzen, daselbst militärisch 
aufzustellen und die weitern Befehle abzuwarten.«*) 

Infolge eines kurfürstlichen Befehles, der in der Nacht des 12. 
eintraf, mufste sich Generallieutenant v. Zweibrückeu in das Haupt- 
quartier nach Salzburg begeben »um die Vereinigung des Subsidien- 
Corps mit jener des Auxiliar-Corps zu bewirken, welche aber nicht er- 
folgte.«**) Es wäre hierbei fast zu ernsten Auftritten gekommen. 
In einer Konferenz, in welcher dieser Gegenstand beraten wurde, 
kam es von Seiten Lauer's zu so ungerechten Anschuldigungen gegen 
die bayerischen Truppen, dafs Zweibrücken nur mit Mühe abgehalten 
werden konnte, mit dem Degen in der Faust auf der Stelle Geuug- 
thuung von dem General Lauer abzuverlangen.***) 

Am 14. passierte die französische Armee bei Laufen die Salzach, 
nachdem sie kurz vorher an das rechte Innufer gegangen war. 
Die bayerischen Truppen marschierten über Vöcklabruck (14.), 
Wels (15.), nach Linz (16.), wo sie an das linke Donauufer 
gingen. Am 18. Dezember lagen sie in folgenden Quartieren: 
Stab Ottenschein; 1. Brigade: Stab Hellmansöcl; Bataillon Reufs 
Reichenthal; Metzen Schenkenfelden; Minucci Zwettel; Stengel 
Oberneukirchen und St. Veit; Schlofsberg und Spreti Hellmansöd; 
2. Brigade: Ottenschein; Pompei Walding mit Ottensheim; Zoller 
Lamotte und Fufsjäger W^alding, Gramastetteu und Gotthard; Prey- 
siug Goldenwerth; Buseck Reichenau; Dallwigk, Geng; Chevau- 
legers Weifsendorf und ein Teil der Pfarrei Leonfelden; Artillerie, 
Kommissariat und Fuhrwesen Leonfelden; Reserve-Artillerie 
und Bagage Wartberg. Am 16. Dezember betrug die Stärke der 
Division 7950 Mann.f) 

Generalmajor Wrede, der sich am 18. Dezember in das Haupt- 
quartier nach Steyer begeben, und am 20. wieder zurückgekehrt 
war, brachte den Befehl »dafs das Corps die Donaustrecke von 
Feldkirch angefangen bis nach Steg besetzen solle, da Linz verlassen 
und die Stellung hinter dem Traunflufs genommen werden würde.« 
Am 21. rückte das Bataillon Preysing nach Steg, die Bataillone 
Zoller und Lamotte besetzten Urfahr-Linz, gegenüber von Linz, das 
Bataillon Metzen kam zwischen Bucheiaau und Ottensheim und 
Bataillon Spreti nach Feldkirch zu stehen; überall wurden Pikets 



*) K. k. Kriegsarchiv Fase. 12 St. 186. 
**) Journal pro Dezember. 
***) Heümanu, Feldmarschall Fürst Wiecle, 66. 
f ) Siehe Anmerkung auf der nächsten Seite. 



— 72 — 

ausgestellt; Generalmajor Wrede übernahm das Kommando über diese 
Defensiouslinie. Am 22. nahm Zweibrücken sein Quartier in Hell- 
mansöd. Am 23. marschierte das Bataillon Dallwigk aus seiner 
Kantonierung Geng zur Verstärkung nach Urfahr-Linz. 

Inzwischen wurde die österreichische Armee, über welche der 
Erzherzog Karl endlich — aber nur um sieben Monate zu spät — 
das Kommando wieder übernommen hatte, nach den Gefechten bei 
Frankenmarkt, Vöcklabruck, Schwanstadt und Lambach bis hinter 
die Ens zurückgedrückt. Am 21. liefs der Erzherzog dem General 
Moreau einen Waffenstillstand antragen, worauf die Feindseligkeiten 
einstweilen eingestellt wurden, bis am 23. General Graf Grüne mit 
der nötigen Vollmacht ausgerüstet erschien, und endlich am 25. De- 
zember in Steyer eine Konvention wirklich zum AbschluJfe kam.*) 
Die Demarkationslinie lief auf dem linken Ufer der Donau von 
Bamberg bis Regensburg und auf dem rechten Ufer der Donau vom 



t) Stärke der Subsidien-Division am 16. Dezember 1800. 



Pfarrei. 



Abtheilungen. 



Offi- 
ziere. 



Vom 
Feld- 
webel 
abwärts. 



Pferde. 



Name des 
Distrikts. 



Ottensbeim 
Leonfelden 
Leonfelden 
"Weissenbach u. ein 
Theil V. Leonfelden 
St. Gottbard 
Eeicbentbal 
Scbenkenfeld 
Zwettel 
Ober-Neukircben 1 

u. St. Steit j 
Hellraansöd 
Hellmansöd 

Walding l 
Ottensbeim / 
Eeicbenau 
Geng 

Gramastetten u. \ 

Walding | 

Gramastetten u. \ 

St. Gottbard / 
Veldkircb \ 

Wörtb f 
Wartberg 



Generalstab 

Komissariatu. Fuhrwesen 
Artillerie 

> Cbevaulegers-Eegiment 

Division Kesling 
Grenadier-Bataillon Eeuss 
Feldjäger-Bataill. Hetzen 
Bataillon Minucci 

„ Stengel 

„ Scblofsberg 

„ Spreti 

Gren. -Bataillon Pompei 

Bataillon Buseck 
„ Dallwigk 

„ Zoller 

„ Lamotte 

Feldjäger-Bataillon 

Preysing 
Eeserve- Artillerie 



27 
20 
19 

50 

4 
10 
12 

9 

10 

11 
12 

16 

11 
17 

15 
16 



16 
1 



276 



98 

50 

200 

968 

99 
353 
354 
360 

460 

537 

528 

373 

396 
450 

509 

572 

267 
120 



100 
200 
150 

1011 

14 
26 
30 
24 

49 

36 
36 

24 

20 
24 

33 

33 

24 
196 



7674 



Ottensbeim. 
Leonfelden. 

Helfenberg 

ditto. 
Escblberg. 
Eeicbenau. 

Wildberg. 

Waxenberg. 

Wildberg. 

Escblberg. 

Eeicbenau. 
Escblberg. 



Landeshaag. 



K. B. Kriegsarcbiv 1800 XI -XU. 7950 

*) Durch diese Konvention mufste den Franzosen die Citadelle Marienberg 
bei Würzburg, femer Braunau und Kufstein, die Scharnitz und ganz Tirol als 
Unterpfand überlassen werden. 



— 73 — 

Einflufs der Erlaf über Leoben, Muraii, Spital, Lienz, längs dem 
Tagliamento bis an das adriatische Meer.*) 

Der am 24. Dezember zum Erzherzog abgeschickte Major und 
Flügeladjutant v. Ditfurth brachte endlich am 27. die Erlaubnis, dals 
die Division am 30. zur Vereinigung mit dem »Auxiliar-Corps« in 
die Oberpfalz abrücken dürfe. 

In der Oberpfalz- angekommen**), trat die Subsidien-Division unter 
die Befehle des Herzogs Wilhelm. Am 31. Dezember betrug ihr 
ausrückender Stand 179 Offiziere und 5328 Mann und 1805 Pferde; 
vom Effektivstand gingen nur noch 4070 Mann ab. Krank waren 
1060 Mann, blessiert 134 Mann, gefangen 2054 und unarmiert 
437 Mann.***) Am 13. Januar verabschiedete sich Generallieutenant 
V. Zweibrücken von der Subsidien-Division, deren Führung er dem 
Generalmajor v. Triva übergab. Generalmajor v. Wrede, die Obersten 
Siebein und Graf Reufs und der Kriegskommissar Kraufs mufsten 
sich sofort nach Amberg begeben, und sich dort beim Herzog 
Wilhelm melden, den der Kurfürst unterm 10. Januar an die Spitze 
eines Kriegsrates gesetzt hatte, »der sich über die vorzunehmenden 
und nötig gewordeneu Reformen, sowie übrigen Einrichtungen zu 
beschäftigen hatte.« Aufser den Vorgenannten waren vom Auxiliar- 
Corps noch ferner die Generalmajore Bartels, Gaza und Nogarolla und 
der Oberkriegskommissar Orff Mitglieder dieses Kriegsrathes. Acht- 
unddreifsig Fragen waren demselben zur Beantwortung übergeben 
worden. Später werden wir vielleicht hierauf zurückkommen. 

Am 16. Januar 1801 hatte die Subsidien-Division folgende Kau- 
tonierungen bezogen: Divisionsstab Cham; 1. Brigade: Stab 
Viechtach; 1. Bataillon (Reufs) Fürth; 2. Bataillon (Metzen) Neun- 
kirchen ; 3. Bataillon (Minucci) Runding ; 4. Bataillon (Stengel) 
Kötzting; 5. Bataillon (Schlofsberg) Viechtach; 6. Bataillon (Spreti) 
Rumansfeldeu ; 2. Brigade Stab: Roding; 1. Bataillon (Pompei) 
Roding ; 2. Bataillon (Buseck)Neuhaus ; 3. Bataillon (Dallwigk) Radiszeil ; 
4. Bataillon (Zoller) Bogen; 5. Bataillon (Lamotte) Wiesenfelden 
und Wörth; 6. Bataillon (Preysing) Donaustauf. Kavallerie- 
regiment: Stab Deggendorf; 1. Eskadron Deggendorf; 2. Eskadron 
Schwarzach und Revier; 3. Eskadron Hengersberg undR. ; 4. Eska- 



*) Erzherzog Karl, Peldzug von 1799. 
**) Siehe Marschtableau unter Beilage 1. 
***) Ferner nach einer früheren Angabe von der Artillerie: gefangen und 
vermifst a) reitende Artillerie: 1 Chirurg, 4 Kanoniere und 27 Knechte, b) von 
der Infanterie-Artillerie: 1 Lieutenant, 4 Unteroffiziere, 1 chirurgischer Praktikant, 



— 74 — 
dron Hofkirchen und R.; 5. Eskadron Regen; 6. Eskadron Schan- 



23 Ober- und 29 Unter-Kanoniere. Wir haben diesen Abgang, wie bereits weiter 
oben gesagt, berücksichtigt. 



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Offiziers 



Unteroffiziers 



Gefreite 



Chirurgen 



Spielleute 



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Offiziers 



Unteroffiziers 



Gefreite 



Chirurgen 



Spielleute 



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Offiziers 



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Chirurgen 



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3 ^ 



— 75 — 

berg und R. Fufsjäger: Stammsried. Reserveartillerie: Cham. 
Spital: Tirschenreut. 

Nachdem auch in Italien am 16. Januar 1801 zu Treviso ein 
Waffenstillstand geschlossen worden war, folgte am 9. Februar 1801 
der Friede von Luneville. 

Ehe wir diesen Abschnitt schliefsen, möge noch das Urteil eines 
Augenzeugen über den jammervollen Zustand des Heeres am Schlüsse 
des unglücklichen Feldzuges seinen Platz finden.*) Es lautet: »Elf 
Stunden von Wien erfuhr die Armee den geschlossenen Waffenstill- 
stand, das Ende ihrer Leiden. Der Erzherzog Karl hatte zwar mehr 
Ordnung, besonders auf den Märschen, wieder hergestellt. Allein 
die physischen Kräfte der Armee nahmen dennoch täglich ab, und 
der Wunsch nach Friede, die Hoffnung dazu, wurde so grofs, dafs 
in den Gemütern noch der letzte Funke kriegerischen Gefühles 
erlosch. Hier, in den Wäldern von St. Polten, lag nun die deutsche 
Armee, elender als eine Herde Bettler, ihre Gerippe nur noch in 
Lumpen gehüllt, mit totenbleichen Gesichtern, nackten Füfsen, ab- 
gestumpften Sinnen, hinter ihnen die Spuren ihrer eigenen Ver- 
wüstunsren, in den Herzen Aller — lauter Fluch über ihr Schicksal. 
Wer vermag den mehr als erbarmungswürdigen elenden Zustand der 
braven, geduldigen, achtungswerten österreichischen Soldaten zu be- 
schreiben. Kein Beispiel, kein Zuspruch von oben herab, 
mithin kein Zutrauen, keine Liebe, kein Gehorsam mehr 
von unten herauf! So endigte sich abermals ein Feldzug, von 
dem die Franzosen wieder gestehen müssen: »Une victoire sans 
peril est un triomphe sans gloire.« 



2, Die Kontingents-Brigade unter Generalmajor v. Bartels. 

Diese Brigade bildete das Quintuplum des bayerischen Kon- 
tingentes, wie solches aufzustellen, schon im August 1799 beschlossen 
worden war. 

Sie bestand, wie bereits gesagt, aus dem in Philippsburg be- 
findlichen Bataillon des 6. Füsilier-Regiments Herzog Pius (im 
8. Infanterie -Regiment), dem (kombinierten) Feldjäger- Bataillon 



*) Über den Feldzug iu Deutschland im Sommer und Winter des Jahres 

1800. Von einem Offizier der alliierten Truppen im Laufe des Feldzugs verfafst. 

1801, 143, 144. 



— 76 — 

Salern (im jetzigen 12. und 15. Infanterie-Regiment) und dem Ba- 
taillon Weichs (jetzt 4. Infanterie-Regiment). Jedes Bataillon sollte 
auf 1060 Mann gebracht werden, wodurch das Quintuplum erreicht 
war: 3180 Manu ohne Stab, Artillerie und Fuhrwesen.*) Das in 
Straubing gestandene Bataillon Weichs, sowie die Ergänzuugs- 
mannschaften der Bataillone Salern und Pius, in Summa 2226 Mann, 
sammelten sich am 6. März bei Donauvvörth und marschierten 
unter Kommando des Obersten Krohne vom Regiment Weichs über 
Nördliugen, Ellwangen, Hall, Ohringen, Heilbronn, Eppingen nach 
Bruchsal (Ergänzungsmannschaften des Bataillons Pius, welche am 
17. in Bruchsal eintrafen), Mingolsheira (16. März, Stab des Ba- 
taillons Weichs, ferner Maisch, Malscheuberg, Rauenberg uud 
Rothenberg), Ubstadt (17. März, Stab des Bataillons Salern, ferner 
Stettfeld, Zentern, Unternwisheim) und Kifslau (Fuhrwesen und 
Reserve- Artillerie). Auf dem Marsche waren im Ganzen 1 Unter- 
offizier und 34 Mann desertiert. Generalmajor v. Bartels hatte sich 
am 16. März, au welchem Tage er das Kommando über die Kon- 
tingents-Brigade übernommen, von Heidelberg nach Bruchsal begeben. 
Die Brigade gehörte, wie schon erwähnt, zu dem Corps des Feld- 
zeugmeister Sztaray, welches in jener Gegend den rechten Flügel 
des österreichischen Heeres unter Kray bildete. 

Unterm 14. Februar war bestimmt worden, dafs die Bataillone 
Siebein und Buseck nicht mehr als Ergänzung des Quintuplums zu 
zählen und auch das Feldjäger-Bataillon Schwiegeid von dem Kon- 
tingent abzuziehen sei, somit das Kontingent ganz aus bayerischen 
Truppen zu bestehen habe. Die Bataillone Buseck und Siebein 
bcsafsen damals 300 Bayern, welche an das Bataillon Weichs ab- 
gegeben werden mufsten. Die genannten Bataillone Siebein, Buseck 
und Schwiegeid bildeten Bestandteile der Subsidien-Brigade unter 
Oberst Wrede. 

Das Bataillon Pius, zwar zur Kontingents-Brigade zählend, 
rückte erst im Oktober bei derselben ein. Am 16. März*) standen 



*) Summa der im Summa der als Ersatz Quintuplum 

6. März: Felde stehenden 

Feldjäger-B. Salern 878 182 

Herzog Pius 659 401 

Weichs 743 — 

2280 M. 583 M. 1854 M. 3180 M. 

mit 9 Mann Stab = 3189 Mann. 



lachrückenden 




878 


1060 


659 


1060 


317 


1060 



— 77 — 

von diesem Bataillon 2 Compagnieu in Forst (Oberst Triva) 
und 2 Compagnien (Hauptmann Hepp) in Büchenau. Vom kom- 
binierten Feldjäger-Bataillon Schwiegeid (aus Schwiegeid und Salern 
kombiniert) standen 3 Compagnien in Kronau (Major v. Metzen) 
und 3 Compagnien in Weiher (Oberstlieutenant v. Ranson), Artillerie 
(Oberlieutenant Koch) in Neudorf. Hiervon sollte das Feldjäger- 
Bataillon Salern (2 Compagnien) zur Kontingents-Brigade und das 
Feldjäger- Bataillon Schwiegeid (4 Compagnien) zur 2. Brigade Wrede 
der Subsidien-Division stofsen. Von bayerischer Seite wurden diese 
Abteilungen vom Gouverneur abverlangt, was dieser aber verweigerte, 
da er von dem Armee-Ober-Kommando hierzu nicht ermächtigt sei. 
Am 17. März schrieb er deshalb an Oberst Triva: »Die beiden 
bayerischen Jäger-Compagnien (Salern) wolle er nach Forst und die 
4 Compagnien von Pius nach Bruchsal verlegen. Die 4 pfälzischen 
Compagnien (Schwiegeid) aber verbleiben noch zur Zeit, wo selbige 
dermalen stehen, überhaupt aber bleibe der Herr Oberst bis ich 
deshalb weitere Befehle erhalte, noch mit sämmtlichen 10 Com- 
pagnien an die Festung angewiesen, und müfste bei einer nicht zu 
erwartenden Vorrückung des Feindes sogleich wieder in die Festung 
?,urückkommen.« Schon Tags vorher hatte sich der Rheiugraf 
dem Obersten Triva gegenüber ausgesprochen, »dafs er nicht im 
Stande sei, die pfalzbayerischen Truppen marschieren zu lassen, als 
wo selbige stehen; ich begreife daher gar nicht, wie Herr Oberst 
von Wrede sich kann beigehen lassen, diese Truppen (Feldjäger- 
Bataillon Schwiegeid), so noch unter meinem Kommando stehen, 
marschieren zu machen, indem ich noch keine weitereu Befehle von 
S. Kaiserl. Hoheit habe. Für allen Verdrufs, den Sie oder einer 
Ihrer Stabsoffiziere darum haben könnten, bin ich Garant und werde 
Sie gewifs zu schützen wissen.« Demzufolge kam das Bataillon 
Pius nach Bruchsal, ferner die 2 Compagnien Salern nach Forst 
und die 4 Compagnien Schwiegeid nach Kronau und Weiher; Oberst 
Triva begab sich gleichfalls nach Bruchsal. 

Am 22. März zählte das Bataillon ^.-alern 885, Weichs 1031 
und Pius 672 Mann, zusammen 2588 Mann, darunter 52 Offiziere. 
Bei den Bataillonen Salern und Weichs befanden sich 4 sechspfünder 
Kanonen ; das Bataillon Pius, zur Besatzung von Philippsburg gehörig, 
hatte noch keine Geschütze zugeteilt erhalten. An Infanteriepatrouen 



*) Am 16. März 


In loco verblieben 


Dienstb. 


Feldjäger-Bataillon Schwiegeid (4 Comp.) 


415 


359 


Salern (2 Comp.) 


173 


150 


6. Füsüier-Eegt. Pius (4 Comp.) 


358 


301 



— 78 — 

von 18 Kaliber hatte jeder Mann die reglementsmäfsigen 30 Stück 
in der Patrontasclie. Statt des Major Tischleder von der Artillerie 
kam Hauptmann Rumler zur Kontingeuts-Brigade. 

Am 22. März marschierte Bartels mit dem Bataillon Weichs 
und den Ergäuzungsmannschaften der Bataillone Salern und Pius 
von Bruchsal nach Durlach. Oberstlieutenant Ranson blieb mit 
6 Compagnien Jäger (Salern und Schwiegeid), 4 Compagnien In- 
fanterie (Pius), deren Artillerie und Fuhrwesen, »unbeweglich« stehen; 
da Oberst v. Triva eine andere Verwendung erhalten, hatte der 
Rheingraf dem Oberstlieutenant Ranson das Kommando über die 
»Kontiugents-Truppen« übergeben. 

Aus Rastatt, wohin inzwischen Bartels abgerückt, berichtete er 
am 27. März, dafs der linke Flügel seiner Brigade unweit Stollhofen 
beginne und die Pikets sich bis Daxlanden (westlich Mühlburg) 
verlängern; in Philippsburg stünden von seiner Brigade noch 6 Com- 
pagnien (4 Pius und 2 Salern). Er habe somit unter seinen un- 
mittelbaren Befehlen nur das Bataillon Weichs und die Ergänzungs- 
mannschaften der in Philippsburg befindlichen Bataillone Salern 
und Pius. 

Nachdem Kienmayer aus seiner Stellung bei Kehl zurückgedrängt 
worden war, zog sich Sztaray, der bei Rastatt stand, an die Murg. 
Die Brigade Bartels, aus 3 Bataillonen vom österreichischen Regiment 
Wenkheim und den Bataillonen Salern {welches inzwischen aus 
Philippsburg eingetroffen war) und Weichs bestehend, marschierte 
über Oos (25. April), Kuppenheim (26.), Gernsbach (27.),*) nach 
Pforzheim (28.). »Da der Feind die Absicht hatte, das Kapler- und 
Kinzigerthal auf dem einen oder andern Punkt zu occupieren und 
durchzubrechen droht, auch vielleicht eine Partei zurückgedrängt 
haben möge, indem derselbe bei Offenburg seine Hauptstärke an- 
wendbar mache.«**) 3 Bataillone Württemberger befanden sich in 
der Nähe der Brigade. »Das Sztaray'sche Corps, wobei ich die 
Ehre habe zu stehen, kam zur Zeit noch zu gar nichts, aber die 
Märsche, besonders der gestrige (von Gernsbach nach Pforzheim), 



*) Am 25. Brigadestab Oos; Weichs von Vimbuch uach Weiterung; Salern 
zwischen Rastatt und Iffezheim. 

Am 26. Brigadestab Kuppenheini, Salern und Wenkheim bei Kuppenheim; 
Weichs in Weitenung. 

Am 27. Brigadestab Gernsbach, Wenkheim, Salern und Weichs bei Gernsbach. 
**) Bartels an den Kurfürsten, dato Pforzheim, 28. April 1800. K.-A. 
1800. 2. 6. 



— 79 — 

war keine Kleinigkeit.«*) Als Sztaray den Befehl erhalten, wieder 
nach Gernsbach und Muggensturm zurückzugehen und nur die 
Regimenter Wenkheim und Mack auf dem kürzesten Weg zur 
Hauptarmee zu schicken , kehrte auch die Brigade am 30. über 
Gernsbach nach Rastatt zurück; Bataillon Weichs kam nach Stein- 
mauern und Salem nach Stollhofen und Concurrenz ins Quartier. 

Nachdem die Brigade am 1. Mai nach Achern und am 2. Mai 
nach Offenburg marschiert war, ging sie über den »Kniebis«, stand 
am 3. Mai in Dorustetteu, am 4. in Horb und am 6. in Hechingen, 
von wo sie noch am Abend bis Gamraertingen vorging. In Tübingen 
erhielt Sztaray am 6. Mai den Befehl, sich über Urach und Blau- 
beuren nach Ulm zu ziehen, um sich dort mit der Hauptarmee zu 
vereinigen. Da die Lebensmittelwagen nicht hatten folgen können, 
geschah die Verpflegung bis zum 6. durch die Qaartiergeber. In 
Hechingen, wo inzwischen die Lebensmittelwagen eingetroffen waren, 
l)egann die Magazinverpflegung wieder. Die Desertion war stark 
eingerissen ; in einer Nacht brannten 41 Landkapitulanten durch ; 
im ganzen waren bereits »weit über 100 Mann abgängig.« »Ich 
bin äufserst besorgt« — schreibt Bartels an den Kurfürsten**) — 
»dafs die Ausgedienten noch alle abgehen, die Bataillone von selbst 
in die äufserste Schwäche verfallen. Es thut mii' nur herzlich leid, 
dafs die Truppe Euer Kurfürstlichen Durchlaucht bei der Armee 
in üble Vorurtheile verfällt.« Am 11. traf die Brigade Bartels von 
Gammertingen nnd Sztaray von Tübingen her, bei Ulm ein.***) 



*) Bartels an den Kurfürsten, dato Pforzheim, 29. Aprü 1800. K. - A. 
1800. 2. 6. 

**) Am 6. Mai aus Hechingen. K.-A. 1800. 2. 6. 

***) In Ulm angekommen, schickte Bartels alle Pferde excl. Artilleriebespannung, 
an 32 Pferde, Bagage u. s. w. unter Major und Kriegsrath v. Mohr nach Aichach. 
Bei den beiden Bataillonen in Ulm verblieben alle Zeltwagen mit den Decken und 
sämtlichen Kesseln, ferner die 12 Artillerie-Eeservewagen, die Kasse imd Feld- 
kriegs-Komraissariats-Registratur nebst 2 Dragonern ; 4 Dragoner mit 1 Unteroffizier 
gingen mit der Bagage nach Aichach. Im Laufe der Operation zog sich Major 
Mohr nach und nach von Aichach über Pfaffenhofen und Obersaal nach Stadtamhof. 
Am 13. Juni 1800 meldete Major Mohr, dafs er sein Depot nach Stadtamhof ver- 
legen werde, weil der Feind bei Landsberg sei, bei Augsburg den Lech passiert 
und Friedberg besetzt habe, der österreichische General von Merveldt bei Aichach 
stehe; er denkt daran bei weiteren ungünstigen Vorfällen das Depot nach Dietfurt 
oder Burglengenfeld zu bringen. Das Oberkriegs-KoUegium erwiedert, er solle mit 
seinem Depot einstweilen in Stadtamhof verbleiben und bei günstigen Umständen 
näher vorrücken. Motive, das Depot könne in einigen Stunden marschfertig sein ; 
es sei also nicht nötig, in solcher Entfernung auf jedes Gerücht gleich aufzubrechen 
und sich soweit von den Truppen zu entfernen, welche berufenden Falles mit Fuhr- 



— 80 — 

Die Kontingents-Brigade schied aus dem Verband des Sztaray'- 
achen Corps und bildete nunmehr einen Teil der Besatzung von 
Ulm unter General Gavasiny. Zur Verstärkung wurden der Brigade 
2 österreichische Bataillone beigegeben. Das Bataillon Salern zählte 
damals 21 Offiziere und 863 Mann und das Bataillon Weicbs 
20 Offiziere und 819 Mann. Aufserdem standen noch in Ulm 
13 Bataillone Infanterie und 4 Schwadronen Kavallerie nebst der 
entsprechenden Zahl Artillerie und Pioniere. 

Als Kray die Umgegend von Ulm verliefs, verblieb in Ulm 
Feldmarschall-Lieutenant Petrasch mit einer Besatzung von 12,000 
Mann. Die bayerische Kontingents-Brigade bildete einen Bestandteil 
der Besatzung, welche in vier Brigaden geteilt war. Generalmajor 
Bartels kommandierte die 2. Brigade, welche aufser den beiden 
bayerischen Bataillonen noch aus 2 Bataillonen Murray und 1 Ba- 
taillon Kerpen bestand. Die Festung war mit 300 Geschützen von 
verschiedenem Kaliber versehen. Die Brigade Bartels hatte die 
Retranchements an der Donau, sowie die auf dem linken Ufer ge- 
legenen Werke Ziegelstadel und Ravelin Nr. 16 zu verteidigen. 

General Richepance, den Moreau mit 10,000 Mann vor Ulm 
zurückgelassen, hatte am 24. Juni die Einschliefsung der Festung 
vollzogen. Au einem Ausfall am 26. Juni in der Richtung auf 
Offenhausen hatte die Brigade Bartels teilgenommen; er hatte einige 
Gefangene eingetragen. Nach der Beschiefsung am 6. und 7. Juli 
entschlofs sich Richepance zur förmlichen Belagerung. Bei einem 
Ausfall, der in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli ausgeführt wurde, 
befanden sich von der 2. Brigade Bartels: 4 Compagnien Murray, 
2 Compagnien Kerpen, 300 Bayern, 100 Mann Kavallerie nebst 
Va Batterie; das Kommando über diese Kolonne führte Oberst Graf 
Sinzendorf. Es gelang, die feindlichen Werke zu zerstören. Schliefslich 
aber von allen Seiten angegriffen, mufste sich die Ausfallkolonue 
mit einem Verlust von 82 Toten und Verwundeten, unter denen 
der bayerische Hauptmann Amann, 130 Gefangenen und 2 Geschützen 
in die Festung zurückziehen.*) 

Von einem Ausfall am 17. Juli, wie Bartels**) und Völdern- 
dorff***) u. a. angeben, weifs aber die treffliche Geschichte Löffler'sf) 

wesen unterstützt werden müssen. Am 5. August schreibt General Bartels: „Wir 
sind ganz von unserer Bagage seit April entblöfst; wo sich Major 
Mohr mit derselben befindet, weifs ich nicht." 
*) Löffler, V., Geschichte der Festung Ulm, 459. 
**) Meldung am 5. August an den Kurfürsten. 
***) Kriegsgeschichte, 1, 160. 
t) Löffler, 462. 



— 81 — 

nichts. Diese Angabe ist überhaupt ein Anachronismus, da Riche- 
pance schon am 16. Juli die Mitteilung von dem am 15. Juli ge- 
schlossenen Waffenstillstand gemacht hat und eine Art Waffenruhe 
eingetreten ist, wenigstens durften an diesem Tage eine Anzahl 
Personen und Wagen die Vorpostenliuie passieren. 

Die nun eingetretene Waffenruhe wurde fleifsig zu Waffen- 
übungen benutzt. 

Mittlerweile hatte sich der Kurfürst veranlafst gesehen, War- 
nungen gegen die Desertion zu erlassen. Sie scheinen gefruchtet 
zu haben, denn Bartels schrieb am 5. August an den Kurfürsten: 
»Seit erhaltener höchster Verordnung in Betreff der Desertion hat 
das Übel beinahe im Ganzen abgenommen, nun sterben mir die 
Burschen an Gall- und Nervenfieber in Lazarethen, aber nicht 
aufserordentlieh, auch der Hauptmann Rumler von der Artillerie 
starb den 16. v. M. ganz schnell dahin. Höchstdero Truppen sind 
hierorts in guter Reputation, gerne gab uns der k. k. Gouverneur 
öffentliche Beweise seiner Zufriedenheit, das nämliche versichert mir 
Major Graf Bubna vom Bataillon Herzog Pius, so in Philippsburg 
kommandiert steht.«*) 

Nachdem infolge der Verlängerung des Waffenstillstandes die 
Festungen Ulm, Philippsburg und Ingolstadt an die Franzosen aus- 
geliefert werden mufsten, wurde Ulm am 2. Oktober denselben über- 
geben. Die Besatzung marschierte in 3 Kolonnen aus der Festung. 
Die erste Kolonne unter Generalmajor Bartels, 3050 Mann und 
210 Pferde, verliefs am 2. Oktober, die übrigen Kolonnen am 4. 
und 6. Oktober die Festung. Bartels marschierte hierauf mit den 
beiden bayerischen Bataillonen Weichs und Salern über Günzburg, 
Dillingen, Donauwörth, Neuburg, Ingolstadt nach Stadtamhof. 

Das dritte Bataillon der »Kontingents-Brigade«, das in Philipps- 
burg stehende 1. Bataillon des 6. Füsilier-Regiments Herzog Pius 
unter Major Graf Beckers, war am 31. Juli 1022 Köpfe stark und 
hatte 1 Compagnie mit 14tägiger Ablösung in Philipp.sburg und 
4 Compagnien mit Stab in Rheinhausen, Alt- und Neulufsheim; am 
24. August besetzte es Schwetzingen mit 1 Offizier, 2 Unteroffizieren 
und 24 Manu; ferner Oftersheim mit 1 Unteroffizier und 12 Mann 
und schliefslich Heidelberg mit 1 Hauptmann, 1 Lieutenant, 4 Unter- 
offizieren und 40 Mann; Brühl und Ketsch waren mit fränkischen 
Truppen besetzt, die unter dem Kommando des Major Graf Beckers 



*) K.-A. 1800. 2. 6. Major Graf Bubna hatte am 30. Juli die Nachricht 
vom abgeschlossenen Waffenstillstand nach Phüippsburg gebracht. 

6 



. — 82 — 

standen. Am letzten September war das Bataillon stark: 25 Offiziere, 
55 Unteroffiziere, 17 Spielleute, 881 Gefreite und Gemeine; zum 
Dienst verblieben: 17 Offiziere, 39 Unteroffiziere, 16 Spielleute. 
567 Gefreite und Gemeine, zusammen 639 Mann mit 41 Pferde, 
Das Bataillon verliefs am 10. Oktober die Festung, nachdem dieselbe 
am 8. Oktober von den Franzosen besetzt worden war. Das Bataillon 
marschierte über Hokenheim, Handschuhsheim, Heppenheim, Ober- 
besenbach, Esselbach, Täfelstein nach Würzburg, wo es am 17. Ok- 
tober eintraf. Von dort nahm es seinen Weg in die Oberpfalz und 
traf am 30. Oktober über Hollfeld und Pottenstein mit seinen beiden 
Geschützen in Auerbach ein, wo es bei seiner Brigade einrückte. 
Am 13. Oktober wurden die Kranken in Philippsburg zu Wasser 
nach Würzburg gebracht; es waren 1900 Mann, darunter 237 Mann 
vom Bataillon Pius. 

Die fernere Thätigkeit der nunmehr' vereinigten »Kontingents- 
Brigade« (Bataillone Weichs, Salern und Pius), welche von jetzt 
ab unter das Kommando des Herzogs Wilhelm tritt, aber ihren . 
Charakter als »Kontingents-Brigade« noch einige Zeit beibehält, ist 
bei der Schilderung der Operationen des »Auxiliar-Corps« zu er- 
sehen. — 

3. Die Detachements am Lech. 

Einleitung. 

Nachdem sich Lecourbe am 27 Mai in das Lechthal gezogen 
und Augsburg besetzt hatte, schickte Kray den Generalmajor Graf 
Merveldt mit dem Husaren-Regiment Meszaros und dem 1. Ulanen- 
Regiment in jene Gegend, um den Streifereien des Feindes nach 
Bayern Einhalt zu thuu. General Devaux mufste Donauwörth be- 
setzen, und sowohl diesen Platz als Neuburg zur Verteidigung 
einrichten. 

Merveldt ging bei Rain über den Lech, wandte sich über Aichach 
der Augsburg-Münchener Strafse zu und nahm in Eurasburg sein 
Quartier. Seine Truppen waren folgendermafsen verteilt: In Affiug 
standen 2, in Gallenbach 1, in Eurasburg 5, in Mammendorf und 
Greifenberg je 1 Schwadron. Die Vorposten standen in einem grofseu 
Halbkreis von Mühlhausen bis Mehring um Friedberg herum. 

An dem Tage, an welchem Merveldt zu seiner neuen Bestimmung 
abging, bat Kray den Kurfürsten, den in die Gegend von Augsburg 
und Landsberg mit 2 Kavallerie-Regimenter detachierten General- 
major Merveldt mit Infanterie zu unterstützen. Er begehrte we- 
nigstens 1000 Mann mit etwas Artillerie.*) 

*) Kray an den Kurfürsten, Ulm 28. Mai 1800. K -A. 1800 V. a 



— 83 — 

Auch Merveldt bat am 30. Mai aus Holzheim um Infanterie. 
El stehe auf der Strafse Augsburg- München, um sich nach Ver- 
einigung mit den bayerischen Truppen wieder vorzubegeben. Der 
Feind habe Friedberg und Lechhausen besetzt. Sich als Beschützer 
der bayerischen Lande aufwerfend, beschwerte sich Merveldt gleich 
anfänglich über gänzlichen Mangel an Infanterie, und bat, man 
möchte von seiten Bayern 's diesen Mangel ersetzen; er erhielt, wie 
wir weiter unten noch näher auseinandersetzen werden, einige hundert 
Mann nebst Artillerie. Diese Unterstützung zu gering haltend, um 
den Zweck zu erreichen, äufserte er den Wunsch, sein Corps sollte 
bis auf etliche tausend Mann vermehrt werden. Er zeigte in einem 
ausführlichen Memoire, dafs man den Streifereien der Franzosen nur 
dann Einhalt zu thun und Bayern auf eine solide Art zu decken 
im Stande sein würde, wenn das ganze »Landesverteidigungs-Corps«, 
möge es auch beschaffen sein wie es wolle, in eine einzige Masse 
vereinigt und mit demselben eine Art Observations-Corps gebildet 
werde. Gemeinschaftlich mit seiner Kavallerie-Brigade sollte dann 
nicht nur eine defensive Stellung am Lech, soudern eine offensive 
zwischen diesem Flufs und der Wertach genommen werden. Dadurch 
werde die Lücke ausgefüllt, welche zwischen der Hauptarmee 
bei Ulm und dem bei Reuti, Füssen und Schongau befindlichen 
Corps des Fürsten Reuls bestehe. Er setzte noch bei, dafe er 
keineswegs wünsche das Kommando über das Ganze zu führen, 
sondern dasfelbe gerne einem von dem Kurfürsten dazu bestimmten 
General zu überlassen bereit sei, wenn sich derselbe nur mit ihm 
benehmen wolle. Die Folge der Begebenheiten hat gezeigt, dafs 
dieser Vorschlag gut und den Verhältnissen entsprechend war; allein 
die bayerische Militärbehörde erklärte sich aus Mangel einer genug- 
sam exerzierten, bewaffneten und montierten Mannschaft für unfähig, 
den Wunsch zu erfüllen. Von diesem Augenblick an entstand Mifs- 
trauen und Kaltsinn zwischen dem General Merveldt und dem 
bayerischen Militär; Merveldt wurde in seinen Aufserungen und 
Schriften von Tag zu Tag bitterer und zeigte nicht undeutlich au, 
dafs er den Mangel au hinlänglicher Unterstützung bayerischerseits 
für die einzige Ursache des ungünstigen Ausgangs seiner Operationen 
halte.*) 

Der Kurfürst kam dem Wunsche Kray's und Merveldt's insofern 
nach, als er sich herbeiliefs, Infanterie-Detachements bei Friedberg 
und Landsberg aufzustellen. Der Generalquartiermeister des »Landes- 



*) Geheimes Staatsarchiv: Notes et remarques ministerielles, 1800. 



— 84 — 

verteidigungs-Corps«, Oberst vou Riedl, erhielt den Auftrag, die 
Detacliements unter dem Schutze einer Abteilung des Kürassier- 
Regiments Minucci, bestehend aus 1 Offizier und 25 Mann, an den 
Lech vorzuführen. Er ging bis Dachau mit, wo sich die De- 
tachements teilten; 1 Compagnie ging nach Landsberg und 2 Com- 
pagnien nach Friedberg. In der Instruktion, welche dem Obersten 
Riedl erteilt wurde, war die Aufgabe der Detachements wie folgt 
bezeichnet: »Da diese Truppen blofs dazu bestimmt sind, mit der 
k. k. Kavallerie das weitere Vordringen des Feindes in die diefs- 
seitigen Lande zu verhindern, so haben dieselben im Falle, dafs 
der Feind zum Weichen gebracht würde, nicht weiter als bis an 
den Lech flufs mit vorzugehen ; wenn sie aber selbst zurückgedrängt 
werden sollten, nirgends anders hin als in die diefsseitige Stadt 
(München) sich zurückzuziehen.«*) 

Hauptmann Graf Larosee vom Leibregiment wurde »zur Be- 
sorgung der nötigen Korrespondenz an den General Merveldt ge- 
schickt.«**) Am 17. Juni traf Larosee bei dem genannten General 
in Odelzhausen ein, worauf er noch an demselben Tage über Mer- 
veldt's Bestimmung berichtete:***) »Merveldt habe, wie er ihm 
mitgeteilt, den Befehl, im Falle er zurückgedrängt würde, sich 
immerwährend gegen München die besten Positionen zu wählen, und 
stets diese Residenzstadt zu decken, endlich aber, sollte er auch an 
der Isar, als der letzten Position bei obiger Stadt, weichen müssen, 
so sei er befehligt gegen Braunau zu ziehen.« 

Da die beiden Detachements getrennt von einander verwendet 
wurden, so sollen sie auch einzeln betrachtet werden. 

a) Detachement Friedberg. 
Das nach Friedberg (östlich Augsburg, an der Strafse Augsburg- 
München) bestimmte Detachement bestand aus 2 Compagnien des 
Leibregiments (nun 1. Infanterie-Regiment) zu 400 Mann, welche 
aus dem ganzen Regiment gezogen worden waren. Sie standen 
unter dem Kommando des Major Graf Berchem. Die Compagnien 
wurden kommandiert von den Hauptleuten Freiherr von Tänzl und 



*) Instruktion für den Oberst v. Riedl, an welchen 2 Compagnien der hiesigen 
Garnison, um gegen Friedberg, und eine Compagnie so nach Landsberg, welche 
nur der dortigen k. k, Kavallerie gegen den Feind zu unterstützen haben, inso- 
lange angewiesen sind, bis sie wirklich unter das k. k. Kommando getreten, und vou 
da ihre Befehle erwarten werden. München, 30. Mai 1800. Kriegsarchiv 1800 V. a 
**) Infolge Kabinetsbefehl vom 10. Juni 1800. 
***) An Herzog Wilhelm, dem Kommandierenden des Landesverteidigungs-Corps, 
Kriegsarchiv 1800 V. a. 



— 85 — 

Graf Waldkirch; bei denselben befanden sich die Oberlieutenants 
V. Büllinger, v. Brück und v. Crouegg (Adjutant), die Unterlieu- 
tenants Deprun, Lippe, Hagens und Schmidt, An Unteroffizieren 
und Mannschaften: 1 Unterchirurg, 1 Praktikant, 2 Feldwebel, 
1 Fourier, 4 Sergeanten, 12 Korporale, 4 Tamboure und 400 Gefreite 
und Gemeine. An Artillerie befanden sich beim Detachement: 
1 ünterlieutenant (Brack), 1 Bataillonschirurg, 5 Unteroffiziere, 
20 Kanoniere, 4 Stückkuechte, 2 Geschütze und 2 Munitionswagen, 

Am 30. Mai brach Major Berchem nach Friedberg auf »um iu 
Verbindung mit der österreichischen Arrieregarde, den vordringenden 
Feind solange als möglich den Übergang über den Lech streitig zu 
machen und von München abzuhalten.« 

Lecourbe stand Anfangs Juni mit 2 Divisionen im Lechthal; 
er hatte mit dem gröfsten Teil seiner Truppen erst den 6. Juni 
Früh Augsburg verlassen und sich auf Mindelheim zurückgezogen. 
Augsburg, Friedberg, Landsberg, Buchloe, Türkheim blieben von 
den Franzosen besetzt. Merveldt folgte den Franzosen nach, und 
hielt mit seiner Avantgarde Grofs- und Klein- Aitingen besetzt; die 
Vorposten des Gegners standen bei Schwabmünchen, Buchloe und 
Lindenberg. Am 8. griff Merveldt den Gegner bei Schwabmünchen 
an und zwang ihn, mit einem nicht unerheblichen Verluste, zum 
eiligen Rückzug auf Ettringen. x^uf diesen Unfall hin, mufste 
Lecourbe von Mindelheim aus, wieder au den Lech vorgehen. Merveldt 
ging demzufolge an das rechte Lechufer nach Friedberg; einige 
schwache Abteilungen blieben am linken Ufer des Lech zurück. 

Das Detachement Berchem, welches seit mehreren Tagen un- 
thätig bei Friedberg gestanden, trat nun in Verwendung.*) Ein 
Zug (40 — 50 Mann) nebst 1 Kanone unter Oberlieutenant Büllinger 
wurde aif die Brücke bei Lechhausen und Hauptmann von Tänzl mit 
V2 Compagnie und 1 Kanone (Lieutenant Brack) am Hochzoll, 
zwischen Augsburg und Friedberg, zur Verteidigung der dortigen 
Lechbrücken aufgestellt ; den äufsersten linken Flügel bildete Lieutenant 
Graf Ysenburg**) gegenüber »dem Ablafs«; die Verbindung mit 
Lechhausen wurde durch Posten unterhalten; die Reserve stand bei 
Friedberg. Rechts (nördlich) vom Hochzoll war ein Aufwurf zum 
Überbankschiefsen, ferner rittlings der Stralse Schützengräben aus- 
geworfen. Die Brücken waren zum »Abwerfen« eingerichtet. Im 



*) Befehl Merveldt's, dato Augsburg, 6. Juni 1800. K.-A. 1800 V. a. 
**) Lieutenant Graf Ysenburg war an Stelle des erkrankten Lieutenant De- 
prun getreten. 



- 86 — 

Falle eines Rückzugs sollten beide Abteilungen den noch am linken 
Ufer stehenden österreichischen Truppen zur Aufnahme dienen.*) 

Seit 7. Juni stand das Bataillon Schlofsberg bei Dasing (n. ö. 
Friedberg an der Regensburger strafse). Es war an diesem Tage von 
Neuburg a. d. D., wo es einige Zeit gestanden, über Mühlhausen 
nach Dasing marschiert. Unter die Befehle Merveldt's gestellt, hatte 
es von ihm den Auftrag erhalten, in und um Dasing Kantonierungen 
in der Art zu beziehen, »dafs selbes binnen einer Stunde auf der 
Strafse v^on Dasing versammelt sein könne.« An dem Tage, an 
welchem die Franzosen die Lech Übergänge forcierten, mufste es 
über Holzheim nach Donauwörth marschieren.**) Das andere De- 
tachement unter Hauptmann Sauer war am 6. Juni bei Landsberg 
eingetroffen. 

Am 12. Juni ordnete Moreau einen allgemeinen Angriff von 
Laupheim bis Augsburg an. Zwei feindliche Kolonnen marschierten 
gegen Augsburg, und eine dritte, die Tags vorher bei Landsberg 
über den Lech gegangen, wandte sich gegen Mering, wo sie von 
österreichischen Husaren aufgehalten wurde. Die andern beiden 
Kolonnen gingen durch Augsburg und suchten sich in den Besitz 
der beiden Lechübergänge zu setzen. Oberlieutenant Büllinger zog 
sich mit seiner Kanone über' Affiug in der Richtung auf Neuburg 
und Hauptmann Täuzl, hierdurch in seiner rechten Flanke bedroht, 
ging mit der Kanone auf Friedberg zurück. Lieutenant Ysenburg 
mufete zur Deckung des Rückzugs stehen bleiben; bei ihm befanden 
sich zwei österreichische Geschütze. Als die Franzosen beim »Ablafs« 
den Lech zu durchwaten begannen, trat auch Ysenburg mit den 
beiden Geschützen den Rückzug an ; durch die Verwundung mehrerer 
Pferde konnten die Geschütze nicht mehr zurückgebracht werden — 
sie fielen in feindliche Hände. Oberstlieutenant Andrassy, "der hinter 
der bayerischen Infanterie gestanden, hieb mit seinen Husaren auf 
die Franzosen ein und rettete hierdurch eine Kanone, mit der andern 
aber entkamen die Feinde in den nahen Wald. Lieutenant Ysenburg***) 
wurde gefangen. 

Ein langer Balken, der liegen geblieben war, hatte den Über- 
gang der Franzosen beim »Hochzoll« erleichtert, f) Immerhin hätte 

*) Merveldt an Berchem, 11. Juni. K.-A. 1800 2 a. 
**) K.-A. 1800 2 a. 
***) Als Ersatz für Ysenburg kam Lieutenant v. Grafenstein. 

f) „Um 11 Uhr wurde General Merveldt an der Zollbrücke von den Fran- 
zosen attakirt. Das Unglück wollte, dafs ein einziger langer Balken liegen 
blieb und nicht abgeworfen wurde; der Feind profitirte hiervon und setzte in 
voller Wuth immer mehr und mehr herüber." Major Berchem an Herzog Wilhelm, 
13. Juni, K.-A. 1800 V. a. 



- 87 — 

er bei richtiger Ausnutzung des Flinten- und Geschützfeuers den 
Franzosen erschwert werden können, was jedoch nicht geschehen zu 
sein scheint. »Und so war General Merveldt, da er nichts als unsere 
einzige wenige Infanterie bei sich hatte, genötigt, noch bei Zeiten 
nach Aichach zu retirieren. Von unseren Leuten, so an beiden 
Lechbrücken detachiert waren, wurden einige stark blessiert, von 
Toten weifs ich noch nichts, auch sind mehrere vermifst, u. a. der 
Lieutenant Graf Ysenburg. Lieutenant BüUinger mit 1 Kanone und 
50 Mann, so in Lechhausen stand, ist ebenfalls noch nicht hier.«*) 
Ergänzend meldete Berchem später, am 13. und 15. Juni, dafs 
Büllinger mit seiner Abteilung und 1 Kanone in der Nacht vom 
12. auf den 13. Juni in Aichach zum Detachement gestofsen, beide 
Compagnien 4 Blessierte und 16 Vermifste gehabt und von den 
letztern 1 Offizier, Lieutenant Graf Ysenburg, nebst 10 Mann in 
feindliche Gefangenschaft geraten seien. 

Von Aichach marschierte Major Berchem anfänglich nach 
Odelzhausen und als die Franzosen über Eurasburg vorrückten, ging 
er nach Dachau zurück. Merveldt hatte bei einer Rekognoszierung, 
die er in der Richtung auf Friedberg unternommen, feindliche Ab- 
teilungen überfallen und sich hierauf, als General Decaen seine 
Vorposten am rechten Lechufer in östlicher Richtung vorschob, 
hinter Odelzhausen gezogen. Er bestand hier mit seinen 10 Schwa- 
dronen und 5 Geschützen ein mehrstündiges rühmliches Gefecht und 
ging, nachdem der Feind auf seine Rückzugslinie drückte, über 
Ober-Roth auf Dachau zurück, wo er unter dem Schutze des De- 
tachements Berchem und nach mehrmaligem Einhauen auf die Ver- 
folger, das »beschwerliche« Defile der Amper passiert. Er zog sich 
auf München zurück. 

Das Detachement Berchem hielt in Dachau den Schlofsberg, 
sowie das obere und untere Thor besetzt. Am 27. rückten die 
Franzosen in drei Kolonnen zum Angriff vor. Gegen 5 Uhr Nach- 
mittags begann der Angriff. Der Schlofsberg wurde von den Fran- 
zosen genommen, womit die Stellung unhaltbar war, wollte man 
nicht von der Amperbrücke abgeschnitten werden. Auf dieser Brücke 
entstand ein derartiges Gedränge, dafs mehr Menschen und Pferde 
ins Wasser stürzten, als aufserdem in Gefangenschaft gerieten oder 
Verwundungen erlitten. Die Brücke wurde, nachdem der Übergang 
bewerkstelligt, abgebrochen. Nachdem Berchem bei der roten 
Schweige Halt gemacht hatte, brach er mit seinen beiden Com- 



*) Major Giaf Berchem an Herzog Wilhehn, 12. Juni 1800. 



— 88 — 

pagnien und 2 Geschützen wieder auf, uud marschierte, da inzwischen 
München geräumt worden war, über Erding uud Landshut nach 
Geisenhausen, wo er am 1. Juli bei seinem Regiment einrückte.*) 

b) Detachement Landsberg. 

Nach Landsberg wurde eine Compagnie abgeschickt, welche 
aus den Regimentern Kurprinz, Herzog Wilhelm, Herzog 
Pins und dem Garnison-Regiment zusammengesetzt worden 
war. Diese kombinierte Compagnie kommandierte Hauptmann 
V. Sauer vom Regiment Kurprinz; eingeteilt waren Oberlieutenant 
Steckert vom Regiment Herzog Wilhelm und Lieutenant Reichel 
vom Regiment Herzog Pius. Sie zählte aufser diesen 3 Offizieren: 
1 ärztlichen Praktikanten, 1 Feldwebel, 2 Sergeanten, 1 Fom'ier, 
6 Korporale, 2 Tamboure und 186 Gefreite und Gemeine.**) An 
Artillerie führte sie 3 Geschütze mit sich. 

Am 30. Mai marschierte Hauptmann Sauer über Inning nach 
Landsberg, wo er oberhalb der Stadt ein Biwak bezog, 6. Juni. Er 
liefe, die Brücke bei Kaufering abtragen. 

Als die Franzosen gegen die Wertach vorrückten, schickte 
Sauer 1 Offizier mit etlichen 30 Mann an die Brücke bei Kaufering, 
um der österreichischen Kavallerie zur Aufnahme zu dienen. 1 Hau- 
bitze und 1 Kanone waren am Lech aufgefahren und hatten, wie 
Hauptmann Sauer sagt, »viel zu thun, um den Feind in Respekt 
zu halten.« 

Am 11. Juni ging von München eine Verstärkung, bestehend 
aus 2 Lieutenants,***) 2 Unteroffizieren und 100 Gemeinen »von beiden 
Regimentern«, ferner 1 Feuerwerker, 6 Kanoniere, 3 Munitions- 
wagen, 1000 Feuersteine nebst 1 Winde »zu den Kanonen« nach 
Landsberg ab. 

Am gleichen Tage wurde dem Major von Ströhl vom Leib- 
regiment das Kommando über das Detachement Landsberg über- 
tragen. Er solle die österreichische Kavallerie in allen ihren Unter- 

*) Kriegsarchiv 1800 V. a. 

Geschichte des k. b. 1. Infanterie-Eegiments, 84 — 86. 

Schrettinger, der k. b. Militär-Max- Josephorden, 48 — 51 und 1021 — 1024. 

Österr. milit. Zeitschrift, 1836, 2 310; 3, 181. 182, 184. 233, 234. 

**) Kurprinz : 1 Hauptmann, 1 Praktikant, 1 Feldwelbel, 3 Korporale, 1 Tam- 
bour, 119 Gefr. und Gem. 

Herzog Wilhelm : 1 Oberlieutenant, 1 Fourier, 1 Sergeant, 1 Tambour, 25 Gefr 
und Gem. 

Herzog Pius: 1 Unterlieutenant, 3 Korporale, 25 Gefr. u. Gem. 

Garnisonregiment: 1 Sergeant, 17 Geh-, und Gem. 
***) Lindner und Barth von Kurprinz. 



— 89 — 

nehmungen gegen den Feind möglichst unterstützen, solange ihre 
Operationen diesseits des Lech (rechtes Ufer) geschehen; sollte aber 
der Feind sich über den Lech zurückziehen, und die österreichische 
Kavallerie ihn bis über denselben hinaus verfolgen, so kann das 
diesseitige Kommando nur bis zu diesem Flufs gemeinschaftlich mit- 
wirken, mufs daselbst Halt machen, und weitere Befehle von hieraus 
erholen. 

Am 11. Juni wurde Sauer »mit solcher Übermacht angegriffen,, 
dafs er sich unmöglich, trotz der besten Thätigkeit, zu halten ver- 
mochte.« Gedeckt durch österreichische Husaren zog er sich auf 
Inning zurück; sein ganzer Verlust bestand übrigens nur in einem 
vermifsten Invaliden. Wildenroth besetzte er mit 100 Mann und 
2 Geschützen und Schöngeising mit 30 Mann.*) 

Major V. Ströhl meldet am 14. aus Ergartsried an Merveldt: 
»Den 12. Juni wurde ich beordert mit 160 Mann nnd 2 Geschützen 
nach Landsberg zur Verstärkung der schon dort liegenden bayerischen 
Truppen, die Tags vorher mit 100 Mann vorstärkt worden waren, 
abzumarschieren. Die ersten abgesandten Mannschaften, bestehend 
in 200 Manu Infanterie, 2 Kanonen und 1 Haubitze mit Bedienung, 
ferner 26 Mann Kürassiere waren bereits schon bis Inning durch 
die Übermacht des Feindes zurückgedrängt worden, bevor die Ver- 
stärkung von 100 Mann und die meinige von 160 Mann nebst 
2 Kanonen sie erreichte. Wir besetzten den Amperflufs und die 
Gegend bei Wildenroth und Schöngeising in Verbindung mit dem 
Vorposten-Commandeur Rittmeister Eckart von den österreichischen 
Husaren. Hierauf Stellung bei Ergartsried.« 

Am 10. Juni traf Hauptmann von Schönfeld mit einer Com- 
pagnie von der »Legion« in Inning ein. 

Das Ströhl'sche Detachement hatte am 17. Juni seine Truppen 
wie folgt verteilt. Im Lager bei Inning und auf Vorposten 
bei Stegen an der Brücke: 1 Major und 6 Offiziere, 399 Mann 
Infanterie; 1 Offizier und 12 Mann Kürassiere; 1 Offizier und 32 Mann 
nebst 9 Stückknechten und 30 Pferden mit 3 Geschützen und 6 Mu- 
nitionswagen. Bei Wildenroth: 1 Hauptmann, 1 ünterlieutenant, 
202 Mann Infanterie; 1 Unteroffizier und 8 Mann Kürassiere; 
1 Unterlieutenant, 1 Feuerwerker, 20 Kanoniere, 3 Stückknechte, 
16 Pferde, 2 Geschütze und 2 Munitionswagen. Bei Schön- 
geising: 1 Oberlieutenant und 54 Mann Infanterie. An diesem 
Tage nahm der Gegner mit beiläufig 400 Pferden eine Rekognoszierung 



*) Sauer an Herzog Wilhehii, Inning 11. Juni 1800. K.-A. 1800 V. a. 



— 90 — 

vor, wobei er bis au die bayerischen Vorposten gelaugte ; nach einem 
halbstündigem Geplänkel giugeu die Franzosen wieder zurück. Als 
die Möglichkeit eiues raschen Rückzugs in Erwägung gezogen wurde, 
äufserte sich Ströhl »auf meine wenige Infanterie, mit der ich zwar 
sehr zufrieden bin, kann ich mich bei einem entstehenden Unglücks- 
fall nicht so gut verlassen, als auf ganz geübte Truppen.« 

Nachdem Hauptmann Sauer nach Brück detachiert worden war, 
gestaltete sich die Truppenverteilung am 21. Juni wie folgt. Im 
Lager bei Inuiug und auf Vorposten zu Stegen an der Brücke: 
7 Offiziere, 10 Unteroffiziere, 2 Tamboure, 352 Gefreite und Ge- 
meine der Infanterie; 1 Oberlieutenant, 1 Unteroffizier und 6 Kü- 
rassiere; 1 Unterlieutenant, 1 Bataillons-Chirurg, 2 Unteroffiziere, 
30 Kanoniere, 9 Stückknechte, 3 Geschütze, 6 Munilionswagen, 
30 Pferde. Bei Wildenroth; 1 Oberlieutenant, 1 Unteroffizier, 
30 Mann Infanterie und 4 Kürassiere. BeiSchöngeising: 1 Unter- 
offizier uud 20 Mann Infanterie und 3 Kürassiere. Bei Brück: 
3 Offiziere, 7 Unteroffiziere, 2 Tamboure, 185 Mann Infanterie; 

1 Unteroffizier und 5 Kürassiere; 1 Unterlieutenant, 1 Chirurg, 

2 Unteroffiziere, 20 Mann, 5 Stückknechte, 2 Geschütze, 2 Muuitions- 
wagen und 15 Pferde. 

Graf Merveldt hatte am 20. bei Taiting und an der Kapelle 
von Herrgottsruhe französische Feldwachen überfallen und 1 Oberst- 
lieutenant nebst 60 Manu gefangen und 28 Pferde erbeutet. 

Hauptmann Larosee verlangte im Auftrage Merveldt's am 20. Juni 
60 Mann Kavallerie zur Verstärkung des österreichischen Rittmeisters 
in Inning. Am folgenden Tag Nachmittags trafen jedoch nur 
50 Mann vom Dragoner-Regiment Taxis unter Oberlieutenant von 
Vieregg in Inning ein, um den Dienst gemeinschaftlich mit den 
dort stehenden Österreichischen Ulanen zu machen. 1 Gefreiter und 

3 Mann kamen auf Ordonnanz nach Seefeld, 10 Mann wurden zum 
täglichen Vorpostendienst verwendet und zwar kamen 4 Mann nach 
Peyrn, 4 nach Wildenroth und 2 nach Greifenberg. Vieregg be- 
klagte sich, dafe keiner seiner Dragoner allein, sondern immer mit 
Ulanen vermischt zu stehen komme, und noch keiner seiner Unter- 
offiziere, sondern blofs jene der Ulanen bis dato (23.) zum Dienst 
verwendet worden seien. 

Nachdem Major v. Ströhl am 28. Juni mit seinem De- 
tachement bei Schäftlarn über die Isar gegangen, marschierte er 
über Peifs nach Zornolding, wo er am 30. .Juni einfraf. In Peifs 
blieb Oberlieutenant Vieregg mit 30 Dragonern stehen, »teils um 
in Verbindung mit dem Fürsten Reufs zu verbleiben, als auch den 



- 91 — 

Feind auf der Strafse nach Kufstein zu observieren und hauptsächlich 
von allen Bewegungen des Feindes uns sogleich evertieren zu 
können.«*) Ströhl besetzte den westlichen Eingang von Zornolding 
mit Infanterie und am östlichen Ende- hatte er 100 Mann Infanterie 
und 1 Schwadron Ulanen aufgestellt; der Rest des Detachements 
mit den Kanonen stand als Reserve rückwärts des Dorfes in einem 
Walde. In dem einschlägigen Berichte vom 1. Juli beklagt sich 
Major Ströhl darüber, dafs sich Leute bei der Legion befinden, 
welche barfufs laufen, »welches wirklich schon mehrmals grofse Un- 
zufriedenheit bei selben erregt hat. Er bittet um Abhülfe.« Im 
Lager bei Zornolding am 1. Jnli zählte das Detachement an In- 
fanterie: 1 Major, 2 Hauptleute, 4 Lieutenants, 1 Bataillons-Chirurgen, 
12 Unteroffiziere, 2 Tamboure, 395 Gefreite und Gemeine;**) an 
Kavallerie: 3 Lieutenants,***) 6 Unteroffiziere, 61 Mann und 67 Dienst- 
pferde; an Artillerie: 1 Uuterlieuteuant, 2 Unteroffiziere, 20 Mann, 
16 Dienstpferde, 2 Kanonen, 2 Munitionswagen. Die Verbindung 
mit dem Fürsten Reufs geschah über Holzkirchen, wo seine Vor- 
posten standen, und sich links über Tölz und Tegernsee ausdehnten; 
Reufs stand in Reutti. 

Merveldt stand am 28. Juni auf dem Galgenberg (Marsfeld) bei 
München und marschierte an diesem Tage, als die Franzosen in 
München einrückten, um die" Stadt zur Isarbrücke und dann nach 
Parsdorf; seine Vorposten standen bei Riem. 

Major Ströhl brach am 8. Juli aus dem Lager bei Zornolding 
auf und marschierte über Reimehring nach Wasserburg. Am 18. 
stand er bei Reithmann und am 19. Juli erhielt er Befehl nach 
Amberg zu marschieren. Am 25. Juli aus Kloster Attel spricht sich 
General Graf Merveldt lobend über die Leistungen des Detachements 
Ströhl aus.f) Am 7. August traf das Detachement Ströhl in Cham 
ein, von wo es bei seinen Abteilungen einrückte, ff ) 



*) Kriegsarchiv 1800 V. 6. 

**) 1. Compagnie der Legion 1 Major, 1 Hauptm., 2 Unterl., 1 Bat. Chirurg, 
4 Unteroffz., 1 Tambour, 153 Gefr. und Gem. 

2. Compagnie der Legion 1 Hauptm., 1 Unterl., 3 Unteroffz., 156 Gefr. und Gem. 
Zugeteilt von Sauer's Comp. 1 Unterl., 5 Unteroffz., 1 Tambour, 86 Gefr. 
und Gem. 

***) Oberlieutenant Vieregg war wieder eingerückt, nachdem er von Ulanen 
abgelöst worden war. 

t) „Aus E. H Meldung von heute entnehme ich mit vielem Leidwesen, dafs 
Hochdieselben den Befehl erhalten haben, mit ihren unterhabenden Truppen nach 
Amberg abzurücken und, dafs ich nicht länger die Ehre haben kann, E. H. unter 
meinem Kommando zu behalten. Ich erstatte daher E H. insbesondere für die 



92 



4. Das Landesverteidigungs - Corps (auch Reserve- und 
Auxiliar- Corps genannt) unter Herzog Wilhelm in Bayern. 

Zur Kompletieruug der noch im Lande befindlichen eilf Ba- 
taillone"'*) wurde, nebst den bereits schon gezogenen Landkapitulanten, 
noch ferner aus einer Klasse von 40 Familien 1 Mann ausgehoben. 
In den oberen Landen wurden ferner sämtliche verabschiedete nicht 
ansässige Soldaten konskribiert , und aus denselben eine »Landes- 
defensionslegion« zu 4 Compagnieu in einem Bataillon gebildet, 
»welche jedoch nur zur Verteidigung der Grenzen der oberen Lande 
verwendet werden durfte.« Dieses Legions- Bataillon wurde von 
pensionierten Offizieren kommandiert, was für die Disziplin nicht 
förderlich war, da diese älteren, oft durch Gebrechen kränklichen 
Männer nicht die nötige Kraft besafsen, um der zu Excessen ge- 
neigten Mannschaft entgegentreten zu können. Uniformiert war 
die Mannschaft nur insoweit, als sie über ihrer Bauernkleidung einen 
zwilchenen Überrock, und als Kopfbedeckung einen runden auf 
einer Seite aufgeschlagenen Hut mit weifs-blauen Federbusch trug. 
An Löhnung erhielt jeder Mann täglich 12 Kreuzer. Die Erwartung, 
welche man von der Legion hegte, ging nicht in Erfüllung.**) 

Eine besondere Begeisterung für die Sache liefs sich übrigens 
nicht wahrnehmen, da ein Zusammengehen mit Österreich ohnehin 



geleistete Folge, und das bewiesene harmonische Betragen, Eifer und Ordnung im 
Dienste meinen verbindlichsten Dank mit der Versicherung, dafs ich nicht ver- 
fehlen werde, solches bei nächster Gelegenheit S. Kurf. Durchl. anzurühmen. Zu- 
gleich ersuche ich E. H. auch Ihren unterhabenden Truppen im Befehl meine 
Danksagung für den bewiesenen guten Willen und das gute Benehmen bekannt 
zu machen." 

tt) (Zu Seite 91.) Seine Stärke betrug damals: 1 Commandeur, Major v. Ströhl. 

Offz. Bat. Chir. Untoffz. Tamb. Gefr. u. Gem. Sum 

1. Comp, der Legion, Hptm. Stabel, 3 — 

2. „ „ „ „ V. Schönfeld 2 - 
Hauptmann Sauer's Compagnie 1 — 
Kavallerie 3 — 
Artillerie 1 1 

1 Stabsoffizier 10 1 19 1 322 353 

83 Dienstpferde, 2 Kanonen und 2 Munitionswagen. 
*) 2 Bataillone vom Leibregiment, 1 Bataillon Kurprinz, 1 Bataillon 
Weichs, 1 Bataillon Morawitzky, 1 Bataillon Junker, 1 Bataillon Salem, 1 Ba- 
taillon Herzog Wilhelm, 1 Bataillon Herzog Pius, 2 Bataillone Preysing. 

**) Schintling, v., Tagebuch von 1787—1824. Auszügliche Bearbeitung, 
115, 116. 



3 


— 


80 


86 


3 


— 


92 


97 


5 


1 


64 


71 


6 


— 


61 


70 


2 


— 


25 


29 



— 93 — 

nicht populär war. Ein grofser Teil der Bevölkerung neigte schon 
damals auf französische Seite. Es ist daher eine hyperpatriotische 
Floskel, wenn Völderndorff sagt: »Freudig flogen, beim ersten 
Ruf, die Bayern zu den Fahnen des Landes vaters«*) denn die Auf- 
gerufenen erschienen nicht immer vollzählig an Ort und Stelle. 
Ja, im Landgericht Kötzting hatte sich »auf beschehenes obrig- 
keitliches Vorrufen kein Bursch zur gesetzmäfsigen Kapitulanten- 
auswahl gestellt.« Kavallerie -Abteilungen mufsten die Beitreibung 
besorgen.**) Ferner wurde die Aufstellung des Corps sehr ver- 
zögert, da es au Waffen, Ausrüstungsgegenstäuden, Montureu u. s. w, 
mangelte und sich allenthalben eine gewisse Ängstlichkeit bemerkbar 
machte. Nach den Aufzeichnungen eines Compagnie-Chefs bestand 
seine Compagnie am 27. Juni 1800 aus 250 unmontierten Bauern- 
burschen mit 2 Offizieren, 3 Unteroffizieren und ebenso vielen alt- 
gedienten Soldaten. Mit Gewehr und Säbel konnten sie aus- 
gerüstet werden, dagegen erhielt nicht jeder Mann eine Patrou- 
tasche und nur zehn Mann Munition. ***) Der gröfste Teil der 
Compagnie lief barfufs, so dafs sich die Gemahlin des kom- 
mandierenden Generals, Herzogin Wilhelm, erbarmte und dem 
Compagnie- Chef zur Anschaffung von Schuhen für seine Leute 
150 Gulden auszahlen liefs. f) 

Von einem Generalpardon, der am 23. Juli erlassen worden 
war, hegte man die Erwartung, dafs viele Ausreifser hiervon 
Gebrauch machen und reuig zu ihren Fahnen zurückkehren würden. 
Statt dessen nahm die Desertion beim Landesdefensions-Corps solche 
Dimensionen an, dafs sich der Kurfürst veranlafst sah am 12. August 
eine einschlägige Proklamation zu erlassen. Am Schlufs derselben 
hiefs es: »Bayern und Pfalzer! vergefst nicht die alte Treue und 
Tapferkeit eurer Voreltern, ahmet das edle Beispiel eurer Waffen- 
brüder nach (Subsidien- Division), die im letzten Feldzug durch 
entschlossenen Muth und ausdauernde Disciplin einen ausgezeichneten 
Ruhm in ganz Europa erworben haben, zeiget dafs ihr würdige 
Landsleute dieser Braven seyd, und keine Eidbrüchigen und Feige 
unter euch duldet.« 



*) Kriegsgeschichte von Bayern 1, 107. 
**) Kriegsarchiy 1800 V. 6. 
***) Nach der Dotation für das Feuergewehr : 60 Patronen in der Tasche und 
60 Patronen im Park. 3 Feuersteine per Gewehr. Auf jedes Bataillonsgeschütz 
100 Kugel- und 32 Kartätschenschüsse. 

t) Schintling, v., Tagebuch v. 1787—1824. Auszugsweise Bearbeitung, 
108, 111. 



— 94 — 

Zur Mobilmachung dieses Corps waren 729,000 Gulden nötig. 
Hiervon sollten 500,000 Gulden »aus Unsrer Subsidienkasse« , der 
Rest durch Kirchen- und Staatsgelder gedeckt werden. In Betreff 
der 500,000 Gulden behielt sich der Kurfürst seine Rechte gegen 
die Landschaft vor, welche nach der verfassungsmäfsig hergebrachten 
Konkurrenz mit Vi zu dieser Landesdefensions-Austalt beizutragen 
schuldig war. Um Weitläufigkeiten zu vermeiden, sollten 1040 Pferde 
für Dragoner und Kürassiere durch Lieferanten und »bayerische 
Landleute« besorgt werden. Zur Bespannung der Geschütze und 
Munitionswagen mufsten Klöster, Städte und Märkte, Pferde mit 
Sattel und Geschirr und für jedes Paar Pferde einen Knecht stellen; 
für den Unterhalt der Knechte und Pferde sorgte der Staat. 

Am 31. Mai zählte .das Corps zwar schon 7614 Mann mit 
1788 Pferden,*) aber sie waren weder diszipliniert, noch exerziert, 
noch bewaffnet, noch bekleidet. Der Abgang betrug 3059 Mann 
und 1299 Pferde. Es waren vorhanden: 222 Offiziere, 456 Unter- 
offiziere, 98 Spielleute und 6838 Gefreite und Gemeine; 212 Offizier- 
und 1576 »herrschaftliche Pferde«. 

Aufser den 11 Linien-Bataillonen und der neuerrichteten Landes- 
defensions-Legion , befand sich in München noch die gesamte 
Kavallerie: Kürassier -Regiment Minucci, 2 Dragoner- und 4 Che- 
vaulegers-Regimenter. Das 4. Chevaulegers- Regiment, welches bisher 
gefehlt, hatte Kurfürst Maximilian Joseph kurz nach seinem Re- 
gierungsantritt, d. i. am 25. Februar 1799, durch Vereinigung des 
bisherigen 2. Kürassier-Regiments und der Zweibrücker-Chevaulegers- 
Garde errichtet; es erhielt den Namen »Kurfürst« und wurde zum 
1. Chevaulegers -Regiment ernannt (nun 4. Chevaulegers- Regiment 
König). Das bisherige 3. Chevaulegers- Regiment wurde als das 
älteste, das 2.; das bisherige 2. das 3. und das bisherige 1. das 
4. Chevaulegers-Regiment (jetzt 5. Chevaulegers-Regiment). 

Das Kommando über dieses Corps behielt sich der Kurfürst 
zwar selbst vor, er ernannte jedoch am 2. Juni seinen Schwager, 
Herzog Wilhelm in Bayern, der um Verwendung nachgesucht hatte, 
zum zweiten Befehlshaber;**) zu Commandeuren der beiden Infanterie- 
Brigaden wurden die Generalmajore v. Gaza und Graf Nogarolla 
und zum Commandeur der Kavallerie-Brigade Graf Tauffkirchen 
ernannt. Oberst v. Riedl wurde Generalquartiermeister. Der »als 



*) Die Angabe bei VölderndorflF, 1, 107, dafs das Corps am 28, Mai 1800 
bereits über 12,000 Mann gezählt habe, ist verfrüht. 

**) Dem Herzog Wilhelm „die Führung des Kriegs-Kommando unter Uns, 
ara 2. 1. M. specialiter gnädigst anvertraut " Kabinetscrdre vom 3. Juni 1800. 



— 95 — 

Volontär dienende« Oberst Graf Arco und Major Freiherr v. Verger 
versahen die Funktionen als Quartiermeister-Lieutenants. 

Der kommandierende General war 1752 geboren und seit seinem 
26. Lebensjahr Generallieutenant. 1779 bekleidete er die Stelle 
eines Gouverneurs von Mannheim. Im Jahre 1799 nach Petersburg 
geschickt, schlofs er den bereits erwähnten Vertrag von Gatschina. 
Sein Generalquartiermeister stand im 54. Lebensjahr. Zum Land- 
geometer erzogen, wurde er im Jahre 1767 Lieutenant und zwei 
Jahre darauf Hauptmann im Ingenieur-Corps. Nachdem er hierauf 
rasch nacheinander Kommissär und Direktor im Wasser-, Brücken- 
und Strafeenbau geworden, verlieh ihm Kurfürst Karl Theodor im 
Jahre 1796 den Titel eines Obersten der Infanterie mit der Erlaub- 
nis, die Uniform der Offiziere ä la suite zu tragen. Im Jahre 1799 
war er dem durch Bayern marschierenden Korsakoff 'scheu Corps 
als Ober-Marschkommissär beigegeben. Bei Aufstellung des Landes- 
verteidigungs-Corps wurde er zum Generalquartiermeister bei diesem 
Corps ernannt. Da das Corps eigentlich nichts weiter leistete, als 
fortwährend in dem Rayon Sulzbach - Altdorf -Beilgries-Kelheim- 
Regensburg herumzumarschieren, so konzentrierte sich seine ganze 
Thätigkeit in der Abfassung von Marsch- und Dislokationslisten, 
wozu sein militärisches Wissen ausgereicht zu haben scheint. Da- 
gegen erwarb er sich um die Gründung und das Gedeihen des 
topographischen Bureaus und um das bayerische Kartenwesen nennens- 
werte Verdienste. Er starb 1809 als Oberst im Generalstab, Lega- 
tionsrat und Direktor des topographischen Bureau. — Generalmajor 
V. Gaza, geboren 1739, kaufte sich mit achtundzwanzig Jahren 
eine Hauptmannsstelle, und war im Jahre 1792 Generalmajor, 
Brigade- Commandern" und Inspekteur der Infanterie. Er galt als 
einer der tüchtigsten Offiziere des damaligen bayerischen Heeres. 
In einem mit Geist und Humor geschriebenen Aufsatze*) hat er im 
Jahre 1788 die Schäden des bayerischen Heerwesens aufgedeckt und 
auf die Notwendigkeit einer totalen Reform hingewiesen , welche 
denn auch von dem Grafen Rumford (Thompson) in zu idealer 
Weise ins Leben gerufen worden ist und deshalb ohne Bestand war. 
Gaza starb 1805 als Generallieutenant und Präsident des General- 
auditoriats. — Graf NogaroUa, ein Veroneser, trat sechszehnjährig im 
Jahre 1769 als Fähnrich in die bayerische Armee, machte dort alle 
Grade durch, wurde im Jahre 1794 Generalmajor der Infanterie und 



*) „Verschiedene Gedanken und Anmerkungen über die damalige Beschaffenheit 
des kurbayerische a Kriegsstandes 1788." 



— 96 — 

1798 Kommandant von München, als welcher er sich so vorsichtig 
benahm, dafs Spottgedichte auf sein Betragen in Umlauf gesetzt 
wurden. Im Jahre 1804 Generallieutenant, wurde er im folgenden 
Jahre in aufserordentlicher Mission nach Wien geschickt aber bald 
darauf, ganz der Österreichischen Partei ergeben, mit Pension 
verabschiedet. Er starb 1827 zu Verona. — Alois Graf Tauff- 
kirchen, gebore q 1753, ging 1768 als Kornet bei Taxis Küras- 
siere zu und war im Jahre 1788 Oberst und Commandeur des 
Chevaulegers-Regiments Larosee. 1789 adeliger Hofkriegsrat und De- 
partement-Chef. Im Jahre 1790 wieder in die Truppe zurück- 
kehrend, wurde er 1795 Generalmajor und Brigade -Commandeur, 
1804 Generallieutenant und Inspekteur, 1818 Chef des General- 
auditoriats, 1824 General der Kavallerie; 1829 beabschiedet, starb 
er 1836. 

Am 5. Juni genehmigte der Kurfürst folgende ordre de bataille*) 
des Landesverteidigungs- Corps: 

Commandeur: Generallieutenant Herzog Wilhelm in Bayern. 

Generalstabs-Offiziere: Oberst v. Riedl, Generalquartiermeister; 
Oberst Graf Arco und Major v. Verger Quartiermeisterlieutenants. 

1. Infanterie-Brigade: Generalmajor v. Gaza. 



Leibregiment 2 '. 


Bataillone 


10 


Compagnien 


4 Geschütze 


Weichs 1 


» 


5 


» 


2 » 


Morawitzky 1 


» 


5 


» 


2 


Junker 1 


» 


5 


» 


2 » 


Salern 1 


» 


5 


» 


2 » 


6 


Bataillone 


30 


Compagnien 


12 Geschütze 


2. Infanterie-Brigade: G 


eneralmajor Graf 


Nogarolla. 


Kurprinz 1 


Bataillon 


5 


Compagnien 


2 Geschütze 


Herzog Wilhelm 1 


» 


5 


» 


2 » 


Herzog Pius 1 


» 


5 


» 


2 » 


Preysing 2 


» 


10 


» 


4 » 


Landesdefens.-Leg. 1 


» 


4 


» 


2 » 



6 Bataillone 29 Compagnien 12 Geschütze. 

Kavallerie-Brigade: Generalmajor Graf Tauffkirchen. 
Kürassier-Regiment Minucci 4 Schwadronen 
Dragoner, kombiniert 4 » 

Chevaulegers, kombiniert 2 » 

10 Schwadronen. 



^) Kriegsarchiv 1800 VI 



— 97 - 

Artillerie-Brigade: Oberst v. Hallberg. 
4 sechspfüuder | 
4 zwölfpfünder j Kanonen 
4 siebenpfünder Haubitzen. 

Zusammen: 12 Bataillone,*) 10 Schwadronen, 24 Bataillons- 
und 12 Reserve-Geschütze.**) 

»Mit meinem kaum 6000 Mann starken Corps, zumal nur 
theilweise bewaffnet, montirt, an manch anderem, das Geld selbst 
nicht ausgenommen, mangelnd, war an Widerstehen jetzt und in 
jenen Stellungen nicht zu denken, sich hinter die Donau ziehen, 
die einzige einzuschlagende Partie.«***) Am Abend des 27. Juni 
brach das Corps von München auf und marschierte über Dorfen, 
Tauffkirchen und Wartenberg nach Landshut, f) wohin der Kurfürst 
schon am Morgen vorausgegangen war. »Nun fragt es sich, was 
mit dieser Masse Menschen von sehr ungleichem Gehalt und Waffen- 
fähigkeiten anzufangen sei.« ff) Von Landshut begab sich der 
Kurfürst nach Straubing, wohin das Bataillon Junker voraus- 
gegangen war. Der Hof wollte in Cham verbleiben; dort wurde 
es aber der Kurfürstin und ihrem weiblichen Gefolge zu langweilig 
und Herzog Wilhelm bekam Befehl, mit dem Corps nach der Ober- 
pfalz zu rücken, um die Sicherheit des Hofes zu decken, da in 



*) Angenommen war : ohne Prima Plana bei 600 Mann 4 und bei 800 Mann 
5 Compagnien. 

**) Bei jeder Infanterie - Brigade befanden sich von der Artillerie: 
1 Hauptmann, 3 Lieutenants, 1 Oberfeuerwerker, 1 Fourier, 1 Tambour und 
1 berittener Oberknecht ; bei jedem Bataillon 2 Korporale, 12 Kanoniere, 8 Fü- 
siliere, 6 Stückknechte, 2 sechspfünder Kanonen, 2 Munitionswagen und 16 Pferde. 
Der Artillerie-Park bestand aus dem Stabe: 1 Oberstlieutenant, Park-Com- 
mandeur, 1 Hauptmann, 1 Adjutant, 3 Unteroffiziere und 1 Tambour und 3 Bat- 
terien. Die 1. Batterie bestand aus: 2 Lieutenants, 4 Bombardeur- Korporale, 
24 Kanoniere, 24 Füsiliere, 4 zwölfpfünder Kanonen, 4 Munitions wagen, 1 berittener 
Oberknecht, 16 Stückknechte und 40 Pferde. Die 2. Batterie: 2 Lieutenants, 4 Ka- 
nonier-Korporale, 24 Kanoniere, 16 Füsiliere, 4 sechspfünder Kanonen, 4 Munitions- 
wagen, 12 Stückknechte und 32 Pferde. Die 3. Batterie: 2 Lieutenants, 4 Bom- 
bardeur-Korporale, 40 Bombardeure, 4 siebenpfünder Haubitzen, 4 Munitions- 
wagen, 1 berittener Oberknecht, 12 Stückknechte und 32 Pferde. Ferner war 
vorhanden: Reserve -Artillerie -Personal, Reserve -Munitions wagen 
u. s. w.; das Personal bestand aus 1 Major, 4 Subaltern- Offiziere, 12 Unteroffiziere 
und 112 Stückknechte. K.-A. 1800 V. 6. 

***) Aufzeichnungen des Herzogs Wilhelm (herzoglich bayerisches Haus- 
archiv.) 

t) Nach Mussinan, 2, 183, waren dem Kürfürsten gefolgt: 6192 Mann 
Infanterie, 1731 Mann Kavallerie und 477 Mann Artillerie. 

tt) Greheimes Staatsarchiv: Notes et remarques ministerielles, 1800. 

7 



— 98 — 

Amberg die Residenz aufgeschlagen werde. Aber auch von dort 
trieb die Langeweile wieder fort und zwar nach Bayreuth, unter 
den Schutz preufsischer Neutralität. Herzog Wilhelm blieb mit 
seiner Familie in Amberg,*) wo sein Stabsquartier sich in Mitte 
des kantonierenden Corps**) solange befand, bis der linke Flügel 
der feindlichen Armee gegen die Oberpfalz vorrückte und der Herzog 
ihm über Neumarkt entgegenging.***) 

Eine zu Amberg am 15. Juli 1800 mit Wickham abgeschlossene Supplementar- 
Konvention überwies nun auch das „Landesverteidigungs-Corps" an England und 
verschaflFte dem Kurtürsten von Seiten des englischen Kabinets die Gewährleistung 
aller seiner Besitzungen nach dem Stande vor Beginn des Krieges, sowie einer 
vollständigen und angemessenen Entschädigung für allenfallsige Verluste, im Fall 
die WafFenerfolge der Gerechtigkeit der verfochtenen Sache nicht entsprechen 
sollten. Diese politische Übereinkunft, die erste, zu welcher sich England Bayern 
gegenüber herbeiliefs, enthielt weitgreifende Zugeständnisse, welche bis dahin nicht 
hatten gewährt werden wollen. Alles was im ersten Vertrag vom 16. März zu 
erwirken gewesen, war das Versprechen, die militärischen Operationen soviel wie 
möglich in der Art zu leiten, dafs Bayern gegen einen Angriff gedeckt bleibe; es 
mufste also in der That sehr viel daran gelegen sein, Bayern zu gewinnen, um 
die einem verantwortlichen Ministerium ganz natürliche Zurückhaltung soweit bei 
Seite zu setzen. Nicht unwahrscheinlich hatte an der zu Anfang bemerkbaren 
Sprödigkeit auch der Wunsch, dem Wiener Hof nicht zu mifsfallen, seinen 
Anteil, t) 



*) 29. Juni Erding; 2. Juli Teistel am Damm; 3. Mettenbach; 4, Pfaffen- 
münster; 5. Zinzenzell; 6. Selling (Itägige Rast — Waffenübungen); 11. Alten- 
kreuth; 12. Reichenbach; 13. Seulendorf; 19. wurde eine Dislokation der Corps 
vorgenommen. Schintling, v., Tagebuch von 1787 — 1824. Auszugsweise Be- 
arbeitung. 

**) Am 8, Juli kam der Herzog Wilhelm nach Amberg, eilte aber nach 
einer kurzen mit dem Kurfürsten gehaltenen Unterredung zu dem unter seinem 
Kommando stehenden Landesverteidigungs-Corps nach Cham fort. Am 12. Juli 
rückte das kurf. Leibregiment als Besatzung in Amberg ein; zugleich kamen 
einige Schwadronen Chevaulegers und Kürassiere daselbst an, wo sie auf den um- 
liegenden Dörfern kantonierten, mit ihnen der Herzog Wilhelm in Bayern, Befehls- 
haber der in dasiger Gegend stehenden 11,000 Mann Landes Verteidiger. Am 
Abend des 13. Juli kam die kiirfürstliche Reserve-Artillerie nebst andern Truppen 
in Amberg an. Hubmann, Chronik von Amberg. Manuskript auf dem Stadt- 
archiv Amberg. 

***) Aufzeichnungen des Herzogs Wilhelm (herzogliches Hausarchiv). Aus 
einem Schreiben des Generalquartiermeisters Oberst Riedl dato Amberg den 
6. August 1800 geht hervor, dafs das „Landesverteidigungs-Corps" enge Kan- 
tonierungen in der Umgegend von Amberg bezogen hatte. K.-A. 1800 VII— XII. 

f ) Hier ' machen die Memoiren Montgelas folgende Bemerkung : „Wenigstens 
erinnere ich mich in einem Gespräch mit Wickham, welches kurz vor einem seiner 
Ausflüge nach Wien stattfand, wie aus Zufall den Gedanken hingeworfen zu haben, 
ob es etwa möglich sei für das bayerische Fürstenhaus ein ansehnliches Königreich 
am Rhein und in Belgien zu schaffen, wodurch sich für Österreichs weitere Pläne 



— 99 — 

Unter dem Namen: „Auxiliar-Corps" nahm England infolge dieses Vertrags 
auch alle jene Truppen in seinen Sold, welche seit Unterzeichnung des Vertrags 
vom 16. März 1800 ausgehoben wurden, und die sich gegenwärtig unter dem 
Kommando des Herzogs Wilhelm befanden. Das bezeichnete Auxiliar-Corps wird 
innerhalb Bayern, Oberpfalz, Herzogtum Neuburg und Sulzbach 
agieren, um jene Distrikte dieser Provinzen zu verteidigen, welche nicht vom 
Feinde besetzt sind. Eine andere Verwendung kann nur mit Genehmigung 
des Kurfürsten geschehen. Der Sold beginnt mit dem Tage der Unter- 
zeichnung dieser Konvention, Das Weitere, wie am 16. März stipuliert worden. 
Die Verwendung dieses Corps wird zwischen den Herzog Wilhelm und dem General 
en chef der österreichischen Armee in Deutschland geregelt werden. Der Friede 
von Teschen wird garantiert. Die bayerischen Auxiliar-Truppen sollen 
immer vereinigt verwendet, ohne detachiert oder geteilt zu werden; 
sie werden stets ein separiertes Corps oder eine eigene Division bilden.*) 

Gemäfs dieses Vertrags wurde das »Auxiliar-Corps«, welchen 
Namen wir von nun an beibehalten werden, unter Herzog Wilhelm 
gemeinschaftlich mit dem General Klenau, der bei Regensburg stand, 
zur Deckung der Oberpfalz verwendet. Dem General Klenau hatte 
der Feldzeugmeister Kray auf seinem Rückzug nach Ingolstadt die 
Bestimmung erteilt, die Strecke zwischen Altmühl und Donau, im 
Einvernehmen mit dem Kominandanten von Ingolstadt, solange als 
möglich zu behaupten, bei einem ferneren Rückzug der Armee aber 
nur bei dem Andränge einer Übermacht Regensburg zu erreichen.**) 
Schon am 12. Juli hatte General Klenau aus Stadtamhof dem 
Herzog Wilhelm die Standtabelle mit der Meldung überschickt, dafs 
er unter seinen Befehlen stehe. Der Herzog erwiederte ihm hierauf 
aus Amberg den 15. Juli, dals er die Standtabelle nicht annehmen 
könne, da noch keine Übereinkunft wegen Vereinigung statt- 
gefunden.***) Dagegen wurden am 16. Juli 3 Bataillone: 2. Bataillon 
des Leibregimentes, Morawitzky und Junker auter Oberstlieutenant 
Graf Marsigli nach Stadtamhof mit dem Auftrage geschickt, den 
Befehlen Klenau's genauestens nachzukommen, somit auch gegen 
den Feind sich nach Anweisung gebriiuchen zu lassen. Sollte aber 
Regensburg und die diesseitigen Lande vor Feindesgefahr hinreichend 
gesichert sein, oder General Klenau zum Rückzug gezwungen werden, 



mehr Spielraum gewinnen liefse. Er sprach hierüber mit Baron Thugut und er- 
zählte mir nach seiner Eückkehr, dafs dessen Züge bei dieser Eröffnung vor 
Freude gestrahlt hätten und er ihm eingestanden habe, er halte den Gedanken 
für einen um so glücklicheren, als nach seiner Überzeugung die beiden Dynastien, 
in der Art wie sie einander gegenübergestellt seien, nicht fortbestehen könnten." 
*) Martens, Eecueil, Suppl. 2, 264, 268 (2. Ausgabe 6, 715 und 719) ver- 
glichen mit dem Original auf dem Geh. Staatsarchiv in München. 
**) Österreichische milit. Zeitschrift, 1836, 3, 231, 
***) Kriegsarchiv 1800 V. 6. 

7* 



— 100 — 

so hat sich der kommandierende Stabsoffizier mit seinen 3 Bataillonen 
von dem k. k. Corps zu trennen und im letzteren Falle auf dem 
kürzesten und sichersten Weg sich zu diesseitigem Corps wieder zu 
begeben.*) Schon am andern Tag, 17. Juli, wurde das Detachement 
wieder abberufen. Beide Abteilungen, »Auxiliar-Corps« und Klenau, 
standen nebst dem General Simbschen der gallo-batavischen Armee 
unter General Augereau gegenüber, welche auf dem linken Donau- 
ufer zu operieren bestimmt war. Der Subsidien-Angelegenheiten wegen 
befanden sich zwei englische Kommissäre, Obersten Hope und Wood, 
im Stabsquartier des Herzogs, zu welchem später noch der öster- 
reichische Oberst Prohaska kam. Oberst Hope hatte überdies die 
Funktion des aufserordeutlichen Gesandten Drake zu versehen. 

Bereits am 1. September begann Oberst Wood mit der Musterung 
des »Auxiliar-Corps«. Sie geschah an drei Tagen und zwar am 
1. Tage (1. Septbr.) bei Köferiug und Kastei; am 2. Tage (2. Septbr.) 
bei Schwarzenfeld und Schwandorf; am 3. Tag (3. September) bei 
Hahubach, Sulzbach und ßosenberg.**) Am 1. September zählte das 
Auxiliar-Corps 537 Offiziere, 12,752 Mann vom Feldwebel abwärts, 
1242 Offizier- und 1188 Dienst-, Reit- und 580 Zugpferde.***) 

Am 11. September erhielt Herzog Wilhelm auf mehrmaliges 
Drängen nachfolgende vom 8. September datierte Instruktion,!) 
welche also lautete: 

„Dem General-Kommando Unseres Auxiliar-Corps sind die mit Seiner 
Königlichen Grofsbritanisclien Majestät dahier in Amberg umterm 15. Juli ge- 
schlossene Konvention, sowie die damit in Verbindung stehenden Artikel Unseres 
Allianz- und Subsidientraktates zu seiner Wissenschaft und Nachachtung schon 



*) Kriegsarchiv 1800 VII -XU. 
**) Kriegsarchiv 1800 VII— XII. Schon unterm 12. August hatte Oberst Wood 
dem Herzog Wühelm hiervon verständigt. Nach dem Tagebuch des Obersten 
V. Schintling (auszugsweise Bearbeitung 113) wäre das Corps am 3. September 
bei Schwarzenfeld zusammengezogen worden, um durch einen englischen Kommissär 
gemustert zu werden. Es sei bis 8. September in seinen bisherigen Quartieren 
liegen geblieben und am letzteren Tage nach Eegensburg aufgebrochen. Er giebt 
femer an, dafs bei Gelegenheit dieser Musterung die kurpfälzischen und nieder- 
ländischen Offiziere unter die bayerischen Regimenter aufgenommen worden seien^ 
zum grofsen Nachteil der bayerischen Offiziere, da die Pfälzer u. s. w. im Dienst- 
alter ihnen voran waren ; infolge dessen wirft er den aus diesen hervorgegangenen 
Generalen und Stabsoffizieren die Begünstigung ihrer Landsleute vor, während die 
Bayern unterdrückt worden sein sollten. Schintling mag Recht haben, denn noch 
in späteren Jahren machte sich diese Überhebung hier und da bemerkbar. 
***) Siehe Anmerkung auf der nächsten Seite. 

t) Kriegsarchiv 1800 V. 6. 



— 101 — 



bereits mitgetheilt worden. Aus diesen wird derselbe sich tiberzeugt haben, dafs 
Unsere einzige Absicht bei Schliefsung dieser Traktate dahin gerichtet war: 

a) in Stand gesetzt zu werden, Unsere verlorenen Erbstaaten wieder zu 
erobern ; 

b) eine festere Garantie für die Erhaltung der Integrität Unseres Hauptlandea 
zu bewirken; 

c) den Schutz eines der mächtigsten und wirksamsten Höfe zu erlangen, ohne 
dessen Einflufs ein dauerhafter Friede kaum wird geschlossen werden können 
und der allein vollwichtige Kompensationen dereinst in die Wagschaale legen 
kann; 

d) das Interesse solcher Staaten mit den Unsrigen zu verbinden, an welche 
diese durch ihre geographische I^age ohnehin angezogen werden, und wo unzeitige 
Trennung von ihnen die gefährlichsten Folgen für Unsere ganze politische Existenz 
haben könnte — die eine durch Jahrhunderte befestigte Verfassung haben und 
die dem beständigen Wechsel eines revolutionären Gouvernements nicht unterworfen 
sind; endlich 

e) Uns ausreichende Mittel zu verschaffen, bei dem gegenwärtigen kritischen 
Zeitpunkte bewaffnet bleiben zu können, um nicht in die alte Nullität zurück- 
zufallen, wo man jedem Preis gegeben ist und von der Politik des Übermächtigen 
willkürlich abhängt. 



') 



Abtheiluiig 



Ph o:eä 



u © 

N U 

(0£ 



.2 ^ 



Namen der Kommandeure 



Generalstab . . . . 
Leibregiment . . . . 

Weichs 

Morawitzky 

Junker 

Salern 

Kurprinz 

Herzog Wilhelm . . 
Herzog Pius .... 

Preysing 

Legion 

Depot der Infanterie 

Kürassiere 

Dragoner 

Chevaulegers .... 
Depot der Kavallerie 

Artillerie 

Fuhrwesen 

Feldspital 

Profosenarat .... 



29 
51 
25 
26 
27 
26 
26 
29 
29 
48 
22 
56 
25 
25 
14 
32 
37 
4 
15 
1 



19 
1410 

764 

806 

957 

950 

850 

1011 

1047 

1118 

471 

465 

604 

542 

304 

609 

556 

209 

39 

21 



159 
85 
40 
41 
42 
43 
43 
46 
45 
80 
38 
111 
112 
114 
59 
89 
67 
13 
15 



358 

376 

292 

83 

3 

20 



580 



Oberst von Ow. 
Oberstlieutenant Drouin. 
Öberstlieutenant Molitor. 
Oberstlieutenant Graf Marsigli. 
Oberst von Herman. 
Oberst Graf Serego. 
Oberstlieutenant Wagner. 
Oberstlieutenant v. Neumann 
Oberst von Gaugreben. 
Oberst von Massenbach. 
Oberst von Mylius. 
Oberst Graf Minucci. 
Oberst Graf Zedtwitz. 
Oberst von Zandt. 
Oberst von Brusselle. 



I 537 1 12752 1242 1 1138 580 | 
Geheime Staatsarchiv, Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 



— 102 — 

Diese Beweggründe und die übrigen politischen Verhältnisse Europens haben 
Uns bestimmt, die bemerkten Traktaten einzugehen. Darnach glauben wir den 
ursprünglichen Zweck Unseres Landesdefensions-Corps nicht geändert zu haben,, 
da Wir dasMbe als Auxiliar-Corps in Sold S. K. Grofsbrit. Maj. gegeben 
haben, besonders, da dieses aufser den Grenzen Seines Vaterlandes zu dienen nicht 
gezwungen werden kann, wenn Wir nicht selbst solches für nützlich erachten, und 
in keinem Fall für ein fremdes Interesse, wo nicht das Unserige zugleich damit 
befördert wird, verwendet werden darf. 

Das General-Kommando dieses Unseres Auxiliar-Corps hat demnach vor 
allem: 

1. Die Offiziere sowohl als die Gemeinen aus diesem Gesichtspunkt über ihre 
wahre Bestimmung zu belehren und mit thätigster Sorgfalt allen Mifsverständnissen 
und boshaften Verleitungen nachdrucksamst vorzubeugen, zu welchem Ende dem- 
selben anliegende zwei Proklamationen zugeschlossen werden, von welchen in dem 
Augenblick des Vorrückens gegen den Feind der zweckmäfsige Gebrauch zu machen 
ist. Offizieren ist alles politische Käsonieren und alle auf die politischen Be- 
gebenheiten der Zeit Bezug habende Korrespondenz, besonders in die vom Feinde 
occupirten Gegenden, auf das schärfste zu untersagen und gegen die Übertreter 
nach der Strenge der Gesetze, zum warnenden Beispiel anderer, zu verfahren. 

2. Ist zu wachen, damit den Truppen von den englischen Lieferanten die 
gehörige Verpflegung geliefert werde. Sollten sich Gebrechen dabei zeigen, so sind 
solche Uns sogleich mit den gehörigen Belegen anzuzeigen, damit Wir ihre Ab- 
hülfe schleunigst bewirken können. 

3. Die vorzügliche Verwendungsart dieser Truppe und ihr Zweck sind in dem 
Eingang und den Artikeln 2, 6 und 7 der angeführten Konvention bestimmt; 
dennoch soll dieselbe zwar der Eegel nach nur in einer Masse vereinigt und nie 
getrennt gebraucht, noch einer andern Truppe einverleibt werden, worauf auch zu 
bestehen ist. Indessen können Wir geschehen lassen, dafs entweder nach einem 
übereingekommenen Hauptplane auf einige Zeit ein Theil derselben detachirt oder 
zu schleunig nothwendig werdenden wechselseitigen Unterstützungen abgegeben 
werden, wenn nur die Vereinigung mit dem Haupt-Korps wiederum bewirkt werden 
kann und keine zweideutigen Absichten wahrzunehmen sind. Ebenso 

4. soll dieses Korps nicht aufser den in der Konvention bezeichneten Grenzen 
geführt werden dürfen; daher mufs sein Hauptzweck die Vertheidigung desjenigen 
Theils unserer Lande sein, welche vom Feinde noch nicht occupirt sind. Müfste 
aber der Übermacht gewichen werden, so erfordert die Nothwendigkeit, solange 
auf fremdem Boden Position zu nehmen, bis das verlorene erste Terrain wiederum 
erobert ist, oder andere Ordres von Uns eintreffen, denn das Corps mufs irgend- 
wie physisch existieren — oder sich auflösen. In diesem unglücklichen Falle ist 
aber besondere Sorge zu tragen, damit dasfelbe soviel nur immer möglich ist, in 
einer Masse unter seinem eigenen Kommando zusammengehalten und nicht zu 
fremden Absichten verwendet werde. Was 

5. die Inspektion der Truppe durch englische Kommissäre, die Verificirung 
ihrer Bedürfnisse, sowie der Ersatz der im Felde verlorenen Artillerie, sonstigen 
Bewaffnungsstücken und Kriegseffekten betrifft, so sind darüber in den angeführten 
Traktaten hinreichende Bestimmungen enthalten, auf welche Unser General- 
Kommando als die Hauptrichtschnur seines Verhaltens hingewiesen wird. 

Da das General-Kommando Unseres Auxiliar-Korps einem Fürsten Unseres 
Hauses anvertraut ist, der durch die engsten Bande an Unsere Erbstaaten und 



— 103 — 

an Unsere Person geknüpft ist, der Uns schon so manche musterhafte edle Beweise 
gegeben hat, dafs Er zu befehlen und gehorchen wisse, der mit Unsern Planen 
und patriotischen Absichten" innigst vertraut ist, so wäre es überflüssig. Demselben 
eine weitere Instruktion zu ertheilen, als Ihm wiederholt zu sagen: Es wird 
um die Wiedereroberung Unserer Stammlande, um eine ehrenvolle 
Portdauer Unserer politischen Existenz gekämpft; es gilt um den 
Euhm der Kurpfalzbayerischen Waffen." 

Ein Nachtrag vom 11. September enthielt noch Folgendes: „Wir finden Uns 
bewogen, den für das General-Kommando Unseres Auxiliar-Korps unterm 8. dieses 
Monats erlassenen Instruktion noch folgendes beizusetzen: 

1. Da der glückliche Erfolg der meisten Militär-Operationen von raschen 
Entschlüssen und oft augenblicklich zu benutzenden Umständen abhängt, und 
keine ängstliche, verzögernde Anfragen duldet, so ertheilen Wir dem General- 
Kommandanten Unseres oben erwähnten Korps aus besonderem Vertrauen volle 
Gewalt, sowohl rücksichtlich des Entwurfes als der Ausführung desfelben mit 
Hinsicht auf Unsern ihm bekannten Hauptzweck nach eigenen Einsichten und 
Erniessen jedesmal zu handeln. 

2. Über alles was auf den Dienst Bezug hat, sind die Berichte allein an 
Uns selbst unmittelbar, über die beschlossenen, oder das Kesultat der ausgeführten 
Operationen eben sowohl als alle übrigen auf Unser Interesse Bezug habenden 
Begebenheiten, an den Minister Unseres auswärtigen Departements sub volante an 
Uns zu erstatten. "^^ — 

Bevor noch Herzog Wilhelm in den Besitz dieser Instruktion 
gelangt war, hatte in Burglengenfeld eine Beratung in Betreff des 
Operationsplanes stattgefunden. Der Herzog spricht sich hierüber 
wie folgt aus: »Von einer Epoche auf die andere verwiesen (in 
Betreff der Instruktion), wäre ich endlich bei einem ud aus weichlichen 
Zusammentritt in Burglengenfeld zur Entwerfung des nächsten Ope- 
rationsplans mit dem General Klenau und den englischen Gesandten 
Dracke und Oberst Hope aufgetreten, ohne einmal zu wissen, was 
ich leisten sollte oder dürfte, hätte ich mir diefs in der Hauptsache 
nicht erinnert aus dem flüchtigen Durchlesen des betreffenden Theils 
der Convention, welches der Kurfürst bei der Vollziehung mir ge- 
stattet hatte. Bei der Berathschlagung hatte ich obgedachtermafsen 
meinem Gedächtnifs gemäfs, meine Aufserungen abgegeben. Der 
Plan wurde vorgelegt, weitläufig besprochen und einmüthig ange- 
nommen ; einig und zufrieden gingen alle auseinander. Der Waffen- 
stillstand wurde verlängert und folglich die abgeredete Bewegung 
nicht ausgeführt.«*) 

Unterdessen war das »Auxiliar-Corps«, welches am 8. September 
aus seinen Kantonierungen aufgebrochen, an die Donau marschirt 
und batte sich dort mit Klenau vereinigt; es besetzte die zunächst 



*) Aufzeichnungen des Herzogs Wilhelm. Herzogliches Hausarchiv. 



— 104 — 

dieses Stromes gelegenen Ortschaften, dabei den Flufs durch Sicher- 
heitstruppen beobachtend.*) Nachdem es bis Kelheim vorgerückt 
war, ging es nach Pointen, dabei die Höhen am linken Donauufei' 
besetzt haltend.**) Ein Üetachement, bestehend aus 21Ö Pferden 
(80 Kürassiere, 80 Dragoner und 50 Chevaulegers) kam nebst 
2 zwölfpfünder Kanonen und 2 Haubitzen nach Hemau, wo es unter 
die Befehle des Generalmajor Nogarolla trat: »pour servir d'apres le 
concert entre le dit general et Mr. de Klenau.«***) Hierauf rittlings 
auf die Straise Nürnberg-Regensburg gestellt, wurde es nach Pu- 
blikation der WafPenstillstandsverlängerung von Stadtamhof bis 
Sulzbach echelonirt. Schon am 10. September hatte Graf Dietrichstein 
vom Kurfürsten verlangt »er solle augenblicklich die ohnehin 
schon nach Neumarkt bestimmten Bataillone oder wenigstens 6 davon, 
im stärksten Eilmarsche über Ensdorf und Burglengenfeld nach 
Kelheim dergestalt beordern, dafs selbe in letzterem Orte Morgen 
den 11. eintreffen.« f) 

Die gallo-batavische Armee war einige Tage vor Ablauf des 
Waffenstillstandes aus ihren Kantonierungen im Limburgischen und 
zwischen Lahn und Nidda aufgebrochen. Sie bestand aus den Di- 
visionen Duhesme (7 Bataillone, 16. Dragoner-Regiment 300 Pferde, 
1 Compagnie Artillerie), Barbou (6 Bataillone, 4. Dragoner-Regiment 
500 Pferde, 2 Compagnien Artillerie) und Dumonceau (batavische 
Division: 9 Bataillone, 2 Schwadronen Husaren) und einer Kavallerie- 
Reserve zu 4 Schwadronen unter General Treilhard; Generalstabs- 
Chef war General Andreossy und Commandeur der Artillerie General 
Macors. Nachdem Augereau die Nidda überschritten hatte, löste 
die Division Barbou jene des Generals Souham in Frankfurt ab. 
Souham gehörte zum Corps des Niederrheins unter Sainte-Suzanue 
und bildete dessen äufsersten linken Flügel. . Diese Bewegung 
Augereau's veranlafste Albini die Stadt Aschaffenburg zu räumen, 
wo die Franzosen am 11. September einzogen. Die französische 
Avantgarde ging sofort durch den Spessart und besetzte Lohr, 
Triefenstein und Miltenberg; sie schob Posten bis Gemünden und 
Saalmünster vor; die Kavallerie stand bei Gelnhausen. Augereau 
war eben im Begriff die Feindseligkeiten zu eröffnen, als der Waffen- 
stillstand in Hohenlinden, 20. September, verlängert wurde. Die 



*) Gerneth, Geschichte- des 5. Infanterie- Regiments, 592, 593. 
**) Schintling, v., Tagebuch, 113, 114, 115. 
***) Das Detachement hatte Oberst Hope, Amberg 20. September, verlangt. 
K.-Ä 1800 TU— XII. 

t) Kriegsarchiv 1800 VH-Xn. 



=^ 105 — 

gallo-batavische Armee kehrte hierauf in ihren Kantonierungen an 
die Nid da zurück. 

Am 6, Oktober bezog das »Auxiliar- Corps« zur Verbindung 
zwischen dem General Simbschen in Franken und dem bei Regens- 
burg stehenden Grafen Klenau nachfolgende Quartiere: Corpsstab: 
Amberg. 1. Infanterie-Brigade, Stab: Sulzbach; Leibregiment 
1. Bataillon Sulzbach, 2. Bataillon Amberg; Bataillon Weichs Auer- 
bach; Morawitzky üietfurt; Junker Kastei; Salern Hohenburg; kom- 
biniertes Depot Grafenwöhr. 2. Infanterie-Brigade, Stab: Fron- 
berg bei Schwandorf; Bataillon Kurprinz Schwandorf; Herzog 
Wilhelm Schwarzenfeld ; Herzog Pius Cham; Regiment Preysing 
1. Bataillon Regenstauf, 2, Bataillon Kaimünz; Legion Pruck. 
Kavallerie-Brigade, Stab: Amberg; Minucci Kürassiere, 4 Schwa- 
dronen Neumarkt; kombinierte Dragoner 4 Schwadronen: Hirschau, 
Luhe, Wernberg, Wildenau, Weiden; kombinierte Chevaulegers, 
2 Schwadronen, ferner Depot und unbrauchbare Pferde: Weiden, 
Freistadt, Hilpoltstein, Allersberg. Artillerie-Brigade Rosenberg 
(bei Sulzbaeh). Lazarette Ensdorf, Eltmannsdorf, Gnadenberg, 
Seligenporten, Vohenstraufs und Winklarn. 

Im Laufe des Oktober war bekanntermafsen die »Koutingents- 
Brigade« unter Generalmajor v. Bartels zum »Auxiliar-Corps« gestofsen, 
wodurch demselben eine Vermehrung geübter und kriegserfahrner 
Truppen zuging. Es waren die Bataillone Weichs (2. Bataillon) 
und Salern, welche in Ulm, und L Bataillon Pius, das längere Zeit 
in Philippsburg gestanden; namentlich hatte sich das Bataillon Pius 
bei den verschiedenen Unternehmungen der Franzosen auf Philipps- 
burg i. J. 1799, wie wir gezeigt, rühmlich hervorgethan. Die Ba- 
taillone Weichs und Salern kamen nach Kemnath; Bataillon Pius 
nach Falkenberg. Von Falkeuberg aus mufste das Bataillon Pius 
die böhmischen Lehensherrschaften Reuth und Premenreuth durch 
Detachements besetzen lassen, um dem Kurfürsten von Bayern seine 
landeshoheitlichen Rechte in den einschlägigen Orten gegen Osterreich 
zu sichern. Beim Einmarsch der bayerischen Detachements wurde 
die bisher dort gestandene österreichische Kordonmaunschaft ab- 
berufen.*) 

Am 15. November betrug die Stärke des Corps: 12,648 Mann 
und 2620 Pferde und jene der »Kontingents-Brigade« 2721 Mann, 
somit zusammen: 15,369 Mann mit 42 Geschützen.**) 



*) Gerneth, 594. 
**) Siehe Anmerkung auf der nächsten Seite. 



— 106 — 

Am 18. November befand sich das „Auxiliar-Corps" in folgenden 
Stellungen. Stabsquartier in Amberg. Die 1. Infanterie- 
Brigade (Lupburg) und zwar das Leibregiment in Sulzbacli und 
Amberg, Bataillon Weichs in Sulzbacli und Revier, Morawitzky in 
Beratzhausen u. R., Junker in Kaimünz u. R., Salern in Laber u. R., 
Depot in Grafeuwöhr. 2. Infanterie-Brigade (Schwandorf) 
Bataillon Kurprinz in Burglengeufeld u. R., Wilhelm in Schwarzen- 
feld, Pius in Schwandorf u. R., Preysing in Regenstauf, Legion in 
Rieden. Kavallerie-Brigade (Amberg) Minucci Kürassiere, 
4 Schwadronen, in Hirsebau u. R., Dragoner, 4 Schwadronen, Kastei 
u. R., Chevaulegers, 2 Schwadronen, Hohenburg u. R. Depot in 
Weiden. Corps- Artillerie (Hahnbach) in Schwarzenfeld. Laza- 
rette in Waldau, Vohenstraufs und Tirschenreut. 



* 


) 














Abtheilung 


Bat 


Komp. 


Effektiv- 
stärke 


Sollstärke 




Bemerkung 


i / Leibregiment . . 


2 


10 


1368 


2183 


4 






Weichs 


1 


5 


800 


1088 


2 




^^ä 


Morawitzky . . , 


1 


5 


831 


1088 


2 




^'M 


Junker 


1 


5 


986 


1088 


2 




tA 


. Salern 


1 


5 


940 


1088 


2 


Depot d Infanterie 299 M. 




Summa: 


6 


30 


4925 


6535 


12 





't-i 'oi 
C 'S 



Kurprinz 

Herzog Wilhelm 
Herzog Pius , . . 

Preysing 

. Legion 



Summa: 



5 

5 

5 

10 

4 



6 29 



820 
1010 
1053 
1131 

491 



4505 



1096 
1097 
1088 
2183 
705 



6169 



12 



^'2 1 Kürassierregiment 

>-^] Dragoner 

W "^ IChevaulegers . . . 

Summa: 

Artillerie 

Fuhrwesen 

42 ^. [ Salern 

|,| I Weichs 

•J -^ 1 Pius 

^ I Artillerie .... 

Summa 



Schwd. Mann 
IRegt.l 4 598 

4 I 556 



1 komb 
Regt. 



301 



Pferde 


Mann 


Pferde 


523 


602 


584 


549 


602 


584 


292 


301 


292 


1364 


1505 


1460 



Depot der EavaUerie : 
627 Mann 131 Pferde. 




566 



4 Sechspfünder und 4 
Zwölfpfünder Kanonen n. 
4 Siebenpfd. Haubitzen. 



6 Geschütze 



— 107 — 

Simbschen, welcher am 21. November in Neuhof stand, schrieb 
au diesem Tage an Herzog Wilhelm: »Um die gestern noch in 
Aschaffenburg gestandene Mainzer Truppe unter Albini nicht gänzlich 
zu verlassen, und mit der Festung Würzburg die Kommunikation 
• nicht gleich zu verlieren, so bin ich genöthigt mit dem Gros meiner 
Division hinter Bamberg aufzustellen, und solche nach und nach zu 
sammeln!« Bei Roth hatte Simbschen ein »Streif-Kommando« 
stehen. Aufser den mainzischeu (Aschaffenburger) Subsidien-Truppen 
befand äich auch das »würzbnrgische Subsidien-Regiment« bei der 
Division Simbschen. 

Um Simbschen und Klenau unterstützen zu können, nahm das 
Corps am 22. November eine koncentrierte Stellung bei Neumarkt. 
Während von der 1. Infanterie-Brigade das Leibregiment und das 
Bataillon Weichs in Amberg und Sulzbach verblieben, mufste das 
Bataillon Morawitzky nach Deining, Junker nach Velburg und 
Salem nach Parsberg marschieren. Die ganze 2. Infanterie-Brigade 
besetzte Neumarkt. Von der Kavallerie-Brigade rückte das Kü- 
rassier-Regiment nach Illschwang, die Dragoner nach Neumarkt, 
die Chevaulegers nach Allersberg and die Artillerie-Reserve nach 
Kastei. Diese Bewegung war schon vollzogen, als auf Grund einer 
neuen Disposition das Corps in die Linie Sulzbach-Regenstauf zurück- 
gehen mufste.*) Es bezog folgende Kantonierungen: 

1, Infanterie-Brigade. Stab in Sulzbach. Leibregiment 1. Ba- 
taillon Amberg, 2. Bataillon Sulzbach. Weichs in Sulzbach und 
Rosenberg. Morawitzky in Kastei. Junker in Hahnbach. Salern 
in Neukirchen. Depot in Grafenwöhr. 2. Infanterie- Brigade 
Stab: Schwandorf. Kurprinz in Burglengenfeld. Herzog Wilhelm 
in Schwarzenfeld. Herzog Pins in Schwandorf. Preysing 1. und 
2. Bataillon in Nabburg. Legion Rieden. Kavallerie-Brigade: 
Kürassier-Regiment Minucci stand bei Weigendorf und unterhielt 
die Verbindung mit Lauf, wo Major Graf Wartenslebeu von Blanken- 
stein-Husaren stand. Die Dragoner besetzten Neumarkt und wurden 
durch das in Kastei stehende Bataillon Morawitzky unterstützt. 
Die Chevaulegers lagen westlich Neumarkt: in Pölling, Stauf, 
Berngau, Seligenporten, Reichertshofen. Die Dragoner zu Neumarkt 
dienten den Chevaulegers zur Unterstützung. Die Artillerie-Re- 
serve kam nach Schwarzenfeld; sie mufste 2 zwölfpfunder Kanonen 
und 2 Haubitzen für die Infanterie nach Sulzbach abstellen. Die 
»Kontingents-Brigade« besetzte Hirschau und Schnaittenbach. 



*) Gerneth, 595. 



— 108 - 

Der Wiederausbruch der Feindseligkeiten stand bevor. Nach 
dem französischen Kriegsplane sollte Augereau die Regnitz erst 
dann besetzen, wenn Moreau den Inn überschritten haben würde; 
er sollte alsdann Parteien gegen Böhmen vorgehen lassen, um den 
Gegner zu beunruhigen, ohne sich jedoch zu kompromittieren. 
Augereau beklage sich zwar und das mit einigem Rechte über die 
Schwäche seines Corps; es sei aber unmöglich für den Augenblick 
Abhülfe zu schaffen.*) General Klenau hätte damals, verstärkt 
durch das »Auxiliar-Corps«, bei Winzer über die Donau gehen und 
von da aus, Ingolstadt rechts lassend, den feindlichen linken Flügel 
im Rücken angreifen sollen. Lauer rechnete darauf, dafs Simbschen 
und Szenkeresti, sowie die Citadelle Marienberg bei Würzburg, 
hinreichen würden, den General Augereau abzuhalten, an die Regnitz 
vorzugehen.**) 

Bei der gallo-batavischen Armee war der Waffenstillstand schon 
»m 9. November anfgekündigt worden. Augereau hatte am 25. No- 
vember die Feindseligkeiten eröffnet, indem er an diesem Tage 
Aschaffenburg dem Mainzer Landsturm abnahm, Albini ging hierauf 
nach Fulda zurück und erschien nicht mehr auf dem Kriegstheater. 
Während die Divisionen Duhesme und Barbou gegen Schweinfurt 
vorgingen, rückte die Division Dumonceau vor Würzburg; letztere 
erzwang eine Kapitulation, derzufolge ihr die Stadt Würzburg aus- 
geliefert wurde; Mainviertel und Citadelle blieben im Besitz der 
Österreicher. Feldmarschal- Lieutenant Simbschen, 10,756 Mann 
stark, stand bei Burgebrach, auf der Strafse Würzburg-Bamberg; 
seine Patrouillen streiften bis Zeil am rechten Mainufer. In der 
Meinung, die ganze gallo-batavische Armee vor sich zu haben, gab 
Simbschen seine Stellung am linken Regnitzufer auf und zog sich 
in der Richtung auf Hersbruck zurück. Augereau ging bis an die 
Regnitz und besetzte Bamberg und Forchheim; seine Patrouillen 
kamen bis Nürnberg. 

In Betreff des Operationsplanes schrieb Feldmarschall-Lieutenaut 
Klenau am 26. November aus Burglengenfeld an Oberst Hope: 

„D'apres le resultat de la Conference tenue au sujet des Operations combinees 
du Corps auxüiaire et de la grande armee I. et R. vue que los ordres que j'ai 
re^us jusqu' ici du quartief-general m'obligent ä rester pres du danube pour etre 
comme corps mobile a portee de Tun et de l'autre, je consens k ceder pour le 



*) Carnot an Moreau, 2. Septbr. 1800. Memorial general du depöt de la 
guerre, 5, 203, 204. 

**) Memorial generale etc. 5, 155. 



— 109 — 

sei'vice et la sürete du corps auxiliaire, dans sa premiere position de Sulzbach et 
Amberg, et en dernier lieu, Schwarzenfeld, une division de cavallerie legere sous 
le commandement du lieutenant-colonel Prokofsky des ulans, qui aura le comroan- 
dement des avantpostes de l'aile gauche, dont le point central sera Hemau, les 
Operations de la grande armee pouvant m'obliger de passer le danube, je me vois 
d'un autre cote dans la necessite de demander du corps auxiliaire 3 bataillons 
a ma disposition, qui puissent etre employes, tant au soutien du poste de Hemau, 
que pour couvrir le point de Stadtamhof ou Eatisbonne meme, et assurer notre 
communication." 

Herzog Wilhelm sprach sich hierbei wie folgt aus:*) 
„D'accord avec Mr. de Klenau sur Tutilite de la reunion de nos forces sur 
la rive gauche du danube, j'y porte sur le champ la brigade du general Nogarolla 
et je dirigerai vers ce meme but le reste du corps auxiliaire, du moment, que le 
Courier envoye a Mr. de Simbschen m'aura appris le parti auquel ce general se 
sera detennine, d'apres la requisition, que nous lui avons faite en commun, et 
meme encore avant, si les circonstances deviennent tellement pressantes, que Ton 
ne puisse attendre d'avantage le dit courrier, sans compromettre la surete de mon 
Corps ici. Vous invitant, Mr., ä vouloir bien piendre sur Vous la responsabilite 
vis-a-vis du general de Simbschen, si dans ce cas — lä il se trouvait avoir fait en 
partie d'apres ma requisition une marche qui ne le menät pas au but propose." 

Die 3 Bataillone, welche Klenau von dem Herzog Wilhelm 
begehrt hatte, stellte dieser von dem Eiuflufs der Naab in die Donau 
bei dem Dorfe Marienroth angefangen bis nach Burglengenfeld. 
Generalmajor Nogarolla, welcher sein Stabsquartier in Etterzhauseu 
genommen, verteilte hierauf seine Brigade am 29. November folgender- 
mafeen. Das Bataillon Kurprinz und die Legion rückten nach 
Kaimünz; Bataillon Herzog Wilhelm nach Beratzhausen ; Bataillon 
Herzog Pius nach Etterzhauseu und Regiment Preysing nach Burg- 
lengenfeld. »Durch diese SteUung hinter dem Naabflufs« — sagt 
Generalmajor Nogarolla — »kann ich um so leichter die Altmühl 
observieren, und meine Streitkräfte bei den drei Brücken: Etterz- 
hausen, Kaimünz und Burglengenfeld, die über diesen Flufs führen, 
am leichtesten sammeln. Zum Vorpostendienst ist mir der öster- 
reichische Oberstlieutenant Prokofsky vonMerveldt Ulanen mit 1 Schwa- 
dron Ulanen und 1 Schwadron Kaiser Husaren, dann eine Grenadier- 
Compagnie von Roverea Schweizer nebst einer Schützen -Abteilung 
beigegeben. Ebenso ist mir V2 Batterie nebst einem Artillerie- 
Offizier zugewiesen worden. Von Burglengenfeld bis nach Stadt- 
amhof steht die Brigade des Obersten von Raglovich von den 
schwäbischen Kreistruppen. Die Vorposten Kienaus befinden sich 
bei Abach.«*) 



*) Herzog Wilhelm an Oberst Hope, 28. November. 
**) An Herzog WUhelm, dato Etterzhauseu 30. November 1800. 



— 110 — 

Am 30. November Abends liefs Soubam — er stand mit seiner 
Division vom »niederrheinischen Corps« dem General Klenau gegen- 
l[])QY — Beilngries mit 800 Mann Infanterie besetzen, schob 2 Schwa- 
dronen Husaren im Sulzthal bis Blankstetten vor und trieb die dort 
stehenden österreichischen Vorposten bis Berching zurück, von wo 
sich letztere auf Hemau zogen.*) 

Nachdem der Feind am 25. November Regensburg geräumt 
hatte, und am 28. die Feindseligkeiten bei den Haupt- Armeen ihren 
Anfang nahmen, ging Klenau am letzteren Tage, an das rechte 
Ufer »um den Druck auf die gegnerische linke Flanke zu ver- 
stärken.«**) Zur Unterstützung Kienaus traten beim »Auxiliar- 
Corps« am 2. Dezember folgende Veränderungen ein. Stabsquartier 
der 1. Infanterie-Brigade nach Burglengenfeld ; Leibregiment nach 
Kaimünz; Salern nach Taublitz und Saltendorf; Morawitzky nach 
Beratzhausen; Weichs und Junker nach Burglengenfeld; Artillerie- 
Reserve nach Bonholz; 3 Schwadronen vom kombinierten Dragoner- 
Regiment von Schwarzeufeld nach Leouberg und Hirschling. General- 
major Nogarolla hatte den Befehl erhalten, seine Bataillone zwischen 
Laber, Pielenhofen und Zeitlarn d. i. zwischen schwarze Laber, Naab 
und Donau aufzustellen, mit Ausnahme dessen, was zum Soutien 
der Vorposten bei Hemau vonnöten. 

General Klenau rückte am 2. Dezember mit seinem rechten 
Flügel auf Post-Saal, während sein linker Flügel von Altenegglofs- 
heim aus die Richtung auf Langquaid einschlug. Man war überein 
gekommen, dafs, während Klenau bis zur Einmündung der Abens 
in die Donau vorrücke, die Brigade Nogarolla auf dem linken 
Donauufer in gleicher Höhe mit ihm vorgehe und Kelheim weg- 
nehme. Die 1. Brigade nehme indes Stellung zwischen Laber und 
Beratzhausen. »Tont ces mouvements sont compasser profondement 
sur ceux de la grande armee.«***) Die Verbindung mit dem De- 
tachement Mecsery, der wie bekannt gleichfalls auf dem rechten 
Flügel des Erzherzogs vorgehen sollte, wurde hergestellt. Die feind- 
lichen Vorposten, bei Allkofen und Ober-Saal angetroffen, wurden 
mit Verlust von 300 Gefangenen zurückgeworfen; der Feind ging 
auf Neustadt zurück. Bei Peterfeking vereinigte sich die Kolonne 
Walther, welche bei Donaustauf die Donauufer gewechselt hatte, 
mit der Kolonne Mondet, welche nebst der »Reichstruppen-Brigade« 



*) Gerneth, 596. 
**) Gerneth, 596. 
***) Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Schwandorf, 2. Dezember 1800. 
G h. Staatsarchiv, Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 



— 111 — 

auf der Regensburger Strafse marschiert war. Die Brigade Noga- 
roUa begünstigte diese Bewegung durch eine Vorrückung auf 
Kelheim. Der Feind verliefs am 2. Kelheim und warf die Brücke 
hinter sich ab. Nogarolla liefs die Ulanen an einem »schick- 
lichen Ort« die Donau passieren und die Schweizer Jäger von 
Roverea »übersetzen« ; diesen folgten 3 Compagnien von der Legion, 
die dem Vorposten -Commandeur, Oberstlieutenant Prokofsky, zur 
Disposition gestellt wurden. Das Bataillon Herzog Pins besetzte 
Kelheim, indes Bataillon Herzog Wilhelm, welches zum Soutien 
bestimmt war, einstweilen nach Kelheimwinzer und Herrn Saal 
u. R. kam. Den Angriff auf Kelheim schon am Vormittag, 
wo es noch vom Feinde besetzt gewesen, auszuführen, war nicht 
möglich, da die Artillerie wegen grundloser Wege nicht vor 3 Uhr 
Nachmittags »auf der Anhöhe bei Kelheim vorzubringen war, in 
welchem Augenblick selbes auch verlassen wurde.«*) Die Vor- 
posten Kienaus standen am 2. Dezember bei Siegenburg in Ver- 
bindung mit Mainburg. Durch Vorschieben eines Detachements 
gegen Irnsing von seite Nogarollas, wurde die weitere Vorrückuug 
Kienaus auf Abensberg erleichtert. 

Klenau äufserte seine Zufriedenheit über die Mitwirkung der 
2. Infanterie-Brigade nebst dem sehnlichsten Wunsch, eine Gelegen- 
heit zu finden, um die Operationen des kurpfalz-bayerischen Auxiliar- 
Corps durch seine Mitwirkung befördern zu können.**) 

Nach der Besetzung Kelheims durch bayerische Truppen erhielt 
Nogarolla, auf Kienaus Begehren hin, die Weisung mit seiner Halb- 
brigade, »sa demiebrigade«, an das rechte Donauufer überzugehen, 
um die rechte Flanke Kienaus zu decken, indes der »ganze Rest« 
des »Auxiliar-Corps« an die Altmühl vorgehe. Der Feind hatte diesen 
Flufe vollständig geräumt und sich in der Richtung auf Ingolstadt 
zurückgezogen. Klenau folgte ihm bis Pfaffenhofen. Die Avant- 
garde Nogarollas ging von Abensberg nach Geisenfeld. Klenau 
hatte damals dem Herzog Wilhelm den Vorschlag gemacht, zur 
Unterstützung Simbschens mit 8 bis 9 Bataillonen die Donau zu 
passieren, bis Geisenfeld vorzugehen, mit der Hälfte derselben die 
Donau bei Vohburg zu repassieren, auf Eichstädt zu marschieren 



*) Generalmajor Nogarolla an Herzog Wühelm, Kelheim 2. Dezember 1800, 
Geh. Staatsarchiv, Korrespondenz mit dem Herzog Wilhelm. Nogarolla sagt: 
„diese glücklichen Ereignisse sind den Operationen des Grafen Klenau zu- 
zuschreiben, welcher über Pafs Saal vorrückte." 

**) Oberst Prohaska an Herzog Wilhelm, Etterzhausen 3, Dezember 1800. 



— 112 — 

und über Augereau herzufallen. Der Herzog ging hierauf nicht 
ein. *) 

Um mehr Leben in die Operationen seines „Auxiliar-Corps" zu bringen, schrieb 
der Kurfürst am 2. Dezember an Herzog Wilhelm: „1. A toutes les Operations 
oü le comte de Klenau croira la concurence du corps auxiliaire entier necessaire, 
et dont Sans doute il concertera avec vous le but et les details contormement ä 
la Convention de 15 juillet. 2. ä tous les detachemens qu'on vous demandera 
pour un objet fixe et determine et qui vous aura ete communique d'avance, bien 
entendu que les troupes que vous avez pret^es, ou fait avancer, continueront ä 
faire partie de votre corps et vous rejoindront aussitot que le service pour lequel 
on les] a detache, sera acheve; 3. il avait ete question dans le plan dont Mont- 
gelas m'a rendu compte d'une offensive de votre cöte sur l'Altmühl en cas de 
succes de la grande armee; si les chances continuent ä lui 6tre favorable, je 
desirerais fort que cette Operation puisse avoir lieu." Der Kurfürst gab zu 
„meme en passant un peu la frontiere, que si on l'affaiblissait en detachant la 
brigade de Bartels." Hierauf erwiderte Herzog Wilhelm am 3. Dezember aus 
Regenstauf: „1. Je suis en concert et Cooperation parfaite avec le general Klenau. 
2. J'accorde des detachemens quand ils sont utiles au but connu et non de nature 
ä m'exposer aux inconveniens, qu'il m'est preserit d'eviter. 3. Enfin que les Opera- 
tions sur l'Altmühl dont le baron de Montgelas vous a rapporte Monseigneur 
que le plan etait adopte par nous, sont dejä en pleine activite." Er teüte ferner 
mit, dafs die Brigade des General Nogarolla am 2. Dezember Kelheim besetzt 
habe und er am 3. sein Quartier nach Pielenhofen verlegen werde. **) 

Feldmarschall-Lieutenant Simbschen, welcher nach dem Gefechte 
bei Burgebrach, am Scblachttag von Hohenlinden, ***) in die Stellung 
Hirschaid- Forchheim- Gräfenberg, am rechten Regnitzufer zurück- 
gegangen war, hatte auch diese Stellung verlassen, worauf 
Augereau Fürth besetzte. Simbschen's Avantgarde stand in Nürn- 
berg, Lauf und Eschenau; sein Gros befand sich in Altdorf, 
Hersbruck, Hohenstein und Forach. Das »Auxiliar - Corps« 
zog sich hinter die Naab. Die 1. Infanterie - Brigade kam 
zwischen Schwandorf und Schwarzenfeld und die 2. zwischen Burg- 
lengenfeld und Bonholz zu stehen, f) Von der Kavallerie-Brigade 
rückten die Dragoner nach Burglengenfeld , die Kürassiere nach 
Schwarzenfeld und die Chevanlegers wurden angewiesen, das Streif- 
Corps des Rittmeister Scheibler zu unterstützen; sie sollten einst- 

*) Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Laber den 5. Dezember. Geh. St.-A. 
Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 

**) Geh. St.-A. Korrespondenz mit Herzog Wühelm. 

***) „Le colonel Hope vient de me joindre et de me communiquer une lettre 
confldentielle du general Klenau qui dit le fin mot: echec considerable sur 
l'aile gauche" (Hohenlinden). Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Laber, 5. De- 
zember. Geh, St. A. Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 

t) Am 5. Dezember befand sich Generalmajor Nogarolla in Kelheim, die 
Bataillone Herzog Wilhelm und Kurprinz in Pointen, Regiment Preysing in Hemau 
und der Rest der Brigade bei Abensberg. 



— 113 — 

weilen bei Kastei und Ursensollen Stellung nehmen, um von dort 
aus, die Hauptstrafse und die Seitenwege abzupatrouillieren , sowie 
auch die Verbindung über Amberg mit Klenau und mit Schwandorf 
zu unterhalten, wo Herzog Wilhelm am 8. sein Stabsquartier ge- 
nommen. 

Am 8. Dezember wurde Kriegsrat gehalten. »Le resultat de 
cet entretien est que nous sommes convenus d'un plan d'operations 
comme aux trois corps reunis, mais dout chacun a sa täche separe- 
ment et bien determine et qui offre le double avantage de pouvoir 
devenir offensif selon les circonstances et d'assurer imanquablement 
le moyen d'executer l'autre, en cas que l'offeusive ne peut pas etre 
tentee oü meme qu'elle ne reussit pas. L'avantgarde du general 
Klenau marche pour cet effet demain ä Hemau, la mienne ä Neu- 
markt et le reste de mon corps depuis Sulzbach et Amberg et 
environs. Je me rends dans cette capitale apres demain.«*) Betreffs 
der näheren Ausführung war festgesetzt worden, dafs Klenau mit 
2000 Mann nach Hemau vorrücke, und wenn der Angriff auf 
Augereau festgesetzt sein werde, mit 5000 Mann Infanterie und 
10 Schwadronen nach Neumarkt marschieren solle. Herzog Wilhelm 
übernahm es, mit 3 Bataillonen und 2 Schwadronen am 10. Neu- 
markt und Kastei zu besetzen und den Rest seines Corps in enge 
Kantonierungen zwischen Amberg und Sulzbach zu verlegen.**) 
Klenau teilte dem Herzog aus Regensburg (am 9.) mit, dafs eine 
Brigade unter Oberst v. Raglovich mit dem Auftrag nach Hemau 
marschieren werde, »sich genau in steter Verbindung mit dem morgen 
bei Neumarkt anlangenden kurfürstlichen Korps zu erhalten, und 
die Gegend von Beilngries und Hemau zu observiren.« Und Ra- 
glovich verständigte den bayerischen Detachement-Commandeur in 
Neumarkt, dafs er auf Befehl Klenau's mit dem schwäbischen 
Kreis -Regiment Fürstenberg, 1 Bataillon Waiachen (Rumänen) 
und 1 Schwadron nach Hemau detachiert worden sei, um die 
Strecke Kelheim-Dietfurt zu beobachten, zugleich auch die Ver- 
bindung mit dem bayerischen Detachement in Neumarkt zu unter- 
halten. Von Dietfurt bis Breitenbrunu befinde sich eine »Ver- 
bindungs- Vorpostenkette« . 

Von den feindlichen Patrouillen, welche sich damals in der 
Gegjend von Kipfenberg, Eichstädt und Denkendorf herumtrieben, 
war auch eine, 15 Mann vom Husaren -Regiment Chamborau, nach 

*) Herzog Wühelm an den Kurfürsten, Schwandorf, 8. Dezember. Geh. St.-A 
Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 

**) Österr. milit. Zeitschrift, 1836, 4, 196, 197. 

S 



— 114 — 

Beilngries gekommen und hatte dort eine bayerische Chevaulegers- 
Patrouille, bestehend aus 1 Gefreiten und 3 Mann, überfallen. Die 
3 Gemeinen wurden gefangen; der Gefreite rettete sieh, indem er 
sich mit seinem Pferd in der Behausung des Gerichtsdieners ver- 
steckte. 

Die beiden Chevaulegers-Schwadronen waren zu dieser Zeit in 
folgender Weise verwendet. Die eine, »pfälzische Eskadron« be- 
nannt, patrouillierte von Neumarkt aus in der Richtung gegen 
Allersberg, Seligenporten , Postbaur, Altdorf und Berg; in Seligen- 
porten und Berg standen je 1 Unteroffizier und 12 Mann; der Rest 
der Schwadron befand sich in Neumarkt. Durch obige Patrouillen 
wurden die drei Strafsen nach Nürnberg gesichert und die Ver- 
bindung mit dem in Altdorf stehenden österreichischen Husaren- 
posteu unterhalten. Die andere Schwadron, »die bayerische« be- 
nannt, hielt nachstehende Punkte besetzt: Mühlhauseu mit 1 Offizier, 
1 Unteroffizier und 20 Mann; Pollanten mit 1 Unteroffizier und 
6 Mann; Berching mit 1 Offizier, 2 Unteroffizieren und 24 Mann; 
Holnstein mit 1 Unteroffizier und 4 Mann ; Staufersbuch mit 1 Unter- 
offizier und 4 Mann und Gimpertshausen mit 1 Offizier, 1 Unter- 
offizier und 18 Mann. Diese Schwadron unterhielt die Verbindung 
mit dem Detachement Raglovich in Hemau. Rittmeister Scheibler 
streifte westwärts. 

Wiederholt war dem Herzog zur Pflicht gemacht worden, jede Teilung seines 
Corps zu vermeiden. „Vous etes penetre tout comme moi de ne pas laisser diviser 
le Corps, c'est un point sur lequel je ne reviendrai plus" — schrieb der Kurfürst 
am 11. Dezember an den Herzog. Dieser erwiderte am 13: „V. A. E. peut 
compter au reste, que je tacherai toujours de combiner les Operations avec le double 
but que vos ordres me prescrivent de tenir le corps ensemble et k portee de sa 
jonction avec le general Deuxponts." 

Um das am 8. geplante Vorhaben vollständig auszuführen, war eine zweite 
Konferenz nöthig. Zu diesem Zweck versammelten sich am 14. die Generale Simbschen 
imd Klenau bei Herzog Wilhelm in Amberg. „La proposition a ete de marcher 
sur Augereau avec l'aile droite, forme par le corps de Simbschen et la reserve 
qui serait mon corps, tandis que Klenau formant l'aile gauche de Neumarkt 
tacherait d'arriver sur ses derrieres." Nach längerer Berathung kam man überein, 
„que je me Charge 1. d'observer l'Altmühl avec un detachement; 2. que j'occupe 
Altdorf et les defiles entre ce point et Hersbruck, enfin 3. que je renforce Simbschen 
avec 3 bataillons." Die österreichischen Generale hatten Befehl erhalten „de ne 
pas avancer plus de deux ou trois marches et je pense que toute leur ambition 
est de rejeter les fran9ais derriere laEednitz.*)" 

Gedrängt durch die englischen Kommissäre, die sich im Stabsquartier des 
Herzogs und in der Umgebung des Kurfürsten befanden, wünschte man mehr 
Aktivität in den Operationen. Ein Brief des Grafen Montgelas v. 15. Dezember 

*) Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Amberg 13. Dezember. Geh. Staats- 
archiv. Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 



— 115 — 

an den Quartiermeisterlieutenant Major v. Verger giebt uns hierüber den besten 
Aufschlufs. Er lautet: 

„Je suis fort aise que Son Altesse Serenissime se soit pret^e ä la demande 
qui lui a ete faite relativement ä un nouveau plan d'operations. Prohaska, Hope 
et compagnie jettaient dejä ici les hauts cris contre ce qu'ils appellent soninactivite 
et son indecision; le pauvre Drake est chauffe par eux, se tremousse san cesse 
et sans fin ; il parle beaucoup guerre ; je ne suis pas du metier ni par consequent 
ä meme d'en juger, mais ä vue de paix il n'y eutend rien et se trouvs sans cesse 
la dupe des plans que lui presentent l'imagination ardente, Tambition des generaux 
et Tesprit de tracasserie des subalternes. Si quelque chose pouvait me degouter 
de l'alliance anglaise, ce serait le renouvellement continuel de toutes ces miseres. 
Continues mon eher Verger ä cultiver la confiance, que Monseigneur le duc vous 
temoigne, täches qu'il y ait un peu plus d'activite dans les Operations, 
et que surtout on ne perde pas de vue ce qui peut faciliter la reunion du corps 
auxiliaire. Je ne suis pas sans inquietudes sur la maniere dont les ordres de 
l'Electeur la dessus seront executes. La desunion des chefs me fait peur, il ne 
laisse pas que d'y avoir des difficultes locales ä surmonter»" 

Am 15. genehmigte der Kurfürst den am 14. festgesetzten Plan: „Vous puissiez 
concourir au plan offensif sur Augereau qui a ete forme par les generaux 
Simbschen et Klenau, dont la reussite assurera la surete du haut palatinat de ce 
cote."*) 

Auf die Vorwürfe, welche Oberst Hope dem Herzog in Betreff der Operationen 
machte, erwiderte dieser: „Je vous declare formellement et positivement, Ms., 
qu'avant le 16 du present mois je n'ais ete muni d'aucun plein-pouvoir In- 
struction ou ordre quelconque, qui m'eut preserit, ni meme autorise, de faire de- 
passer aux troupes du corps auxiliaire les limites, dans lesquelles la Convention 
d' Amberg circonscrit leur champ d'operations, le seul cas d'une retraite forcee, 
accepte. II vous plaira de remarquer, que neanmoins des le 14 je consentis ä 
occuper Altdorf et la ligne entre cette ville et Hersbruck, par consequent ä 
cooperer au dela de uos frontieres ä l'operation offensive proposee. Le dit 
16 je recus la premiere fois Vordre d'agir hors du pays, en passant un peu la 
f rentiere, c'est le terme propre de la depeche, et je m'offris sur le champ, 
vous le savez. Ms., ä marcher jusqu'ä la Eednitz."**) 

Über die Zusammenkunft in Amberg und die Vorwürfe, welche von 
englischer Seite dem Herzog Wilhelm gemacht wurden, spricht sich dieser in 
seinen Aufzeichnungen***) wie folgt aus: „Von den Generalen Klenau und Simbschen 
wurde auf einen abermaligen Zusammentritt angetragen, und ein neuer Operations- 
plan vorgelegt. Es handelte sich nämlich um einen Angriff gegen das Korps, 
das in Franken unter Augereau stand. Die Mitwirkung des Korps wurde ange- 
sprochen und zwar in einer Ausdehnung, wozu ich durch die Instruktion vom 
September nicht autorisirt war; das Zweckmäfsige von der Ausführung des Ent- 
wurfs wohl einsehend, nahm ich es über mich (N. B. es war den 14. Dez.), mich 
bereit zu erklären, durch eine theilweise Ueberschreitung unserer Grenze, also auch 
meiner Instruktion, die Gesammtbewegung zu unterstützen." 

„Am 16. nämlichen Monats bekam ich von Bayreuth den Befehl, den beschlossenen 
Angriff mittelst einer Vorrückung über unsere Landesgrenze (en passant un peu 

*) Geh. St.-A. Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 
**) Geh. St.-A. Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 
***) Herzogliches Hausarchiv. 



— 116 — 

la frontiere) zu unterstützen. Sogleich, noch selbigen Tags, erklärte ich den 
fremden Kommissären im Hauptquartier, nun sei ich bevollmächtigt und bereit, 
noch weiter mit den österreichischen Truppen vorzurücken, als mir noch vorgestern 
zu versprechen, erlaubt war. Nun denke man sich, wie betroffen aber auch wie 
empört ich des folgenden Tages sein musste, als ich durch den Obersten Hope die 
Mittheilung einer offiziellen Note bekam, worin am nämlichen 16. der Gesandte 
Dracke sich bei dem Minister Montgelas über mich beklagt, weil ich, ungeachtet 
meiner Ermächtigung dazu, welche der Minister ihm mündlich versichert habe, 
nicht wollte zu der offensiven Bewegung mitwirken. Er könne nicht umhin, seinem 
Hof die Anzeige zu machen, von dem Benehmen des kommandierenden Generals 
der Bayern, das dem Zweck der verbundenen Mächte eben so nachtheilig als ein 
„sträflicher" Ungehorsam gegen den eigenen Souverän wäre. Die Lüge, dass ich 
am 14. einen Befehl hätte vollziehen können, den ich erst am 16. bekam und auch 
nicht eher bekommen konnte, weil er am 15. zu Bayreuth ausgefertigt worden, — 
eine solche Lüge, sage ich, war leichter aufzudecken, als wie die schuldige Genug- 
thuung zu verschaffen. Da es mir nicht gelang einen andern Bescheid zu be- 
kommen als derlei Tracasserien zu verachten, so musste ich mich begnügen, dem 
Geandten Dracke zu überlassen, dieses Gefühl dem Tracassier selbst zu widmen, 
nachdem er durch die Aufklärung der Wahrheit auch meine energische Reklamation 
von dem Oberst Hope erfahren hatte. Nach drei Tagen erhielt ich von dem geraden 
Briten die Anerkennung meiner Unbescholtenheit, deren Vertheidigung, wenn es 
auch nur der eigenen Waffenehre halber gewesen, ich in Bayreuth nicht erhalten 
konnte. Ich bekam ein offizielles Schreiben vom Gesandten Dracke des Inhalts: 
unerklärbar bleibe es ihm zwar, woher der Missverstand gekommen, der ihn zur 
Erlassung der Note veranlassen musste, jetzt aber habe er aus meinem Erlasse an 
Oberst Hope eine so erschöpfende üeberzeugung in Betreff meines Verhaltens 
entnommen, dass er die in der fraglichen Note geäufserte Anklage hiermit förmlich 
und feierlich widerrufe und im nächsten Bericht an seinen Hof das Zeugniss 
niederlegen werde, von meiner unverrückten und strengen Pflichterfüllung. " 

Als Folge der Amberger Verabredung traten nachstehende 
Veränderungen ein. Am 15. Dezember marschierten 2 Bataillone 
(1 vom Leibregiment und Junker) nebst 2 Schwadronen Chevaulegers 
von Neumarkt nach Hemau und übernahmen von dem Obersten 
V. Raglovich, der eine andere Bestimmung erhalten, die Beobachtung 
der Altmühl; das Kommando über das »Observations-Detachement 
an der Altmühl« führten die Obersten v. Ow (Infanterie) und v. Zandt 
(Kavallerie). Oberstlieutenant Prokofsky ging am 15. von Dafswang 
nach Neumarkt und zog eine Chaine von Ferrieden gegen Altdorf. 
Klenau fand sich am 16. in Neumarkt ein. Prokofsky ging hierauf 
nach Altdorf, zog die Chaine gegen Hersbruck und beobachtete zugleich 
die Avenuen von Feucht und Nürnberg. Da sich der Herzog an- 
geboten hatte, Altdorf und alle Defileen zwischen dieser Stadt und 
Hersbruck zu besetzen, wurden die Bataillone Kurprinz, Weichs und 
Pius unter Oberst Serego nach Altdorf detachiert.*) Die »Kontingents- 

*) Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Amberg 17. Dezember: „Or je 
m'etais offert d'occuper avec mes troupes Altdorf et tous les defiles, entre cette 



— 117 — 

Brigade« unter Generalmajor Bartels, welche am 14. Dezember gleich- 
falls in englischen Sold getreten war,*) wurde dem Feldmarschall- 
Lieutenant Simbschen unterstellt »jedoch mit dem ausdrücklichen 
Vorbehalt des Herzogs Wilhelm, dafs sie seinen Befehlen unter- 
geordnet bleibe.« Die Brigade rückte von Burglengenfeld , wo sie 
sich Anfangs Dezember vereinigt, über Freihöls in die Umgegend 
von Hersbruck. **) Der Rest des »Auxiliar-Corps« wurde dergestalt 
zwischen Sulzbach und Hersbruck aufgestellt, dafs das Pegnitzthal 
von Velden an abwärts gedeckt — somit der Rücken Simbschen's 
geschützt war. Der Posten in Altdorf sicherte die Verbindung mit 
Klenau — und Oberstlieutenant Prokofsky cotoyierte während der 
Vorrückung Kienaus seine Avantgarde in der Richtung auf Nürn- 
berg. Rittmeister Scheibler ging mit seinem Streif-Corps, verstärkt 
durch ein Detachement Chevaulegers, von Allersberg gegen Pleinfeld 
und Weifsenburg vor. Zur Bewachung der Donau blieb eine schwache 
österreichische Brigade unter Generalmajor Walther in Regensburg. 

Augereau sollte rasch geschlagen und mit vereinten Kräften 
ein paar Märsche verfolgt werden. Wenn dies geschehen, sollte 
sich Simbschen mit dem Feinde beschäftigen und Klenau zur 
Deckung der Altmühl und Donau wieder zurückkehren. Die drei 
Corps zählten zusammen 32,689 Mann, von denen 6091 Mann 
Kavallerie mit 109 Geschützen. Augereau hatte dagegen kaum 
15,000 Mann.***) Welche brillante Resultate hätten sich bei einer 
energischen, geschickten und einheitlichen Heerleitung unfehlbar 
erreichen lassen! 

Zum Vollzug wurde folgendes bestimmt. Bei der neuen Dis- 
lokation des »Auxiliar-Corps« hat Oberst Ow mit den unterhabenden 
2 Bataillonen — vom Leibregiment und Junker — zu Hemau zu 
verbleiben und nebst den 2 Schwadronen Chevaulegers die Be- 



ville et Hersbruck et le colonel Serego au moment oü j'ecris, doit encore etre 
dans Altdorf avec les bataülons: prince electoral, Weichs et Pie, oü je Tai envoye 
des apres la conclusion de ce concert, dont le reste a demeure sans exemtion, 
comme je le dirai plus bas," Geh. St.-A. Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 

*) Die Geschichte des 4. Infanterie-Eegiments von Hoffmann macht hiervon 
zum erstenmal (489) Erwähnung. Eine archivale Notiz sagt: „Vom Militär- 
Kommissär und Obersten Hope an Herzog Wilhelm in Amberg, 14. Dezember 

1800 den weiteren Kontrakt wegen Übernahme der unter General Bartels stehen- 
den Infanterie-Brigade in englischen Dienst, gegen monatlich 40,000 Gulden." Die 
Brigade empfing 20,000 Gulden, da sie, nebst den übrigen Truppen, am 1. Januar 

1801 aus englischer Verpflegung trat. 
**) Hoffmann 489, 490. 

***) Österr. milit. Zeitschrift, 1836, 4, 211, 212. 



— 118 — 

obachtung der Altmühl zu besorgen. Am 17. wird noch eine Schwa- 
dron von Kaiser-Husaren an der Altmühl stehen bleiben. Übrigens 
wird Oberst Ow an die Befehle des Generalmajor Gaza gewiesen, 
welcher sein Quartier in Parsberg nimmt. Ebenso wird General- 
major Graf Tauffkirchen bei seinem Eintreffen in Hemau das Kom- 
mando über die Kavallerie übernehmen, wovon der Oberst v. Zandt 
zu verständigen ist. Das Bataillon Herzog Wilhelm, welches zu 
Beratzhausen liegt, dient dem Posten von Hemau zur Unterstützung. 
Das 1. Bataillon vom Leibregiment*) und die Bataillone Morawitzky 
und Salern haben sich in Marsch zu setzen. Ebenso die noch 
zurückstehenden 4 Bataillone der Brigade des Generalmajor Nogarolla. 
Die Legion bleibt als Reserve in ihrer Kantonierung. Regiment 
Preysing versieht zugleich, wenn es nötig sein sollte, den Garnisons- 
dienst in Regensburg. Die- Bataillone Kurprinz, Weichs und Pius 
bleiben bis auf weiteres noch unter dem Kommando des Obersten 
Serego zwischen Regnitz und Altmühl als Avantgarde des rechten 
Flügels stehen. Das Stabsquartier des Corps kömmt nach Neumarkt, 
wenn General Klenau von dort abgezogen sein wird. Generalmajor 
Nogarolla begiebt sich nach Stadtamhof , die Artillerie - Reserve 
nach Kastei und Regenstauf. Die Kavallerie-Brigade**) bezieht nach- 
stehende Stellungen: Major v. Schmidt mit 2 Schwadronen Kürassiere 
wird an die Avantgarde unter Oberst Serego gewiesen und stellt 
sich in der Nähe von Hilpoltstein auf* die übrigen 2 Schwadronen 

*) Nach der Geschichte des 1. Infanterie-Regiments, 87, wäre das ganze 
Leibregiment am 17. über Kastei nach Neumarkt marschiert. 

Die 1. Brigade war am 15. Dezember stark: Effektiv 4852 Mann, zum Aus- 
rücken 3892 Mann (Sollstand: 6535 Mann.) 

Man ging damals mit dem Plan um, eine Pionier-Compagnie zu er- 
richten. Ein desfallsiger Befehl vom 15. Dezember wies die Brigade Nogarolla 
an, hierzu 1 Lieutenant, 4 Unteroffiziere und 46 Gemeine vorzuschlagen. Dem- 
gemäfs sollte abstellen: 

Das Bat. Kurprinz 1 Unteroffizier und 10 Mann, 
„ Wilhelm 1 „ „ 12 „ 

« Pius 1 „ „ 12 „ 

Regt. Preysing 1 „ _„ 12 „ 

Der Ingenieur-Lieutenant Schimper wird als Lieutenant vorgeschlagen. Weitere 
hierauf bezügliche Notizen wurden nicht aufgefunden. Es scheint heim Projekt 
geblieben zu sein. 

**) Kavallerie-Brigade am 15. Dezember: 
Minucci-Kürassiere 4 Schwadronen. Zum Ausrücken 602 Mann 584 Pferde. 
Komb. Dragoner-Rgt. 4 „ 602 „ 584 „ 

Chevaulegers 2 301 ^ 292 „ 

10 Schwadronen. T505 Mannl460 Pferde. 

Im Depot: 638 Mann und 135 Pferde. 



— 119 — 

Kürassiere kommen auf die Strafse Neumarkt-Mühlhausen und unter- 
halten die Verbindung mit dem Major Schmidt in der Richtung 
auf Hilpoltstein und Heideck; dieselben nehmen ihre Posten auf 
der Strafse gegen Beilngries, so nahe an der Altmühl als es nötig 
sein wird, um mit den Vorposten des Detachements Hemau auf 
gleiche Höhe zu kommen. Zu Hemau verbleiben, wie bereits ge- 
sagt, 2 Bataillone, 2 Schwadronen Chevaulegers und 1 Schwadron 
österreichische Husaren. 2 Schwadronen Dragoner unter Oberst 
Graf Preysing kommen nahe an Stadtamhof an die Strafse nach 
Regenstauf; die übrigen 2 Schwadronen Dragoner unter Oberst 
V. Zedtwitz bleiben bei Sulzbach mit der Bestimmung, durch starke 
Patrouillen stets die Verbindung mit der Kolonne des Feldmarschall- 
Lieutenant Simbschen zu unterhalten; ferner sind durch ein angemessenes 
Streif-Kommando, unter der Leitung eines besonders thätigen und 
geschickten Offiziers, während der Vorrückung des gedachten Peld- 
marschall-Lieutenants über Velden in der Richtung auf Betzenstein 
und Gräfenberg, bestimmte Nachrichten von den Ereignissen und 
feindlichen Bewegungen einzuholen, welche auf der Strafse Nürnberg- 
Bayreuth wie auch im Wiesentgrund und auf der Strafse Bamberg- 
Bayreuth vorkommen könnten. 

Am 18. wurde Augereau, welcher mit der Division Barbou 
Nürnberg und das Pegnitzthal bis Lauf und durch die Division 
Duhesme Neunkirchen am Brand, Gräfenberg, Neuhof, Forchheim 
und Bamberg besetzt hatte, angegriffen und gezwungen, wieder 
hinter die Reguitz zurückzugehen. Am 19. stand Simbschen auf 
der Linie Neuhof-Lauf. Klenau, dessen Angriff des feindlichen 
rechten Flügels auf der Linie Altdorf-Fischbach-Nürnberg fehl- 
geschlagen, zog sich am 20. nach Lauf, um den linken Flügel 
Simbschens bei seinem Angriff auf Neunkirchen zu decken. Simbschen 
wurde jedoch von Duhesme bei Bschenau angegriffen und mufste 
den Franzosen Neuhof und die Höhen von Gräfenberg überlassen. 
Am 21. wurde hinwieder Duhesme von Simbschen kräftig angefallen, 
Neunkirchen genommen und die Franzosen zum Rückzug genötigt. 
Barbou und Duhesme zogen sich an das linke Regnitzufer nach 
Vach und Forchheim. Die Österreicher rückten bis an das rechte 
Regnitzufer vor, so dafs dieser Flufs beide Parteien von einander 
trennte. Die »Kontingents-Brigade« besetzte am 19. Lauf, wo sie 
auch verblieb als Klenau dort eintraf. Am 21. stand das Bataillon 
Weichs bei Kunhofen und Bartels hatte am 22. sein Quartier in 
Forth. Er besetzte hierauf Lauf und Nürnberg.*) 

*) Am 16. Dezember war die Brigade Bartels stark; 



— 120 — 

Herzog Wilhelm war am 19. in Neumarkt eingetroflen; er traf 
dort noch die Artillerie-Reserve Klenau's und viele blessierte Öster- 
reicher und Franzosen. Oberst Gaugreben hatte am 20. mit dem 
1. Bataillon des Regiments Preysing Regensburg besetzt. Bis zum 
21. Dezember betrug der Verlust beim »Auxiliar-Corps« nur jene 
3 Chevaulegers , die mit ihren Pferden gefangen worden waren.*) 
Nach der Niederlage Klenau's fafste Herzog Wilhelm seine Situation 
so auf: »La position actuelle dans ce cas-lä ne serait pas tenable 
et je n'attends que des nouvelles ulterieures qui anoncent assez 
surement ce que deviennent les generaux autrichiens pour prendre 
mon parti.«**) 

In der Nacht zum 20. Dezember hatte Rittmeister Scheibler, 
bei dem sich ein Detachement von 2 Offizieren und 60 Chevaulegers 
befand, den Feind in Ellingen überfallen und 1 General-Adjutant, 
1 Dragoner- und 1 Husaren- Offizier, ferner 20 Gemeine zu Ge- 
fangenen gemacht und 51 Pferde mit . Sattel und Zeug erbeutet. 
Die Dunkelheit der Nacht war Ursache, dafs Scheibler nicht das 
ganze Kommando zu Gefangenen machen konnte, da sich viele 
Franzosen versteckt, und bei der Nähe der feindlichen Infanterie 
zum Aufsuchen keine Zeit übrig blieb. Der Husaren-Offizier »hat 
die Niedrigkeit gehabt, ungeachtet seines gegebenen Ehrenwortes, 
zu entweichen.« Über die Teilnahme der Chevaulegers sagt Scheibler: 
»Beide Herren Offiziere der Chevaulegers, die Herrn v. Podewils und 
Meurer, haben sich bei dieser Gelegenheit besonders mit ihrer 
Mannschaft distinguirt und ich wage es defsfalls, solche Euer Durch- 
laucht gnädigst zu rekommandiren.« Die erbeuteten Karabiner 
überliefs Scheibler den Chevaulegers »und ich hoffe sie baldigst ganz 



Feldjäger-Bataillon Salern, 1 Bataillon, 5 Compagnien, 880 Mann, 47 Pferde, 

Bataillon Weichs, 1 Bataillon, 5 Compagnien, 798 Mann, 57 Pferde, 

Bataillon Pius, 1 Bataillon, 5 Compagnien, 847 Mann, 54 Pferde. 

Die Brigade erhielt zur Bespannung der Kanonen und Munitionswagen 72 Pferde 
und 24 Knechte. 

Als Ordonnanzen waren ihr 3 Gemeine vom Dragoner-Regiment Taxis zugeteilt. 

Der Stab der Brigade bestand aus: 1 Generalmajor, 1 Adjutant, 1 Feld- 
kriegskommissär, 1 Kontrolleur, 1 Aktuar. K.-A. 1800 IX— XII. 

*) „Dans les diflf^rentes affaires d'avant-postes auxquels les troupes de V. A 
E. ont pris part jusqu'ici nous n'avons perdu que trois chevaulegers, pris avec 
leurs chevaux." Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Neumarkt, 21. Dezember. 
Geh. St.-A. Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 

**) Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Neumarkt 21. Dezember. Geh. St.-A. 
Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 



— 121 — 

so armirt zu haben.«*) Das wäre freilich sehr erwünscht ge- 
wesen. 

Leider wurden die Chevaulegers schon am 20. Dezember ein- 
berufen, und ihnen so jede fernere Gelegenheit benommen, sich unter 
Führung des trefflichen Scheibler im Parteigängerdienst auszubilden. 
Auch der Ordonnanzkurs, der das Stabsquartier des Herzogs mit jenem 
Simbschen's verband, wurde eingezogen. Kurz, es geschah eben 
nur so viel, um nicht den Vorwurf der Unthätigkeit auf sich zu 
laden. 

Oberst v. Zedtwitz mufste mit 2 Schwadronen Dragoner nach 
Neumarkt abrücken. 

Zu dieser Zeit, 20. Dezember, war die Einteilung der Brigaden 
folgende : 

1. Tnfanterie-Brigade: 

1. Bataillon vom Leibregiment, Kurprinz, Herzog Pius, Weichs, 
Morawitzky, Salern. 

2. Infanterie-Brigade: 

2. Bataillon vom Leibregiment, Junker, Herzog Wilhelm, Re- 
giment Preysing, Legion, 2 Schwadronen Dragoner, ein Teil der 
Artillerie-Reserve : 2 zwölf und 4 sechspfünder Kanonen und 2 sieben- 
pfünder Haubitzen. 

Kavallerie- Brigade: 

Kürassier-Regiment Minucci, 4 Schwadronen; 2 Schwadronen 
Dragoner und 2 Schwadronen Chevaulegers. 

Artillerie- Reserve: 

Rest: 2 zwölfpfünder Kanonen und 2 siebeupfünder Haubitzen. 
Am 24. Dezember erhielt Herzog Wilhelm vom Kurfürsten folgende In- 
struktion: 

„1. Vous Tous preterez ä toutes les Operations qui pourront contribuer a 
affaiblir Tennemi et par consequent assurer soit directement soit indirectement 
les frontieres du haut Palatinat, ainsi qu'ä recouvrir la Baviere, pourvu que, 

2. le plan pour le but comme pour les moyens aient ete prealablement con- 
certes avec vous, de la maniere determinee par la Convention du 15 juillet. 

3. Vous pourrez meme depasser sans aucune difficulte les frontieres et usant 
ä cet egard de la faculte que me laisse l'article 3 de la dite Convention. Je ne 
sais aucune difficulte d'y consentir d'avance, pourvu que vous ne vous avanciez 
pas ä un point qui change entierement la destination primitive du corps, en vous 
ecartant trop des limites du pays, soit ä la poursuite de l'ennemi, soit pour quel- 
qu'autre vue, qui vous portät soit avant dans la Franconie et vers le Spessart. 

4. Le Corps restera reuni et agira en masse, autant que les circonstances le 



*) Rittmeister Scheibler an Herzog Wilhelm, Heideck am 20. Dezember. 
Geh. St.-A. Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 



— 122 — 

permettront; je m'en rapport pour les detachements qui seront necessaire ä ce 
que je vous ai mande lä dessus dans ma depeche du 2. 

5. La brigade du general Bartels sera cense faire partie du corps auxiliaire 
et restera en activite de service avec lui."*) 

Aus Neumarkt den 24. und 25. Dezbr. schilderte Herzog Wilhelm die Situation 
wie folgt (24): „Le general Nogarolla est a Katiabonne — que le general Walther 
a quitte pour defendre le Danube inferieure avec son tres faible corps — avec 4 
de DOS bataillons et deux escadrons. Le reste de notre corps est entre Hemau, 
ifi (Neumarkt) et Postbauer. Le retour de Ms. de Prohaska et Hope me mettra 
d'ici a demain matin en etat d'apprendre ä V. A. E. le partie auquel les generaux 
autrichiens se seront decides et je laisse ma lettre ouverte jusque-lä. Peut-etre 
aurai-je meme alors a Vous faire rapport d'une passage du danube au dessus de 
Eatisbonne, si non effectee au moins tente par Fennemi. (25) La demonstration a 
ete faite effectivement ä Postsaal et l'attaque serieuse de Eatisbonne ne tardera 
pas, puisque d'apres un rapport du general Nogarolla de 11 % t. l'avantgarde 
fran5aise etait dejä en vue de la ville et la force de l'ennemi se trouvait dans 
le bois d'Abach. La defense du Danube lui (Klenau) est encore delegue; je 
crains qu'il n'y vienne trop tard. Notre lot ä nous doit etre entre Schwandorf 
et Eötz."**) 

Die Disposition für das »kurpfalzbayerische Auxiliar-Corps« vom 
24. Dezember bestimmte folgendes: General Nogarolla begiebt sich 
sofort nach Regensburg — er war schon am 19. in Stadtamhof 
eingetroffen — und übernimmt von dem österreichischen General- 
major Walther jene Posten, welche zur Verteidigung von Regeusburg 
und des rechten Donauufers in der Richtung gegen Straubing dienen. 
Zu diesem Zweck werden dem Generalmajor Nogarolla das Bataillon 
Herzog Wilhelm, die Legion und die 2 Bataillone Preysing nebst 
2 Schwadronen — welche zwischen Hemau und Etterzhausen dis- 
lociert sind — überlassen. Diese Abteilungen hat derselbe, mit 
Ausnahme des Regimentes Preysing — welches sich schon in 
Stadtamhof und Regensburg befindet — sofort in Marsch auf 
Stadtamhof zu setzen und solche nach einer mit dem Generalmajor 
Walther zu treffenden Übereinkunft, sobald als möglich ihrer Be- 
stimmung zuzuführen. General Walther wird ersucht werden, nur 
soviel von seiner Kavallerie aus der Gegend von Regensburg weg- 
zuziehen, als durch die 2 Schwadronen Dragoner ersetzt werden 
kann; der übrige Teil wird bis auf weiteres noch bei seiner gegen- 
wärtigen Bestimmung bleiben und unterdessen an Nogarolla gewiesen 
worden sein. Als Soutien des Postens von Hemau marschiert das 
Bataillon Salern von Batzhausen nach Beratzhausen. Oberst Serego 
hat dafür ein Bataillon als Ersatz von Postbauer nach Batzhausen 
zu schicken. Oberst Zedtwitz wird mit 2 Schwadronen Dragoner 



*) Geh. St.-A. Korrespondenz mit Herzog Wilhelm 1800. 
**) Geh. St,-A, Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 



— 123 — 

gleichfalls zur Unterstützung des Hemauer Postens einstweilen nach 
Dafswang abrücken, von wo derselbe näher an Hemau herangezogen 
werden kann; er hat sich deshalb mit Oberst Ow zu verständigen. 
Die übrigen Abteilungen blieben in ihren bisherigen Kantonierungen 
und Bestimmungen. 

Die Befürchtungen wegen Regensburg waren begründet, denn 
die Division Souham vom »niederrheinischen Corps« Sainte-Suzannes, 
war, als Elena a von der Altmühl sich entfernt hatte, an das rechte 
Donauufer gegangen, und näherte sich Regeusburg. Am 24. bei 
Pentling stehend, drangen die Franzosen am 25. unter dem Schutze eines 
dichten Nebels gegen Prühl vor. Vollständig überrascht, jagten die 
vorgeschobenen Kavallerieposten, darunter Bamberger Dragoner, auf 
dem Fufse von französischen Jägern zu Pferde verfolgt, gegen die 
Stadt zurück. Glücklicherweise hatte 'die Wache am Jakobsthor, 
welche das Regiment Preysing abgestellt, noch so viele Geistes- 
gegenwart, das Jakobsthor vor den verfolgenden Franzosen zu schliefsen 
und diese vom Walle aus durch Feuer zurückzutreiben.*) Der 
Angriff, den die Franzosen auch auf das Peterthor unternahmen, 
wurde durch die 2 Geschütze des Legions-Bataillons abgewiesen. 
Auf dem Glacis vor der Barriere des Petersthores stehend, liefs 
Lieutenant Halder auf Befehl des Bataillons - Commandeurs, 
Oberst v. Massenbach, die feindlichen Jäger bis auf 50 bis 
60 Schritte herankommen. Mit 2 Kartätschen- und 2 Kanonen- 
schüssen begegnete er der gegen die Schanze ansprengenden Ka- 
vallerie mit so gutem Erfolg, dafs dieselbe in grölster Unordnung 
in weniger als zwei Minuten aus den Augen verschwunden war. 
Der Feind zog sich an den Fufe des Galgenbergs zurück, verfolgt 
von den Piänklern der 4. Compagnie (Hauptmann Schweigert) des 
Legionsbataillons. Die Geschütze behaupteten ihre Stellung auf dem 
Glacis bei der Schanze am St. Petersthor.**) Den Gang der Er- 
eignisse, wie sich dieselben am 25. Dezember in Regensburg ab- 
spielten, hat Nogarolla in einem Bericht an Herzog Wilhelm in 
folgender Weise geschildert:***) 

„ . . . Die k. k. Vorposten wurden zurückgedrängt, bis in dieselbe (Stadt), 
worauf die auf den Wällen und Bastions stehende Infanterie, bestehend aus dem 

*) Die gute Haltung, welche Offiziere, namentlich Lieutenant Fabris, und 
Mannschaften des Eegiments Preysing in diesem wirren Durcheinander behaupteten, 
veranlafst die Geschichte dieses Regiments (Gerneth, 600) den 2b, Dezember, „einen 
Ehrentag des Eegiments" zu nennen. 

**] Schrettiuger, der k. b. Militär-Max-Josephorden, 337, 338. 
***) Regensburg, 25. Dezember Abends 8 Uhr. Geh. St.-A. Korrespondenz 
mit Herzog Wilhelm, 1800. 



— 124 — 

Regiment Preysing und der Legion, sowohl mit kleinem Gewehr als mit Kanonen 
4 bis 5 Stunden anhaltend feuerte. Während dieser Zeit übersandte der Feind 
einen Trompeter mit der Erklärung, dass die Stadt angezündet werden sollte, 
wenn nicht gleich von unsrer Seite zu feuern aufgehört würde. Um nun Zeit zu 
gewinnen, verweilte man, den Trompeter zu sprechen. Allein derselbe, des 
Wartens überdrüssig, kehrte ohne weiteres wieder zurück. Indes wurde nach 
dessen Entfernung sogleich der Hauptmann vom Preysing'schen Eegiment, Graf 
Stralenheim zum französischen Vorpostengeneral abgeschickt, um von demselben 
das eigentliche Verlangen des feindlichen Trompeters zu erfahren. Hierauf brachte 
benannter Herr Hauptmann von feindlicher Seite folgende Äusserung': dass der 
feindliche Vorpostengeneral von seinem Divisions-Kommandeur Befehl hätte, Eegens- 
burg einzunehmen, es möge kosten, was es wolle. Demzufolge wurde durch 
den nämlichen Hauptmann von Stralenheim folgende Rückantwort wieder zurück- 
gesendet, dass: sowohl in Anbetracht der hochansehnlichen hiesigen Gesandtschaft 
als auch zur Schonung der Stadt, man nicht entfernt wäre, die Stadt zu räumen, 
wenn anders solche nicht neutral erklärt und von feindlicher Seite ebenfalls nicht 
besetzt würde. Der feindliche Vorpostengeneral äusserte sich zwar, dass er glaube, 
dass dieses Begehren keinen Anstand finden werde; da aber Alles von seinem 
Divisionsgeneral abhänge, so wolle er an denselben das Weitere berichten. Bald 
darauf übersandte der Divisionsgeneral Souham die schriftliche Erklärung: dass 
er dem Verlangen nach Neutralität der Stadt nicht beipflichten könne, sondern 
bloss die Räumung der Stadt Regensburg vorgeschlagen hätte, um das Unglück 
für die Stadt zu vermeiden. Uebrigens, dass es ein Vortheil für die Stadtbewohner 
wäre, wenn die französischen Truppen Regensburg besetzten, dann auch, dass er 
seine Vorposten an sich ziehen würde, indess die Unsrigen vorpoussiren könnten. 
Während der Kanonade hielt die hiesige Gesandtschaft beim sächsichen Minister 
Konferenz, dessen Erfolg der war, dass General Walter und mir die Stadt bestens 
empfohlen wurde; da ein gleiches vom hiesigen Stadtmagistrat geschah, so be- 
schlossen wir, sowohl von Seite der Stadt (auch von Seite der neutralen Mächte 
Dänemark und Preussen) Abgeordnete, wie nicht minder ein Individuum der 
k. k. Gesandtschaft, dann den Hauptmann von Stralenheim, als eine Deputation, 
an den französischen Divisionsgeneral abgehen zu lassen, um die bestmögliche 
Kapitulation der Stadt Eegensburg hiermit zu erzwecken. Indess erklärte ich 
dabei feierlich, dass, nachdem alle Truppen bis auf wenige k. k. Vorpostenmannschaft, 
lauter kurfürstliche Truppen sind, ich nur die Kapitulation imterzeichnen werde, 
wenn nicht die Brücke und dann Stadtamhof unter honorablen Bedingnissen mit 
inbegriffen wäre. Schliesslich solle noch beifügen, dass das Bataillon Herzog 
Wilhelm in Stadtamhof eingerückt sei, und dass ich 100 Mann mit einiger Dra- 
gonermannschaft an das linke Donauufer, zwischen Regensburg und Kelheim, 
ausgestellt habe, um von einem allenfallsigen Uebergang der Donau bei Zeiten 
avisirt zu sein, um nicht im Rücken genommen, zu werden. Die Mannschaft 
bleibt heute die ganze Nacht auf den Wällen, welche auch den ganzen Tag hindurch 
ihre Schuldigkeit aufs beste gethan haben, und worunter der Hauptmann Schweiger 
von der Legion mit dem grössten Theil seiner Compagnie vorzüglich ausgezeichnet 
hat. Wie nicht minder der Korporal Schramel, ebenfalls von der Legion, der 
mit 16 Mann vorwärts des obgedachten Hauptmanns, bis 80 Patronen mit dem 
besten Erfolg verfeuert, und standhaft unter dem feindlichen Feuer sich hielt. 
Ungeachtet viele feindliche Kugeln die Mannschaft auf den Wällen und Bastionen 
beunruhigten, so haben wir doch auf unserer Seite weder Todte noch Verwundete. 



— 125 — 

Dagegen wurde von den Kaiserlichen 1 Major, 1 Eittmeister und der grösste 
Theil ihrer Kavallerie vom Feinde gefangen," Die Zufriedenheit des Kurfürsten 
theilte Nogarolla den betheiligten Truppen mit:*) „Da seine Kurfürstliche 
Durchlaucht Ihre ganz besondere Zufriedenheit über das Benehmen und den Muth, 
welchen die in Eegensburg, unter meinem Kommando befindlichen Truppen vom 
ersten Offizier an bis zum letzten Gemeinen am 25. Dezbr. abgewichenen Jahres 
bewiesen, zu bezeigen geruht haben, so säume ich nicht, dem Regiment Preysing 
sowohl als der Legion, diese höchste Zufriedenheit mit dem Anhange bekannt zu 
machen, dass auch ich allen Herren Offizieren vom Oberst abwärts, sowie der ge- 
sammten Mannschaft meinen verbindlichsten Dank für ihre an diesem Tag bewiesene 
Tapferkeit und Eifer, womit jedes Individuum beseelt war, zu erstatten nicht 
verfehle," 

Am 26. Dezember kam eine Kapitulation zu Stande, derzufolge 
Österreicher und Bayern Stadtamhof, die Franzosen dagegen Regens- 
burg mit der Verbindlichkeit besetzten, der Reichsversammlung, sowie 
den Einwohnern Schutz und Sicherheit zu gewähren.**) 

Feldmarschall-Lieutenant Klenau, welcher am 26. Dezember in 
Neumarkt diese Neuigkeit erfuhr, eilte über Hemau nach Stadtamhof, 
wo er am 28. eintraf.***) 

Am 28. Dezember erging der Befehl, den General Nogarolla 
mit 4 Bataillonen und 2 Schwadronen bis auf weiteres noch als 
Soutien Klenau's zu Stadtamhof zu belassen. Das 5. Bataillon dieser 
Brigade stehe in Bonholz »peut-etre eu peu d'heures attire ä lui 
par son brigadier et forme en attendant la communication entre la 
dite brigade et la premiere, et que le sixieme bataillon est encore 
en arriere d' Amberg.« 

Nach einer neuen Dislokation kam der Stab der 1. Brigade f) 
nach Fromberg, jener der 2. Brigade nach Burglengenfeld , jener 

*) Dato Regenstauf, 3. Januar 1801. 

**) Die Kapitulation ist unterzeichnet von dem österreichischen Generalmajor 
Walther, dem bayerischen Generalmajor Graf Nogarolla und auf Befehl des fran- 
zösischen Divisionsgenerals Souham von dem Bataillons -Chef und Generaladjutanten 
Guichard. 

***) „Le general Klenau a appris cette nouvelle ici; il est en pleine marche 
pour retourner sur le Danube. Mon corps Test dejä en partie, il le sera demain 
en entier pour la direction." Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Neumarkt 
26. Dezember. Herzog Wilhelm wollte am 27. in Kastei und am 28. in Schwarzen- 
feld oder Schwandorf eintreffen. 

t) Am 28. marschierte das Leibregiment von Amberg in das Biwak bei 
Seh Warzenfeld a. d. N. „in dem mehrere Tage trotz Nässe und Schnee geblieben 
wurde." Die Folge davon war, da die Mannschaft auch ohne Mäntel, ein enorm 
hoher Krankenstand, wie denn überhaupt in diesem Jahre das Regiment sehr viele 
Mannschaft durch den Typhus verloren hatte. Geschichte des 1. Infanterie- 
Regiments, 87. „Man probirte das Brownische System und gab dem Soldaten, so 
viel Wein zu trinken, bis sie betrunken den Geist aufgaben. Die Soldaten mufsten 
den Wein wider Willen trinken." MaiUinger, Tagebuch. 



^- 126 — 

der Kavallerie- Brigade uach Theuern und die Corps-Artillerie nach 
Freihöls und Pressath. 

Simbschen hielt noch am 28. einen Angriff der Franzosen aus, 
zog sich aber dann freiwillig nach Hersbruck, indefs die bayerische 
»Kontingents-Brigade« noch bei Lauf stehen blieb. Von dieser Brigade 
war an diesem Tage nur das Bataillon Salern (Major Lessei) zum 
Schufs gekommen ; es verlor an Unteroffizieren und Soldaten 1 Mann tot, 
6 blessiert und 11 gefangen.*) Die »Kontingents-Brigade« »a quitte 
Sans difficulte ni objection le general Simbschen, d'apres la noti- 
fication officielle que j'ai fait au dit general que je rappellais.«**) 
Sie marschierte nach Kemnath: Brigadestab und Bataillon Salern, 
Erbendorf: Weichs und Waldsassen: Pins. 

Augereau ging wieder an das rechte Regnitzufer, und setzte 
sich in den Besitz von Nürnberg, Lauf und Gräfenberg. Das 
»Auxiliar-Corps« war, sowie Klenau aufgebrochen, hinter die Naab 
zurückgegangen.***) Am 30. Dezember lag der Stab der 1. In- 
fanterie-Brigade in Sulzbach, jener der 2. in Burglengenfeld, jener 
der »Kontingents-Brigade« in Weiden, die Corps- Artillerie in Nabburg. 
Am 2. Januar 1801: Stab des Corps in Amberg; 1. Infanterie- 
Brigade: Sulzbach; 2. Infanterie-Brigade: Burglengenfeld; »Kontin- 
gents-Brigade« Kemnath; Kavallerie Brigade : Weiden; Corps- Artillerie: 
Nabburg u. s. w. 

Der Waffenstillstand zu Steyer, geschlossen am 25. Dezember, 
stellte die ferneren Operationen ein. Die Demarkationslinie der 
gallo-batavischen Armee durchzog den westfälischen, oberrheinischen 
und fränkischen Kreis bis Baiersdorf, von wo sie über Erlangen, 
Nürnberg^ Neumarkt, Parsberg, Laber, Stadtamhof nach Regen?burg 
lief, hier die Donau passierte und sich an die schon weiter oben 
angegebene Hauptlinie anschlofs. 

Am 10. Januar 1801 befahl der Kurfürst die Vereinigung sämt- 
licher bayerischer Truppen unter dem Kommando des Herzogs 
Wilhelm, sowie die schon erwähnte Bildung eines Kriegsrates in 
Amberg behufs vorzunehmender Reformen. 

Das Vorhaben des Herzogs Wilhelm, die ganze Oberpfalz mit 



*) „Elle avait eu dans la journee du 28 un mort, six blesses et 11 prison- 
niers tous bas-officiers et soldats et du bataillon de Lessei, le seul qui ait dcnne." 
Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Amberg, 3. Januar 1801. Geh. St.-A, Kor- 
respondenz mit Herzog Wilhelm. 

**) Herzog Wilhelm an den Kurfürsten, Amberg 3. Januar 1801. Geh. St.- 
A. Korrespondenz mit Herzog Wilhelm. 

***) Österr. milit. Zeitschrift, 4, 215, 216. 



— 127 — 

seinem Corps zu besetzen, »damit den k. k. Truppen keine Gegend 
übrig sei, in diesseitigen Landen Kantonierungsquartiere zu ver- 
langen*), schlug gänzlich fehl. Es geschah zwar alles mögliche, 
um dieses zu verhüten. Nachdem eine lebhafte Korrespondenz zum 
erwünschten Ziele nicht führte, wurde General Wrede zum Erzherzog 
Karl geschickt — aber Alles umsonst. 

Nachdem die »Subsidien-Division« in der Oberpfalz eingetroffen 
und unter die Befehle des Herzogs Wilhelm getreten war, bildete 
sich das bayerische Corps aus 5 Infanterie-, 1 Kavallerie- und 
1 Artillerie -Brigade.**) Der Regimentsverband bei der Infanterie, 
seit 18. März 1799 aufgelöst, wurde wieder hergestellt. Die Stärke 
der Armee betrug 28,821 Mann und 2468 Pferde »so dafs nun 
wirklich nach Verhältniss des Landes eine Armee vorhanden war, 
welche inmitte des Krieges geschaffen worden war.« 

Am 26. Januar wurde die Armee auf Friedensfufs gesetzt, 
nachdem sie bereits am 1. Januar aus englischer Verpflegung ge- 
treten war. 

Infolge des Luneviller Friedens verliefsen die Franzosen Bayern. 
Am 12. April mufsten sie München geräumt haben. 

Ende März und Anfangs April setzten sich die bayerischen 
Truppen nach ihren ^'riedensgarnisonen in Bewegung.***) In der 
Oberpfalz blieben, unter dem Kommando des mittlerweile aus der 
Gefangenschaft zurückgekehrten Generalmajor v. Deroy, mit dem Sitze 
in Amberg, zur Sicherung der Einwohner gegen Bedrückungen 
zurück: 1 Bataillon Morawitzky, 1 Bataillon Junker, 1 Bataillon 
Weichs; 2 Compagnien Preysing und 2 Schwadronen Dragoner, 
ferner die zwei leichten Bataillone Metzen und Preysing und die 
Bataillone Buseck, Lamotte, Schlofsberg und Zoller. 

Bereits am 8. April hatte Moreau und am 10. die Division 
Decaen, welche Tags vorher in München einmarschiert war, diese 
Stadt verlassen, in welcher die Franzosen 9 Monate und 15 Tage 
gewesen. Vom Anfang bis zum Ende hatte Moreau seine edle, 
weise und uneigennützige Gesinnungsart bewahrt. Er machte die 
Regierung auf die Notwendigkeit einer Überwachung jener Übel- 



*) Gerneth, 602. 
**) Siehe BeUage 2 etc. 
***) Leibregiment, Kurprinz, Kürassi er-EegimentMinucci und gesamte Artillerie 
München; Morawitzky Neuburg; Junker Amberg; Herzog Wilhelm Landshut; 
Preysing Ingolstadt; Herzog Pius Burghausen; 1. Bat. Salem Rosenheim, 2. Bat. 
Salem Traunstein; Weichs Straubing; Dragoner Neumarkt; Chevaulegers Triftem 
und Plattling. 



— 128 — 

gesinnten aufmerksam, welche sicli mit verräterischen Anträgen ihm 
genähert hatten, ohne gleichwohl dieselben nennen zu wollen. Auf 
Grund dessen, sowie anderweitig eingezogener Erkundigungen wurden 
Nachforschungen eingeleitet, welche zu manchen Entdeckungen 
führten; allein die im Friedensvertrag ausbedungene allgemeine 
Amnestie gab Anlafs, dieselben fallen zu lassen. Der französische 
Obergeneral hätte bis zu seinem wirklichen Abzug auf Kosten des 
Landes leben, auch Requisitionen und Kontributionen forterheben 
können, allein er wollte vom Tage der Unterzeichnung des Friedens 
an nichts mehr für sich annehmen. Eine so seltene Handlungsweise 
verdient in der That zur Erinnerung aufgezeichnet zu werden.*) 

Am 12. April Morgens war bereits ein Detachement vom 
Regiment Kurprinz in München eingerückt, dem am Nachmittag 
Herzog Wilhelm mit seinem Stabe und dem ganzen Regiment 
Kurprinz folgte. Am 13. trafen das Leibregiment und das Kürassier- 
Regiment Minucci in München ein. Am 14. hielt der Kurfürst 
»ä la grande joie et conteutement de toute la ville« seinen feier- 
lichen Einzug. Am 15. wurde die Demobilisierung ausgesprochen 
und die Beurlaubung von Vs der Mannschaft verfügt. Mit diesem 
Tage legte Herzog Wilhelm das Kommando nieder, welches am 
17. April der Kurfürst persönlich übernahm. . 

Als Eekapitulation dessen, was im Lauf des Jahres 1801 für Bayern geschehen 
war, wird in den Memoiren des Grafen von Montgelas folgendes bemerkt: 

„Es war gelungen, im Frieden von Luneville die zum Nachtheil Bayerns in 
Campoformio getroffenen • Bestimmungen bis auf die letzte Spur zu beseitigen. 
Seiner Integrität versichert, konnte es von nun an Gebietsverluste wenigstens 
nur mehr mit Zustimmung der eigenen Kegierung erleiden. Es war ferner ge- 
lungen, Frankreich nicht nur zu versöhnen, sondern sich auch seiner Unterstützung 
zu versichern, und stand nicht zu befürchten, dass die Ausbrüche revolutionärer 
Beredsamkeit, welche einzelne Tribuuatsmitglieder gelegentlich der Diskussion 
über die Eatifikation unseres besonderen Friedensvertrages sich erlaubt hatten, der 
wirklichen Gesinnung des ersten Konsuls entsprechen könnten oder seine Handlungs- 
weise beeinflussen würden. Von der wohlwollenden Gesinnung Kusslands lagen so 
bestimmte Versicherungen vor, als man sie eben bei der damaligen Lage dieses 
Eeiches erwarten durfte. So war denn mit Herstellung eines bestimmten poli- 
tischen Systems in Mitte vielfach verschlungener Ereignisse begonnen worden, 
welches beim Regierungsantritt des Kurfürsten Maximilian Joseph gänzlich fehlte. 
Unsere so höchst wichtige Stellung gegenüber der österreichischen Monarchie hatte 
sich gleichfalls würdevoller und folgerichtiger gestaltet, als das bisher der Fall 
gewesen war. Eine früher gar nicht vorhandene Armee war mit Mitteln des Aus- 
landes geschaffen worden und zählte bereits 28 000— 30 000 Mann. Den Generalen und 
übrigen Offizieren fehlte es fernerhin so sehr an Erfahrung, dass in einem beim 
Anzug der Franzosen i. J. 1800 unter Vorsitz des Herzogs Wilhelm in Bayern ab- 



*) Memoiren des bayer. Staatsministers Graf Montgelas (Manuskript). 



— 129 — 

gehalteneu Kriegsrath dreizehn hochgestellte Offiziere ein Gutachten unterzeichneten, 
welches dahin lautete, alle Trui)pen-Corps in München zu vereinigen, die Stadt- 
thore zu schliefsen und zu verrammeln, dann aber den Feind zu erwarten, um zu 
kapituliren. Nunmehr hatten sie angefangen, sich auszubilden und die mangelnde 
Kriegsübung zu gewinnen. Das Subsidien-Korps hatte sich bei jeder Gelegenheit 
ausgezeichnet und war häufig au die gefährlichsten Posten, stets mit günstigem 
Erfolg, gestellt worden. Weniger that sich allerdings das Eeserve-Korps hervor. 
Die übergrosse Vorsicht seines Oberbefehlshabers Hess ihn manche Gelegenheit 
zu wirksamem Eingreifen versäumen und bereitete dem Muth der Soldaten und 
dem treiflichen Geist der Offiziere vielfache Hindernisse.*) Er beharrte mitunter 
zu ängstlich dabei, die Landesgrenze nicht zu überschreiten, selbst um das Gebiet 
von Bundesgenossen zu schützen und zugleich dort Unterhalt für die Truppen zu 
finden, wie es denn namentlich eines bestimmten und wiederholten Befehles be- 
durfte, um ihn zum Eim'ücken in das Nürnberger Gebiet zu bestimmen. Auch 
im Subsidien-Korps fehlte es wohl nicht ganz an Misshelligkeiteu, Klagen und 
Anschuldigungen, infolge deren dem Obergeneral der nachgesuchte Eücktritt von 
seiner Stelle gewährt werden musste. Allein im Ganzen äusserten diese gering- 
fügigen Anstände auf das Gauze nicht die üble Wirkung, welche man allenfalls 
hätte befürchten können. Der gute Euf des bayerschen Kriegsheeres, der 
in den letzten Eegierungsjahren Karl Theodors so sehr gelitten hatte, 
fand sich vollkommen wieder hergestellt!" 



*) Hierzu mag wohl auch die militärische Unerfahrenheit des Geiieralquartier- 
meisters Riede beigetragen haben. 



130 — 



Beilage 1. 

Marschtableau der »Subsidien-Division« aus dem Österreichischen 
in die Oberpfalz, 30. Dezember 1800 bis 15. Januar 1801. 



Divisionsstab: Ottensheim; 30. Dezember in Neufelclen, am 31. Rohr- 
bach, 4, Januar Thyrnau, 5. Kirchberg, 6. Schönberg, 8. Regen, 10. Viechtach, 
11. Cham. 

Fufsjäger: St. Gotthard; 30. Arenreit, 31. Kolberschlag , 4. lUstadt, 
5. Saldenburg, 6. Kirchberg, 8. Rueraannsfelden, 10. Morsbach, 12. Wetterfeld, 
13. Stammsried. 

Bataillon Reu fs: Leonfelden; 29. Gramastätten, 30. Neufelden, 31. Rohr- 
bach und Götzendorf, 4. Obernzell, 5. Hals, 6. Engelburg, 8. Schlag, Eppenschlag 
und Kirchdorf, 10. Bodenmais, 12. Kötzting, 13. Fürth. 

Bataillon Hetzen: Puchenau; 30. Nieder-Waldkirch, 31. Öpping, 4. lU- 
stadt, 5. Dittling, 6. Mitternach und Schönberg, 8. Regen, 9. Aschberg und Bron- 
zell, 10. Drachselbried imd Arnbrück, 12. Neukirchen. 

Bataillon Minucci: Zwettel; 29. Walding, 30. Altenfelden, 31. Sarleins- 
bach, 4. Hals, 5. Trautraannsdorf und Backerding, 6. Eppenschlag und Kirch- 
dorf, 8. Zwisel, 10. Arnbrück, 12. Runding. 

Bataillon Stengel: Rading; 30. Helfenberg, 31. Haslach, 4. Jandels- 
brunn, 5. Perlesreut, 6. Innernzell, 8. Kiessing, Rinchnach und Schönanger, 
10. Pütersdorf u. R., 12. Kötzting. 

Bataillon Schlofsberg: Geng; 29. Walding, 30. St. Peter, 31. Haslach, 
4. Jandelsbrunn, 5. Perlesreut, 6. Grafenau, 8. Gemannsberg und Ober- und Unter- 
Aschberg, 9. Regen, 10. Viechtach. 

Bataillon Spreti: Michldorf, 30. St. Martin, 31. St. Ulrich, 4. Weg- 
schied, 5. Waldkirchen, 6. Perlesreut, 8. Innernzeil, 10. Bischofmais, 12. Rue- 
mannsfelden. 

Bataillon Pompei: Ottensheim; 30. Görling, 31. Neufelden, 2. Öpping, 
4. Griesbach, 5. Salzweg, 6. Fürsteneck, 8. Schönberg, 10. Regen, 12. Rueraanns- 
felden, 13. Zandt, 14. Ro ding 

Bataillon Buseck: Gramastetten; 30. Rothengang. 31. Altenfelden, 
2. Sarlingsbach, 4. Griesbach, 5. Leoprechting, 6. Dittling, 8. Mitternach und 
Eberhartsreut, 10. Kiessing, Rinchenach und Schwenanger, 12. Teisenach u. R., 
13. Mosbach, 14. Neu haus. 

Bataillon Dallwigk: Urfahrn-Linz, 30. Miehldorf, 31. St. Martin, 
2. Götzendorf, 4. Wegscheid, 5. Waldkirchen, 6. Haus, Fürth und Hasselbach, 
9 Schlag, Kirchdorf u. R., 10. March u. R., 12. Prackenbach u. R., 13. Rat- 
tiszell. 



— 131 — 

Bataillon Zoller, Urfahrn-Linz; 30, Walding, 31. St. Peter, 2. Peil- 
stein, 4. Griesbach, 5. Hutthurn, 6. Grafenau, 8. lanernzell und Schöfweg u. R, 
10. Deggendorf, 12. Bogen u. R. 

Bataillon Lamotte: Ürfahrn-Linz, 30. Ottensheim, 31. St. Martin, 
2. Altenfelden, 4. KoUerschlag, 5. Obernzeil, 6. Ruderding und Unter-Haselbach, 
9. Garham, 10. Hengersberg u. R., 12. Metten, 13. Bogen u, R., 14. Wiesen - 
felden und Wörth. 

Bataillon Preysing: Magdalena; 30. Pruchenau, 31. Nieder-Waldkirch, 
2. Rohrbach, 4. Wegscheid, 5. Hauzenberg, 6. Tiefenbach, 8. Dittling, 9. Aichach 
u. R., 10. Winzer, 12. Deggendorf, 13. Pfaffenmunster, 15. Donaustauf u. R. 

Chevaulegers-Regiment, Urfahrn, Weifsenstadt u, Freystadt, 
29. Haslach, Walding, Gallneukiichen , 30. Rohrbach, Landshag, 31. Peilstein, 
Arenreit, Ottensheim, 2. Kollerschlag, Neufelden, 4. Salzweg, Oberzell und Rohr- 
bach, 5. Grafenau, Neukirchen, Kollerschlag, 6. Regen, Trautmannsdorf und Gries- 
bach, 8. Deggendorf u. Schwarzach, 9. Schönberg, Hofkirchen, Win- 
dorf, 10. Hengersberg, 14. Regen. 

Reserve-Artillerie, Freistadt; 29. Gallneukirchen, 31. Walding, 2. Aren- 
reit, 3. Öpping und Rohrbach, 4. Aigen, 5. Wegscheid, 6. Hauzenberg, 8. Ilzstadt, 
9. Dittling, 11. Schönberg, 12. Regen, 14. Viechtach, 15. Cham. 



-0<r>0- 



31197 22385 9528 



— 132 — 



Beilage 2. 

Dislokation der bayerischeD Armee im Februar und März 1801. 



Abteilungen. 


20. Februar 1801. 


23. März 1801. 


Hauptquartier. 


Amberg 


Amberg. 


1, Brig:, G.-M. V. Gaza. 


Sulzbach 


Amberg. 


Leib-Regiment 2. Bataillone 


Amberg. Sulzbach. 


Amberg. 


In f. -Regiment Morawitzky, 2 Bat. 


Kastei. Illschwang. 


Kastei. 


„ Junker, 2 Bat. 


Hahnbach. Auerbach. 


Hahnbach. Auerbach. 


2. Brig.: G.-M. Gf. NogaroUa 


Burglengenfeld. 


Burglengenfeld. 


Inf.-Reg Kurprinz, 2 Bat. 


Burglengenf. Kaimünz 


Burglengenfeld. 


Herzog Wilhelm, 2 Bat. 


Regen- u. Donaustauf 


Regenstauf. 


„ Preysing, 2 Bat. 


Roding. Nittenau 


Nittenau. 


3. Brig.: G.-M. v. Bartels. 


Kemnath 


Arndorf. 


Inf.-Reg. Herzog Pius, 2 Bat. 


Waldsassen. Erbendorf 


Arndorf. Waldsassen. 


Fekljäger-Reg. Salern, 2 Bat. 


Kemnath. Grafenwöhr 


Kemnath. Grafenwöhr. 


4. Brig.: G.-M. v. Wrede. 


Schwarzenfeld 


Rotz. 


Bataillon Buseck 


Rotz 


Rotz. 


„ Schlofsberg 


Schwarzhofen 


Schwarzhofen. 


„ Lamotte 


Nabburg 


Schwandorf. 


Zoller 


Schwandorf 


Nabburg. 


5. Brig.: G.-M. v. Triva 


Cham 


Fürth. 


Inf.-Reg. Weichs, 2 Bat. 


Fürth. Eschelkamra. 
Runding 


Fiu-th. Runding. 


Feldjäger-Bataillon Metzen . 


Falkenstein 


Falkenstein. 


Preysing 


Wörth 


Wörth. 


Kav. -Brig.: G.-M. Gf. Tauff- 






kirchen 


Weiden 


Weiden. 


Kürassier-Reg. Minucci, 4 Esk. 


Rothenstadt. Neukir- 






chen. Flofs. Buch. 


Weiden! 


Komb. Dragoner-Reg., 4 Esk. 


Schönsee. Eslarn. Mos- 






bach. Pleystein 


Schönsee. 


Komb. Chev.-Reg., 2 Esk. 


Lauterhofen. Velburg 


Velburg. Lauterhofen. 


Komb, Chev.-Reg. von der Subs.- 


Oberaltaich. Viechtach. 


Oberalteich. Viechtach 


Div., 6 Esk. 


Kötzting. Schwarzach. 


Kötzting (w. a. 20/2.) 




Parkstetten. Wiesenfeld 


f 


Art.-Brig.: Oberst HaUberg 






Reserve- Artillerie 


Schnaittenbach 


Schnaittenbach. 


Park-Artillerie 


Waldmünchen 


Waldmünchen. 


Reitende Artillerie 


Cham 


Cham. 


Inf.-Art. der ehem. Subs.-Div. 


Pemfling 


Pemfling. 


Fuhrwesen der ehem. Subs.-Div. 


Ried 


Ried. 


Fuhrwesen 


V. Schwarzenfeld gegen 

Schwarzach u. Altendorf 

u. von Schwarzenfeld 

gegen Freihöls 


Schwarzenfeld. 


Spitäler 


Sulzbach. Tirschenreut. 

Waldau. Weidenbach. 

Reichenbach 


(wie am 20/2.).